21 Okt 2016

Auflagenzahlen 3. Quartal 2016

Submitted by ebertus

Sind auf der nach unten offenen Skala zur sog. Medienkrise, bei Zeitungen und Zeitschriften jetzt auch die "Guten" d'ran ...? Dazu hier einige Zahlen und Gedanken.

Die ehemals alternative Tageszeitung (taz) verliert aktuell 5,9 und das Neue Deutschland gar 9,3 Prozent - harte Auflage aus Abo und Einzelverkauf, versteht sich.

Noch schlimmer erwischte es die Berliner Zeitung, ging es dort um 12,4 Prozent abwärts. Wie diese Tage zu vernehmen war, so wird von den Eigentümern über die entsprechenden Konsequenzen nicht nur nachgedacht ...

Selbst die bislang recht glimpflich davongekommene ZEIT muss nun, im 3. Quartal 2016 einer Rückgang von 2,2 Prozent hinnehmen.

Und auch die Sueddeutsche (SZ) bleibt mit einem Minus von 4,7 Prozent geradezu noch im Bereich ihrer Möglichkeiten.

Über die Probleme bei der hier nicht gelisteten Jungen Welt (JW) war bereits an anderer Stelle zu berichten.

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Selbst wenn sich das Vorgenannte -und eher unwahrscheinlich- als eine lediglich temporäre Schwäche herausstellen sollte, so lauert der gemeine Schrecken noch an ganz anderen Fronten.

Springers BILD verliert 12,2 und die im gleichen Verlag erscheinende Welt 10,8 Prozent, geht es den entsprechenden Wochenendausgaben ähnlich; schlecht. Das ist schon heftig, bereits über mehrere Quartale andauernd und dagegen nehmen sich die aktuell -5,1 Prozent der FAZ gar noch recht bescheiden aus;

wenngleich deren FAS -10,8 Prozent zu beklagen hat.

Runner up bei den Wochenzeitungen sind der Freitag mit einem Plus von 3 ,0 Prozent und einmal mehr die Junge Freiheit (JF) mit beinahe unglaublichen 16 Prozent.

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Und damit zur letzten Rubrik, den gesellschaftspolitisch relevanten Zeitschriften.

Der Spiegel mus ein Minus von 6,1 Prozent hinnehmen, liegt die harte Auflage mittlerweile unter 600.000 Exemplaren.

Der Stern kommt mit -3,9 Prozent noch glimpflich davon, während der Focus dann - 6,9 Prozent hinnehmen muss.

Alle drei Zeitschriften, das zeigen die Zahlen sehr deutlich, haben eine wesentlich höhere weiche Auflage, drucken also nach wie vor was die Maschinen hergeben; und werden selbst schon wissen, wen sie über Abo und Einzelverkauf hinaus mit dem vielen Papier beglücken ...

Btw. Spitzenreiter bei diesem Trio ist der Focus, welcher beinahe doppelt soviel druckt (474.453), wie er hart (240.534) verkaufen kann.

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Wo bleiben die Kunden, die Konsumenten?

Der Erfolg der JF dürfte als Erklärung kaum taugen, der anderer, hier nicht gelisteter Nischenmedien in gedruckter Form wohl ebensowenig. Machen doch deren absolute Stückzahlen eher nur einen Bruchteil der Verluste aus, den die Großen seit mehreren Jahren zu verkraften haben.

Über ihre Paymodelle lassen sich die maßgebenden Verlage recht wenig aus, eher als optimistisch vorgetragene Vision, denn als ein mit belastbaren Zahlen belegter Rückblick. Und schnöde Klickstrecken bei den noch frei zugänglichen Webseiten haben lange nicht die Aussagekraft, mögen gar der Manipulation anheim gestellt sein.

Echtes Geld -und daraus abgeleitete Preise für Werbung- dürften weiterhin und primär die oben thematisierten Papierauflagen bringen.

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Abschließend, und da diese Quartalszahlen bereits seit einiger Zeit von mir verfolgt werden, hier ein (möglicherweise) nicht ganz falscher Eindruck:

Es erfolgt nach Veröffentlichung der Zahlen (die nächsten, für das 4. Quartal 2016 stehen um den 20. Januar 2017 an) bei den hier genannten großen Medien keine konkrete Reaktion, keinerlei Berichterstattung oder gar (kritische) Reflektion zu dem jeweiligen Zahlenwerk.

Es existiert einfach nicht in der Lückenpresse,

obwohl die Verlage selbst die Zahlen liefern (müssen),

eine Basis für die aufgerufenen Werbepreise darstellen.

 

Über Alternativen im Netz wird von den Großmedien nur selektiv oder überhaupt nicht berichtet. Eher selektiv und mit allwissend-elitärem Gestus, in jedem Fall aus der Warte der Guten heraus soweit es sich bei den kritisierten um sog. äußerst umstrittene Medien handelt,

die eigentlich, eigentlich überhaupt niemand braucht ...

Nicht, weil Alternativen wie die Nachdenkseiten heute bereits den Job der sog. vierten Gewalt übernommen haben, man das wohl nicht so gern thematisiert.

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