24 Okt 2016

Wackere Wallonen

Submitted by Krysztof


Die Wallonen verteidigen die Handlungsfähigkeit der Demokratie gegen deren Einhegung durch CETA. Zeit für ein Loblied.1)

Fast ist es ein Wunder von biblischem Ausmaß:
So wie der kleinste der Söhne des Isai,
Einer, dem niemand es zutraut, vom Hüten
Der Schafe geholt und zum König gesalbt wird.
Oder es ist wie ein Märchen,
Wo nur der geringste der Brüder
Den Witz hat, die große Tat zu vollbringen.

Zwar toben die Statthalter der Lobbyisten
und ihre Schreiber verlesen's mit Schaum vor dem Mund2):
„Wie können sie's wagen, die dreisten Zwerge,
Darauf zu bestehen, dass auch in Zukunft
Das Parlament bestimmt, was der Staat übernimmt?
Oder dass weiterhin schädliches Handeln
An Mensch und Natur durch Gesetze begrenzt wird?“

Was hatten sie Listen ersonnen, das zu verhindern
Mit Schiedsgerichten für „Investitionsschutz“
Und „Negativlisten“ für Privatisierung.
Und hatten die Tücken versteckt hinter blumigen Worten
Von „freiem Handel“ und „Abbau von Zöllen“.

Aber die Völker Europas, sie jubeln und singen
Ein Loblied zu Ehren der wackern Wallonen:
Mitnichten ist Namur die kleinste
Unter den Städten Europas,
Denn in diesen Tagen kommt aus ihr
Die Rettung der Demokratie!

Fußnoten

1) Diesen Beitrag hatte ich am 22.10.2016 in der Freitag-Community gepostet, wo er aber zwei Tage später durch einen Serverproblem verloren ging.

2) Ein paar Auszüge aus Überschriften der Massenmedien:

  • "In Geiselhaft der Wallonen" (Spiegel-Online, 21.10.16)

  • Spinnen die Wallonen?" (RP-Online, 22.10.16)

  • "Ceta: EU schaut hilflos den Wallonen zu" (SZ, 21.10.16)

     

Kommentare

Bild des Benutzers fahrwax

SeitTagen ist es mir nahezu unmöglich beim Freitag etwas abzusondern.

r:

Bild des Benutzers ebertus

wenn dann immer mal von den Devs (Mehrzahl) die Rede ist, irgendwas von denen zu fixen wäre.

Widerspricht vollkommen meiner eigenen Berufserfahrung, hatte ich in meiner Hochzeit allein bis zu neun Serverstandorte im Südwesten zu betreuen; nebst der jeweiligen Netzinfrastruktur (Router, Switche, Backupsysteme, Netzdrucker etc.).

Beim Freitag werkelt da möglicherweise lediglich ein prekär bezahlter Mensch auf einer Teilzeitstelle.

Verdächtig ist außerdem, dass die Netzprobleme seit Tagen bereits bestehen, anhaltend wohl. Das deutet meiner Meinung nach eher auf eine schlecht konfigurierte Netzinfrastruktur hin, denn auf einen Datenbank-Crash; der normalerweise in einer Nacht behoben sein sollte.

Wobei mir nicht bekannt ist, ob der Freitag selbst hostet oder lediglich mit seinen Clients an einen externen Provider angebunden ist; wie das bei den Termiten hier der Fall ist. Eigenhosting habe ich 2009/10 auch mal betrieben, aber primär aus Spaß an der Freude; was da wie so geht, oder eben nicht. Viel zu aufwändig mit weiteren kritisch zu betrachtenden Parametern. Das machen primär Firmen mit hohen Sicherheitsanforderungen, ansonsten oft nicht einmal Banken.

In jedem Fall, auch bei Fremdhosting nebst dort -eigentlich- unterhaltenem Backup macht es Sinn, die Daten und das Laufzeitsystem (die Sourcen) ab und zu auf eine lokale Installation zu sichern und natürlich zu testen; geht in einem Amforderungsorizont wie bei den Termiten mit XAMPP und einem FTP-Sync recht gut.

Btw. Die Termiten sind ein Nonprofit, Nonbudget Projekt. Sicherheitskopien werden vom Provider bestenfalls alle drei bis fünf Tage erstellt, ist das der Ausfallhorizont, soweit nicht zwischenzeitlich (bei Updates, Fixes etc.) ein manuelles Backup gefahren wird.

Der Freitag als privatwirtschaftlich aufgestelltes Unternehmen sollte schlimmstenfalls einen Tag (24 Stunden) verlieren, Banken und andere Realtime-System im Grunde und wie der Name schon sagt sind Realtime und ggf. mehrfach redundant angebunden; jedwedes Notstromequipment für die Server und andere wichtige Netzwerkkomponenten eingeschlossen.

Aber wie gesagt, man weiss es nicht, ob der Freitag das alles outgesourced hat, je nach Umfang und Reaktionszeit etc. dann entsprechend bezahlt.

Bild des Benutzers Heinz

Schon mal auf dFC angedeutet, mit gespiegelten Harddisks ist die Rekonstruktion auch ohne Backup jederzeit möglich. Sowas macht das Unix/Linux System mit der Hardware ganz automatisch und sollte gerade bei einer Zeitung Standard sein – im eigenen Interesse.

Bild des Benutzers ebertus

ansonsten an zweckentfremdete Perlen denken ...

Einen RAID-Verbund hatte ich bereits bei meinen ersten Versuchen mit Selfhosting aufgesetzt; allerdings noch ohne Hot-Swap. Wobei ja neben dem Database-Crash auch noch andere Szenarien nicht ungewöhnlich sind; sowohl von Seiten der Hardware wie der (System)software; nicht zuletzt und wie angedeutet auch der Netzwerk-Komponenten nebst derer Konfiguration.

Ein komplexes Thema und nicht ohne wenigstens rudimentäres KnowHow zu adressieren. Deshalb -und nicht nur wegen der Anonymität- finden diese Wordpress-Subdomains hohen Zuspruch.

Wäre vielleicht auch für den Freitag eine Option ....

Bild des Benutzers Heinz

Ich geb ja zu, beim Datenschutz bin ich selbst ein Schlamper – obwohl ich das weiß :-)

Bild des Benutzers Krysztof

Verzeih' bitte die neunmalkluge Anmerkung, aber da bin ich pingelig: Datenschutz ist was anderes. Du meinst vermutlich Datensicherheit.

Ich hab am 23.10. mal in die fc reingelesen und habe die "Serverprobleme" fast erwartet - der Problembär hat mit seinen neuen Freund alle Kommentare dominiert - @30sec hat es wohl auch gelesen und vielleicht auch der Verleger und Spiegelkollumnist.

30sec 24.10.2016 | 14:59

Dieser Gottseibeiuns Wladimir P. schreckt aber auch vor garnix zurück. Weil der Problembär und sein neuer Kumpel ihn so glasklarowitsch durchschaut und angeprangert haben, ist er so gemein und lässt das alles von seinen Hackern löschen!

Krysztof Daletski 24.10.2016 | 20:50

Es sieht so aus als wenn ein Backup eingespielt wurde (alte Benachrichtungen erscheinen noch als neu).

Bild des Benutzers ebertus

und falls Krysztof interessiert ist, so wurde ein Link auf den Google-Cache mit dort 59 Kommentaren gesichert.

Poste das jedoch grundsätzlich nicht öffentlich, meine ich schon, dass die dortigen KommentatorInnen das Recht am eigenen Text lediglich dem Freitag abgetreten haben, hier das bestenfalls als noch zulässiges Zitat und eingerahmt von einem wesentlich umfangreicheren eigenen Text auftauchen sollte. Vielleicht etwas übervorsichtig, aber es sollte meiner Meinung nach vermieden werden, dass Anwaltspost nach Panama auf den Weg gebracht wird ...

Bild des Benutzers Krysztof

Die Serveradmins haben den Beitrag wieder rekonstruiert (ein paar Kommentare fehlen):

Wackere Wallonen (Freitag-Community, 22.10.2016)

Bild des Benutzers Heinz

Im Artikel kommt der Begriff nicht vor, ist aber als Tag gepostet.

Wohl haben sich die pseudodemokratischen Verhältnisse mit dem wirtschaftsliberalen Paradigma deutlich verschlechtert. Genau das meinte Colin Crouch mit seinem Begriff Postdemokratie. Allerdings suggeriert dieser Begriff auch, es hätte jemals eine Demokratie gegeben, die diesen Namen auch verdient hätte.

Dem ist nicht so!

In allen pseudodemokratischen Staaten, egal ob Einheitsstaaten oder Bundesstaaten, haben wir eine mehr oder weniger funktionierende ParteienOligarchie. Die Ausnahme ist die Schweiz, die demokratisch weiter entwickelt ist.

Für alle anderen Staaten ist der Begriff Prä|Demokratie sehr viel passender.

Bild des Benutzers Krysztof

Zum einen sollte man nicht vergessen, dass bedingt durch das Verhältniswahlrecht hierzulande -im Unterschied zu Ländern mit einem Mehrheitswahlrecht- auch andere als nur zwei etablierte Gruppierungen im Parlament vertreten sein können. Und das Aufkommen der Grünen war dafür ein interessantes Beispiel. Dass die dann, als sie an der Regierung waren, nichts besseres zu tun hatten als gleich den ersten (nach 1945) Angriffskrieg von deutschem Boden vom Zaun zu brechen steht auf einem anderen Blatt. Man könnte das als Beleg dafür nehmen, dass schon damals wesentliche Politikbereiche außerhalb des Einflusses der jeweiligen Parteibasis/Wähler lag, aber m.E. war diese Entwicklung nicht zwangsläufig.

Der von Crouch geprägte Begriff "Postdemokratie" ist nicht nur etabliert, sondern auch in seiner Definition geeignet, um die derzeitige Entwicklung des europäischen politische System von anderen zu unterscheiden. In den USA ist es z.B. gemäß Joseph Stieglitz so, dass die politischen Entscheidungsträger praktisch ausnahmslos der Klasse der Superreichen angehören ("Reich und Arm." Siedler, 2015). Das wäre dann also formal eine "Oligarchie".

Und CETA ist mit den im Gedicht beschriebenen Einschränkungen des poilitischen Handlungsspielraums m.E. ein Meilenstein auf diesem Weg in das, was Crouch "Postdemokratie" nennt.

Dein Einwand ist natürlich berechtigt, mit welchem politische Modell man die tatsächlich getroffenen Entscheidungen am besten erklären kann. Für die USA kam kürzlich eine Studie zu dem Ergebnis, dass die politischen Entscheidungen bei Zugrundelegung einer "Demokratie" nicht erklärt werden können: Gilens, Page: "Testing Theories of American Politics: Elites, Interest Groups, and Average Citizens." Perspectives on Politics 12,3, pp. 564-581, 2014.

:

Bild des Benutzers Heinz

Ich verwende die Begriffe in diesem Sinne:

Was Crouch mit Postdemokratie meinte, ist mir klar, weniger Demokratie, als wir schon mal (scheinbar) hatten.
Die ParteienOligarchie hatte Karl Jaspers 1966 auf die Bonner Republik Deutschland BRD gemünzt; das ist mit der Berliner Republik Deutschlend BRD nur noch schlimmer geworden; Adenauer hatte schon vor Berlin gewarnt, das werde ein geistiges Preussen – recht hatte er.

Zur PräDemokratie gibt es in Marburg eine Informationsstelle, die sich mit diesem Themenkreis befasst, also Herrschaftforschung, was meinem Verständnis von einer vermurksten Demokratie näher kommt, als die PostDemokratie.

29.03.2012 - 31.03.2012 | Marburg

„‚Prädemokratie’, ‚Postdemokratie’, ‚Autokratie’?
Zum Stand vergleichender Herrschaft"

Felber: Prädemokratie und der impotente Souverän