15 Nov 2016

Das Ende der Welt, der Medien (wie wir sie kennen)

Submitted by ebertus


   Social-Media-Parodie des Spiegel-Covers / Quelle: heise.de

Wenn der Spiegel sich dabei nicht gar die selbsterfüllende Prophezeiung geleistet hat? Nur eben die Variante rechts in der Parodie ...

Spiegel und taz waren und sind nach meinem Eindruck die Frontrunner, wenn es um das Infragestellen der eigenen Existenz geht. ZEIT und SZ, mit Abstrichen die FAZ geben die runners up, also die Verfolger; wenngleich nicht in dieser extrovertierten Brutalität und Prolligkeit, welche den zwei erstgenannten innewohnt.

Ganz anders dagegen die sog. zweite Reihe der Medien, überwiegend im Onlineformat. Insbesondere die eher konservativen (vorsichtig ausgedrückt) Medien wie Cicero, Tichy's, Achgut, oder gar die soft antideutsche JungleWorld machen den Exorzismus, das Trump- und US-Bashing des medialen Mainstream nicht mit.

Und nun auch noch "Gott sei bei uns" Breitbart


Das wird, das muß Folgen haben für die zukünftige Rolle der genannten Großmedien. Ein bereits länger anhaltender Niedergang dieses mittlerweile total formierten, die Welt einheitlich erklärenden sog. Qualitätsjournalismus dürfte durch diesen selbst herbeigeschriebenen, grandios gescheiterten Plot in Sachen US-Wahl nun noch deutlicher Fahrt aufnehmen.

Natürlich, das ist kein Prozess von heute auf morgen, sind lediglich die Einzelkäufe am Kiosk schnell zu reduzieren bzw. ganz einzustellen. Ein Abo läuft mindestens drei Monate, in der Regel wohl eher ein Jahr und seine ggf. gezeichneten Genossenschaftsanteile (beispielsweise bei der taz) wird man noch viel langsamer los. Das alles mag noch einige Jahre dauern und es scheint bei den relevanten Konzernen, Stiftungen und Genossenschaften auch noch genug Kapital vorhanden, welches nun lediglich etwas zügiger verbrannt werden darf.

Für den Spiegel mag es ein Novum sein, wie das Branchenportal MEEDIA zu berichten weiss, im realen Leben und jenseits der heimelig-elitären Filterblase dagegen ist genau dieses Szenario das gängige. Und btw. die Abfindungsregelung ist schon recht großzügig ...

Prekäre Jobs sind für viele (angehende) Journalisten mittlerweile die basale Existenzgrundlage und was Jan Fleischhauer wohl auch seinem Spiegel in Sachen dieser, nicht zuletzt an den Wählerinnen gescheiterten Kampagne gegen Donald Trump nun ins Gebetbuch schreibt, das wäre über den dort in Rede stehenden Feminismus hinaus gar zu verallgemeinern:

"Schon der Jargon der Protagonistinnen verrät, dass hier Leute den Ton angeben, deren Lebensplanung von einem drittmittelgeförderten Projekt zum nächsten reicht. Man muss keinen Kontakt zur normalen Arbeitswelt haben, der über gelegentliche Besuche bei Penny hinausgeht. Aber es kann eben auch nicht schaden, wenn man sich die Befreiung der Hälfte der Menschheit auf die Fahnen geschrieben hat."

Das darf möglicherweise "eins zu eins" auch auf hiesige Verhältnisse übertragen werden, diese im Grunde von Fleischhauer wohl auch gemeint sind.


Abschließend darf nun hier noch auf eine neue Qualität im Umgang mit Kollegen und LeserInnen hingewiesen werden. So in etwa:

"Populisten haben jetzt Oberwasser, selbst hierzulande. Sie sehen sich auf der Gewinnerstraße. Ich fürchte: sie haben Recht. [...] Nein, ich rede nicht von der CSU. Sondern auch von Lesern dieser Kolumne. Und von manchen taz-Kollegen."

Bettina Gaus in der taz, soweit ist es also schon gekommen ...

Kommentare

Bild des Benutzers ebertus

Schmunzeln mag ich, bei soviel anhaltender Realitätsverweigerung durch undere Großmedien.

ARD und Spiegel pushen Obama, als wenn uns acht glorreiche Jahre seinen segensreichen Präsidentschaft erst noch bevorstehen. Der erste Präsident, der während seiner kompletten Amtszeit im Krieg war, der exlegale und exterritoriale Drohnenmorde zu nehen Höhen führte, unter dem sich in den USA die Zahl der Bezieher von Notrationen zur Überlebenshilfe weiter vergrößert hat, auch die verbliebene sog. Mittelschicht die Sorge umtreibt, dass Alles ins Rutschen kommt.

Zu Trump und seiner sich langsam formenden Administration ist man hierzulande und was eben diese Großmedien betrift weiterhin im Kampf(hund)modus.

Wenn Trump -in 2017 ?- erstmals nach Deutschland kommt, dann dürfte das nicht vergessen sein, statt ARD und Spiegel die bis dahin ggf. bereits etablierte deutsche Ausgabe von Breitbart das mediale Kommunikationsmittel seiner Wahl sein.

Skurril vielleicht; und dennoch zum Schmunzeln; klammheimlich ...