22 Feb 2017

wenn die hochkultur auf snoopy und die revolution trifft

Submitted by marie

dann schlägt auch meist eine gute stunde für mich ... doch wenn dann am schwarzen humor gespart wird und schon frau büning die regieeinfälle eher als "kümmerlich" im sinne eines "Anti-Atom-Mafia-Lehrstücks" bezeichnet, dann bleibt wohl für mich nur die fantasie darüber ... wie es hätte (besser) sein können ...


Foto: Monika Rittershaus Schmetterlingsflügelzartes Solo vor dem Gegenschlag: der Geiger Christian Stadelmann.

Berliner Philharmoniker Das Volk säuft, kopuliert und revoltiert

Verstrahlt von der Atom-Mafia: Die Berliner Philharmoniker brillieren unter Simon Rattle mit György Ligetis ulkig ernster Anti-Anti-Oper „Le Grand Macabre“.

von

Charlie Brown und Snoopy sitzen am See. Charlie: „Eines Tages müssen wir alle sterben.“ Seufz. Darauf Snoopy: „True, but on all the other days we will not.“ Das ist große Literatur. Es macht Mut, es macht auch einen kleinen Diener vor Heinrich Heine, der dem am Meer stehenden Fräulein versprach, die Sonne komme anderntags wieder zurück, was wiederum den ungarischen Komponisten György Ligeti, seit 1956 im Exil, dazu bewogen hat, Mitte der Siebziger, als der Vietnam-Krieg gerade zu Ende ging, eine große abendfüllende „Anti-Anti-Oper“ zu schreiben zum Thema Sterben. Das beginnt mit einer Kakophonie von Autohupen, steigert sich zu Explosionen, Exekutionen, Insinuationen, Provokationen, serviert auch Koloratur, Kanon, Choral, Geschrei, Geplärr und Geräusch, bis es, ganz im Sinne Snoopys, mit den Worten endet: „Fürchtet den Tod nicht, gute Leut! Irgendwann kommt er, doch nicht heut!“

Diesen Reim tragen alle Sänger, auch jene, die zuvor als widerwärtige Unmenschen den unmenschlichsten Widersinn hinausposaunt hatten, gemeinsam an der Rampe vor als sprichwörtlich „guote lêre“, wie im Vaudeville-Finale eines Singspiels der Mozartzeit. Ligetis „Grand Macabre“ hat gewiss auch Züge eines politischen Zeitstücks. Doch zugleich ist es eine surrealistische Parabel: In einem ruinösen, korrupten, verlotterten Breughel-Land - das könnte überall liegen oder auch nirgendwo - wütet der Tod. Kometen stürzen auf die Erde, weiße Pferde rasen durchs Orchester, die Mächtigen streiten, saufen und kopulieren, das Volk säuft, kopuliert und revoltiert. Doch weil sich der Tod, der Bariton singt und Nekrotzar heißt, besäuft bis zur Bewusstlosigkeit, kann der Weltuntergang nicht stattfinden.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/berliner-philharmoniker-brillieren-mit-gyoergy-ligetis-anti-anti-oper-le-grand-macabre-14886042.html