19 Jan 2017

REALO

Submitted by Delloc


 Bild: Esslinger Zeitung / Kay Nietfeld

                

Die REALOS kommen

Früher nannte man Politiker, deren Programm und Agenda darauf zielte, rückwärtsgewandt die herrschenden Besitz- und Machtverhältnisse zu konservieren, „reaktionär“. Damit wurden Haltung und Handlungen treffend charakterisiert als bloße Reaktion, die dafür sorgen soll, dass funktionelle Störungen und Diskrepanzen systemkonform bereinigt und nivelliert werden.

In aktuellen postdemokratischen Zeiten, in denen der Staat selbst die Geschäfte der Privatwirtschaft und der neoliberalen Finanzmafia fördert, werden an die Politik wesentlich höhere Anforderungen gestellt als zuvor. Wer sich darum bewirbt, diese zu erfüllen, erhält zum Dank ein Etikett, das ihn adeln und zugleich ermahnen soll, den Zweck seiner politischen Mission nicht zu vergessen. Er wird „Realo“ getauft.

Kommentare

Bild des Benutzers Heinz

Definition oder Worthülse?

Ich halte mich an den Politischen Kompass, der nicht nur dümmlich in »links/rechts« unterscheidet, sondern auch die Dimension »herrschaftlich/freiheitlich« differenziert.

Links/rechts kann weiter unterschiedlich betrachtet werden:

Wirtschaftlich als »sozial/partikulär«

Ethnologisch als »minderwertig/gleichwertig/höherwertig, also rassisch.«

National als »unser Volk/die anderen Völker«

Bild des Benutzers Delloc

Glückwunsch, Heinz! Dann wirst du dich ja nie mehr verlaufen und wie dein Namensvetter hinter Gittern im Lebkuchenhaus gefangen gesetzt... laugh

Bild des Benutzers Heinz

Intellektuelle begehen Fehler nach reiflicher Überlegung,
die einfachen Menschen spontan unterlaufen devil

Bild des Benutzers fahrwax

.....der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum.

Auch wenn unsere Einbildungskraft uns immer wieder anderes glauben lässt.

Bild des Benutzers Heinz

Ein vorzügliches Instrument zur kräftigen Pflege des Ego.

Bild des Benutzers Delloc

Heinz oder Hänsel? Meine etymologische Intuition war im völligen Einklang... enlightened

Bild des Benutzers Heinz

Hänsel kommt von Hans, Hannes, Jo|hannes;
Heinz kommt von He|in|rich.

Bild des Benutzers Delloc

Wenn ich eines Tages das Gefühl haben werde, nicht dumm sterben zu müssen, werde ich wissen, wem ich das zu verdanken habe.

Danke dir, Hans Heinrich... devil

Bild des Benutzers Heinz

... ist nicht allwissend, »weiß« aber etwas mehr, als ich enlightened

Bild des Benutzers fahrwax

Die Quotendame und der Kiffer allerbest Überintegrierte sind wendig wie ein Schwanenhals - somit hinreichend befähigt für alle Ämter zur Unterstützung notleidender Kapitalien.

Überzeugungen die dieses Dreamteam nicht verraten bekommt haben noch nie existiert.

Bild des Benutzers Heinz

Das gilt für alle Lobby in der politischen Manege.

Parteien leben nicht von Mitgliedsbeiträgen, sondern von steuerlich abzugsfähigen Spenden; darum haben die geoutsourceden Hartz4ler keine Lobby.

Bild des Benutzers Uwe Theel

Ob die Politik (genauer das herrschende Gesellschafts- und Wirtschaftssystem) an Politiker heute höhere Ansprüche stellt, außer vielleicht im Sinne von höherem zeitlichen Leistungsdruck und visueller Medientauglichkeit, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Bürgerliche Wirtschafts- und Politiktheorie ist allenfalls geschwätziger, aber nicht intelligenter geworden; "intelligenter" verstanden im Sinne, dass es aussagenstärkeres oder komplexeres zu verstehen und zu kommunizieren gäbe. Die (Laien)Darsteller dafür werden vielleicht stringenter geschult und die Propagandamaschine von Werbung über das Kanzleramt, Presse bis hin zur Unterhaltungsindusrie (z.B. Degeto) läuft - nicht nur "wie" - geschmiert. (Nur für alle Fälle: Ich bitte das Gesagte nicht mit AFD-PEGIDA-Speak zu verwechseln).

Die politische Riege als exekutierender Ausschuß der herschenden Klasse war schon immer reaktionär, verbrämt mit Alibiliberalen oder zum Abschuß vorgesehenen wirklichen Demokraten. Die "Umtaufung" in Realo ist nur der übliche kapitalistische Marketingzauber, mit dem alter Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen gesucht wird, genauso wie z. B. "Globalisierung" als angeblich unendlicher und positiv zu bewertender Prozeß auch nur den alten, kritischen marx`schen Begriff der Kapitalkonzentration und ihrer Wirklichkeit der Verelendung, die mit dem "einen Weltmarkt" aber eben auch an ihre inneren Grenzen, damit an die der Möglichkeit ihrer Aufrechterhaltung durch auch nur halbwegs zivile Herrschaft stößt und das System in Barbarei umschlagen läßt, verschleiern soll.

Spätestens seit Luhmann, Biedenkopf und Geißler nach 1945 ab den 70er Jahrender linke Theorie und Sprache begannen systematisch zu rauben, ist einige Zeit vergangen, Schmidt, Kohl und Merkel &Co., andere anderswo haben dann ihre Ausschußarbeit (s.o.) geleistet. Die Reaktion marschiert.

P.S.: "Ausschuß" mag hier übrigens in seinem doppelten Wortsinne verstanden werden.

Bild des Benutzers Delloc

Ja, danke Uwe, im Grunde sehe ich es auch so.

Die „Politik als Paradies für zungenfertige Schwätzer“ (G.B. Shaw) hat vor allem marketingmäßig und rhetorisch zugelegt, was aber kein Wunder ist bei der Flut der Lobbyisten-Briefings. Dabei ist das Unbehagen in der Kultur bei Menschen mit offenen Sinneskanälen entsprechend mitgewachsen, scheint aber keinen wesentlichen Einfluss mehr zu haben.

Ich habe Zweifel, ob der Raub linker Theorie und Sprache die Marginalisierung der Linken bewirkt hat. Ich neige da eher dem Ansatz Benjamins zu, dass die Korruption der Werktätigen bereits mit der Definition von Arbeit als der "Quelle alles Reichtums und aller Kultur" im Gothaer Programm begann.

„Es gibt nichts, was die deutsche Arbeiterschaft in dem Grade korrumpiert hat wie die Meinung, sie schwimme mit dem Strom. Die technische Entwicklung galt ihr als das Gefälle des Stromes, mit dem sie zu schwimmen meinte. Von da war es nur ein Schritt zu der Illusion, die Fabrikarbeit, die im Zuge des technischen Fortschritts gelegen sei, stelle eine politische Leistung dar. Die alte protestantische Werkmoral feierte in säkularisierter Gestalt bei den deutschen Arbeitern ihre Auferstehung.“ (Walter Benjamin, Gesammelte Werke II", Zweitausendeins 2011, S. 962)

Auf die Identifikation mit der technischen Entwicklung, die letztlich auf die Ausbeutung der Natur und der Arbeit gerichtet war, folgte die Korruption durch den Konsumrausch, der als gerechter Lohn verkauft wurde. („Soziale Marktwirtschaft“)

Zwar sind durch diesen idealisierten Arbeitsbegriff nur einige Visionen Fouriers in Erfüllung gegangen („daß vier Monde die irdische Nacht erleuchteten, daß das Eis sich von den Polen zurückziehe, daß das Meerwasser nicht mehr salzig schmecke und die Raubtiere in den Dienst des Menschen träten“, ebd.), dafür wurde aber durch die blindwütige Ausbeutung von Arbeit nunmehr eine Situation geschaffen, in der lebendige Arbeit permanent weniger gebraucht wird.

Ich meine, sogar gelesen zu haben, dass manche Studien/Autoren von einer notwendigen Wochenarbeitszeit von weniger als 10 Stunden ausgehen, ohne dass der Lebensstandard geschmälert würde.

Jedenfalls leben wir derzeit in spannenden Zeiten…   

Bild des Benutzers Uwe Theel

Schön dass hier mal jemand mit eigenen Gedanken antwortetwink

 

Zur Sache: Ich wollte nicht intendieren, dass (alleine) der Raub linker Sprache und Theorie die Linke als politische Kraft in der BRD marginalisiert habe, das haben voraufgegangener Faschismus, bürgerlich ökonomisch-politische Wirklichkeit der (dann "wiedervereinigten") BRD inkl. dem Wirken der SPD, spätestens seit nach Brandt selbst bewirkt, indem sie endgültig revisionistisch wurden, bzw. den Rest von politischer Linke - damals bei den Grünen und in der APO noch vorhanden auch noch selbst im Verbund mit der klassisch bürgerlichen Reaktion bekämpften. An dieser fatalen Logik hat sich bis heute nichts geändert.

Interessant Deine Interpretation des Niedergangs der SPD lt. Benjamin, dass die Sozialdemokratie auf die Art revisonistisch, damit antirevolutionär geworden sei, dass sie sich den Arbeitsbegriff des Kapitals selbst zu eigen gemacht habe, um dem Arbeiter dessen Freiheit, die doch so nicht die seine sein konnte und kann, prophezeien zu können. Das hätte die Sozialdemokratie eben aber auch besser wissen können, wenn sie auch nur  Marx` Begriff der zwiegestaltigen Freisetzung von Arbeit durch die Bürgerliche Revolution noch im Kopf gehabt hätte. - Literarisch-politisch fasziniernd: Das "begabte Kind" (Miller) SPD als Opfer des Vaters Karl Marx? - Haute mir auf der Seite Marxens nicht so ganz hin, aber vielleicht fühlte sich die Partei auch nur von der Mutter Bürgerlichkeit nicht genügend geliebt und also mißhandelt??? - Der Gedanke könnte für Dich als wohl Sozialpsychologe doch reizvoll sein?

Was die Explosion der Produktivität seit der ersten technischen Revolution betrifft, so hat sie natürlich den Effekt des tendenziellen Sinkens der Arbeitszeit zur Folge. Diese "Befreiung" von Arbeit ist aber keine Folge sozialistischer, gar kommunistischer Revolution der Produktionsverhältnisse, sondern Folge von innerkapitalistischer Technisierung/Rationalisierung, die für den Arbeiter gleich wieder aufgefressen wird durch ungebrochenene (Mehr)Wertabschöpfung durch das Kapital, ja deren Wachstum, das umgekehrt proportional zum tendenziellen Fall der Profitrate innersystemisch ins schier Unermeßliche steigen muß, aber eben nicht kann.

10 Stunden Wochenarbeitszeit sind unter dieser Einsicht nicht in jedem Fall eine sinnvolle Perspektive, selbst, oder gerade wenn Sozialdemokraten, z.B. Gabriel, der DGB oder sogar vielleicht ein Norbert Blüm davon träumen sollten.

 

Ich wünsche noch einen ruhigen Abend

Uwe

Bild des Benutzers Delloc

Leider hatte ich bisher keine Parteien als Klienten und dementsprechend keine Erfahrungen mit ihren Liebesbedürfnissen. Aber da ohne die Liebe angeblich alles nichts sein soll, mag da auch was dran sein.

Bei der körperlichen Präsenz von Herr Gabriel wäre ich mir sicherer... smiley

Dir auch einen schönen Abend!

 

Bild des Benutzers beutelratte

Schoenes neues.

:-)

Bild des Benutzers Uwe Theel

... who would have thought it?

Feliz año nuevo,

wenn`s auch schon ein bißchen älter ist.

 

P.S.: Demnächst hinter der Mauer? wink

 

Bild des Benutzers beutelratte

Ich zahle freiwillig die Mauer damit mir der Trump nicht zu Nahe kommt.

:-)

Bild des Benutzers Uwe Theel

Pass(t) bloß auf,

der Trump baut die Mauer nur, damit er eine Wiedervereinigung mit Mexico (Remember the Alamo?) machen kann, wie weiland der Honnecker mit Kohldeutschland. Der Russe dabei ist ja für Euch vom Westen auch schon ausgeguckt und der heißt Putin. - Wie war das mit der Geschichte, die sich wiederholt?

Ich würde mir in Maisland also mindestens nochmal mal Viva Zapata! von Kazan ansehen, solange es noch geht, um mich wenigstens zu trösten, bevor Ihr dann wieder einen Kaiser, zwar nicht von Bonapartes aber Trumps Gnaden bekommt.

¡No pasarán!

 

Bild des Benutzers beutelratte

Schlimmer:

Da kommen die Bajuwaren

Falls der Link nicht geht:

https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_I._(Mexiko)

cheekycheekycheeky

Gruss

Bild des Benutzers Uwe Theel

Wenn es nicht die Sachsen sind, dann sind es die Bayern. Die können die Preussen nicht leiden.

 

In jedem Fall sind es immer die Deutschen, in Trumps Fall mit pfälzischen Vorfahren.

 

(Wenn das der Wahrheitssucher wüßte!)

 

Gute Nacht für heute.

Bild des Benutzers fahrwax

....sind die Trump's, für die Schlachterei, auf Kleindarsteller als Double angewiesen. Weil die direkte Besetzung des Präses-Jobs mit nem fachlich qualifizierten Kleindarsteller sich, bei Reagan, nicht bewährt hatte.

Erst wenn die heldenhaften Kleindarsteller mal ne reale Jobbeschreibung, wie in Vietnam, in's Bewusstsein getackert bekommen, entwickeln sie die Neigung zum Streik.