20 Feb 2017

Kunstfreiheit in der Provinz

Submitted by hadie

Es begab sich aber zu der Zeit, als die konservativen PublizistInnen Ellen Kositza und Götz Kubitschek ein kleines Programmkino in Halle (S.) besuchten, um zu ihrer eigenen Weiterbildung den Film "Blumen von gestern" zu sehen. Eine BlockwartIn erkannte die Beiden und telefonierte einen Mob von etwa 20 Personen herbei, der sich alsbald im Kino einstellte und die Unterbrechung der Vorstellung verlangte.

Kositza und Kubitschek sollten des Kinos verwiesen und der antideutschen Selbstjustiz ausgeliefert werden. Das lehnte der Kinoleiter ab und rief die Polizei. Der Mob verließ das Kino und versammelte sich auf der Straße. Was nach Ende der Vorstellung geschah, beschreibt Kubitschek so:
"Man hatte uns erkannt, im Kino, und dann lief da wohl eine Meldekette durch: Jedenfalls standen über die Straße verteilt rund 20 teils vermummte Leute. Sie begannen gleich zu brüllen, als sie uns an der Tür sichteten, und was sie riefen, klang nicht gut."
Die PublizistInnen zogen sich ins Kino zurück, bis die Polizei kam und sie an einen unbekannten Ort in Sicherheit brachte. Die "antifaschistischen" Sturmtruppen verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren. Zurück blieben die ratlosen BesucherInnen zweier Kinovorstellungen.
"Einer solchen Enthemmung liefert das intellektuelle Umfeld, das Kositza und ich aufgebaut haben, keinerlei Argument", schreibt Kubitschek in seinem Blog und dem ist wohl zuzustimmen.

 

 

Kommentare

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Und wenn ja, ist der dann wenigstens jung, schön und schwul ...?

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Dazu gibt es ein Filmchen von 3sat:

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Als gelernter Wessi, ein Stück weit 68er gar, Unterstützer der Grünen bis zur BTW in 1998, da muß ich natürlich schmunzeln wegen dieser Ironie, der ablaufenden und sich eher als Farce wiederholenden Geschichte.

Damals, von Filbinger bis Strauß etc. wurden von den (linken) Medien, den Grünen etc. primär diejenigen kritisiert, welche in Legislative und Exekutive die gestaltende Macht, sprich: den Staat verkörperten.

Heute dagegen sind Medien, Grüne und große Teile der Linken in den verschiedenen Konstellationen und Koalitionen selbst der Staat, werden nun diejenigen kritisiert und als substantielle Gefahr dargestellt, die weder im Bund noch in irgend einem Landesparlament an der Exekutive beteiligt sind, eher als Popanze herhalten sollen.

Genial eigentlich, und es scheint (noch) zu funktionieren ...

Spassig ebenfalls, im zweiten Teil des Videos angesprochen, diese neue Landlust. Als Supporter der Grünen kann ich mich noch gut erinnern, an die Visionen von einem naturverbundenen, weitgehend autarken Leben auf dem Lande als ein Kristallisationspunkt grüner, alternativer Kultur des Seins.

Und heute? Urbane, junge, bildungsnahe neulinke, eher weibliche Grüne beim Latte Macchiato in Berlin-Prenzelberg, das iPhone fest im Blick, die Torte griffbereit.

Auf'm Lande, von Meck-Pomm bis Sachsen-Anhalt nur alte, bildungsferne weiße Männer; bis auf die im Video ...

Gekannt habe ich ihn schon. Und die Geschichte, dass er und seine Frau, mit der er einige gemeinsame Kinder hat, sich mit "Sie" ansprechen, habe ich auch schon gehört. Ich bin nun wirklich nicht der Freund des "Du" um jeden Preis. Aber was ist das für eine doofe Angeberei. Man phantasiert sich in so einen aristokratischen Stand. Ist natürliche eine Angelegenheit der beiden Eheleute. Nur, dass sie dass offensichtlich verlautbaren und damit öffentlich machen wollen.

Der Beitrag ist für mich soweit in Ordnung, auch wenn er durch den gewollt ironischen Ton, den der Sprecher im Off glaubt anschlagen zu müssen, wieder in diese didaktische Schiene gerät.
Der interviewte Soziologe Nassehi machte für mich eine sehr gute Figur. Seine Distanz wurde deutlich, ohne dass er sie wie ein Banner auf ner Demo vor sich hertrug.
Staat der übliche Ansage, dass die Rechten nur einfache Antworten auf komplexe Fragen hätten, brachte er es konkret auf den Punkt: Die glauben, dass wir die Krise dieser Gesellschaft daran erkennen können, dass eine homogene Gesellschaft durch Migration und wahrscheinlich auch durch eine pluralistische Lebensweise in Gefahr gerät. Nassehi nennt das den argumentativen Horizont der rechten Intellektuellen, mit dem man sich zu beschäftigen habe. Diese Aussage wird durch den Beitrag belegt.

Leider ist die Moderatorin Mendelsohn vollkommen unerträglich. Ständig versucht sie Neassehi durch suggestive, die Antwort geradezu vorgebende Fragen, zu bestimmten Aussagen zu bewegen. Der reagiert souverän, wie ich finde, und antwortet auch mal auf eine suggestive Unterstellung, dass er das eben nicht wisse.
Die Tonlage der Mendelsohn ist die einer 16jährigen Schülersprecherin. Mein Gott, ist die peinlich. Die vertrauen einfach nicht darauf, dass sie auch denkende Zuschauer haben könnten oder/und halten diese für genau so doof, wie sich selbst.
Eigentlich möchte ich so was nicht mehr bezahlen müssen.

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bedrohungen und gewalt scheinen eine neue art von freizeitsport zu werden und halle bleibt da auch nicht verschont ...

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auch wenn es hier um Kunst, Kunstfreiheit geht; eigentlich Dein Metier ...

Der Trailer habe ich mir angeschaut, nichts verstanden! Dann bei der ZEIT recherchösiriert.

Witzige Aufarbeitung? Und (Soft/Romantic) Sex sells nach wie vor. Gepaart mit SS und Holocaust eigentlich alles dabei, damit das Teil an den Kinokassen so richtig abgeht.

Gab es nicht vor einiger Zeit einen ähnlichen Film, hatte das Böse da lediglich ein weibliches Geschlecht?

Ja, hab' ich ebenfalls nicht gesehen, "Die Vorleserin" ...

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mag ich sehr ... und der kino-leiter ist dort vor ort ein geeigneter vertreter der kunstfreiheit ... schön :-))))

Witzige Aufarbeitung? Und (Soft/Romantic) Sex sells nach wie vor. Gepaart mit SS und Holocaust eigentlich alles dabei, damit das Teil an den Kinokassen so richtig abgeht.

sehe ich nicht so ... kann mir gut vorstellen (kenne den film nicht), wenn die weltgeschichte ins private verlagert wird (in eine liebesgeschichte) ... ist dies der allerbeste umgang damit in der gegenwart >>> ein hauch von evolution für lösungmöglichkeiten von massivsten, aber alten konflikten für eine friedliche zukunft ... in liebe ... auseinandersetzung ... und verzeihen

wieso denkst DU immer soviel an GELD??? ... naja, fällt mir wohl nur als geldignorierender gegenpart auf ... und kunst nur für geld???? ich bitte dich doch sehr, auch VIELLEICHT an andere mögliche motive zu denken ... nur mal übungsweise deine fixierungsprioritäten zu hinterfragen :-)

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Ohne das Grundgerüst der romantischen Komödie hätten sie wahrscheinlich nicht die maximale Filmförderung bekommen und das Prädikat "Besonders wertvoll". Die Kositza hat den Film übrigens auch besprochen:

"Die Blumen von gestern ist ein Film über Deutschland. Totila Blumen, dieser kranke, durcheinandere, labile, impotente antifaschistische Erbnazi verkörpert sein Land." Sezession im Netz

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so halte ich es nach wie vor mit dem von Hannah Arendt postulierten Neuanfang qua Geburt.

Alles andere wäre sarrazinesk, wahlweise antideutsch; das mit den real existierenden Ideologie-Genen ...

Das witzige ist, dass die so ungeheurer deutsch sind.
Ein Volk, dem jegliches Aufbegehren fremd ist. Das in seiner Masse aus angepassten, eher ängstlichen Subjekten besteht, die dann aber, wenn sie glauben die Macht oder zumindest die „Tendenz“ auf ihrer Seite zu haben, vollkommen aus dem Ruder laufen.
Unerfreulich.

Ich habe den Film gesehen. Dachte in der ersten halben Stunde, au, Klamotte. Aber dann schälte sich im weiteren Verlauf doch ein Gedankengebäude heraus, dem ich etwas abgewinnen konnte, eine Interpretationsmöglichkeit: Die hohl gewordene Erinnerungskultur, die durchaus einen lächerlichen Charakter haben kann ( Liefers Komödiantenrolle). Dann die Tragik der Traumata, die dieses unsägliche Regime an die Enkelgeneration mit schlimmen Folgen vererbt hat, (Impotenz und Identifikationsstörungen). Es ist noch lange nicht vorbei und er kann wieder auferstehen, dieser "Höllengeist". Der Film lädt ein, darüber zu diskutieren, das finde ich anregend.

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Ein paar Tage nach dem antideutschen Krawall war ich dann auch in dem Film und war begeistert. Das ist genau die Art von krankem Humor, die ich so mag. Von Kositza kam dann der Hinweis mit den verteilten Rollen: Totila ist der totalitäre Merkel-Deutsche-Antideutsche, das "Ersatzkind" steht wohl für die herge-"pullten" Migranten und der Junge mit dem Märchennamen soll anscheinend der Hoffnungsträger sein? Das gibt zu denken ...

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ob wir uns schon mal (eher virtuell) irgendwo begegnet sind.

Daher kurz zur Erklärung, muss ich immer mal an mich halten, meinen Zynismus zügeln, wenn Ideologie/Religion etc. in einer Art von bislang unbekanntem Gen als übertragbar (vererbbar) angenommen wird; in der Regel eine bestenfalls implizite Botschaft und dann gern auch rhetorisch zu verstehen.

Sarrazin erntete wegen seiner wohl kruden Gentheorien entsprechende Kritik und ansonsten -müsste ich suchen- ist mir lediglich ein ehemaliger israelischer Minister in Erinnerung, der wohl glaubte, ein sog. jüdisches Gen entdeckt zu haben.

Aber die gleichen, hehren Qualitätsmedien hierzulande haben kein Problem mit so einer Zeile:

<<"Die Blumen von gestern" ist eine romantische Komödie, die den Enkel eines SS-Mörders mit der Enkelin eines Holocaust-Opfers verkuppelt. Das soll gut gehen?>>

Ja, "Das soll gut gehen ..." und hoffentlich lediglich rhetorisch gefragt. Da ist es für mich nur ein gradueller Unterschied, zwischen der antideutschen Ideologie von den sog. Biodeutschen und denen, die zwischen 1933 und 1945 mit eben dieser "Gen"-Ideologie ernst machen wollten.

Bin in Eile, in zwei Tagen geht der Flieger. Aber in aller Kürze: Dank für die Info, werde bald Gelegenheit haben, in D den Film zu sehen.
Dir bestes Frühlingswetter in Halle,
Hermann

Ich habe lange überlegt, ob ich etwas dazu schreiben soll. Grundsätzlich: Kubitschek und seine von ihm gesiezte Arierin sind sowas zum Kotzen, dass mir seine und ihre Nachkommen nur leid tun können. Die enden höchstwahrscheinlich irgendwann bei der Bundeswehr, auf dem Strich oder im Drogensumpf oder werden BWLer. Traurig sowas.

Aber: Es ist schlicht falsch und inakzeptabel, Menschen, auch solche, in ihrem Privatleben zu bestalken und zu belästigen. Dafür gibt es keine linke, demokratische oder humanistische Rechtfertigung, das ist unpolitisch, unmenschlich und kriminell.

Ein anderes Problem ist, welche direkten Protestaktionen legitim sind. Soll man darauf verzichten, gegen NPD, Pegida etc. gegenzudemonstrieren, wie es rechte Hysteriker wie Damisch geifernd fordern? Andererseits, ok, in einer Demokratie braucht es Toleranz und Redefreiheit, und Redefreiheit ist gerade nicht nur die Freiheit der Rede, der man gerade zustimmt.

Ich habe in den sechziger Jahren auch wiederholt an Gegendemonstrationen und auch an Sprengungen von Vorlesungen und Versammlungen teilgenommen, und finde das nach wie vor legitim. Ich sehe aber schon die Probleme. Menschen mit konservativen und rechten Auffassungen sind kein Freiwild. Wir haben damals agiert in der (illusionären) Überzeugung, auf eine revolutionäre Situation zuzusteuern. In solchen Fällen geht es um den Kampf um die Macht, und da werden auch die Handschuhe ausgezogen.

Heute ist klar, dass davon keine Rede sein kann. Es geht also um den Umgang in einer (noch) weitgehend friedlichen bürgerlichen Gesellschaft. Auch da ist es legitim, mörderischem Pöbel wie den Brandstiftern gegen Flüchtlingsheime mit Gewalt entgegenzutreten. Es ist auch m.E. ok, Nazimärsche zu blockieren. Spätestens bei einer (scharfrechts)bürgerlichen Partei wie der AfD hört das auf. Auch Rechte stehen unter dem Schutz der Verfassung.

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Vorab etwas OT, Hadie möge mir verzeihen ...

Diese Website incl. dem Vorläufer gibt es im Mai dann bereits drei Jahre, ohne Netiquette, ohne explizite Blattlinie und schlußendlich auch ohne einem irgendwie hinterherzulaufenden Qualitätsanspruch. Der Kontakt untereinander läuft nur partiell über diese Website, ggf. auch über die PN-Funktion und ansonsten im realen Leben zu allerlei kleinen und größeren Anlässen.

Ein Beitrag wie der obige nebst mancher Kommentare wäre in der FC wohl kaum möglich, wurde neben allfälligen Trollen dort auch sofort die WächterInnen auf den Plan rufen, während es sich hier -das find' ich gut- in der Regel hinruckelt; wäre alles andere eine Form von sich gemein machen mit dem, was die per Definition Guten den zunehmend vielen weniger Guten vorwerfen.

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Zu den BRD-Grünen, meinen Erinnerungen an die hehren Ideale vom selbstbestimmten, autarken, naturverbundenen Landleben hatte ich bereits geschrieben. Die Frage bleibt, ob das alles nicht mehr gilt, weil sog. Rechte nun ebenfalls auf das Land ziehen, nur eben mit ganz falscher Ideologie. Oder anders herum:

Entweder ist das ein großmedial verbreiteter Hype, ohne Substanz? Artikel wie diesen oder jenen werden dem sich zunehmend gruseln sollenden Publikum ja nun permanent verabreicht und darüber (angebliche) Relevanz in Quantität und Qualität verkündet; den entsprechenden Würgreiz ob dieser Entwicklung eingeschlossen. Sind das vielleicht nur pontemkinsche Dörfer? Und in wessen Interesse wird es verkündet?

Oder hat das wirklich Substanz? Dann, und das gilt grundsätzlich für den rise of the right, wäre es hohe Zeit, sehr ernsthaft, vielleicht sogar ergebnisoffen nach dem "warum" zu fragen, die Wagenburg einer von der politischen Kanzel herab verkündeter Alternativlosigkeit zu verlassen.

Die neue, neulinke Sturmabteilung scheint mir bei Beantwortung dieser Frage nur sehr bedingt geeignet.

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die npd wurde nicht verboten ...dies ist eine "form der demokratie" (und "toleranz"^^), die für sich selbst und die regierungshaltung in diesem lande spricht ... somit wäre eine "straßenschlacht" von "rechts gegen links" mehr oder weniger ein ausdruck von "demokratie" >>> und jedoch ein widerstand gegen die regierung ein "staatsfeindlicher akt"  >>> also eine kriminelle handlung

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Aquadraht spricht mir aus der Seele.

Menschen mit konservativen und rechten Auffassungen sind kein Freiwild.

Pöblern und Brandstiftern ist kraftvoll entgegenzutreten. Aber ohne Rechts kein Links und die in Kubitscheks Institut ausgebrüteten Ideen begegnen einem doch auch im Alltag wieder. Stehen er und die Seinen deshalb unter "Sippenhaft" und dürfen nicht in Kino und Theater gehen?

Aber es ist ja noch schlimmer. Ich bin seit kurzem V.i.S.d.P. eines kleinen Druckerzeugnisses und die Redaktion befindet sich fast ständig im Ausnahmezustand. Drei Vorstände haben "hingeschmissen" und es ist abzusehen, wann alles auseinanderfällt. Klar ist, dass Globalismus-Themen und Israelkritik überhaupt nicht gehen. Aber auch bei Wolfsschutz und Luther-Jubiläum wird man sofort persönlich angemacht. Ich wollte einen Meinungsartikel über Wolfsrisse und Biberfraß veröffentlichen, da war ich sofort ein "Agent von Monsanto" und "Sympathisant der konventionellen Landwirtschaft". Oder eine Art Laienpredigt kam sofort in den virtuellen Giftschrank mit dem Vermerk, wir sollten zuerst Max Webers Religionskritik rauf und runter deklinieren. Nichts gegen Max Weber, aber bei einer derartigen Honeckerei kommt mir doch gleich der redensartige Jugendweihe-Kaffee hoch!

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besonders deine erwähnungen im kommentar zeigen die dumm-populistische rundumschlagskeulen einer art von "widerstand" gegen ich dich anschreibe ... wollte sagen "toleranz/widerstand" sind nun auch dabei um- und fehlgedeutet zu werden bzw. der kampf für die deutungshoheit weitet sich in alle bereiche aus >>> und letztendlich bleiben: globalisierungs- und kapitalismuskritik eine tabu-besetze frontlinie, die die meinungsäußerungen kriminalisieren will und zwar mit ALLEN möglich mitteln und wiederholungen und angriffsversuchen in allen möglichen varianten. 

ich habe mich jedoch darauf konzentriert, z.b. keinen götz kubitzschek "irgendwie" zu verteidigen und zwar nicht etwa, weil ich seine individuelle art der gesellschaftslichen teilhabe beschneiden möchte - sondern weil ich KEINERLEI gemeinsame schnittmengen mit seiner haltung sehe und er von mir keine energie zur verteidigung zu erwarten hat, weil ich die lieber an anderenorts investiere ... zum beispiel für die wölfe:-))) ... oder andrej holm ... mir wäre am liebsten, wenn die "rechten" sich durch fehlende aufmerksamkeit im nichts verlaufen würden, genau wie alle schillerndernden möchtegerns der kahane-stiftung und weitere unsymphaten ... über deren stöckchen ich nicht springe >>> es dürfen nicht die "falschen" hinschmeißen!!! ... naja, leicht gesagt, aber trotzdem ernst gemeint ... findet eigene wege eure interessen zu vertreten - m.m.n. bestenfalls OHNE JEDEN BEZUG in anspielung auf "stöckchen" ... und mit viel geduld ...

Aber zur Sache. Ich habe keine wirkliche Ahnung, was das für Leute sind, die sich in Zugstärke auf die Schnelle zusammenfinden, um Leute zu bedrohen, ggf auch zu misshandeln, die aus ihrer Sicht eine solche Behandlung verdienen. Ich kenne so was persönlich nicht.
Im Alter meiner Kinder, das sind junge Erwachsene, sind sie schon zu mit Gederismus, Antirassismus, biologischem Landbau und was weiß ich, das die politische Popkultur grad im Angebot hat, unterwegs. Aktivisten habe ich keine kennengelernt, jedenfalls keine, die den Eindruck machen, sich rumprügeln zu wollen oder zu können.

Hässliche Texte schreiben ist wohl einfacher. Das bornierte Subjekt, dass seine Begrenztheit, seine objektive Unfähigkeit, sich gegen die Zumutungen einer zerfasernden Umwelt zur Wehr zu setzen, spürt aber nicht begreift, gibt seine Gefühlen eine entsprechende Form. Hass. Hass auf die Rechten, auf die Linken, auf die Veganer, die Assfresser, die Frauen, die Männer, die..... Und immer auf den persönlich, der ihm als Träger und Verursacher all des Übels auf der Welt erscheint.

Interessant wäre herauszukriegen, warum jetzt die zivilisatorischen Grenzen überschrittenen werden. Nein, ich glaube nicht, dass es "das Internet" ist. Das ist tatsächlich auch nur ein Haufen vernetzter Rechner mit Menschen an den Tastaturen. Angelegt war es wohl schon länger? Ich erinnere ich daran, wie ein guter Freund aus meinem linksradikalen Umfeld mir schon vor langen Jahren mal sagte: "Robert, hätte ich deine körperlichen Voraussetzungen, wäre ich ununterbrochen in Schlägereien verwickelt" Die Worte eines überaus klugen, ehrlich, überdurchschnittlich klugen Freundes mit einem ziemliche klaren Begriff davon, wie die Welt funktionieren könnte und einem noch größeren Drang, es rauszubekommenden.
Wie mag es bei begrenzteren Menschen funktionieren?

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"Interessant wäre herauszukriegen, warum jetzt die zivilisatorischen Grenzen überschritten werden."

Hallo Robert,

in dem Beitrag "Unbewusste Wirklichkeit" http://fe.termiten.net/node/677 wurde die Frage gestreift.

"Das Unbewusste kann nämlich nicht kontrovers argumentieren und ist deshalb Irrtümern schutzlos ausgeliefert. Wenn wir es also nicht bewusst beschützen, ist es unbewacht und offen für Anregungen von Furcht, Hass, Selbstsucht, Gier und anderer Gewalten, situativ und gesellschaftlich."

Und den Hinweis von C.G. Jung "In dem Maße, wie wir verdrängen, steigt die Gefährlichkeit des Unbewussten.“ verstehe ich so, dass verdrängte Gewalt/Erniedrigung zu jenen Entladungen führt, auf die du dich beziehst.

"Warum jetzt" ist wohl nicht eindeutig zu beantworten, andererseits hat die neoliberale Gewalt inzwischen ja globale Wirkung entfacht. Dadurch sind schließlich alle Hoffnungen, sich an einen letzten Zufluchtsort zurückziehen zu können, zerstört: regional wie global.

Und dann gibt es noch eine weitere Reaktion der bedrängten Psyche, die in dem Beitrag auch erwähnt wurde, nämlich die Wahrnehmung so zu beeinflussen, dass die Ursache der Not gar nicht mehr fokussiert wird.

Je mehr Verdrängungsleistung notwendig ist, das Fehlen von Sympathie/Liebe nicht zu spüren, desto größer wird der Hass - der sich nach außen richtet, richten muss, weile jede eigene Verantwortung für das Desaster nicht ertragen würde.

 

Bei so einem psychoanalytischen Ansatz kann ich leider nicht mithalten. Es fehlt mir da an jeglichen Voraussetzungen. Im Studium hatten wir einen Prof - ich spreche von der DDR in den 70er - der sich wagte, die Grundkategorien vorzustellen. Texte gab es dazu nicht und es war fast subversiv. Obwohl ich schon den Eindruck habe, und ich sage ausdrücklich den Eindruck, dass wir in unserem Überlegungen zu ähnlichen Ergebnisse kommen. Bei mit notwendiger Weise flacher.

Wobei ich für mich persönlich feststelle, dass ich mit so einem fast klassischen Ansatz aus der Kritik der politischen Ökonomie ziemlich weit komme. Jedenfalls für mich selbst und mein Verständnis.
Die Frage, "was macht das mit den Menschen" wird bei Marx natürlich nicht beantwortet. Nicht beantwortet werden konnte.

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Die Psychoanalyse wurde ja nicht nur in den staatskapitalistischen Systemen ignoriert und totgeschwiegen. Ohne den Freudomarxismus der 68er-Bewegung wäre sie auch im Westen unter den Teppich gekehrt worden.

Ausgehend von Wilhelm Reich, Erich Fromm, Karen Horney, später Igor Caruso und Herbert Marcuse, beeinflusste die Psychoanalyse nicht nur die militanten Aufstände in Europa, vor allem in Frankreich, sondern auch die feministische Szene (Shulamith Firestone, Kate Millett).

Die Psychoanalyse ist für jede Herrschaftsform gefährlich, weil sie die innere Natur des Menschen zum Maßstab erhebt und analysiert, inwieweit ein System diese unterdrückt oder fördert. Wenn Entwicklungen bei Suizidalraten, Depressionen, Nervenkrankheiten allgemein, Gewalt usw. zur Evaluierung des polit-ökonomischen Systems herangezogen würden, wäre das mit Sicherheit das Ende der Bürgerlichen Gesellschaft.

Und wenn dann noch die Vergewaltigung der äußeren Natur erfasst würde…

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"Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen." - Theo­dor W. Adorno
 
"Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen" - Stéphane Hessel

 

leider habe ich das gefühl, dass sich viele ganz anderen dingen widmen - und der zukunftsfähigkeit und dem NEUEN überhaupt nicht die gebührende beachtung schenken >>> als ob ob es OHNE NEUES, etwas NEUES geben könnte, beim weiter-so oder keine ahnung

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{"Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen" - Stéphane Hessel}

So sehr ich den guten Hessel auch schätze, die Sache hat (so knapp formuliert) einen Haken:

Das Neue, das durch Widerstand bewirkt wird, kann zwar die Intention des Widerstands stärken, es kann aber auch zu einer systemkonformen Reaktion führen und schlimmstenfalls jeden Widerstand ersticken.

Mit anderen Worten: Widerstand um des Widerstands willen ist kein Garant für etwas Neues, das dem Zweck des Widerstands entspricht.

Bei inneren Widerständen ist es übrigens ähnlich. Wenn man z. B. einen Widerstand gegen das Gefühl der Angst erzeugt, wird sie langfristig umso mächtiger. Besser, als vor ihr wegzurennen, sie zu kontrollieren, sie zu unterdrücken oder jede andere Art von Widerstand zu leisten, ist es, die Angst verstehen zu lernen. Weil, nur was ich gut kenne, kann ich auch bewusst behandeln bzw. unterlassen.

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muß doch gegen das alte sein - darüber hinausgehen ... und wird somit von hessel als widerstand betrachtet (und von mir auch) ....leider sehe ich das kaum ... manchmal sind die schläuche neu ... der wein ist alt ... ich verstehe etwas wirklich NEUES ... welches NATÜRLUCH IMMER in beide richtungen geht ... aber sich dem NEUEN erst mal widmen ... und die lust es erschaffen zu wollen ... denken zu wollen ... leben zu wollen , finde ich vor allem in der kunst und literatur ...