1 Jan 2015

Ist Medienkritik (noch) möglich?

Submitted by ebertus

Next Level... Was in Sachen "Israelkritik" doch so hervorragend funktioniert, das sollte bei nicht genehmer Medienkritik ebenso möglich sein, oder?

"Ist Medienkritik von links noch möglich"

fragt in einem aktuellen Telepolis-Artikel der Autor Peter Nowak; bei derFreitag ebenfalls nicht ganz unbekannt. Und Nowak gibt auch gleich die Antwort, sprichwörtlich über die Dörfer kommend, wo Beispiele erlaubter Medienkritik dann ebenso abwesend sind bzw. gnadenlos relativiert werden wie (origin) Beispiele erlaubter Israelkritik. Stattdessen als abschließender, mit Sicherheit gut gemeinter Rat das hier:

"Aber der Anschlag auf den Fotografen in Berlin sollte eine Warnung sein und Linke zu einer Medienkritik auf der Höhe der Zeit animieren."

Da übt man den Schulterschluß, wird subtil zusammen gefügt, was staatsräsonal angesagt ist an Dämonisierung jedweder Medienkritik. Nebenbei wird berichtet, dass der Begriff "Lügenpresse" wohl auch auf dem Index der Antifa 2.0 steht. So muß hier nun spontan nachgefragt werden:

- und wann kommen die Autobahnen...?

Robert Kurz nennt diese Art von Argumentation  in seinem bereits 2003 veröffentlichten Buch "Die Antideutsche Ideologie" (Seite 278 ff) einen "falschen Syllogismus"und bietet dahingehend weitere Beispiele an; assoziativ kurzgeschlossen, wie man das suggestiv Vorgetragene wohl auch nennen darf.

Wenn also Peter Nowak dem Jungle-World-Redakteur Ivo Bozic (man schaue, was der, dort, sonst so schreibt...) zustimmt, so wäre das nicht weniger konsequent, als es eine, in der Regel den Kritiker diffamierende Originalstrategie an eingeforderter Nichtkritik -hier bei Joachim Bruhn- ebenso möglich macht.

- - - - -

Damit wäre nun auch das geklärt, ist ein Brauner, Rechter, Neonazi (feel free) derjenige, welcher die erkennbar uniform aufgestellten, systemischen  Medien hierzulande kritisiert, gar Pegida versteht; für zulässige Ausnahmen (Broder&Co.) mag es demnächst eine entsprechende Liste geben; natürlich Antifa 2.0 approved...

Ansonsten und im Ernst ist es sehr angenehm zu lesen, dass die Mehrzahl der Kommentatoren dort bei Telepolis den (falschen) Syllogismus, den assoziativen Kurzschluß des Autors nicht teilt; eher auf eine Richtig erkennt, wie sie hier im Blogtext ventiliert wird.

Kommentare

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Seltsame Zeiten, in denen die Kommentare mehr ausdrücken, als die tschornalistischen Bemühungen in der die systemische Begriffspolizei marschiert. Ich zitiere der Einfachheit halber mal einen der Kommentare bei TELEPOLIS auszugsweise:

"Was erwarten denn diese Pressefritzen von Leuten, die ihr
verfassungsmäßiges Recht wahrnehmen um für ihre bescheuerten Ziele zu
demonstrieren, wenn sie von eben dieser Presse verunglimpft,
beschimpft und mit manipulierten Berichten als noch dämlicher
dargestellt werden, als sie es ohnehin schon sind? Kleiner Tipp: Eins
auf die Fresse. 

Um diese These zu überprüfen, möge man sich an eine x-beliebige
Menschenansammlung (seien es die Güthersloher Kanickelzüchter oder
die Altöttinger Modelleisenbahner bei ihrer Jahresversammlung)
stellen und publiziere zuvor gehässige Artikel über deren grenzdebile
Verfassung. 

Putzig in diesem Zitat auch die aufgeblasene Selbstgerechtigkeit
unserer bezahlten Moralinstanzen: Wenn die Stoßrichtung einer
"Bewegung" (aber der Begriff ist vielleicht auch belastet) nicht
passt und sich die Menge nicht schon allein auf Grund der Anwesenheit
unserer Moralapostel eines Besseren besinnt, so möge man die
Ansammlung doch bitteschön von den Bütteln auflösen lassen.

Tscha liebe Lügenpresse: Manchmal bekommen eben die Richtigen von den
Falschen eins aufs Maul.

prokrustesbett
"

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auch bei derFreitag einzustellen, bin daher etwas softig gebleiben und lediglich auf die Kommentare hingewiesen; schließlich ist der Autor einer von den Freitagsblauen...
 
Als markant aufgefallen -und weil eben den Freitagsautor als integralen Bestandteil dieser Antifa 2.0  immer mal lesend- war mir ein anderer Kommentar bei Telepolis, der ber den Einzelfall hinaus gerade in seinem letzten Satz das grundlegende Muster zeigt, welches idealtypisch für Exlinke steht, die ihren Frieden mit dem Kapital, mit dem System gemacht haben, möglicherweise und ähnlich der Grünen jeden neoimperialen, jeden neokolonialen neuen Kreuzzug mitgehen würden.
 
Hier also der Kommentar eines, einer "aquadraht":
 
1. Januar 2015 00:38

Nowak auf dem Weg zum Rechten Sektor

Zunächst einmal ist es natürlich richtig, die rechte
Parole "Lügenpresse" zu kritisieren und in ihren 
historischen Kontext zu stellen. Die Hassvokabel
der "linken Lügenpresse" war nicht nur bei den 
Nazis, sondern auch im Kalten Krieg noch recht
verbreitet. Das in Erinnerung zu rufen, ist gewiss
gerechtfertigt. 

Unanständig wird es aber, wenn Nowak diese Kritik in
den neofaschistisch-neoMcCarthyanischen Feldzug gegen
die Kritik an der NATO, den transatlantischen Netzwerken
und die dadurch geprägte Beeinflussung der "Qualitätsmedien"
einreiht und die linke Kritik am Faschismus in der Ukraine
damit zu diskreditieren versucht, im trauten Einklang
mit Neonazis und ihren grünen Freunden. 

Offenbar ist beim Kreuzzug gegen die Friedensbewegung
und für die NATO jedes noch so schmutzige Mittel
recht. 

Die transatlantisch-ukrainisch-exlinke Querfront steht.

Bild des Benutzers fahrwax

Immerhin weist Nowak noch auf die Historie, Springer - Informationsdienst für unterdrückte Nachrichten - TAZ und deren Wandlung zum Neo Grünen Kampfblatt, hin.

Wie er allerdings den Haken schlägt, ohne die gegenwärtige Propagandawelle zuzuordnen, ist bizarr bis irrwitzig.

Die eigene Absetzbewegung von Linken Positionen für die flache Diffamierung, von jeder Vorwärtsbewegung zu nutzen, stabilisiert nur Sektierertum und damit das abgewirtschaftete System. Die Aufbruchsbereitschaft dieser breitarschigen Definitoren ist deprimierend.