10 Mär 2017

Facebook, Youtube, CIA & Co.

Submitted by ebertus

Ansichten des Informatikers Hadmut Danisch: "Der Entwurf Sperr-restistenter Informationsmedien." Wird das jetzt notwendig?

Ja, wahrscheinlich wird es relativ bald notwendig werden, sehr ernsthaft über das nachzudenken, was der Informatiker Hadmut Danisch im unteren Teil dieses Blogtextes anspricht: Das physikalisch anfassbare, es weicht zunehmend dem Virtuellen; und dieses Virtuelle liegt bestenfalls geduldet, wie gerade den Anschein habend, im Zugriff des einzelnen realen Menschen, ist ansonsten jedweder Sperrung, jedweder Manipulation anheim gestellt. Die Herrscher über das Virtuelle sind in der Regel keiner demokratischen Legitimation unterworfen, sind privatwirtschaftlich aufgestellte Unternehmungen irgendwo auf der Welt.

Bei einigem Nachdenken kommt (mir) relativ schnell die Schlußszene des Films "Fahrenheit 451" in den Sinn. Menschen lernen Bücher auswendig, um den Inhalt an die Nachwelt weitergeben zu können; ist die Feuerwehr in dieser Dystopie nicht mehr für das Löschen von Bränden, sondern für das Verbrennen von Büchern zuständig.

Und wie war das vor einigen Jahren mit den Kindle-eBooks? Vom Endkunden rechtmäßig bei Amazon erworben; und dennoch einfach so aus der Ferne wieder gelöscht. Welche urheberrechtlichen Gründe dafür gegeben waren, das ist (hier) nebensächlich. Entscheidend ist die Tatsache, dass es technisch möglich ist; das Löschen wie wohl -noch perfider- das Manipulieren. Bei einem realen, papiernen Buch müsste man schon (bei mir) einbrechen, physische Gewalt anwenden, bei eBooks reichen bereits wenige Mausklicks.

Jede(r) möge sich einfach selbst befragen: Wann und in welchen Größenordnungen wurden reale, physikalisch anfassbare Datenträger letztmals erworben. Auch papierne Bücher, Zeitungen und Zeitschriften zählen dazu, CD's, DVD's und eBooks sowieso. Für mich selbst mag ich sagen, dass es in substantiellen Quantitäten bestenfalls noch papierne Bücher sind, in der Regel als gebrauchte Exemplare.

Die Überlegungen von Danisch -denen ich mich weitgehend anschließen, sie erweitern mag- gehen von der Tatsache aus, dass wir Information zunehmend aus dem Netz streamen, ggf. auch im Netz (in der sog. Cloud) wieder ablegen. Dezentrale, lokale, vom Netz getrennte, physikalisch existierende Speichermedien sind ein Auslaufmodell, werden durch Bandbreite ersetzt.  Und die Verfügungsgewalt über das Virtuelle hat Big Brother ...

Nochmal Hadmut Danisch:

"Wir müssen ein neue Infrastruktur erschaffen, das Post-Web sozusagen. Internet 3.0 oder Web 3.0. Web 1.0 waren Webseiten, Web 2.0 waren interaktive Foren. Web 3.0 müsste dann Schutz gegen Zensur sein. Weg von der Struktur eines einzelnen, zensierbaren Servers."

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Die erste, beinahe auf der Hand liegende Annäherung basiert auf der Tatsache, dass der Besitz von Daten(trägern) an sich nicht verboten ist; mit der Ausnahme von Kinderpornografie vielleicht. Jedes papierne Buch, jede CD oder DVD, jedes eBook, jede bei Youtube et al. heruntergeladene Datei darf ich besitzen; auch wenn mir an den Inhalten jegliche Urheberrechte fehlen. Was ich nicht darf, dass ist das (erneute) öffentlich zugänglich machen dieser Inhalte; auch nicht kostenlos. Die Ausnahme davon sind Inhalte, welche vom Besitzer der Rechte, ggf. unter Bedingungen, als frei verfügbar/verwendbar deklariert sind; beispielsweise Bilder aus Wikimedia.

Auch ohne das von Hadmut Danisch angedachte Web 3.0 und bestenfalls im Familien- und Freundeskreis vernetzt, so handhaben viele Menschen es bereits ähnlich: das Aufbereiten von Inhalten in digitalisierter Form und das Sichern - zunehmend ohne physikalische Datenträger. Dies gilt sowohl für Inhalte, an denen man alle Rechte besitzt (eigene Bilder beispielsweise), als auch für  Inhalte, welche aus dem Netz heruntergeladen wurden. Nur kippt man -ohne eigene physikalische Datenträger- das sprichwortliche Kind gleich wieder mit dem Bade aus; soweit man diese Inhalte einer sog. Cloud anvertraut.

Wer hat noch nicht erlebt, dass Inhalte von Youtube plötzlich nicht mehr verfügbar sind? Kann man verschmerzen, ist oft nur Klamauck...!? Kaum so pauschal zu sagen; und nicht selten dürften geltend gemachte Urheberrechte für das Verschwinden verantwortlich sein. Dieses Verhalten kann jedoch sehr schnell umschlagen, erweitert werden in Richtung einer generellen, privatwirtschaftlich betriebenen Zensur. Youtube (Google), Amazon oder Facebook et al. sind global aufgestellte private Unternehmungen, sind nur sehr partiell dem hierzulande geltenden Recht unterworfen.

Wenn ich also nicht möchte, dass die von mir rechtmäßig erworbenen Kindle-Books plötzlich nicht mehr lesbar sind, wenn ich nicht möchte, dass die von mir gespeicherten Links auf Inhalte plötzlich ins Leere laufen, wenn ich nicht möchte, dass mein Socialmedia-Konto oder meine Webspace plötzlich gekündigt wird und auf die Inhalte kein Zugriff mehr besteht, dann ist eine gewisse Vorsorge mehr als angebracht.


Alle heruntergeladenen ebooks sollten grundsätzlich in ein offenes Format (ePub) umgewandelt werden. Das geht für Kindle-Books mit der Software Calibre und einem entsprechenden Plugin sehr einfach.

Für alle interessanten (vielleicht wichtigen) Videos oder Podcasts etc. sollte nicht nur der Link gespeichert werden, sollten sie auch heruntergeladen werden. Entsprechende Plugins gibt es beispielsweise für Firefox oder für Opera..

Wer beim externen Provider eine Website etc.betreibt, sollte sich eine lokale Web-Umgebung (beispielsweise XAMPP) einrichten und regelmäßig ein Backup der Datenbanken und der Sourcen ziehen; die lokale Lauffähigkeit dann auch testen!


Speicherplatz ist heute nicht mehr teuer, kostet eine zwei Terrabyte große, 2,5 Zoll USB-Platte kaum 80 Euro. Eine hängt (bei mir) direkt am PC, eine zweite ist offline, wird nur ab und zu in Sachen Backup angesteckt. Das Entscheidende an der Handhabung dieser (möglichen) Datenmengen ist die Verwaltung, nicht zuletzt das Synchronisieren. Für die Verwaltung einer derartigen, in einzelnen Dateien sich materialisierenden Datenmenge ist die Struktur der Verzeichnisse von entscheidender Bedeutung; wenn es an das Einfügen neuer Inhalte, das Auffinden bereits gespeicherter Inhalte geht. Und ein leistungsfähiges Synchronisationstool ist ebenfalls ein Muß. Ich verwende seit Jahren Allwaysync, sowohl für den FTP-Zugriff zum Webhoster (ggf. der Cloud), als auch für die lokale Verwaltung verschiedener Festplatten. Die rund zwanzig Euro (damals) sind nach wie vor gut angelegt, wird das Programm kontinuierlich gepflegt und mit der wahlweise erhältlichen portablen Version ist man auch relativ unabhängig von einem einzelnen PC oder Notebook.

Das Ganze, um nochmal auf die Idee des eingangs erwähnten Hadmut Danisch zurückzukommen, ist natürlich eine ganz individuelle Lösung. Und das ist vielleicht auch nicht einmal so verkehrt, weil eben lokal angelegt, dezentral zu handhaben, keiner übergeordneten Struktur oder Vorgabe folgend. Was darüber hinaus geht, das muß zwangsläufig eine Art gemeinsame, von den Teilnehmern akzeptierte Struktur mit formal ähnlichen bis gleichen Zugriffsmöglichkeiten und Rechten haben. Insbesondere das Thema der Metadaten stellt sich dabei noch deutlicher als die Frage nach den Inhalten.

Wer weiß, wo und von wem bzw. in welchem Umfeld was gespeichert ist?

Diese Fragen sind keinesfalls trivial, selbst wenn es -oder gerade weil es- keine zentrale Serverinstanz gibt. Wer wollte die eigenen Schätze einem anonymen Netzwerk anvertrauen, damit (partiell zumindest) doch wieder online sein müssen. Und wie unterscheidet sich das Ganze dann von den herkömmlichen sog. Tauschbörsen, deren Teilnehmer von findigen Anwälten oft sehr schnell ermittelt, mit Abmahnungen und Schadenersatzforderungen überzogen werden.

Ich selbst tendiere da eher zu einer kleinen Lösung; ähnlich dem weiter oben skizzierten. Und die Kommunikation darüber sollte ebenfalls auf einem eher persönlichen, lokalen Ebene, auf einem weitgehend gesichertem Niveau ablaufen; beispielsweise mit Threema anstelle von WhatsApp. Jeder Aufwand, der automatisiert wird, kann ebenso automatisiert überwacht und ausgespäht, gar manipuliert werden. Der händische Offline-Kontakt scheint mir nach wie vor das sicherste Verfahren jedweder zwischenmenschlicher Kommunikation.

Kommentare

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Threema anstelle von WhatsApp....

das ist augenwischerei, diese diskussion hatte ich schon vor 2 jahren mit meiner tante...

wenn ich hier threema anstatt von whatsapp benutzen wuerde

geraetst du nur in den FOCUS von diversen geheimdiensten und ermittlungsbehoereden.

dann lieber in der grossen suppe untergehen...

gruss

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Warum aufgeben? Warum nicht als Herausforderung verstehen?

Threema hatte ich als ein Beispiel genannt, es gibt diverse weitere und nur die Summe der notwendigen Aktivitäten sorgt für eine gewisse Sicherheit, sorgt primär dafür, die Jungs und Mädels von CIA & Co. am Laufen zu halten.

Der Text von Hadmut Danisch war mir lediglich ein Anlaß und auch Fefe (hier in der Szene kein Unbekannter) äußert sich immer mal in dieser Richtung. Daher wird demnächst hier ein weiterer Blogtext zum Thema CIA & Co. erfolgen.

Ich hätte auch Posteo empfehlen können, als Mailsystem und anstelle eines der kostenlosen Big-Player zu verwenden. Keine Gerüchte, aber Yahoo beispielsweise war doch erst kürzlich in der Debatte, hatte wohl ganz offensiv mit den Diensten kooperiert.

Btw. Threema, ist nichts 100% sicher. Aber an Threma gefallen mir mindestens drei Punkte:

1. Braucht es keine Telefonnummer incl. Zugriff auf das Adress/Telefonbuch

2. Ist die Verifizierung der Gegenstelle über den Barcode zwar umständlich, aber eben etwas sicherer

3. Ist seine Basis (Schweiz) nicht so direkt im Zugriff der US-Dienste

Und zu WhatsApp wurde doch auch erst kürzlich bekannt, dass es trotz der dort nun ebenso angebotenen EndezuEnde-Verschlüsselung eine Backdoor geben soll. Threema dagegen ist extern auditiert. Das Problem (für mich) ist, dass in meinem Umfeld vorwiegend WhatsApp genutzt wird, ich also beides auf dem Smartphone habe.

Und btw. Smartphone - natürlich gerootet ...

Lieber Bernd,
Du wirst mir das beizeiten bzgl. meiner eigenen websites erklären müssen. Dieses neue Zeitalter der Kommunikation mit Vorteilen und verdammten Nachteilen wird langsam unheimlich.
Trotzdem meine ich, das direkt gesprochene Wort mit dem Gegenüber hat allemal eine grössere Kraft innerhalb der Kommunikationsmöglichkeiten von heute, als alle elektronische und manipulierbare Kommunikation.
LG, Hermann

Bild des Benutzers ebertus

Ist das gesprochene, vernommene Wort nebst aller Attribute jeder technischen Lösung vorzuziehen.

Erinnert mich immer wieder an die von mir so empfundenen Parallelgesellschaften der ehemaligen DDR. Und die haben es schlußendlich geschaft, den Herrschaftsstaat aus den Angeln zu heben. Ganz ohne Internet ...

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In der DaDaeR gab es noch keinen Freifunk, der sich jetzt in Berlin dynamisch zu entwickeln scheint:

https://hopglass.berlin.freifunk.net/