24 Okt 2016

Stumme Gewalt - Ein offener Brief an Carolin Emcke

Submitted by ebertus

"Stumme Gewalt" steht als erstes, bislang einziges Buch von Carolin Emcke in meinem Bücherregal. Nach der Lektüre im Herbst 2008 schrieb ich der Autorin spontan eine Mail, ergab sich daraus ein kleiner, interessanter Mailwechsel. Er bleibt intern, aber heute nun und aus aktuellem Anlaß wähle ich die Form eines offenen Briefes.


Liebe Carolin Emcke,

zu Ihrem Buch "Stumme Gewalt" hatten wir im Herbst 2008 einen netten Mailkontakt. Die Art und Weise, wie Sie -als Angehörige eines der Opfer- mit dem Thema RAF umgehen, das hat mir Bewunderung und Respekt abgerungen, war es doch kritisch hinterfragend, sowohl die kleine, als auch die große Perspektive in den Blick nehmend, gegen den Strom schwimmend, einem "Kopf ab" sich verweigernd, wie von Teilen der Medien, der Politik zelebriert und dabei auch Angehörige der Opfer ungefragt vereinnahmend.

Gestehen will ich, seit dieser Zeit dann eher wenig auf Ihre weitere Teilnahme am gesellschaftspolitischen Diskurs geachtet zu haben.

Und nun lese ich heute Ihre Rede anläßlich des Ihnen vom Buchhandel verliehenen Friedenspreises. Ihre Worte erzeugen in mir eine gewisse Ambivalenz, weil sie einerseits nicht nur gut klingen, weil darüber hinaus eigentlich jeder Satz zu unterstreichen ist; und dennoch Ambivalenz, weil (mir) irgend etwas fehlt, weil das von Ihnen als negativ Empfundene sich nach meinem Eindruck und in subtiler Form gar selbst in dem Redetext wiederfindet.


In Teil II schlagen Sie den Bogen von Individuum zur Gemeinschaft, sprechen von einem universellen "Wir", dem angehörig zu sein.

"Das ist durchaus bemerkenswert, denn es ist keineswegs gewiss, was das heisst: angehörig oder zugehörig zu sein."

Sie sprechen von Schnittmengen, also den Gemeinsamkeiten als Menschen und machen das an den verschiedenen Religionen, an den jeweiligen sexuellen Präferenzen fest. Schon hier würde ich leichten Widerspruch bzw. eine Anmerkung wagen, sind für mich Religionen eher eine Form von Ideologie, welche ansozialisiert wird;

während die Sexualität dem Menschen inhärent scheint. Mehr noch, so gibt es Schwule, Lesben, Queers auch bei den sog. Rechten, versuchen Sie dennoch ideologisch durchwirkte Muster (Islam, Kopftuch etc.) zu konstruieren, 

"Als sei die Art wie wir lieben für andere bedeutungsvoller als für uns selbst, als gehörten unsere Liebe und unsere Körper nicht uns, sondern denen, die sie ablehnen oder pathologisieren. Das birgt eine gewisse Ironie: Als definierte unsere Sexualität weniger unsere Zugehörigkeit als ihre. Manchmal scheint mir das bei der Beschäftigung der Islamfeinde mit dem Kopftuch ganz ähnlich. Als bedeutete ihnen das Kopftuch mehr als denen, die es tatsächlich selbstbestimmt und selbstverständlich tragen."

die dann nach meinem Eindruck plötzlich auf ein "Wir" hinauslaufen, denen offensichtlich "Andere" gegenüberstehen.

Wie bereits geschrieben, gibt es Schwule, Lesben, Queers auch bei den sog. Rechten, der AfD usw. Manche outen sich, andere nicht, hier wie dort. Und so scheint mir dieses vermeintliche Trigger-Thema von Ihnen etwas überhöht, zu sehr, zu selektiv mit Ideologie vermischt; auch im Sinne des dann folgenden.


Denn in Teil III geht es bezüglich "der Anderen" diesen "Sie" dann voll; und dennoch codiert zur Sache:

"Sie ziehen Codes und Begriffe ein"

"Sie teilen willkürlich auf und ein"

"Sie stehen vielleicht nicht selbst auf der Straße"

"Sie lassen hassen"

"Sie beliefern den Diskurs mit Mustern aus Ressentiments und Vorurteilen"

"Sie wollen uns weißmachen ..."

"Sie wollen uns einschüchtern"

"Sie wollen alle einschüchtern"


Und wer sind die "Sie"? Wo kommen diese "Sie" denn her und warum gibt es sie? Sind es Viele?  "Die", denen "Wir" widerstehen müssen ...?

Ist das jetzt nicht genau die sonst gern beklagte Frontstellung nebst Ausgrenzung? Dieses "Wir" gegen "Die" und die Frage, ob "wir" -wer wir auch sein mögen- "die" aktiv ausgrenzen (dürfen, sollen, müssen) oder sie sich selbst bereits ausgegrenzt haben. Dieser Frage nachzugehen wäre lohnenswert, so meine ich; und ebenso der Frage, ob zwischen Mitläufern und Anführern unterschieden werden sollte.

Zuerst in der Art eines "Wir", danach kommen die vielen momentan verirrten, verwirrten Schäfchen und dann erst "Sie", die wirklich Bösen, also

"Pseudo-religiöse und nationalistische Dogmatiker", von denen Sie in Ihrer Dankesrede sprechen.

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Vielleicht erwarte ich (auch von Ihnen) ein Zuviel an konkreten Aussagen, mag das alles -keinesfalls abwertend zu verstehen- der gewissen Hilflosigkeit geschuldet sein, die keine konkreten Gründe benennen kann oder will. Ich versuche es trotzdem; ansatzweise.

Bei den letzten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern gab es rund 40% Enthaltung und ca. 21% für die AfD. Wo würden Sie diese mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten in Ihrem Modell des "Wir" gegen "Sie" verorten, pauschal oder doch eher differenziert? Sollte HartzIV weiter verschärft werden (was gerade, eigentlich permanent geschieht), oder gleich Bootcamps in größerem Stil ...?

Vielleicht noch etwas ironischer, auch was die Medien betrifft, die in "Stumme Gewalt" doch sehr kritisch beleuchtet wurden.

Wenn das bekannte Marsmännchen heute zur Erde niederfahren würde, lediglich den medialen Mainstream und vielleicht ihre Rede lesen könnte, dann müsste es wohl erschaudern ob diesem Schreckensregiment, welches AfD, Pegida & Co hierzulande etabliert haben, subtil bis offen exekutieren und das alles wie from outer space über "uns" gekommen ist.

Und dann erscheint eine(r), ruft April, April ... Weder im Bund noch in den Landesregierungen waren oder sind AfD & Co. sind diese Pseudo-religiösen und nationalistischen Dogmatiker an der Regierung, in der Exekutive. Alles gesellschaftliche, gesellschaftspolitische Sein und soweit es von Regeln, Vorschriften und Gesetzen determiniert ist, uns von den großen Medien als alternativlos überbracht wird, all das liegt ausschließlich -in Worten: ausschließlich- im Verantwortungs- und Zuständigkeitsbereich der großen, oft gar der ganz großen Koalition - alle seit dem Sommer 2015 vorgenommenen Verschärfungen und Einschränkungen beispielsweise des Asylrechts etc. eingeschlossen, ebenso alle Deals mit lupenreinen Demokraten zur maritimen Flüchtlingsabwehr!

Sorry für diesen, zugegeben selektiven Klartext ...

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Abschließend hier erwähnt, in Ihrer Rede nicht einmal ansatzweise vorgekommen das sei die Tatsache, eine globale Perspektive ebenfalls einnehmen zu müssen; soweit Blauäugigkeit nicht Programm sein soll. Für mich beispielsweise kann ich sagen, bereits mehrfach für das Projekt "Sea-Watch" gespendet zu haben, ebenso für eine Aktion namens "Zelte für Idomeni".

Denn es steht für mich außer Frage, dass diese Menschen aus dem Nahen- und Mittleren Osten, aus vielen Teilen Afrikas ein Recht, ein uneingeschränktes Recht haben, auch und gerade in Deutschland ihre neoimperialen, neokolonialen Ausbeuter, Rüstungsexporteure und Förderer exterritorialer, exlegaler Drohnenpolitik (beispielsweise via Ramstein) zu besuchen! Diese Menschen kommen in den seltensten Fällen wohl ganz freiwillig, dürften wir beide diesem Begriff vom sog. Wirtschaftsflüchtling mehr als kritisch gegenüber stehen,

haben "Wir" jedoch deren Länder, deren Heimat in die Steinzeit zurück gebombt, beuten sie nach wie vor neokolonial aus.

Was over all sich daraus dann hierzulande entwickelt, das mag weder Ihnen noch mir gefallen. Nur kann, will und darf ich es nicht ignorieren!


Mit freundlichen Grüßen

Bernd Ebert


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Carolin Emcke 2016

Carolin Emcke 2008

Laurie Penny im Feindesland

Wider den Israelhass der Queers etc.

Kommentare

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Malte Lehming fasst diese, meine Einlassung mit anderen, vielleicht professionelleren Worten zusammen.

Mir erst nach Fertigstellung meines Blogtextes heute nachmittag bekannt geworden, wird daher nicht im Blog integriert, sondern hier als Kommentar und zur Ergänzung meiner (gefühlten) Intention eingefügt. Diese Passagen finde ich besonders bemerkenswert:

"Was gänzlich fehlt, ist die Distanz zur eigenen Position, der gelegentliche Ausflug in die Vogelperspektive. Denn von oben betrachtet, zeigt sich ein anderes Bild: Was der Hass für die einen, ist die Verachtung der Hassenden durch die anderen. Was die Ausgrenzung der einen, ist die Ausgrenzung der Ausgrenzenden durch die anderen."

"Wer nur das Böse ins Visier nimmt, verliert die Dimension der Polarisierung durch den Kampf zwischen Gut und Böse aus dem Blick. Der Gegner wird pathologisiert, entwürdigt, ins Reich des Irrationalen verbannt."

"Ob sich der Hass allerdings hauptsächlich durch Verachtung der Hassenden bekämpfen lässt, ist eine Frage, die Zweifel erlaubt.".

Ich halte ja nicht viel, von "Ambivalenz" - klingt immer wie ein "bisschen schwanger" - genau wie dieser ambivalente Dank an ihre Fans - die globalierten Weltbürger - die es auch nicht fertig bringen einen globalen Frieden mit Andersdenken zu gestalten, sondern deren Unterwerfung fordern und sich dazu der Macht ihrer "Freiheiten" bewußt sind - und die Monokulturen in Afrika betreffen ja noch nicht einmal "Minderheiten" - und die Palästinenser sind wohl auch nur "ideologische" Minder-was-auch -immer ... doch davon kein Wort an ihre Fans in der Paulskirche - sondern ein einschwören auf eine großes "Wir" mit ihnen - ich glaub es hackt - mehr möchte ich zu Frau Emcke nicht sagen, sie ist es mir nicht wert - die Geschichte hat sie schon längst widerlegt - sie strickt einfach alle ambivalenten sowohl-als-auch-Binsen - und paßt so allerbestens in die Jetztzeit - weitab von Wahrheiten und Wirklichkeiten der Individuen, für die atomisierte "Weltbürger" als abstraktes "Wir" nur lebensfremd und unsymphatisch sind - und einfach "noch ein bißchen" auf Familie, Nachbarschaft und andere "böse Nationalismen" setzen.

Wen sie nicht zum "Wir" rechnet hat sie Peter Handke und Sigrid Löffler klar erklärt - ab in die Naziecke - sagt sie als "Göttin des Wir" .

"...Sigrid Löffler, die argumentiert habe, dass Handke keine "Parteinahme für den Diktator" betrieben, sondern nur dafür plädiert habe, "allen Seiten zuzuhören". Weder habe er in Löfflers Augen Barbarei rechtfertigen wollen, noch für Milosevic Partei ergriffen."

In der Kontroverse um Handkes Balkan-Texte treffe der "Anspruch des Andersdenkens und Andersschreibens seit jeher auf den formierten journalistischen Konsens darüber, wie die jugoslawischen Sezessionskriege zu sehen und zu beurteilen seien". Löffler will nicht nur die literarischen Qualitäten des Romanautors Handke gewürdigt sehen will, sondern auch die politischen Äußerungen Handkes als vermeintlich "unabhängige".

Emcke: "So verschwimmen bei Löffler Wahrheit und Wirklichkeit zu einer vorübergehenden Angelegenheit, die relativ ist - abhängig nur von der jeweiligen Perspektive. Gegenüber denjenigen, die sich um die historische Wahrheit im Namen der Opfer - egal welcher konstruierten Nationalität oder erfundenen Ethnizität - jahrelang gemüht haben, ist das eine unverschämte Anmaßung."

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/handke-debatte-versuch-ueber-das-...

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"Denn sie macht im Grunde selbst das, was sie den neuen Völkischen vorwirft. Obwohl auch diese trüben Gestalten lauter Einzelne sind, kommen sie bei ihr nur als Kollektiv vor, das automatenartig einer inneren Steuerung folgt. Hier gibt es nicht mehr viele Farben Grau, sondern nur noch Finsternis. Es kann in ihrer Logik keinen Verbindungssteg zwischen diesem sich verfestigenden Milieu und den Kräften des Lichts geben. "

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article158988723/Jeder-krieg...

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"Wer sich nicht mehr vorstellen kann, wie einzigartig jede einzelne Muslima, jeder Migrant, wie singulär jede einzelne Transperson oder jeder einzelne schwarze Mensch ist, wer sich nicht vorstellen kann, wie ähnlich sie in ihrer grundsätzlichen Suche nach Glück und Würde sind, erkennt auch nicht ihre Verletzbarkeit als menschliche Wesen,"

"Die Autorin hat das eigentliche Problem der von ihr genannten Personengruppen nicht erkannt.
Keiner wird die Genderbewegung oder den homosexuellen Nachbarn mehr ablehnen, wie der muslimische Migrant!
Einzigartig sind sie alle, dies sagt aber nichts über ihre Kompatibilität untereinander aus."

http://www.zeit.de/2016/44/carolin-emcke-friedenspreis-des-deutschen-buc...

für die kollektive Gleichmachung eines gewünschten "Wir" nach Elite-Diktat (in bigott-gleichzeitiger Ablehnung eines "gleichmachenden Sozialismus-Horrors") unter Einbeziehung sexueller und religiöser Vielfalt, welche eh in den privatesten Privatbereich jedes Menschen gehören und sich jeden Versuch staatlicher Reglementierung verbieten - bis sie sich durch öffentlich küssende Männer oder Burkaträgerinnen zeigen - die mir persönlich sowas von egal sind. Viel eher würde mich beim großen Wir die Frage interessieren, wer wird gefördert und von wem wird was gefordert. Doch die Fokussierung auf Genderquark und NICHT auf soziale Unterschiede, die jedes "Wir" zum Hohn machen ist nicht ganz dumm als Strategie - eignet sich als Instrumentaliserung gegen Russland und wird bei Saudi-Arabien nicht erwähnt - und läßt pc Hass und Hetze niemals als Problem erscheinen und heizt es damit an, selbst wenn es in einer Rede dagegen geschieht, die sich durch "Ambivalenzen" eiert: "alle sind gleich, aber manche sind gleicher". Ich kenn dies aus der Geschichte seit über 2000 Jahren - es ist sehr "tröstlich" und ermuntert zum alternativlosen "weiter so" - ja, wir haben verstanden, der §175 wurde 1994 abgeschafft - weil es etwas peinlich war, dass dies im "Unrechtsstaat" schon 1950 geschah.

https://de.wikipedia.org/wiki/%C2%A7_175

"Was dieses „universale Wir“ wohl sein mag? In den von mir kontrastierend erwähnten und mit Berichten verlinkten sozialen Realitäten zeigt sich jedenfalls, dass es nicht gerade allgegenwärtig ist. Es muss sich doch jeder einmal ehrlich fragen, wo ihm dergleichen in seinem Leben jemals begegnet ist. In der Familie? In einer Schulklasse? In einer Firmen-Belegschaft? In einer Partei? Einem Sportverein? – Dort, wo es um Spiel und Spaß geht, wohl noch am ehesten. In der Familie, wie sie sich in Deutschland gestaltet, wohl nicht einmal so zwingend. In zu über 40 % geschiedenen Ehen jedenfalls nicht. Im Weltmaßstab, mit mächtigen geldgierigen Spekulanten, Geheimdienst-Kraken, gedopten kriegerischen Islamisten, endzeitlich gestimmten Jüdisch-Orthodoxen und subventionierten christlichen Schönfärbern und Tagträumern dann aber schon? – Sollte man nicht lieber im Kleinen einmal sehen, ob man es dort überhaupt hinkriegt – und geht das zeitgleich mit Willkommenskulturen für jeden, der einen in eine Debatte über seinen Gott und seine eigenen vielfältigen Probleme von mancher Art hineinzieht, die mehr noch frühere als heutige Generationen in Deutschland selbst unter großen Entbehrungen bis zum Verlust des eigenen Lebens ausbaden mussten, bis endlich tragfähige Strukturen für viele erarbeitet waren? Dies widerspricht wohl schon jeder Erfahrung in der individuellen Erziehung. So verheißungsvoll das „universale Wir“ klingt, so organisch müsste es wachsen – und kann nicht als Kaninchen aus einem Hut springen."

Im direkten Übergang suggeriert die Rednerin, dass das „Klima des Fanatismus und der Gewalt“ auf „nationalistische Dogmatiker“ zurückzuführen sei. Sie meint damit offensichtlich zum einen neurechte Parteien und Publizisten. Keine Erwähnung findet, dass diese größeren Zuspruch erfahren, weil sie als einzige Ängste artikulieren, die durch unkontrollierte Massen-Zuwanderung hervorgerufen sind und die eine christlich-demokratische, dem Konservatismus zugerechnete Kanzlerin zunächst mit einer bedingungslosen Aufnahme aller Ankommenden beantworten wollte. Fanatismus und Gewalt sind an erster Stelle sicherlich den Akteuren jener Kriege zuzuschreiben, vor denen ein Teil der Flüchtlinge geflohen ist

Emcke gaukelt vor, hier über richtig und falsch allein schon entschieden zu haben und urteilt alternative Haltungen dazu ab, ohne aber ihre eigene Alternative annähernd klar zu definieren. Typischerweise für fragwürdige ideologische Konstruktionen spiegelt sie unkommentiert das, was sie der Gegenseite vorwirft: „Sie teilen willkürlich auf und ein, wer dazugehören darf und wer nicht.“ Die von ihr diffamierten Begriffe von Volk, Tradition, Familie, Nation scheinen für sie keineswegs auch nur noch verhandelbar zu sein. Sie sind, ganz gemäß einem linksgrünen Teeküchen-Gestus, äh-bäh, sowas von gestern, Nazi halt, weißte.

Wer würde – wie im Buchtext von Emcke zu Kumlycka erwähnt – im Fall von Integrationsverweigerern noch von „Selbstbestimmungs- und Selbstverwaltungsrechten“ reden?

Die Aussage „Wir können immer wieder anfangen“ müsste man mit Inhalt füllen; verallgemeinert ist sie keineswegs zutreffend. Denn Geburten über 50 sind riskant bis unmöglich. Wie überalternde und/oder multikulturelle Gesellschaften überhaupt „anfangen“, oder ob sie in Chaos, Depression und Armut abdriften, muss ebenso Gegenstand des Dialogs sein.

Was die Linke hier fortgesetzt nicht bemerkt, ist wohl auch ihre Instrumentalisierung durch Eliten. Diese benutzen beizeiten gesellschaftliche Effekte aus Gleichmacherei und alternativen Lebensentwürfen. Sie rüsten deren Vertreter zu einem indirekten propagandistischen Organ hoch, das alle anders gestimmten politischen Kräfte über Massenmedien übertönt und verdrängt. Die beste Tarnung ist, dass dies als die letztgültige Erfüllung von Worthülsen der Gleichheit, Freiheit oder auch von Menschenrechten dargestellt wird. Nun also leistet der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels dazu Beihilfe."

http://filmdenken.de/friedenspreis-rede-carolin-emcke-analyse/

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Wollte ich zum Thema "Wir können immer wieder anfangen" später vielleicht noch etwas schreiben.

Emcke bezieht sich gern auf Hannah Arendt, hier vielleicht deren Modell vom absoluten Neuanfang qua Geburt. Das ist mit Sicherheit spannend, habe ich von und über Arendt nicht wenig gelesen.

Nur muß ich jetzt auf Anweisung meiner Frau erstmal das Auto beladen, später in die Badewanne und falls nach dem Abendbrot noch etwas Zeit ist, so knüpfe ich gern zu dem Genannten an.

Ansonsten sind wir ab morgen früh bis wenigstens Freitag abend on the road, daher hier nur relativ wenig involviert.

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Hannah Arendt ist eine politische Denkerin, dieser Neuanfang daher politisch, ideologisch zu verstehen.

Eigentlich trivial, und doch wichtig zu wissen, zu verstehen, soweit es hier (bei Carolin Emcke) um das unter Umständen bewußte Vermischen von Biologie mit Ideologie geht. Die Hautfarbe, das Geschlecht, sexuelle Aktivitäten und Präferenzen haben nun mal wenig bis nichts mit Ideologie (oder Religion) zu tun, viel dagegen mit Biologie im weitesten Sinne.

Der Neuanfang qua Geburt ist bei bei Hannah Arendt dann einer der Sozialisation des Menschen, vom Elternhaus über Schule und ggf. Uni bis hin zum Beruf, dem Freundeskreis. Eigentlich ein nie endender Prozess des Menschseins. Die Hautfarbe oder das Geschlecht dagegen sind qua Geburt festgelegt, wenngleich es Einzelfälle geben mag, bei denen via moderner Medizin(technik) das Geschlecht nachträglich noch korrigiert werden kann.

Oder man hält es mit Judith Butler, ist die jeweilige Geschlechtlichkeit eh' nur ein performativer Akt. Das kann man machen, so im akademischen Elfenbeinturm, hat das jedoch wenig mit der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen zu tun, beschreibt primär Ideologie.

Ähnlich verhält es sich meiner Meinung nach mit dem, was Carolin Emcke dort in der Frankfurter Paulskirche vorgetragen hat. Wenig wirklich Konkretes, wenig Fassbares, aber viel Raunen ob dem "Wir" und unserem Verhältnis zu den "Sie"; welches dann weder qualitativ denn quantitativ, gar alternativ als mögliche Optionen und jenseits des gebetsmühlenartigen Beklagens konkretisiert wird.

Stattdessen lässt sich Emcke ausführlich über die eigene Sexualität aus und bringt es gar fertig, eine dahingehende Präferenz jenseits des herkömmlichen Mann/Frau-Schemas dem postulierten "Wir", also den Guten zuzuordnen; qua "uns" innewohnender Gene vielleicht ...?


"Als sei die Art wie wir lieben für andere bedeutungsvoller als für uns selbst, als gehörten unsere Liebe und unsere Körper nicht uns, sondern denen, die sie ablehnen oder pathologisieren. Das birgt eine gewisse Ironie: Als definierte unsere Sexualität weniger unsere Zugehörigkeit als ihre."


Wir, wir, wir! Uns, uns, unsere! Ihre, ihre, ihre! Andere, andere, andere! Und nein, nicht nur für sich selbst sprechend, verallgemeinert Emcke diese, ihre Sicht auf -eben nicht nur- ihre sexuelle Präferenz, definiert eine derartige Sexualität Zugehörigkeit (zu den Guten). Halleluja!

Der letzte, der mit guten oder weniger guten Genen hantierte, das war meiner Erinnerung nach ein Herr Sarrazin; und auch ein ehemaliger israelischer Minister hatte wohl schon mal ein jüdisches Gen entdeckt. Muss dahingehend immer schmunzeln, weil spätestens bei Konvertiten die Gene dann ganz schön durcheinander kommmen dürften.

Ok, das harrt noch der Verifizierung, aber bis dahin gilt weiterhin, dass Religion, das Ideologie insgesamt via diesem von Hannah Arendt qua Geburt postulierten Neuanfang im Laufe des weiteren Lebens determiniert werden, gut oder böse eben gerade nicht angeboren sind.

so billig könnte man Emcke bösartigerweise auf den Punkt bringen. Wie sie dafür noch Hannah Arendt zu ihrer Anwältin macht, haben Sie ja erkannt -und sie selbst kann nix dazu erwidern.

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und täte ihr gar unrecht, soweit man Juden mit Israel gleichsetzen wollte.

Nach meinem Wissen ist Carolin Emcke bei den sog. Antideutschen nicht wirklich angesagt, weil sie die israelsche Besatzungspolitik nicht unbedingt befürwortet; vorsichtig ausgedrückt.

Mich stört dann eher noch dieser Trigger, was eine vermeintliche Sexualität jenseits "der Norm" angeht. Es mag Menschen geben, denen das Thema irgendwie unangenehm ist, mögen sich durch ein derart offensives Präsentieren in die Ecke gedrängt fühlen. Und andere dürften sich provoziert fühlen, überreagieren verbal vielleicht; wird das dann eine selbsterfüllende Prophezeiung durch und für die Guten.

Ergo: Auf mich wirkte das Überbetonen dieser, ihrer Sexualität, das gleichzeitige verallgemeinern derselben in dieser Rede dann doch etwas kontraproduktiv. 

Bedeutet für mich weit mehr, als der kleine private Frieden im Ausleben seiner Sexualität.Wie weit damit jeder an die Öffentlichkeit geht - naja, könnte vom mir aus auch ein Thema sein - jedoch nicht meins! Ich persönlich möchte meine ganz intime Sexualität dort nicht diskutieren und ausbreiten oder wie eine Flagge vor mir her tragen ... ein gleichempfindender Partner reicht mir dabei völlig für mein Privatleben.

Frau Emcke ist jedoch für mich eine Befürworterin des Jugoslawienkrieges - welche nach den heutigen Stand in Den Haag - ihre unverschämten Diffamierungen an Peter Handke - der von Anfang an den Mut hatte gegen den Kriegstreiberstrom zu reden - nicht einmal gedanklich erwähnt und DARIN ein Versäumnis zur Kriegsverhinderung = Frieden sieht = Frieden ist nun mal einfach die Abwesenheit von Krieg und keine "demokratische Herbeibombung" von angeblichen Frieden. Soviel ist mir für eine Preisträgerin zu billig - paßt aber bestens ins Elite-Verständnis der Bigotterie,die sich feiern darf, Schwule nicht mehr öffentlich zu diskriminieren (was eigentlich ja selbstverständlich sein müßte - für einige wohl aber Überwindung kostet) .

Solange sich Frau Emcke nicht "überwinden" kann, ALLE Opfer zu thematisieren und die Täter konkret zu benennen, sehe ich in ihrer Person der Preisträgerin eine Instrumentalisierung für die Ablenkung zu einem Nebenschauplatz, der für mich künstlich und abstrakt geschaffen wird - seit Wowereit und Westerwelle dürfte das Thema PRAKTISCH schon lange durch sein und nur noch langweilen angeichts der NATO_Kriege und deren Opfer.

Naja, zumindest kämpft ja die Nato nicht gegen Schwule, sondern gegen "Terroristen", die sie selbst ausbildet und bewaffnet und nach Lust und Laune als Freund oder Feind betitelt.

Schwulen kann das nicht passieren - da spielt die Biologie eine Rolle - egal auf welcher Seite sie sich ideologisch verorten. Zu Ende gedacht:nur Quatsch für mich -sorry und total am Thema Frieden vorbei.

Don Alphonso ‏@faz_donalphonso 21 Std.Vor 21 Stunden

"Ob die Politiker, die Frau Emckes Menschenrechtsrede beklatscht haben, jetzt vielleicht Snowdens Menschenrecht auf Asyl prüfen wollen?"

... natürlich nur rhetorisch ... oder ironisch ... oder nimmt er das wirklich ernst??? (^^ vielleicht sollte snowden sein coming out verkünden? und über russische schikanen berichten^^) >>> so geht es heute >>> sexualisierte ideologien >>> ein zug rauscht durch weltpolitik, weil es keine anderen probleme gibt ... und im friedlichen mittelmeer immer mehr menschen ertrinken ...

Emcke sprach sich für Straffreiheit der RAF-Mitglieder aus, weil sie die Wahrheit über Strafe setzt. (hat sie einem Lügendedektor??)

andererseits wird es etwas diffus, wenn sie von "wir" spricht und den Widerstand gegen das "wir" hin und her dreht.M.M.n. leistet sie "tolles" zur allgemeinen Verwirrung ... also genau das Gegenteil von dem, was ich wichtig finde.

Wenige Jahre nach dem Attentat hat sie bei Jürgen Habermas ihre Magisterarbeit über das Recht auf Widerstand geschrieben. "Ich habe nur Autoren diskutiert, die Widerstand und zivilen Ungehorsam legitimieren", sagt sie.

http://www.taz.de/!5176098/

Herrhausen hat eine Woche vor seinem Tod selbst ein Attentat auf ihn für möglich gehalten:

Vor seiner letzten Rede vor der Weltbank in New Yord, in der er einen Schuldenerlass für die dritte Welt erstmalig in Erwägung zog.

Sinngemäß soll er vor der Rede gesagt haben:

"Ich sollte nach der Rede ganz schnell mit einem Hubschrauber verschwinden ..."

Zum Komplex "Herrhausen" gehören auch die Morde an "von Braunmühl" und vor allem auch an Rohwedder.

Rohwedder hatte als Chef der Treuhand die US-Investmentbanken umgangen.
Nach seinem Ableben änderte sich das unter der Leitung von Frau Breuel sofort.
Keine Wunder, denn Frau Breuel war der Bank S. G. Warburg eng verbunden und diese Bank ist sozusagen die Hausbank des CIA.

Ich will nicht alle Details nochmal raussuchen. Interessant ist jedoch die Figur Peter Nocken.

Gleichzeitig enthüllt Renner im selben Vortrag, dass der damalige hessische Geheimdienstler Peter Nocken beim Herrhausen-Anschlag versucht hatte, der Roten Armee Fraktion (RAF) die Tat unterzuschieben. Anschließend machte Nocken ausgerechnet beim Thüringer Geheimdienst Karriere, im Dunstkreis der (angeblichen) NSU-Terroristen, – trotz eines bei Nocken festgestellten, bis heute geheimen, „schwerwiegenden Sicherheitsrisikos“.

„Viel Geld und Du sagst aus die RAF hat bei Dir übernachtet und in Deinem Keller den Sprengstoff gehabt.“

Dann hat der gesagt: „Njet, mache ich nicht.“

Dann hat man gesagt: „Okay machen wir eine andere Variante: Du kannst auch vom Hochhaus fallen.“

Er war suizidgefährdet, dann war er weich. Man hat ihn zum BKA begleitet, er hat die Aussage gemacht. Er hat Personen belastet. Es hat sich dann erwiesen durch die Spurensuche in seinem Haus, durch Zeugeneinvernahmen von Nachbarn und Angehörigen von ihm, dass das alles hinten und vorne nicht stimmen kann.“

Martina Renner zeigte im Vortrag ein Foto von Herrn Nocken, als Zeuge beim Thüringer Untersuchungsausschuss.

Wie Herr Nocken 1993 nach Thüringen kam

„Er [Nonne] hat dann seine Aussage widerrufen und Herr Nocken hatte eine Anzeige am Hals, weil er hat jemanden genötigt zu einer Falschaussage. Er hat Geheimnisverrat begangen. Es gab mehrere Strafvorwürfe.

Und im laufendem Ermittlungsverfahren wird er Abteilungsleiter Beschaffung in Thüringen. Ja. Also an einer der entscheidenden Stellen im neu geschaffenen LfV [Landesamt für Verfassungsschutz] Thüringen, wird er trotz dieses laufenden Ermittungsverfahren in eine verantwortliche Position gehievt.

Mit ihm kommt eine ganze Kohorte, die ihn begleiten, quasi ein ganzer Tross aus Hessen, die hatten auch alle Dreck am Stecken. Also vorn mitgemacht bei den Machenschaften von Nocken in Hessen (…) Und das muss man auch wissen, wenn man das erklären will, was passiert ist.“

Nocken war von 1993 bis 2001 beim Thüringer Inlands-Geheimdienst, dem sogenannten „Verfassungsschutz“, unter anderem mit der Anwerbung von Informanten betraut gewesen. Auf Fragen nach der Geheimoperation „Rennsteig“ antwortete er dem U-Ausschuss häufig mit Verweisen auf sein fehlendes Erinnerungsvermögen.

http://friedensblick.de/13499/martina-renner-kennt-terror-unter-falscher...

Das was gemeinhin "Verschwörungstheorie" genannt wird ist doch viel klarer mit "Hypothese" benannt, denn ich gehöre keiner Verschwörung an, sondern hab nur einfach eine andere Meinung, als öffentlich verkündet wird und lt.Uwe Krüger durch die Verflechtungen viel eher einer "Verschwörung" zuzuordnen wäre.

Also: Frau Emcke schrieb ein Buch über die RAF, dem man jedoch - wie bei Rohwedder KEINERLEI Beweise zufügen konnte -und ich auch ihr nicht folge.

Meine Hypothese: es war die CIA. Die lacht sich ins Fäustchen (genau wie Gauck neben ihr in der Paulskirche),wenn sie hören: "Straffreiheit für die Wahrheit" - Diese Spurenlegung zur RAF sollte doch belohnt werden, auch wenn sie keinerlei Sinn ergibt -doch jede öffentliche Stimme zählt, die zur Verwirrung und nicht zur Aufklärung führt.

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aus den/meinen entsprechenden FC-Kommentaren; und wer weiss, was beim Freitag so alles passiert ...

Ich kenne, wie bereits weiter oben geschrieben, nur ein Werk von Carolin Emcke: "Stumme Gewalt" und von mir 2008 gelesen.

Dazu entwickelte sich dann auf meine Initiative hin ein kleiner Mailwechsel mit der Autorin, habe ich ihr weiteres Einbringen in die gesellschaftspolitischen Diskurse dann lediglich noch sehr sporadisch verfolgt, bin erst bei dieser Rede zur Preisverleihung des Buchhandels ihren aktuell geäußerten Anliegen wieder näher getreten;

ist der oben verlinkte offene Brief dann daraus entstanden.

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Insofern kann ich lediglich die Carolin Emcke von 2008 mit der von 2016 vergleichen.

Und dieser Vergleich fällt (für mich) eben zugunsten der von 2008 aus.

Emcke hat damals weder die Taten der RAF relativiert, noch deren Beweggründe auch nur ansatzweise in einen positiven Kontext gesetzt. Sie hat jedoch eben gerade keine Inklusion vs. Exklusion betrieben im Sinne des heutigen "Wir" gegen Die".

Auch eindeutig als Mörder identifizierte Menschen bleiben Menschen, das genau das das Ergebnis einer aufgeklärten säkularen Moderne; von der Emcke und nun beinahe spiegelverkehrt in ihrer aktuellen Rede spricht.

Und Emcke kritisierte in 2008 auch einen Teil der Großmedien in deren anhaltender Hexenjagd, deren impliziten Rufen nach Rache.

Denn auch das zeichnet diese Moderne aus: Gewaltenteilung und formal zumindest ein Neuanfang nach Verbüßung der von einer demokratisch legitimierten Instanz ausgesprochenen Strafe.

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Break to 2016 ...

Eindeutig identifizierte Mörder, rechtsgültig verurteilte Verbrecher sind nicht zu jagen, werden von Emcke konkret nicht einmal angedeutet, die basalen Menschenrechte derer diffus angedeuteter (Menschen?) nicht einmal ansatzweise in den Blick genommen.

Stattessen durchzieht die Rede ein Raunen, welches primär im "Wir" gegen "Die" kumuliert, diese "Die" offensichtlich bar jeder noch akzeptierten Eigenschaft als Menschen anzusehen, irgendwie nicht mehr zu uns gehören und lediglich die nun möglichen Optionen (der Guten) von Emcke noch offen gelassen werden.

Ein Schulterschluß von Carolin Emcke mit dem neuen und nun spiegelverkehrten McCarthyism, der herrschenden Politik und deren Großmedien;

ohne jeglichen Blick zurück auf das, was morgen mit diesen zunehmend Vielen, den von der Kanzel in der Paulskirche herab Exkludierten, mit denen, den Anderen nun passieren soll.

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Um es (nochmals) konkret zu machen ...

Es gibt zwei Dinge, die ich an der Rede von Carolin Emcke inhaltlich zu kritisieren habe:

1. Das Exkludieren von einem zunehmenden Teil der Gesellschaft hierzulande, wobei dieser Teil weder konkret spezifiziert wird, auch quantitative Größenordnungen völlig im Diffusen bleiben und Alternativen dahingehend, wie dem gesamtgesellschaftlich zu begegnen sei (diese Gesellschaft im Namen der Guten vereinnahmend) vollkommen fehlen.

2. Das in der Rede gebotene explizite Outing der persönlichen, sexuellen Präferenzen (für alle, die das nicht wussten) wird dann dahingehend, implizit erweitert, dass dies und jenseits der herkömmlichen Mann/Frau-Beziehung ein Merkmal, gar eine determinierte Wesenseigenschaft des "Wir", der sog. Guten sei;

Sexualität als Träger von Ideologie - vice versa ...

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hier der Link zum entsprechenden Freitagsblog, dessen Autor und ansonsten primär einkippend, selbstvermarktend dort unterwegs nun endlich mal einige Kommentare erhält; gern geschehen ...

Am Freitag, 4. November 2016, ist Thomas Fischer ab ca. 16 Uhr unser Gast bei einer Live-Video-Fragerunde auf Facebook. Schicken Sie uns Ihre Fragen bereits jetzt an fragfischer@zeit.de oder stellen Sie sie live während des Gesprächs am Freitag.

Es gab ja in der FC eine eine kurze Diskussion zu diesem Thema - mit einem sehr langweiligen Verteidiger von Emcke, einem nun ehemaligen Nutzer und dem Autoren dieses offenen Briefes (voller Ambivenz) - mit Distanz zu T.F.

Ich kann nur weiterhin meinen Dank an T.F. bekräftigen - und sorry - auch letztlich "Ambivalenz" nicht sehr spannend finden.

Von mir hier auszugsweise aus:
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-11/hassreden-journalismus-kritik-ca...

"Hate-Speech ist derzeit ein Aufreger. Selbst der Kolumnist wird gelegentlich zu den Hatern gerechnet. Einige Gedanken zum unerhörten Rennen um das richtige Wort. " vom 1.11.2016

"I. Liebes Tagebuch

Also mein Innerstes, Unentdecktestes, gleichwohl Entäußertes! Mein Kernbereich der Menschenwürde! Mein Du im Ich!

Gelegentlich, wenn ich bei Diskussionsveranstaltungen um ein Schlusswort gebeten werde, sage ich, ceterum censeo, einfach mal so, dass in den vergangenen Stunden, wie immer, alle 60 Minuten weltweit ungefähr 1.000 Kinder unter 12 Jahren verhungert sind. ...

Wären wir jetzt auf dem monatlichen Kerzenfest des nickenden Negerleins oder beim Wort zum Sonntag, wäre so etwas superpassend, da erwartet. Aber ganz schlecht ist es, wenn man dergleichen unerwartet sagt – zum Beispiel anlässlich ... anlässlich von Feierstunden zur Empörung über die allgegenwärtige Unterdrückung lesbischer Homosexualität in der Bundesrepublik. In solchen Lagen fühlen sich die Menschen von dem kleinen cetero censeo in unangenehm moralistischer Aufdringlichkeit berührt. ...

Statt im allerletzten Schlusswort zum zehnten Mal zu sagen, was schon gesagt war zu "Nein ist Nein", sagte ich das mit dem Hunger. Da wurde die Journalistin, die als sogenannte Moderatorin des öffentlichen Talks auftrat, die außer einem stramm feministischen Glauben aber keine Kenntnisse mitgebracht hatte, richtig böse. "Da machen wir dann vielleicht gelegentlich 'ne Sendung über Philosophie draus", war, was ihr einfiel. Und eine Ministerialrätin sagte, das sei jetzt aber total unpassend. Man dürfe doch das Grabschen nicht mit dem Verhungern vergleichen.

Doch, darf man. Man darf und sollte sogar alles mit allem vergleichen. Das ist nämlich die einzige Möglichkeit zu vermeiden, dass man alles gleich setzt, gleich wichtig oder gleich schlimm findet....

Ich empfehle zum Beispiel, die Verfolgung und Ausgrenzung männlicher Homosexueller oder die anhaltende vollständige Eliminierung (nicht krimineller) Pädophiler aus der bürgerlichen Gesellschaft zu vergleichen mit der (angeblichen) Unterdrückung weiblicher Homosexueller. ...

So ist das mit dem Vergleichen und Differenzieren: Kaum fängt man an, bröckeln die Glaubenssätze und Sprachregelungen. Der Kolumnist rät an dieser Stelle: Martin Caparrós (Der Hunger, 2015) lesen, und Stephan Lessenich: Neben uns die Sintflut (2016)! Und nebenbei ab und zu ein bisschen Bukowski. Dann ist man nicht so überrascht, wenn er einen aus der ZEIT anspringt, gerade wenn man am wenigsten mit so etwas gerechnet hat. ...

II. Entlarvung

Eine kleine, aber selbstgefühlt riesige Gruppe von Journalistinnen und Journalisten regt sich bekanntlich wöchentlich über diese Kolumne auf, weil entweder ihren Mitgliedern selbst oder jemandem, den sie kennen, oder der heiligen richterlichen Zurückhaltung an sich ein Unrecht widerfahren sei. Meistens handelt es sich um irgendein Wort, das die Damen oder Herren nicht auf ihrer Autokorrektur-Funktion hatten oder über das ihnen irgendjemand gesagt hat, es sei verboten. Dann schäumen die Filzstifte auf, und der Kolumnist wird angerufen und gefragt, ob er bereit sei, dem Publikum den Sinn so unbekannter Begriffe wie "Silikonbrüste" oder "Dummes Zeug" oder "Nein" zu erklären. Worte also, die Redaktionen in Aufregung versetzen oder Herausgeber der FAZ nicht schlafen, lassen aus Sorge um Deutschland. ...

Ist das noch Meinung oder schon Hate-Speech mit kompliziertem Satzbau? Taugen Richter heutzutage eigentlich noch als Vorbilder?"

Dem Journalisten Winterbauer liegt also die Hate-Speech am Herzen: diese allen Chef-, Leib-, Ober-, Haupt und Super-Redaktionen Übelkeit erzeugende, menschenrechtswidrige, unerhörte, gewaltgleiche, unerträgliche, stigmatisierende, traumatisierende, Brechreiz auslösende Kommunikationsform unserer neuen Zeit. Sie muss selbstverständlich verboten und bestraft werden, egal, was sie eigentlich ist und woran man sie erkennt.

Schauen wir doch einmal, wie Herr Winterbauer das "Haten" macht:

"Beliebte Aggro-Kolumne". Das wie zufällig hingetupfte Attribut "beliebt" zeigt nicht bloß Faktensicherheit, sondern zugleich feinsinnige Ironie, Kenntnis um die Gebrochenheit der medialen und der menschlichen Existenz, mit einem kleinen Schuss Verachtung für die Masse wie für den Gegenstand. Zur Sache: "Schreibender Bundesrichter". Was könnte den schreibenden Redakteur veranlassen, einen anderen Autor "schreibenden Bundesrichter" zu nennen? "Bundesrichter" ist ein Begriff aus der Welt der Erwachsenen. Da kann Herr Winterbauer nichts machen. Das ist wie "Hochspannungsleitung" oder "Einwegkanüle". Wäre er der schreibende Elektriker Winterbauer: Er würde es uns gewiss verraten. Das "Schreiben" ist das Erregende: Ein "schreibender Bundesrichter" ist etwas, was der frühe Winterbauer im Proseminar nicht gelernt hat. Um Verachtung zu lancieren, aber unschuldig zu tun, so sagt das kleine Brevier für kleine Chefredakteure, verbinde eine attributive Beschreibung mit einer personalen Substantivierung, die möglichst weit entfernt ist und die zu denunzierende Tätigkeit betrifft: Schwülstiger Kanzler, keuchende Redakteurin, fettglänzender Pressesprecher. Große Sprachkunst dieser Art nennt man seit den 1965ern "Augstein-Speech". ...

Die Schuster- & Leistentheorie und der Wunsch nach dem Vorbild

Jedoch, es scheint mir, als sei es hier nichts als der eingeübte Beißreflex der Mainstream-Inhaber. Er nennt sich auch hier "Schuster- & Leistentheorie" und umschreibt den unbedingten Willen, die berechtigte Scham über die eigene Beschränktheit mit dem unberechtigten Stolz auf den eigenen Kleingeist aufzuwiegen. Die Schuster aller Zeitalter haben sich, wie wir wissen, zu unserm Glück an diese Theorie noch nie gehalten. Wenn schon nicht der Journalismus frei ist, sprach Cicero, berüchtigter Lateinlehrer und Chefredakteur, dann doch wenigstens der Schuster: Er baut Siebenmeilenstiefel und fliegende Pantoffel, wo der Journalist gebückt einherschleicht. ...

Herr Winterbauer ist natürlich nur ein Exemplum. Er folgt der ihm anbefohlenen Spur wie der Gänsegeier dem Aasgeruch und bemerkt vor lauter Geierballett nicht, dass ihm noch das vergammelte Bindegewebe vom letzten Gnu um die Füße hängt. Frau Emcke ist ihm, wie er uns mitteilt, ganz egal. Er ist angeödet von ihren pseudo-philosophischen Traktaten und mit ihnen grad ebenso froh wie ohne sie. ...

Der schreibende Journalist Winterbauer hätte gern ein "Vorbild", am besten einen Richter. Das ist erfreulich, aber erstaunlich. Vielleicht meint er es ja auch gar nicht. "Taugen (?) Richter heutzutage (?) eigentlich (?) noch (?) zum Vorbild? Das ist ein derart unterirdischer Satz, ...

IV. Die Sprech-Lücke

Wenn mich jemand fragen würde – ich hätte zwei Strafbarkeitslücken zu bieten und ungefähr 200 Vollzugslücken. Für die letzteren nenne ich Ihnen drei Beispiele:

Die Resozialisierungslücke: ich halte es für unerträglich und verlogen, dass, wie, in welchem Ausmaß und mit welch merkwürdiger Energie verantwortliche Politiker und Verwaltungen seit vielen Jahren das gesetzlich verankerte Strafvollzugsziel der Resozialisierung missachten und in sein Gegenteil verkehren, um populistischen Stimmungen gerecht zu werden....

Die Korruptionslücke: Der Aufwand, der in Deutschland zur Verfolgung von Korruption betrieben wird, macht – wenn es wirklich hoch kommt – allenfalls ein Zehntel aus jenes Aufwandes, der dem Staat zur Verfolgung von illegalen Drogen nötig erscheint. Das ist eine skandalöse Fehlleitung und Fehlinvestition von öffentlicher Aufmerksamkeit und Anstrengung. Unsere Gesellschaft wird nicht von Drogenhändlern ernsthaft untergraben, die mit der unsinnigen Prohibition steinreich werden, sondern durch die Zermürbung von Standards der Anständigkeit und Verantwortlichkeit auf jeder Ebene: In der Politik, der Verwaltung und vor allem auch in der Wirtschaft. ...

Das ist nicht Zufall, sondern Methode. Es zeigt Bedeutungen und Gewichtungen, und spiegelt zugleich Sprachregelungen und Täuschungen. ...

Die Vernichtungslücke: Klingt dramatisch und ist es auch. Gemessen an den Gefahren und Verbrechen, die durch Umweltzerstörung, Ressourcenvergeudung und Auslagerung von Existenzrisiken auf die Schwächsten begangen und verursacht werden, sind die gesellschaftlichen Zipperlein, wegen derer bei uns eine "Reform" die nächste jagt, geradezu lächerlich. Leider sieht sich unser Lückenfüllungs-Strafrecht seit 30 Jahren vollkommen außerstande, der Vernichtung des Lebens im Meer, dem dramatischen Artensterben, dem Aussterben blütenbestäubender Insekten (mit der Folge des großflächigen Zusammenbruchs der Nahrungsmittelproduktion, falls nicht auf Hand- oder Maschinenbestäubung umgestellt wird) irgendetwas entgegenzusetzen. Den Umstand, dass die heutige Lebensmittelproduktion der Welt locker für 12 Milliarden Menschen reichen würde, tatsächlich aber 90 Prozent davon für 30 Prozent der Weltbevölkerung reserviert werden, könnte man selbstverständlich straftatbestandsmäßig erfassen: Das wäre nicht schwieriger zu regeln als die Strafbarkeit von Vorbereitungshandlungen zu einer möglicherweise geplanten Gewalttat im fernen Ausland. Man bräuchte dazu allerdings ein anderes Strafrecht, und Menschen, die den Sinn des Lebens nicht in der Verfolgung von Grabschern und Sprayern und Kleindealern sehen oder uns solches weismachen. ...

Eine leitende (oder sagen wir: leidende) Vertreterin des Bundesministeriums der Justiz teilte anlässlich einer öffentlichen Diskussion des neuen, nach ihrer Ansicht extrem fehlerhaften Lückenfüllungs-Gesetzes (StÄG Sexualdelikte) in der letzten Woche mit, es habe da halt eine feministische Lobby nach der Kölner Silvesternacht "die Gunst der Stunde genutzt, bis sich keiner mehr getraut hat, Widerspruch zu erheben, aus Angst, dass er seine Reputation verliert." Ein weißer Bundesjustizritter, der die Referatsleiterin errettete aus diesem Abgrund, für den sie fast gar nichts kann, war auch in Wiesbaden nicht in Sicht. Eine Referentin des federführenden Ministeriums durfte (oder auch nicht) sagen, sie halte einzelne Teile des neuen Rechts für dogmatisch völlig ungeklärt, andere für verfassungsrechtlich zweifelhaft. Da hat sie Recht. ...

Beleidigung ist strafbar; üble Nachrede und Verleumdung sind strafbar; Volksverhetzung, Bedrohung, Gewaltverherrlichung sind strafbar, Befürwortung von Straftaten ist strafbar: Also wo um Himmels willen soll da jetzt noch eine "Lücke" sein? Was soll das überhaupt für ein merkwürdiger Tatbestand sein, "Hass" zu formulieren?

Hass, Liebe, Vertrauen, Nähe, Zartheit, Abstoßung, Verachtung, Verbundenheit: Das alles sind doch Emotionen zwischen lebendigen Personen. ...

Wer seine Wirklichkeit auf einem Smartphone lebt, hat zwar die Alternativen "Hate" und "Love", also eine extreme Beschränkung der menschlichen kommunikativen Möglichkeiten, als angebliche Konsequenz ihrer extremsten Ausweitung ins Unermessliche und Ewige, also den puren Blödsinn. Jeder Schimpanse im Zoo hat aber zehnmal mehr emotionale Lernmomente als ein Redakteur auf Twitter. Dieser muss doch den "Hass", den er zu meinen meint, erst einmal neu erfinden: Die zerstörerische, gewalttätige Emotion muss in ein Wort-Bett gebracht werden, das der extrem reduzierten intellektuellen Potenz genügt. ...

"Der Genscher ist eine armenische Mischung aus marokkanischem Teppichhändler, türkischem Rosinenhändler, griechischem Schiffsmakler und jüdischem Geldverleiher und ein Sachse", sagte einst (1978) Herr Strauß über einen amtieren Minister. Und ein Fraktionsvorsitzender sagte zu einem Redner: "Waschen Sie sich erst mal! Sie sehen ungewaschen aus! Sie sind ein Schwein, wissen Sie das?" Heutzutage wären das natürlich lauter Verbrecher: Hate-Speecher der schlimmsten Sorte, geschäftsmäßig und im besonders schweren Fall. Ganze Kreiskrankenhäuser müssten erbaut werden zur Therapierung ihrer schwer traumatisierten Opfer. ...

Fischer hatet Emcke!

Rene Aguigah (Deutschlandfunk Kultur) hat auch etwas zu sagen:

"Überboten hat diese Pointen bislang nur einer. Thomas Fischer, seines Zeichens Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof. Ein Zitat aus seiner jüngsten Kolumne für die Zeit: (… Es folgt, Sie ahnen es, das 'Apfelbutzen-Stück'. Mit Bukowski. Und die Mitteilung, der Kolumnist habe den Tatbestand des Hatens "noch nicht ganz" erfüllt).

Dabei hatte ich nur gesagt, aus einem abgekauten Apfelbutzen könne und solle man nicht zum vierten Mal einen Jahrhundert-Apfelwein keltern. Gern nehmen wir aber auch einen ausgelutschten Teebeutel zum Objekt unserer Teebeutel-Verachtung! Gern hätten wir aber vor allem gewusst, was Herr Aguigah zur Sache selbst zu sagen hat. Das bloße Abschreiben eines unverstandenen Zitats aus den Empörungs-Rülpsern anderer ersetzt ja den eigenen Gedanken nicht. Was also meint wohl der DLF oder die SZ, wenn sie das Apfelbutzen-Zitat abschreiben oder vorlesen? Und was zum Teufel hat dieser Bukowski damit zu tun? Hängt am Ende dessen "Spur von Scheiße" zusammen mit uns oder der bundespräsidialistischen Dankesrede oder der Hate-Speech oder was ist überhaupt los? Schön ist ja immerhin, dass keiner der feingeistigen Analytiker sich getraut hat, den Bukowski auf die Emcke zu beziehen, oder den Kolumnisten dessen zu beschuldigen. ...

"Eine der bedeutenden Intellektuellen unserer Zeit" hat, so meinte ihre Arbeitgeberin, die Süddeutsche Zeitung, den Preis erhalten. Daher darf, wer immer sich traut, in aller Schüchternheit fragen, wodurch sich eine "intellektuelle Persönlichkeit" in unseren Zeiten denn auszeichne, und was den Schritt vom Intellektuellen zum "bedeutenden" Intellektuellen ausmache. Das Œuvre der Preisträgerin, soweit es sich uns über das Internet erschließt, darf man getrost als "schmal" bezeichnen. Von einer intellektuellen Leitfigur hätte ich mir ein Dutzend Bücher oder Fachaufsätze erwartet, die einen Hauch von Originalität des Denkens verströmen. Insoweit also schon einmal Ebbe. Das Hauptwerk ("Hass") der Intellektuellen erweist sich zugleich als Solitär. Außerdem gibt's noch ein Traktätchen und dann natürlich die SZ-Kolumne. Ich dachte, sie sei Philosophin, finde aber nichts philosophisch Prononciertes.

Viele finden sie gut, viele finden sie schrecklich. Ich kenne dieses Schicksal, ohne dass ich aber je auf die Idee gekommen wäre, ich hätte es bei den Menschen, die meine Kolumne wöchentlich unerträglich, überflüssig, langweilig, langatmig oder sonst ganz schlecht finden und mir und der Welt das in vielen Hundert Briefen, Mails, Kommentaren oder Kurznachrichten mitteilen, mit (strafwürdigen) Hatern zu tun. Oder als sei es nicht das gute Recht von Lesern, sich gegen das Gelesene zu beschweren. Wer mir schreibt, ich sei ein Dummkopf, der nichts versteht, ist kein Hater, sondern halt ein Dummkopf, der nichts versteht, oder ein Genie, das mich anregt. Um das zu erkennen, brauche ich wahrlich keine Zentralstelle für die Entschädigung von Opfern der Wichtigtuerei.

Ich gestehe offen und freimütig, dass ich, was die Emcke-Kolumne angeht, zur Gruppe der Schrecklich-Finder gehöre. Ich finde sie regelmäßig belanglos, komplett unüberraschend, ideenarm und larmoyant. Die Wahrheiten und Anregungen, die sie enthält, sind zumeist selbstverständlich. Die Sprache ist schwerfällig, gewichtig, bedeutsam, als schreite eine Weise dahin und vermesse die Welt. Der Inhalt folgt dem in der Regel nicht. Aufgeblasene Worte zum Sonntag machen noch keine Weihnachtspredigt. ...

Das höchste Gut, das die postmoderne, atomisierte Gesellschaft zu vergeben hat, ist Aufmerksamkeit. Wenn das Leben aller einschließlich des eigenen in einen folgenlosen Brei von Worten und Zufällen zerflossen scheint, kann sich die menschliche Einmaligkeit allein in der Aufmerksamkeit der anderen noch finden. Für Augenblicke dieses Rausches, sich lebendig und existent zu fühlen, tun Menschen alles. Man kann das als Täter erreichen oder als Opfer. Grenzen sind fließend. Die Täterrolle ist kurz, flackernd, ungewiss, belastend, also in höchstem Maß prekär. Nur ganz wenige wollen und können dauerhaft Dieter Bohlen oder Charles Manson sein. Die Opferrolle hingegen ist dauerhaft, beruhigend, entlastend, enthemmend. Zugleich mit ihrer millionenfachen Aneignung und Zuschreibung wird sie wieder und wieder skandalisiert: Wie furchtbar, so dröhnt es aus all den Glockentürmen der Verblendung herab, ist es doch, dass es Opfer unter uns gibt. Dieselben Personen aber, die an den Seilen dieser Verkündung sich auf und nieder bewegen mit ihrem ganzen Selbst, sind die Denunzianten der Opfer und die Speichellecker der Täter. ...

VII. Schönere Opfer

Ich bin Opfer. Wir sind Opfer. "Opfer" ist das neue Sprach-Placebo des Mainstream. Wer Opfer ist, hat schon gewonnen. Der Kolumnist fühlt sich, spontan und in allem Ernst, mindestens zehn verschiedenen Opfergruppen zugehörig: Von "Migrant" bis "Flüchtling", "misshandelt" bis "missbraucht", "adipös" bis "gemobbt", "gehatet" bis "behindert", "alt" bis "menschenrechtswidrig kriminalisiert" (wegen Cannabis-Konsums). Tja, was jetzt, liebe Schiedsrichter?

Was mich an den Emcke-Texten stört, ist ihre penetrante Opfer-Solidarität, die sich, je länger man liest, immerzu nur als Rührung über sich selbst entpuppt. Sogar die Dankesrede zur Preisverleihung hat sie benutzt, um sich als verfolgte Minderheit zu gerieren; das fand ich sehr peinlich.

Unter allen 1.000 definierbaren Minderheiten in diesem Land ist die der studierten Lesben ganz gewiss nicht unter den 50 Unterdrücktesten. Wer anderes behauptet, will Aufmerksamkeit und Interessen durchsetzen, nicht aufklären und befreien. Ich sehe, höre, fühle und erlebe lesbische Feministinnen seit 40 Jahren ihre schreckliche Benachteiligung als Opfer beklagen, vermag eine solche aber in der Wirklichkeit einfach nicht erkennen. Vielleicht habe ich eine Sehschwäche, eine genetische Strafbarkeitslücke also, oder bin einfach unvorstellbar verblendet oder dumm. Jedenfalls denke ich ganz ernsthaft, dass es heute in Deutschland kaum eine weniger diskriminierte Minderheit gibt als die knallharten Netzwerke lesbisch-feministischen Schwestern-Gequatsches, die sich gegenseitig in die Gremien und Bedeutungspositionen und Preiskomittees und Redaktionen und Sachverständigen-Aufträge und Fördervereine und Staatsämter loben und befördern.

Ist Ihnen aus den letzten 20 Jahren ein Fall bekannt, in dem eine bekennende Lesbierin ihrer sexuellen Orientierung wegen in der Öffentlichkeit ernstlich desavouiert, denunziert, beschädigt, missachtet oder zurückgesetzt wurde? Musste jemals eine Ministerin, Chefredakteurin, Staatssekretärin, Moderatorin, Fußballertrainerin, Personalchefin "zurücktreten", weil sie homosexuell war?

Frau Emcke, die Friedenspreisträgerin, die bundespräsidentiale "bedeutende Intellektuelle" unseres Landes, hat erhebliche Teile ihres gepriesenen Buches und dann auch noch erhebliche Teile ihrer paulskirchlichen Dankesrede und obendrein verschiedene Interviews jenem Thema gewidmet, das ihr mehr als alles andere am Herzen liegt: Sich selbst. Sie blickte auf sich, und sie blickte in sich, und sie blickte um sich herum. Und überall erblickte sie sich selbst: als Opfer. Ein paar Hungerleider waren auch da. Die sagten: Danke, danke!

Liebe Täterinnen! Hier endet die Geduld des Kolumnisten. Er hat seit 1961 Hunderte von Worten zum Sonntag geduldig ertragen, zugegeben: in Erwartung des Spätfilms. Irgendwann ist es genug, und man kann das ewig gleiche Gesülze einfach nicht mehr ertragen. ...

Wenn ich hören möchte, dass der Mensch ein moralgesteuertes Wesen, das Gute gut und ein versalzenes Risotto eine Katastrophe ist, kaufe ich mir eine CD und stelle sie auf Dauerlauf. Dazu brauche ich aber keinen weichgespülten Einheitsbrei, der die Legitimation zur Vergeudung von Zeit auch noch daraus herleitet, dass er ein angebliches "Opfer" und daher besonders beachtenswert sei. Das ist mir, ich bekenne es, einfach zu langweilig. Carolin Emcke ist kein "Opfer" von irgendwas. Wenn sie ein paar Schwierigkeiten in ihrem persönlichen Leben hatte, ist das, wie bei uns allen, ganz einfach stinknormal. Ich finde gravitätisches Selbstmitleid extrem peinlich....

Der Kolumnist erträgt die kleingeistige Denunziation als Hater locker und ist sehr geehrt und berührt von der Auszeichnung. Er spricht im Übrigen, was er will und mit wem er will. Das kann und soll und mag in der Sache kritisiert werden. Mit Lügen und Beleidigungen wird man ihn schwerlich erschrecken. Erst recht nicht mit der "Enthüllung", er halte sich nicht an die Sprachregelungen des Mainstream. ...

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auch dort beim Freitag ....

Hat nicht viel gefehlt und ich wäre nach einigen Gläsern anempfohlenen Rotweins mit Beyond Blümchen pflücken gegangen.

Zu Thomas Fischer wollte ich mich keinesfalls grundsätzlich negativ äußern, im Gegenteil. Nur fand ich seinen Einwurf einfach zu persönlich, zu vulgär vielleicht und bei Abwesenheit eines substantiellen Inhalts, was die Rede von Emcke angeht.

Fischer kann ansonsten nicht mehr viel passieren, legt es es vielleicht gar darauf an, mit vollen Bezügen vorzeitig geext zu werden, dürfte spätestens dann für ein Gespräch bei KenFM zur Verfügung stehen.

Hier ein kleines Gedicht dazu:

"Der Nächste!

und ich ging rüber zum Stuhl
und mein Kopf saß noch drauf
und sein Kopf sagte zu meinem Kopf,

Wie möchtens Sie´s denn?
und ich sagte,
Na so mittel ..."
(Bukowski)

T.F.hat einfach mit "Literatur" geantwortet = Bukowski:Emcke gegenüber gestellt (durch Zitate); was sonst wohl keiner getan hat, so als wenn es "wirkliche" gar nicht um Literatur, sondern um Ideologie ging^^

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Das Jahr neigt sich dem Ende, wird es wieder Zeit über kleine Geschenke nachzudenken.

Schon beinahe Tradition für mich ..., sind alte Bekannte weiterhin bzw. neu zu fördern, ist jedoch auch gänzlich Neues zu wagen. Und dabei, nicht erst heute, mir immer schon mal untergekommen, das ist Jasinna:

Ich deute das jetzt mal als Themenwechsel -muß ja nicht immer "Rotwein" der Grund sein^^

Ich lese keine ideologischen Sachbücher, weil :"die Literatur der USA hat gegenwärtige Mißstände in der amerikanischen Gesellschaft oft deutlicher artikuliert als die Politik; auch ihre Ursachen ..."

http://www.literaturseiten-muenchen.de/veranstaltungen/die-usa-im-wahlja...

Ansonsten schau ich mal beim Hanser-Verlag zu den Neuerscheinungen oder frage die Buchändler meines Vertrauens.

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Ja, vielleicht ...

Von meiner Seite dann eigentlich als Abschluß der Causa Emcke zu verstehen und überleitend auf das dahinter sehr grundsätzlich aufscheinende, großmedial gehypte, oft sehr selektiv dargebotene Thema namens (neudeutsch) Hate-Speech.

Da scheint noch Einiges zu gehen ... 

Mal sehen, ob ich eine Antwort bekomme, oder Sie von Frau Emcke.

Ansonsten bin ich ganz Ihrer Meinung, dass das Thema "Emcke" durch ist.

Die Einhaltung des GG, aber auch die zunehmende Aggression bei gleichzeitiger Ignoranz des Naheliegenden - also eine fehlende Ausgewogenheit im Umgang miteinenader und einseitig ideologische Fokussierung -sieht für mich wie eine Resignation der Zivilisation aus, wenn sich da nichts ändert.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/polizei-sucht-bank...

liebe zeit.de,

warum lese ich ihre Zeitung nicht mehr - sondern fast nur noch die Fischer Kolumne??

Warum habe ich an T.Fischer keine Fragen? Weil er alle rhetorisch unterhaltsam auf hohen Niveau und ausführlich-differenziert beantwortet und einfach KEINE offen läßt.

Ich bin ihm und auch der zeit.de sehrsehr dankbar, dass ich dies er(leben)lesen darf.Bitte richten Sie T:F: unbedingt diesen Dank aus und auch meine Hoffnung, dass er (und Sie) nicht durch banal-langweilige Fragen seine Zeit in der Fragestunde ableisten muß, sondern beide die Chance nutzen,die dieses Gespräch darstellen kann, auch wieder ehemalige Leser zu Ihrem Kundenstamm zu zählen ... Es wäre nicht nur eine dringend notwendige Lückenfüllung für mich persönlich, sondern auch für alle begeisterten Kommentatoren unter dem Artikel von Fischer, welche das selbstständige Mitdenken und den gesellschaftlichen Diskurs vermissen. Überlassen Sie dies nicht allein den ideologischen Propagandisten und deren Lobbys.

Wo ist die "Lobby" der Ehrlichen, die nicht korrumpierbar sind und so Schritt für Schritt in eine relative Armut und Ausgrenzung getrieben werden - leider auch durch teilweise Kommentarzensur unter Ihren Artikeln?

T.Fischer hat alles gesagt: Hass und Wut, sind genauso wie Vertrauensverlust und Ignoranz KEINE Straftatbestände - die Meinungsfreiheit jedoch ist "garantiert" - weil allgemein bekannt ist, was passiert, wenn sie fehlt bzw. einseitig beschnitten wird. Bitte garantieren Sie zumindest die Einhaltung des GG und bemühen Sie sich, dessen Verletzungen journalistisch zu benennen. damit würden Sie den Beitrag leisten. der für sinnvolle Gestaltung des Lebens eine Minimalvoraussetzung ist und einfach erwartbar ist.

DAS innenpolitische Desaster ist die die materielle Schieflage und die damit verbundene Ausgrenzung an gesellschaftlicher Teilhabe der MEHRHEIT der Bevölkerung -durch völlig verfehlte Arbeitsmarkt - und Sozialpolitik, welche SELBSTVERSTÄNDLICH zu Zukunftsängsten führt und die "Täter" in der Politik sitzen und von den "Opfern" noch Dankbarkeit und Respekt erwarten.

Thomas Fischer als Bundespräsident - wäre für mich und das Land ein Segen, welcher die Chance auf Vertrauen und Frieden von allen oben-und-unten-Schichten ermöglichen könnte, da er die wirklichen Prioritäten von Nebelkerzen in die richtige Reihenfolge sortieren würde und die Kausalität nicht der Willkür der "Macht", sondern der Analyse der Vernunft und Unabhängigkeit = der Gleichheit der Würde ALLER Menschen die Grund(gestzliche)lage nutzt.

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ist wahrscheinlich eher eine Antwort von der ZEIT, von Fischer zu erwarten, als von Emcke.

Weil letztere muss sich ja jetzt erstmal mit den vielen neuen Hatern beschäftigen, Fischer natürlich eingeschlossen.

Ansonsten und über Emcke hinaus könnte das dann so klingen:

"Wir, die Guten verstehen überhaupt nicht, warum es plötzlich soviele Böse, soviele von Carolin Emcke pauschal entlarvte Sie hierzulande gibt. Die sind jetzt einfach da, einfach so über uns und über das alternativlos-systemische Gute gekommen, müssen Wir nun schauen, wenigstens selbst gut zu bleiben, wo es doch bereits soviele Abweichler gibt; vollkommen unbekannte, vollkommen irrelevante Menschen wie diesen Fischer eingeschlossen."

"Aber wir schaffen das, die ..."

Um Hass zu verstehen, muß man auch Liebe verstehen und wissen, dass dies Beides Gefühle sind, die man zwar nicht ausleben muß und schon gar nicht ständig in den Mund nehmen muß, sonst hießen sie ja nicht Gefühle, sondern Gerede

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Wenn es mit den Gefühlen nicht mehr so klappt, ist die Liebe dann weg? Sind wir getriebene unserer Gefühle oder sind die Gefühle nicht Begleiterscheinungen unseres Wollens? Wie auch immer, aber Liebe und Hass sind mehr als bloße Gefühle, ansonsten wäre es Gefühlsduselei. Was aber auch bedeutet, dass Liebe ohne Gefühle unserem natürlichen Wesen widerspricht. 

Wenn Sie "Gefühle" (welche nach meiner Definition eine Tiefe und Klarheit haben und mögliche Taten der Selbstlosigkeit folgen lassen) mit "Gefühlsduselei" gleichsetzen, tun Sie mir leid.

Wenn Sie dann noch das "Wollen" als "duselfreie" Ergänzung/Bedingung dazu packen, klingt das für mich stark nach (sexueller) Triebhaftigkeit. Ich kann lieben, ohne Gegenseitig zu erwarten - es ist ein tiefes Gefühl der Annahme eines Anderen, genauso, wie er ist und völlig unabhändig von meinem "Willen", der allein der Reinheit des Gefühls verpflichtet ist.

Liebe ist keine Handelsware, die man haben will - wobei es dies natürlich mehrheitlich gibt und oft so genannt wird. Adorno hat dazu viel Kluges geschrieben. Wenn Sie kein Gefühl der Liebe mehr in sich tragen, "dürfen" Sie ruhig weiter "verheiratet" bleiben ^^

Aber Sie haben auf Ihre Art wohl recht: wenn es mit den Gefühlen nicht mehr so klappt - wenn man sie nicht mehr fühlt (Gefühle der Leere, der Einsamkeit, der Trauer ...) - es gibt dafür Kompensationsmöglichkeiten und Attitüten. Mit "Trieben" haben "Gefühle" nichts zu tun, sondern mit einem tiefen in sich fühlen - wenn man den fühlt.

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Sie haben genau das herausgelesen, was ihrer Vorstellung von Liebe entspricht: aber Liebe ist weit mehr als Gefühle! Daraus haben Sie den falschen Schluss gezogen, dass Gefühle bei mir im Zusammenhang mit Liebe keine Wertigkeit besitzen, zumal ich auch noch von "Gefühlsduselei" geschrieben hatte. Sowie Sie auch "überlesen" haben, dass "dass Liebe ohne Gefühle unserem natürlichen Wesen widerspricht."

Abgesehen davon sind Beschreibungen der Liebe mittels Attribute oder Handlungen ihr nicht gemäß, wie es ähnlich mit den Gottesvorstellungen ist. In dem Sinne.
 

Ich verstehe Sie wirklich nicht, aber das ist nicht schlimm und kann auch gern so bleiben. Für Erkenntnisgewinn durch Austausch bin ich aber immer zu haben, weil ich erahne, was Sie meinen könnten, genauso wie ich ahne, das eine Verständigung darüber schwer sein wird - und möglicherweise mißverständlich,was ich nicht möchte.

"aber Liebe ist weit mehr als Gefühle!" ... was denn genau????

"unserem natürlichen Wesen widerspricht" ... was ist denn das?

"Gottesvorstellungen" ... habe ich nicht

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aufgrund ihrer Rückfrage: "aber Liebe ist weit mehr als Gefühle!" ... was denn genau????" kann ich nur schweigen, denn Liebe ist weit mehr und nicht mit Worten zu greifen. Aber wir können es ruhig bei der Schnittmenge "Gefühle" belassen, (die auch daran beteiligt sind), mehr aber auch nicht.

spricht auch für sich

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Ich hatte ihre Vorstellung von Liebe mit einem Hinweis erweitern wollen, ohne es aber im letzten in Worte fassen zu können. Denn abgesehen von den verschiedenen Bedeutungsebenen der Liebe und ihren Qualitäten ist es eine Evidenzerfahrung. Es gibt halt Fragen, da müssen Sie die Antwort schon selbst "erfahren". Vielleicht kann es Ihnen der Tiger ja "erklären".
Aber wie Bernd sagte: zurück zum Thema.

Ja genau.

Ich wußte nur nicht - und bin auch nicht der Meinung, dass Evidenzerfahrungen (Gefühle) nicht in Worte fassbar sein sollen. Wenn das die Lyriker, Poeten und Psychologen doch nur wüßten - sie würden wohl schweigen^^

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Sie verwechseln Worte mit der Qualität selbst. Belassen wir es nun bei den Gefühlen.

Ich kenne den Unterschied zwischen einem real vorhandenen Tisch und dem Wort "Tisch" nicht.

Ebeso scheine ich wirklich das Wort "Liebe" - welches banale Floskel über Schmeichelei und Täuschungsversuch bis zum Tiefsten der menschlichen Existenz gehenden Gefühl befähigt nicht in unterschiedlichen "Qualitäten" von Allgemeinplatz bis realen Einsatz des eigegen Lebens differnzieren zu können.

Danke für ihre Belehrungen, wäre ich doch niemals darauf gekommen - ohne diese qualitätsneutralen Worte von Ihnen, die sie mir zu verwecheln unterstellen. Leider fehlt mir an auch an "Einsichts+Verständnisqualitäten" Ihnen zu folgen. Tut mir sehr leid - aber ich gebe Ihnen einfach Recht ... weil ich die Verwechslerin bin ... in Ihrer qualifizierten Erwiderung.

Ich hab es jetzt verstanden:-))) Danke -nochmals.

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zumindest das weiß ich nun.

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schreibt sie doch wörtlich von "die Art wie wir lieben für andere bedeutungsvoller als für uns selbst" ...

(Hervorhebung von mir) in einem verallgemeinernden "wir" und im Gegensatz zu den "sie", den Anderen. Ich halte das für eine Anmaßung, sowohl die Verallgemeinerung, als auch die Abwertung qua wertender Zuschreibung lediglich angedeuteter Anderer.

Das ist im Grunde mein Thema, meine Kritik an Carolin Emcke.

"Liebe Carolin,

damals, um die Jahrhundertwende, als wir Kollegen in der Auslandsredaktion des „Spiegel“ waren, hast Du mich mal mit Deiner Wasserpistole nassgespritzt. Das war nicht friedlich. Auch deshalb hat es mich gewundert, dass Du jetzt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hast.

Du bis die prominenteste Vertreterin des deutschen Betroffenheitsjournalismus. Die Amerikaner nennen es auch „poverty porn“, was seine ethische Substanz hinreichend beschreibt. Das hat Dich nicht daran gehindert, in Deinem Buch Gegen den Hass Begriffsklitterung zu treiben. Es trieft von Zeitgeist und flacher Moral. Es bedient vor allem das Vorurteil Deines Stammpublikums, dass die Deutschen ein Volk von gestern sind. Doch die Kulturschande ist eine andere; jene, die Du beschreibst, ist ein Popanz. Das Empathiegesülze, die Ausgrenzungspsychose und die Klagen über angeblich flächendeckende Fremdenfeindlichkeit sind lauter Schmarren. Mich stört der ganze weinerliche Kammerton.

Zum Schluß, liebe Carolin, noch was zum Handwerklichen. Dein Buch ist schwere Kost - eher was für Oberseminare. Zu viel Welterrettungsmoralin, viel zu viel Political Correctness, dann diese Überdosis AfD-Bashing. Ein zusätzlicher Redigierdurchgang hätte nicht geschadet. "

http://www.achgut.com/artikel/dich_hasst_doch_keiner_liebe_carolin_als_l...