27 Feb 2017

Deutschland und seine Gewalttäter

Submitted by Delloc

Mehr als 3500 Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte haben deutsche Gewalttäter im vergangenen Jahr (2016) bei uns begangen. Dabei wurden 560 Menschen (43 Kinder) verletzt. Das Bundeskriminalamt geht bei dem Großteil der Angriffe von einer rechtsextremen Motivation aus. Politiker sprechen von Rassisten, Neonazis und Kriminellen.
 Foto: Uwe Schulz via Spiegel.de

Der Vorteil von Etiketten ist ihre Orientierungsfunktion. Wenn „Erbseneintopf“ auf der Konserve steht, dann erübrigt sich die Information, welche Zutaten wo eingekauft wurden und in welcher Weise weiterverarbeitet wurden. Die Erklärung der Hauptbestandteile des Doseninhalts reicht für ihre Akzeptanz als Nahrungsmittels völlig aus.

Bei Nachrichten ist es ähnlich: „3500 Angriffe auf Flüchtlinge“ sind die Tatsachen, „Rechtsextremismus“, „Rassismus“ und „Kriminalität“ die Etiketten.

Was passiert dann im Kopf der Leser?

Es erfolgt automatisch eine abstrakte Kanalisierung, d.h. die 3500 Gewaltaktionen werden in den Gedankenregistern „Rechtsextremismus“, „Rassismus“ und „Kriminalität“ verbucht und logisch entsorgt. Natürlich wissen alle Leser, dass die Ursachen der Gewalt damit nicht verringert oder gar beseitigt sind. Doch allein das Gefühl, zu wissen, was es ist, wo die Verantwortung liegt und wer ggf. zuständig ist, führt zu einer nachhaltigen Beruhigung/Sedierung.

In „Die Gesellschaftliche Konstruktion Der Wirklichkeit“ haben die Soziologen Berger/Luckmann deutlich gemacht, wie wichtig das Zutrauen der Bevölkerung in die Wissenskompetenz der Politik ist, um Herrschaftsdiktate widerstandslos zu billigen.

Das vorliegende Beispiel erklärt auch eindrücklich, warum Wissen Macht ist und um die Deutungshoheit so heftig gestritten wird.

Wenn Rassisten und rechtsextreme Kriminelle für die Gewalttaten verantwortlich sind, dann wird im Grunde die Lösung des Problems schon mitgeliefert: nämlich gegen Rechtsextremismus und Rassismus vorzugehen.

Völlig unterdrückt wird die Erkenntnis, dass jede Form persönlicher Gewalt ein Ohnmachtsgefühl  kompensieren möchte und eine Veränderung der herrschenden Verhältnisse beabsichtigt.

Würde man nämlich diesen Zusammenhang ins Auge fassen, müsste man sich mit ganz anderen Etiketten beschäftigen: Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Armut, Verwahrlosung, Verrohung, um nur einige davon zu nennen.

Nur: diese Themen eignen sich nicht so gut, um Feindbilder außerhalb des Bürgerlichen Establishment zu profilieren, und deshalb werden lieber andere Etiketten geklebt.

Kommentare

Bild des Benutzers ebertus

Natürlich wissen alle Leser, dass die Ursachen der Gewalt damit nicht verringert oder gar beseitigt sind.

Und es scheint (mir) die primäre Aufgabe des politisch-großmedialen Komplexes, dieses Wissen zu schleifen, zu relativieren, die Ursachen auf keinen Fall zu thematisieren und jedes ernsthafte Hinterfragen in die entsprechend abwertenden Schubladen zu verweisen, auf der Alternativlosigkeit des systemischen Seins zu bestehen.

Bild des Benutzers Uwe Theel

Lieber Delloc,

Ich stimme der These, "dass jede Form persönlicher Gewalt ein Ohnmachtsgefühl  kompensieren möchte" zu, kann aber nicht sehen, dass Du daraus automatisch ableiten könntest, dass damit gleichzeitig immer "eine Veränderung der herrschenden Verhältnisse beabsichtigt" sei . Natürlich ist dies eine Möglichkeit, rechte Gewalt gegen Flüchtlingsheime beabsichtigt dies aber gerade wieder nicht, während die Gewalt der  RAF dies - in welch verquerer Weise auch immer - tatsächlich einmal wollte.

Anders gesagt, ich halte es für keinen Automatismus, dass das Etikett "Rassismus" in jedem Fall wiederum dessen Ursache, z.B. Armut, verdecken muß, anderseits der Hinweis auf Armut, je nach Klassenlage oder weltanschaulicher Borniertheit nicht notwendigerweise zu weniger Rassismus führt.

Sogar die Behebung von Armut soweit , daß jeder ein sozial verträgliches Auskommen hätte, würde solange der Herrschaftsmechanismus selbst nicht aufgehoben wird, den Rassismus nur bis zur nächsten Krise im Auf und ab des Kapitalismus notdürftig verdecken können und auch dies nur bis zu einem bestimmten Grad der Schärfe der Krise um dann in offenen Faschismus umzuschlagen.

Bürgerliche Herrschaft verdeckt also nicht unbedingt nur den wahren Charakter von z.B. Rassismus, wohl aber immer ihr Herrschaftsinteresse und deren Durchsetzung selbst. Deswegen kann heute einen breite Debatte über Rassismus geführt werden, ohne dass den Massen die wahren Gründe ihres Ohnmachtsgefühls  gegenüber dem Staat klar werden und sie diesen weiter unterstützen und nicht bemerken, dass sie selbst Rassisten sind, auch wenn sie ein Bekenntnis gegen ihn öffentlich oder auch nur im Privaten ablegten.

Ich halte es deshalb für einen Irrtum, wenn z.B. gesagt wird, Trump habe deshalb Erflog, weil er seine Wahlversprechen einlöste. Wenn der Kleinbürger tatsächlich glaubt, Trump und Bannon schafften den Staat ab, der die Massen unterdrückte, dann wählt er Trump, aus Gründen seiner eigenen ideologischen Verblendung, die ihm hilft sich als Teilhaber der Macht eines Trump zu fühlen, während er in Wahrheit seine Ohnmacht besiegelt und die Herrschaft der Herrschenden stärkt. Solange die Herrschenden Gewalt zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschaft anwenden, wird es den Beherrschten nicht erspart bleiben Gewalt anzuwenden zur Niederringung dieser Gewalt, was erst den Aufbau der neuen Ordnung ohne eine Herschaft des Menschen  über den Menschen selbst, das Leben ohne Ohnmachts- und Machtgefühl gleichermaßen ermöglichen würde. Die letzte Erinnerung der Menschheit an Macht, könnte dann die Erinnerung an deren, leider gewaltsame, Niederringung sein. Die neue Ordnung freilich wäre ein politisches Konstrukt, das von allen gemeinsam getragen, aber ermöglichen könnte, das Gefühl persönlicher (privater) Ohnmacht in auch nur Krankheit oder Trauer nicht umschlagen zu lassen in einen gesellschaftlichen Zustand der Unfähigkeit zu trauern oder Empathie nicht nur persönlich vielleicht noch zu empfinden, aber daraus zu resultieren habender Solidarität nicht mehr fähig zu sein.

 

Bild des Benutzers Delloc

"Ich stimme der These, "dass jede Form persönlicher Gewalt ein Ohnmachtsgefühl  kompensieren möchte" zu, kann aber nicht sehen, dass Du daraus automatisch ableiten könntest, dass damit gleichzeitig immer "eine Veränderung der herrschenden Verhältnisse beabsichtigt" sei."

Ja, diese Ableitung wäre falsch, bzw. nur im Einzelfall begründet.

Der entsprechende Satz lautet ja auch: "Völlig unterdrückt wird die Erkenntnis, dass jede Form persönlicher Gewalt ein Ohnmachtsgefühl  kompensieren möchte und eine Veränderung der herrschenden Verhältnisse beabsichtigt." Das und ist eine Ergänzung und beschreibt danach die Absicht aller Gewalttaten. Die 2. wird also nicht aus der 1. Beschreibung "abgeleitet".

Es ist gerade in diesem Fall wichtig, zu erwähnen, dass sich Gewalt nicht zwangsläufig gegen jene herrschenden Verhältnisse richtet, die analytisch als Ursache der Misere auszumachen wären. In dem Punkt stimme ich dir völlig zu.

 

Bild des Benutzers fahrwax

Daniela Dahn war Teilnehmerin der Münchner Friedenkonferenz die paralel zur, vom Militärisch-Industriellen-Komplex gesponserten "Münchener Sicherheitskonferenz" stattfand.

Unter dem Titel Kooperation oder Konfrontation beschreibt sie  die herrschende Unsicherheit (Link s.o.):

"Frieden ist der feste Wille, miteinander auszukommen. Weil die übergroße Mehrheit der Menschen im Krieg nichts zu gewinnen hat, aber alles zu verlieren. Das Wagnis liegt in der Bereitschaft, sich gegenseitig zu vertrauen. Indem man die Interessen des anderen respektiert, also gleichberechtigt zusammenarbeitet, sich beim Ringen um Einfluss nicht übervorteilt. Dazu gehört die Fähigkeit, sich selbst als belastet anzusehen und Kritik an der Gegenseite ohne einseitige Schuldzuweisungen vorzubringen. Unsere Freiheit wird am Humanen verteidigt, nicht am Hingekuschten – diesem Machtkampf um Energie und Einfluss.
Krieg ist die exzessivste Form von Terrorismus. Er ist seit 1929 für alle Zeiten völkerrechtlich geächtet. Die wichtigsten Unterzeichnerstatten haben sich nicht daran gehalten.

Demokratie heißt auch selber schuld sein. Wenn wir uns angesichts all der Kriege, all der vermeintlichen Schutzverantwortung, die nur die Interessen der Macht schützt, nicht schuldig fühlen, fühlen wir uns auch nicht als Teilhaber einer Demokratie. Obwohl wir Aktivbürger die Verfehlungen, die mit unserem Geld in unserem Bündnis gemacht werden, so gut wie nicht verhindern können, sind wir doch zuständig dafür. Eine gesellschaftliche Debatte über all das gibt es kaum. Die Kampagne Stopp Ramstein mobilisiert derzeit immerhin viele Menschen. Die Friedensbewegung scheint sich von interessierter Seite nicht mehr spalten zu lassen. Es geht nicht darum, Krieg zu gewinnen. Der Friede muss gewonnen werden.

Die herrschenden Eliten nennen uns gern Steuerzahler. Wir sollen ihre Pläne finanzieren und ansonsten nicht weiter stören. Als aktive Bürger sind wir nicht gefragt. Unseren Drang nach Freiheit sollen wir als Konsumenten austoben. Für hinreichend Waren und Zerstreuung ist gesorgt. Das funktioniert leider recht planmäßig. Der schon zitierte Brecht hat die Obrigkeit beim Wort genommen: „Man hat gesagt, die Freiheit entsteht dadurch, dass man sie sich nimmt. Nehmen wir uns also die Freiheit, für den Frieden zu arbeiten!“"

Bild des Benutzers Uwe Theel

Gut von Dir Fahrwax auf Dahns Text aufmerksam gemacht zu haben. An diesem Text kann man auch klar erkennen, warum Daniela Dahn beim freitag nicht mehr geduldet wurde.

Bild des Benutzers Heinz

Darum trägt das Bündnis Grundeinkommen BGE die Idee eines Grundeinkommens als soziale Dividende an der Volkswirtschaft in die Parlamente. Ein Grundeinkommen wird bisher in verschiedenen Modellen beschrieben, nachzulesen im Netzwerk Grundeinkommen. Einige Nebenwirkungen sind heute bereits absehbar:

  • Der volkswirtschaftliche Kern wird gegen externe Störungen stabilisiert.
  • Die Verwaltung wird vereinfacht.
  • Die Streitfälle um Hartz4 fallen weg.
  • Kinder haben einen eigenen Rechtsanspruch auf Existenz und Bildung.
  • Altersarmut fällt weg.
  • Betroffen davon sind ALLE und auch alle öffentlichen Körperschaften.

Das wird notwendigerweise eine gesellschaftliche Debatte nötig machen, die auch den Krieg thematisiert, der zwischen den Parteien, in den Schulklassen, den Unternehmen (verharmlost als Bossing oder Mobbing), im EuroRaum, in der EU und letztlich in der gesamten Welt tobt. «Krieg ist nicht die Fortsetzung von Politik,» sagte Kofi Annan: «Sondern Versagen von Politik.»

Astrid Lindgren: «Wie die Welt regiert wird, lernen Politiker in ihrer Kinderstube.»
 

Bild des Benutzers marie

daniela dahn ist eine kluge frau und konnte ihre haltung über die jahrzehnte bewahren, weil sie das zeitlose übel sehr früh klar erkannt hat und sich von nebenschauplätzen nicht hat ablenken lassen ... doch noch immer wollen das viel zu wenige wahrhaben - sie können sich einfach nicht vorstellen, dass heute krieg frieden genannt wird und frieden krieg ... das übersteigt ihre vorstellung in tiefer autoritätshörigkeit und der verinnerlichung traditioneller status-symbolik - und ein ausstieg daraus scheint einfach nicht vorstellbar und auch nicht "gut" für sie, sondern "böse" und beängstigend.

durch zufall habe ich über die haltung von "intellektuellen" vor dem 1. wk gelesen >>> fast ausnahmslos hat sie eine freunde und hoffnung auf den kommenden KRIEG_SIEG_GEWINN erfaßt und weder thomas mann noch arnold zweig waren davon ausgenommen - selbst der junge brecht hatte nix kritisches zu bemerken ...

... ob sie DAMALS schon der propaganda auf dem leim gingen?

solange es nicht gelingt, krieg > eroberungs- und angriffskrieg als ein monster von perversen zu verstehen -diese zu isolieren und zu meiden und KEINS ihrer argumente/lügen unwidersprochen lassen, weil es NICHTS gibt - außer perversion - das zu unterlassen ... sei es noch so "banal"

und lust am frieden sollten wir leben ... jeden augenblick vor allem darauf richten

Bild des Benutzers ebertus

von Daniela Dahn aus 2009 steht -mit Interesse gelesen- in meinem Bücherregal.

"Der Abstieg des Westens begann just im Moment seines größten Triumphes" formuliert die Autorin; und behält damit zunehmend recht, so will mir scheinen.

Im weiteren Verlauf arbeitet Dahn dann gut heraus, warum dieses nun fehlende "Korrektiv sozialistischer Ideen" ebenfalls mitverantwortlich ist für den Abstieg; weil eben der schöne Schein westlicher sozialer Marktwirtschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert kaum mehr als ein Schein war.

Bild des Benutzers marie

... einer art von reichtum - wie sie auch die natur zu bieten hat und jeder versteht ihren wert in der vielfalt der früchte, der tiere, der landschaften usw. >>> und EIGENTLICH ist es so einfach zu verstehen, dass dies auch mit einer vielfalt von lebensformen und gesellschaftssystemen genauso ist ... und so was wie eine "UNO" hätte nur dafür zu sorgen, dass diese friedlich mit- und nebeneinander leben können ...

ich habe schon immer um die vorteile des kapitalismus gewußt _ JEDOCH erschienen mir die damit verbundenen nachteile unauflösbar, da ich nicht mir herrschaft-diener-ausbeutung klar kommen würde - ob nun "freiwillig" oder systembedingt ... für mich ... und wohl auch für d.d. war es wohl in ordnung, dass es mehr unerfüllte, als erfüllte konsum-wünsche gab ... und ein "neues" system DAFÜR andere WERTE schaffen und bieten würde >>> zumindest erstmal die freihet DARÜBER öffentlich zu diskutieren, denn eine soziale basis war ja stabil geschaffen, auch wenn viele geschichten und meinungen darüber auseinander gehen ... doch ein land ohne zahnärzte und architekten kann nicht funktionieren und auch kein land, wo die mehrheit der menschen lieber konsumieren oder in die ganze welt reisen will -OHNE zu wissen, das sie dafür das system tauschen müssen und geld als den lieben gott verehren MÜSSEN ... oder in einer hölle enden können (berufsverbote, krankheit, labilität oder einfach pech) ... dass mehr geackert werden muß, als gelacht ... und immer neue bedürfnisse geweckt werden ... es interessiert sich keiner für sie - sie sind selbst zur ware geworden und ihr wert ist ihr geld und ihr besitz ... und irgendwann begreifen sie dann auch noch, dass daran blut von menschen aus der dritten welt hängt ... vielleicht haben sie dann genug von diesem system ... doch es gibt nur noch das eine ... global ... überall >>> neenee, ich bin kein "nationalist" ... ich liebe die vielfalt

Bild des Benutzers Heinz

Die Auflösung des Ostblocks hatte ihre Eigendynamik und deckte Defizite auf. Diese Defizite in Ost und West waren auf beiden Seiten bekannt, aber verdrängt worden durch die Notwendigkeit der jeweiligen Abgrenzung. Meine persönliche Beobachtung kann man mit statistischem Material untermauern. Von 1950 bis Anfang der 1960er Jahre war Wiederaufbau und Aufholen der Nachbarn im ProKopfEinkommen. Ab Mitte der 1960er Jahre war die erste Krise wegen geplatzter Kredite, also Pleiten. Dem folgte die sogenannte Globalsteuerung der Wirtschaft, die zusammen fiel mit dem Ende von Bretton Woods. Ab Mitte der 1970er Jahre begann der Abbau von Arbeitsplätzen mit der politischen Zäsur 1982. Die Wende 1998/90 hatte Kohl gerade noch mal gerettet. Die Nettoinvestition ging von 1970 bis heute kontinuierlich zurück. Heute haben wir dirigistische Maßnahmen der Löhne und sowas hat mit einer Sozialen Markwirtschaft gar nichts zu tun, das hatten wir zwischen 1933 und 1945, das hatten wir im Ostblock bis 1990.

Eigentlich sollte die gemeinsame Währung für die EWG schon viel früher mit dem WernerPlan eingeführt werden; die war ausgefallen, weil die Ölscheichs den Aufstand probten und nach der Abwertung des US$ erst mal einen größeren Schluck aus der Pulle wollten.

Interessant zu diesem Thema ist auch Flassbeck:

Bild des Benutzers marie

ich finde deine sicht sehr spannend - da ich sie ja nicht selbst erlebt habe ... ich war nur im sommer 1961 kurz vor dem mauerbau als kind mal in westberlin ... und es war irre bunt und die roten kaugummiautomaten und bananen >>> vor allem aber ein schaumgummi-petticot, der ein kleines loch hatte und so " genau das richtige für uns aus dem osten war - weil billiger" sind mir gut in erinnerung ... das nächte mal war ich dann im herbst 1989 kurz nach dem mauerfall wieder in "westberlin" und der kudamm war schon in einen silberregen der glitzernden zeit der weihnachtseinkäufe getaucht ... ich fand es obzön ... ich sah die ersten bettler und obdachlosen in meinem leben ... und ehrlich: dieser kontrast war genau das erwartete symbolbild vom kapitalismus und meinr plötzlichen gegenwart und zukunft darin ...

später habe ich dann gelesen, das das "irre bunte" durch einen marshall-plan in den einen teil der stadt gekommen ist ... und wie das die "wirklichkeit" verzerrt ... ich meine:so wie nach tag die nacht kommt ... muß es da wohl nur noch tage im sonnenlicht gegeben haben ... zumindest in den hirnen der menschen ...

Heute haben wir dirigistische Maßnahmen der Löhne und sowas hat mit einer Sozialen Markwirtschaft gar nichts zu tun, das hatten wir zwischen 1933 und 1945, das hatten wir im Ostblock bis 1990.

was "dirigistische" maßnahmen der löhne sind, weiß ich nicht und habe diesen ausdruck noch nie gehört ... also nur eine vage vorstellung von "dirigierten löhnen" nach vorgabe eines dirigenten??? (sorry, bin ökonomie-verweigerer - vielleicht komme ich ja gerade deshalb mit meinen paar piepen so toll aus?)

 

ÜBRIGENS: ich werde den gedanken nie los, dass es gar nicht nur um löhne geht! auch bei dem BGE ist das mein problem - wenn die mieten ins unermeßliche steigen, die preise für grundnahrungsmittel, vielleicht auch noch für medizinische behandlung und bildung ... WAS soll das dann alles, wenn dies nicht in vertretbaren relationen garantiert ist ... wie es dass in der ddr WAR?

Bild des Benutzers Heinz

... ist nicht so schwer, wie sie dargestellt wird.

Dirigistisch oder reguliert bedeutet, da ist etwas von Politikern (die keine Ahnung haben) per Gesetz festgelegt worden (z.B. der Billiglohn für Aufstocker). Der Effekt ist, daß sich alle daran orientieren. Der Nebeneffekt ist, daß niemand sich einen Kopp macht, etwas besser zu machen – wozu auch?

Beispiel: Das Einheitsbrötchen kostet 10¢

Dann backen alle Einheitsbrötchen zu 5¢ und verkaufen die für 10¢; mit einer Reserve von 10% für alle Fälle. Die Reserve ist in der Regel für die Tonne, also Überproduktion.

Körnerbrötchen wären eigenes Risiko und sind teurer – folglich gibt es die gar nicht im regulierten Markt.

Erinnerst du dich? :-)

Im Westen gab es vor den 1960er Jahren auch nur die Brötchen vom Bäcker um die Ecke. Dann wurde alles billiger in Brotfabriken hergestellt, die Bäcker machten Pleite und bauten am Fließband Autos zusammen – Brot und Brötchen schmeckten entsprechend. Erst in den 1980er Jahren begann im Bäckermarkt die Vielfalt, die wir in der Zwischenzeit teilweise selbst zu Hause im eigenen Backofen gebacken haben.

Bild des Benutzers fahrwax

Als hiesiger Brötchenkäufer haste ebenso schlechte Karten wie der - zur Pleite verurteilte - Milchbauer in Afrika:

"Das Kapital geht dorthin, wo es den meisten Profit bringt – je nachdem werden die Industriestandorte verteilt auf die günstigsten Standorte, dort, wo die Lohn- und sonstigen Produktionskosten am niedrigsten sind, das ist der Witz der sog. globalen Wertschöpfungsketten;

Die Märkte werden international geöffnet – der sogenannte Freihandel, der dazu führt, dass sich überall die produktivsten Anbieter durchsetzen mit dem Ergebnis, dass zum einen die Industrien der weniger produktiven Ländern schon im Kindbett erdrosselt werden; und dass zum anderen die Arbeitsplätze aus den Höherlohn-Ländern schrittweise in die Billiglohnländer abwandern, und zwar zunächst die weniger qualifizierten Industriearbeitsplätze, doch mit wachsender Digitalisierung und Ausbildung auch immer höhere Stufenleitern der Produktion einschließlich der Dienstleistungen.

Gewinner dieser neoliberalen Globalisierung sind die Transnationalen Konzerne, die die höchsten Profite der Geschichte einfahren; sodann sind es die Super-Reichen im Norden wie im Süden und die (oberen) Mittelschichten der Schwellenländer.

Verlierer sind die Massen in den armen Ländern und die unteren und mittleren Einkommensschichten in den Industrieländern. Und von berechtigter Zukunftssorge erfüllt werden auch höhere Einkommensschichten, ihre Arbeitsplätze werden nach und nach auch ausgelagert oder niedriger eingestuft, um international wettbewerbsfähig zu sein."

Quelle: http://www.kritisches-netzwerk.de/forum/donald-trump-und-die-rechtsentwicklung-europa

Bild des Benutzers Heinz

Ich hoffe, wir nerven Delloc nicht zu sehr, eigentlich hat der was über Flüchtlinge und Fremdenfeindlichkeit geschrieben und wir schreiben über die Ursachen. Schau dir das Video von Flassbeck an, dort findest du einige Antworten zum Dilemma das zur Zeit von Mamma Dilemma verwaltet wird.

Bild des Benutzers Delloc

werde ich zum Löwen...

Bild des Benutzers Heinz

... aber mach dir nix draus, auch Elefanten können nicht fliegen.

Bild des Benutzers fahrwax

Die Antworten vom Zauberlehrling Flassbeck sind  - getrübt durch viele fehlerhafte 'Grundannahmen' - nicht überzeugend, nur vermittelnd - immerhin.

Beim Tiger werden wir uns - alles steht und fällt mit dem persönlichen "Menschenbild" ( Fakten sind auch da gasförmig!?) - demnächst gebührend entschuldigen können, geil.

Bild des Benutzers Heinz

Flassbeck bewegt sich in der Realwirtschaft und blendet die Ausbeutung durch das Fiatgeld einfach aus; da bleibt er natürlich bei «seinen» Grundannahmen.

Bild des Benutzers marie

mein lieblings-um-die-ecke-ddr-bäcker war einer der allerersten, der seinen laden schließen mußte ... übrigens scheint ein fluch auf meinen lieblingsläden zu liegen ... und ich ahne auch warum das so ist ... ich habe jetzt keinen mehr ... und das leben geht weiter - hat es aber nicht verbessert und manchmal denk ich wehmütig an die schöne alte zeit^^ >>> aber es hat sich ergeben, dass ich oft bei meinem sohn bin ... und DORT gibt es noch einen bäcker, der schon 50 jahre (oder länger?) existiert und immer eine lange schlange kunden hat ...

Bild des Benutzers Heinz

Einer meiner Onkel war Bäcker und hat traditionell gebacken, sogar Nudeln hat der gemacht und meine Oma hatte zu ihm immer ihr eigenes Brot zum Backen gebracht - und ich durfte mit, wenn ich in den Ferien dort war – bin sozusagen Fachmann :-)

Bild des Benutzers Delloc

"... übrigens scheint ein fluch auf meinen lieblingsläden zu liegen ... und ich ahne auch warum das so ist ..."

Sonnenklar! Das ist das intergalaktische Anti-Konsum-Programm für Exoterikextremisten... devil

Bild des Benutzers fahrwax

@Delloc

Aber nicht intergalaktisch - vonne Sonnenbank umme Ecke.

Bild des Benutzers Delloc

Bravo, dass du endlich den Mut gefunden hast, dich zu outen...yes

Bild des Benutzers marie

es war wohl nur irgendeine projektion von dir, die ich jetzt mir dokumentarischen fakten widerlegt habe :-))) uff ... geschafft ...

Bild des Benutzers fahrwax

Glaub' ich klaglos (voll einfallsreich der Text zur monotonen LaLa - und alles so schön bunt)!

Bild des Benutzers marie

... immerhin hat peter licht damit den bachmann-preis gewonnen ...

und deine ahnungslosigkeit macht nur dich selbst lächerlich ... aber das weißt du ja selbst:

Eine CD mit eingängig-verspieltem Pop, deutschsprachig, hochpolitisch, bittersüß, den Kopf fordernd und gleichzeitig mit ausgesuchter Leichtigkeit unterhaltend – gibt's das? Ja. Dieses seltene Kunststück ist dem Kölner Künstler PeterLicht mit seinem neuen Werk "Lieder Vom Ende Des Kapitalismus" eindrucksvoll gelungen. Seine persönliche Zustandsbeschreibung der Bundesrepublik Deutschland kommt nicht als miefig-hobbylinkes Allerweltsgejammer daher, sondern als kluge Analyse mit wachem Auge und echtem Herzblut.

http://www.laut.de/Peter-Licht/Alben/Lieder-Vom-Ende-Des-Kapitalismus-12928

Bild des Benutzers Uwe Theel

Lieber Heinz,

wenn doch Kapitalismus abschaffen so einfach wäre, wie im eigenen Backofen gute Brötchen backen. Und: Am Ende ist Kohl noch schuld, dass in den 1980ern  blühende Landschaften, wenigstens in den westdeutschen Bäckereien sich auftaten????!?

Bild des Benutzers Heinz

Kohl ist, wie der Name vortäuscht, kein Vegetarier, sondern ausgewiesener Saumagenesser.

Einst kam ich mal mit Kollegen zur Mittagszeit durch Oggersheim und einer meinte, hier können wir doch mal essen. Das nächste Gasthaus war schnell gefunden und die Frage nach Saumagen wurde dahingehend beantwortet:

«Die werden alle an den Deidesheimer Hof geliefert.»

Es gab also keine.

Ich selber habe es aus Faulheit und und Mangel an Zeit nicht getan. Und ich habe es nicht getan, weil mit der Meldung zu Angriffen auf Zuwanderer meine Überzeugung bekräftigt wird. Ich habe mir die Quelle der kolportierten Meldung nicht selbst angeschaut.
Das wird mir vor Ablauf dieser Woche nicht möglich sein.

Andere behaupten es getan zu haben:

https://spoekenkiekerei.wordpress.com/2017/02/28/angriffe-auf-asylbewerb...

Bild des Benutzers marie

Einzelne Maßnahmen gegen Rechte von heute werden fast wie bestellt Maßnahmen gegen alle von morgen sein.

Einzelne willkommens-Maßnahmen mit rechtsbrüchen von heute werden fast wie bestellt Maßnahmen mit rechtsbrüchen gegen alle von morgen sein.

Einzelne abschiebe - und rückführungsMaßnahmen mit rechtsbrüchen von heute werden fast wie bestellt Maßnahmen mit rechtsbrüchen gegen alle von morgen sein.

Einzelne Maßnahmen von heute werden fast wie bestellt flächendeckende Maßnahmen von morgen sein.

Einzelne willkommens-Maßnahmen von heute werden morgen in rückführungs-ausgrenzungs- und abschiebe- Maßnahmen verwandelt werden

 

>>> maß "nehmen" erfolgt jedoch völlig maß-los ... als maßgabe bei der keinerlei maß gegeben ist ...

 

Es gibt kollektiven Wahnsinn = Verbote ohne (oder mit, wechselt) Ganzkörperbadeanzug im Meer baden zu gehen.

 

>>> das sind die wechsel_GEBOTE der eifersucht^^

„Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote