27 Apr 2017

Quartalsauflagen 01/2017

Submitted by ebertus

Am Montag (24.04.2017) wurden die neusten IVW-Auflagenzahlen für gedruckte Medien veröffentlicht. Hier in Kürze eine Zusammenfassung nebst eigener Einschätzung.

Man muss sich wirklich fragen, auf welch hohem Niveau sich die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage vor einigen Jahren noch bewegten. Kontinuierliche Verluste und oft auch im zweistelligen Prozentbereich können eigentlich auf Dauer nicht gut gehen. Zumal das Digitalgeschäft (Paycontent) weiter vor sich hin dümpelt, es dazu kaum aussagefähige, belastbare Zahlen gibt.

Lediglich zur Eingrenzung genannt: Es geht hier primär um überregional aufgestellte Zeitungen und Zeitschriften von gesellschaftspolitischer Relevanz, mit einem überwiegend gesellschaftspolitischen Fokus. Sog. Lifstyle-Medien oder reine Brachnen- bzw. Fachmedien sollen hier nicht thematisiert werden. Ebenso wird lediglich die harte Auflage betrachtet und verglichen, also die aus Abonnement und Einzelverkauf. Sogenannte Bordexemplare und andere, oft kostenlos verteilte Werbeexemplare welche die gedruckte Auflage teilweise erheblich nach oben treiben, sie werden hier nicht berücksichtigt .

Vorab die Links auf das in Rede stehende Zahlenmaterial:

Tages- und Wochenzeitungen

Zeitschriften und Magazine

Insbesondere bei den Blättern aus dem Hause Springer geht es wiederum zweistellig bergab; was mancher politisch eher links orientierte Zeitgenosse mit gewissem Schmunzeln registrieren dürfte. But wait ... Das ND (Neues Deutschland) verliert mit fast 8 Prozent sehr deutlich. Und auch die taz muss knapp 5 Prozent Minus hinnehmen. Beide Zeitungen sind relativ wenig von Werbeeinnahmen abhängig (was sonst, wegen der Konkurrenz des Internet, immer gern beklagt wird). Es muss wohl andere Ursachen für die Verluste geben.

Die FAZ-Gruppe ist für mich ein Mysterium, hat man sich dort jedoch vielleicht an die anhaltenden Verluste gewöhnt. FAZ/FAS müssen 6,4 bzw. 4,5 Prozent Minus hinnehmen und experimentieren dennoch weiterhin fröhlich mit neuen Formaten und Bezahlmodellen. Das ist für mich eigentlich nur damit zu erklären, dass eine potente Stiftung hinter dem Verlag steht.

Die SZ (Sueddeutsche) und die ZEIT verlieren ebenfalls, wenngleich -einmal mehr- moderater als die vorgenannten..

Interessant und wie bereits im letzten Quartal erkennbar ist das "Duell" zwischen der Jungen Freiheit (+5,1%) und dem Freitag (+18,4%). Das könnte man beinahe als eine Art Querfront ansehen, wenngleich die absoluten Zahlen mit etwas über 20.000 gedruckten Exemplaren gegenüber den Großen nun wirklich keine Relevanz haben. Dennoch, so scheint die Junge Freiheit im Dunstkreis des Erfolges der AfD mitzuschwimmen, während es sich beim Freitag und in dieser Größenordnung um einen Einmal-Effekt (Causa Todenhöfer) handeln dürfte.

Abschließend und was die Daten betrifft zu der überschaubaren Zahl an Magazinen. Der Spiegel verliert in diesem Quartal mit 2,8 Prozent recht moderat, während es beim Stern gleich um 8,1 Prozent abwärts geht. Darunter kommt dann nur noch der Focus (-1,2%), darf in diesem Quartal und in Sachen Verluste mal eine kleine Verschnaufpause einlegen.

- - - - -

Was soll man sagen? Der Trend bzw. die Abwärtstendenz ist ungebrochen, schwanken von Quartal zu Quartal lediglich die Größenordungen, wenngleich auch diese den einzelnen Medien relativ gut zuzuordnen sind. Das Sterbeglöckchen wird -wenn überhaupt- lediglich für das ND zu erwarten sein. Und -immer mal ventiliert- für die JW (Junge Welt), wenngleich deren Zahlen hier nicht veröffentlich sind, wahrscheinlich nicht an das IVW gemeldet werden. Die taz dürfte mit ihrem Genossenschaftsmodell noch einige Verluste verkraften können, baut aktuell in Berlin sogar eine neue Zentrale.

Der Niedergang der genannten, sich wohl eher/ehemals links bis linksliberal, gar alternativ zu verstehenden Zeitungen hängt aus meiner Sicht viel mit der (gefühlten) Tatsache zusammen, dass es eigenständig linke bzw. emanzipatorische, alternativ zu nennende Position immer weniger gibt, kaum noch erkennbar ist. Die Grünen, seit 1998 als Juniorpartner der SPD, machen nach außen beinahe jede weltweite Vorwärtsverteidigung mit, nach innen beinahe jeden sozialen Kahlschlag; anhaltend als Weggenosse einer SPD, die ihrerseits und wohl anhaltend den Juniorpartner von CDU/CSU gibt.

Und die Linke als Partei hat eh' damit zu tun, ihre Position an den Katzentischen einiger Landesregierungen zu verteidigen, darf sich damit dem alternativlosen Sachzwang ergeben.


Nachtrag 27.04.2017:

Immer etwas später werden die Daten der Regionalzeitungen veröffentlicht.

Erstaunlich ist das durchgängige Rot, gibt es lediglich zwei Ausnahmen. Über die dergestalt herausragende Passauer Neue Presse kann ich nichts sagen ist mir der andere, einsame Gewinner, der Berliner Tagesspiegel schon bekannt.

Eigentlich, den Analysen einiger Branchengurus folgend, sollten ja gerade die Regionalzeitungen die sog. Medienkrise besser überstehen als die überregionalen. Das scheint dann jedoch nicht so; ganz im Gegenteil bei dem vielen ROT.

In den Tagespiegel klicke ich mich auch regelmäßig rein; insbesondere -eben- wegen dem Regionalteil. Was das Überregionale angeht steht da tendenziell nichts anderes d'rin als im übrigen Mainstream; insbesondere der ZEIT; mit der der Tagesspiegel sowohl redaktionell wie auch von den Kapitalinteressen her irgendwie verbunden scheint - soll hier kein Thema sein.

Was jedoch oft interessant ist, das sind die Texte zu den regionalen Projekten, Problemen und Ereignissen. Da kann man nicht so schummeln, so lückenhaft (lügend?) oder systemfromm tendenzbehaftet, so euphemistisch berichten wie aus der Distanz. Die Menschen, die Leser sind vorort, haben ihre Kinder in den Schulen, wo massenhaft Unterricht ausfällt, die Toiletten nicht benutzbar sind und der Putz von den Wänden fällt;

um das nur an einem Beispiel deutlich zu machen ...