5 Aug 2016

Wie Duldung und Lethargie erzeugt wird

Submitted by fahrwax

Die Links-Rechts-Demagogie. Ein Interview mit Rainer Mausfeld. - Jens Wernicke im Gespräch mit Prof. Rainer Mausfeld.

Ein kleiner Auszug daraus:  (Das komplette Interview hier)

"Mehr als 100 Jahre haben wir Gewalt exportiert – zum ökonomischen Nutzen der daran beteiligten Täter-Nationen und zur Steigerung des Lebensstandards ihrer Bevölkerungen. Nun erreichen erstmals einige Konsequenzen unserer Untaten europäischen Boden, und nun beschweren wir uns darüber, dass die Opfer uns mit den Folgen unserer Untaten in unserem eigenen Lebensbereich behelligen.

Doch man kann nicht zum eigenen Nutzen Tretminen und Giftgas exportieren und sich dann darüber beklagen, dass man durch Explosionslärm und Giftgestank gestört wird. Ein Blick auf die Geschichte sollte also klarmachen, dass man nicht in internationalem Maßstab Untaten begehen kann und sich dann in nationalem Rahmen gegen ihre Folgen abschotten kann. Wer dennoch entsprechende Lösungen vorschlägt, macht sich genau jener Heuchelei und Doppelmoral schuldig, die man im Falle anderer globaler Akteure zu Recht anprangert."

Ein längeres, neues Interview mit Rainer Mausfeld (nach "Warum schweigen die Lämmer") gibt es auch von Ken-FM:

 

Veröffentlicht am 05.08.2016, mit dem folgenden Text dazu:

Wenn es einer sehr kleinen und übersichtlichen Gruppe von Menschen gelingt, die Massen global und über Jahrzehnte für die eigenen Ziele arbeiten zu lassen, kann das nur dann erfolgreich bewerkstelligt werden, wenn diese Eliten die Techniken der Gehirnwäsche auf allen Ebenen konsequent zur Anwendung bringen. Schon der Umstand, dass Völker sich für Krieg begeistern lassen, zeigt die Macht dieser Technik.

Seit dem römischen Prinzip „Teile und Herrsche“ haben sich die Werkzeuge der Gehirnwäsche extrem verfeinert. Ein großer Teil der sogenannten Sozialforschung wurde im Auftrag der Eliten finanziert, um den Menschen als Wesen, das nur im Kollektiv überleben kann, im Anschluss in seine Bestandteile zerlegen zu können - ihn gefügig zu machen.

Der Grad der Manipulation ist viel größer, als die meisten von uns auch nur ahnen. Aber gerade darin liegt die Macht dieser Elitentechnik. Massenmedien sind dabei eines der wichtigsten Werkzeuge, um die Realität zu verschleiern und unsichtbar zu machen. Wer darauf aufmerksam macht, wird vom System gnadenlos attackiert, lächerlich gemacht und ausgegrenzt. Das finale Ziel ist immer die Vernichtung derer, die die Tarnung der Eliten auffliegen lassen.

Der Soziologe Prof. Rainer Mausfeld hat sich intensiv mit den Techniken der Verschleierung und des Gefügigmachens auseinandergesetzt. Seine auch im Netz veröffentlichen Vorträge, u. a. mit dem Titel „Warum schweigen die Lämmer“, wurden zu Blockbustern im Netz.

KenFM sprach mit Rainer Mausfeld über den Status Quo einer auf den neoliberalen Kurs eingeschworenen Gesellschaft, die sich in gegenseitigen Lagerkämpfen an die Gurgel geht, während die Geldeliten weiter die Strippen ziehen. Die Manipulation ist extrem perfide, denn sie beleidigt den Menschen an sich, der nicht wahrhaben will, dass er wie Vieh zur Schlachtbank geführt werden kann und wird, indem man ihn mit den pervertierten Techniken der Demokratie davon abhält zu sehen, in welcher Situation er sich tatsächlich befindet.

Die Zeit des Erwachens steht unmittelbar bevor. Sie wird nicht ohne Schmerzen zu haben sein. Die Medienrevolution ist wie eine Geburt. Wir müssen da durch, um ein autarkes Leben wirklich beginnen zu können.

Kommentare

und die Zeit des Erwachens wird nur mit Schmerz zu haben sein", welche klugen und wahren Worte, um die gegenseitigen menschlichen Beleidigungen, welche einen unendlichen Permanet-Schmerz verursachen, beenden zu können.

Danke für diesen Beitrag!

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Ja, schöne Wort. Geschrieben für ein Leben in der Diaspora - gegen die Besinnungslosigkeit..

ist ein älterer Beitrag von Mausfeld, in dem er auch das Konzept der erlernten Hilflosigkeit erwähnt, welches auf Disziplinierung, Demütigung und Erniedrigung als "unsichtbare" Foltermethode verweist.

Auch dieses zu erkennen ist in der heutigen Zeit überlebensnotwendig - vor allem wenn selbst ernannte Ordnungshüter ihre Foltermethoden in einem höheren Sinne gar nicht reflektieren wollen und die Undisziplinierten aus ihrer Sicht foltern und dies als "Ordnungsliebe" verstehen.

http://www.zeit.de/online/2009/29/gehirngeist-folter

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Fefe (Felix von Leitner) hat mein "Neulinks" adaptiert.

Ausgehend von dem Mausfeld-Vortrag und dem Gepräch mit Jebsen macht Fefe sich einige grundsätzliche Gedanken zu diesen neuen Linken, den trojanischen Pferden, die mittlerweile nicht mal mehr undercover; zunehmend ganz offen agieren.

"Ich schlage vor, ab jetzt analog zu Neocon und Neoliberal von Neolinks zu sprechen."

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.....aber ich bleibe bei den "Antideutschen" als eindeutige Begrifflichkeit. Neu sind deren Spaltkeime längst nicht mehr, enttarnt sind sie auch. Zu deren Auftreten und beklemmenden Argumentationen existiert läaängst umfängliches Material:

z.B. hier:

Posts from the ‘Antideutsche’ Category

und sogar  ansprechendes Liedgut:

 

und nicht verschwurbeln lassen, wie den schlimmsten Schwurbelspruch "ich will nur dein Bestes".

Das einzig Beste ist die unbeschadete und respektierte freie Entfaltung eines jeden "Ich", welches sich darum bemüht und dies vertritt und verteidigt, weil es eine Einmaligkeit besitzt und somit ein wertvoller Beitrag für die menschliche Gemeinschaft. Jeder der sich darüber stellt und meint das Recht zu haben, da einzugreifen ist ein Störenfried und Feind des Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit-Gedanken der Aufklärung und muß als dieser klar erkannt und benannt werden. Ohne jede Schwurbelei, denn die Begriffe sind klar, selbst wenn die Rafinesse oder banale Dummheit der Schwurbelpraktiker einfach nicht aufhören will, ist jede "Gegenschwurbelei" ein Dienst gegen die Aufklärung - auch wenn es "weh" tut und die Verirrten mit diesem "Schmerz" allein läßt - ihrem Irrweg dürfen wir aus falscher Rücksichtnahme niemals folgen - das muß beendet werden.

Jedes falsche "links" ist aus den klaren Wasser rauszufischen - weg damit - soll es rumschwimmen und stinken, wo es mag, bis es sich selbst gereinigt hat oder vor sich hin vergammelt.

bzw. zu hinterfragen, warum man dies nicht tut und eine Antwort darauf formuliert.

Die vier Schritte Gewaltfreier Kommunikation (GFK)

Beobachtungen : Durch die Beobachtung der vorliegenden Situation analysiert man zunächst, was der andere sagt, was wir sehen, was der andere tut und welchen positiven oder negativen Einfluss dies auf uns hat. Es gilt in diesem Schritt darum, dem anderen unsere Beobachtungen ohne irgendeine Form der Bewertung oder Interpretation mitzuteilen.
Gefühle : Im nächsten Schritt spricht man aus, was man während dieser Beobachtungen gefühlt hat. Hierbei ist es wichtig keine Beschuldigungen zu verwenden. Ist man verletzt, erschrocken, froh oder vielleicht irritiert ?
Bedürfnisse : Im dritten Schritt werden unsere Bedürfnisse ausgesprochen, die hinter diesen Gefühlen stehen. Diese drei Komponenten Beobachtungen, Gefühle und Bedürfnisse sollten während des gesamten Gesprächs gegenwärtig sein, um klar und deutlich auszudrücken, wie es uns gerade geht.
Bitten : Der vierte Schritt bezieht sich darauf, was wir vom anderen wollen, damit das gemeinsame Zusammenleben verbessert wird. Was kann der andere tun, um die Lebensqualität der Beteiligten zu verbessern.

Die häufigsten Blockaden und Probleme bei der GFK

Moralische Urteile : Wenn sich andere Menschen nicht gemäß unseren Vorstellungen und Wünschen verhalten, tendieren wir schnell dazu, ihnen zu unterstellen, dass sie unrecht haben oder schlecht sind. Beispiele für diese Urteile sind "Dein Problem ist, dass Du selbstsüchtig bist", "Die sind eh alle faul", "Das ist unangemessen". Schuldzuweisungen, Beleidigungen, in Schubladen stecken, Kritik und Vergleiche sind alles Formen von Urteilen. Lebensentfremdende Kommunikation führt leicht in eine Welt von Annahmen darüber, was richtig und was falsch ist. Dazu gehört eine entsprechende Sprache reich an Worten, die Handlungen anderer bewertet oder als falsch abstempelt. Analysen anderer sind in Wirklichkeit Ausdruck unserer eigenen Bedürfnisse und Werte und sollten als solche erkannt werden. Es ist wichtig zwischen Werturteilen und moralischen Urteilen zu unterscheiden : Werturteile reflektieren unserer Überzeugungen darüber, wie das Leben am besten zu seiner vollen Entfaltung kommen kann. Moralische Urteile über andere Menschen und ihr Verhalten geben wir ab, wenn sie unsere Urteile nicht mittragen.
Vergleiche anstellen : Vergleiche sind eine Form von Verurteilung. Viele Menschen tendieren dazu sich mit als ideal empfundenen Menschen zu vergleichen. Dies führt automatisch dazu, dass man sich schlecht fühlt. Indem man negative Eigenschaften anderer besondere Aufmerksamkeit schenkt, kann man sich selbst in ein positives Licht rücken. Beide Verhaltensweisen blockierend die Einfühlsamkeit mit sich selbst und anderen
Verantwortung leugnen : Lebensentfremdende Kommunikation kann leicht dazu führen, dass wir verdrängen, Verantwortung für die eigenen Gedanken, Gefühle und Handlungen zu tragen. Durch die Verwendung des Wortes "müssen" lässt sich die eigene Verantwortung einfach an äußere Umstände abgegeben. Es geht bei GFK darum, eine Sprache, der es an Wahlmöglichkeiten mangelt, durch eine Sprache zu ersetzen, die Wahlmöglichkeiten unterstützt. Der französische Romanautor und Journalist George Bernanos bemerkte hierzu, dass die Anwendung immer wirksam werdener Zerstörungstechnik zur Auslöschung der menschlichen Spezies führen könnte, weil es dem modernen Menschen an Verantwortung für die eigenen Handlungen mangele und er eine falsche, unterwürfige Akzeptanz einer jeden Anordnung von oben an den Tag lege.
Wünsche als Forderungen formulieren : Eine direkt oder indirekte Forderung droht demjenigen, der dieser Forderung nicht nachkommt, mit Konsequenzen. Es ist eine übliche Kommunikationsform die von Autoritätspersonen angewendet wird. Jemanden dazu bringen zu wollen, etwas zu tun, führt höchstens an der Oberfläche zum gewünschten Ergebnis, sorgt aber stets für neue Konfikte.
Etwas verdienen : Die Einschätzung, dass Menschen verdienen bestraft zu werden, weil sie sich aus unserer Sicht falsch verhalten haben, ist nicht konstruktiv. Es wäre besser diesen Menschen klarzumachen, dass eine Verhaltensänderung ihnen selber nützen würde.
Emotionale Sklaverei : Wir übernehmen häufig Verantwortung für die Gefühle anderer und wollen dafür sorgen, dass sie glücklich sind. Da dies fast immer zu eigener Unzufriedenheit führt, ärgern wir uns häufig und wollen diese Verantwortung nicht länger übernehmen. Die Lösung dieses Konflikts kann nur darin bestehen, dass wir Verantwortung für unsere eigenen Handlungen und Absichten übernehmen und darauf achten, dass wir unsere Bedürfnisse nie auf Kosten anderer befriedigen können.

Wichtig bei der GFK zu beachten

Beobachten ohne zu bewerten : Die Verknüpfung von Beobachtung und Bewertung führt beim Adressat häufig dazu, dies als Kritik aufzufassen und er wird versuchen sich zu wehren
Gefühle wahrnehmen und ausdrücken : Gefühle werden in unserer Gesellschaft häufig nicht als wichtig angesehen. Dadurch, dass wir dazu trainiert werden "außenorientiert" zu leben, verlieren viele Menschen den Kontakt zu ihren Gefühlen. Es ist wichtig zu lernen zwischen Gedanken und Gefühlen zu unterscheiden. Wir verwenden im Alltagsleben häufig das Verb fühlen, ohne damit wirklich ein Gefühl auszudrücken.
Verantwortung für Gefühle übernehmen : Was andere sagen oder tun, mag Auslöser für unsere Gefühle sein, ist aber nicht nie ihre Ursache. Urteile über andere sind entfremdete Äußerungen userer eigenen, unerfüllten Bedürfnisse. Dadurch, dass wir unsere Bedürfnisse aussprechen, steigen unsere Chances, dass sie erfüllt werden. Wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse nicht ernst nehmen, tun dies andere auch nicht.
Bitten in klarer, positiver Handlungssprache formulieren : Wir tendieren dazu, die Dinge anzusprechen, die uns stören und zu sagen, wie wir es nicht wollen. Erfolgreich können wir aber nur sein, wenn wir dem Gegenüber sagen, welches Verhalten wir uns wünschen. Um sicherzugehen, ob wir verstanden wurden, bitten wir den Gesprächspartner sein Verständnis unserer Botschaft wiederzugeben.
Empathisches Zuhören : Intellektuelles Verstand blockiert empathisches Zuhören. Hören Sie auf das, was andere Menschen brauchen, und nicht auf das, was sie über sie denken. Geben Sie Aussagen wieder, die emotional geladen sind, um sicherzugehen, dass sie sie richtig verstanden haben. Hinter einschüchternden Aussagen stehen Menschen, die keinen anderen Weg gelernt haben, um auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen.

https://www.matrixwissen.de/index.php?option=com_content&view=article&id...

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Kommunikation und Verständnis sind ein enorm weites Feld, verbunden immer auch mit der Möglichkeit der Fehlinterpretation.

Allein die gegenseitige, wohlmeinende, beständige Korrektur kann befriedigende Ergebnisse liefern.

(à la Jutta Dittfurth) war immer ihr sozial-chauvinistischer Dünkel. Sie sind & waren die Kinder des gehobenen Bürgertums (oder noch exklusiverer Milieus), die eine Zeit lang in der Pubertät sich angeekelt gegen Mami und Papi wandten, um anschließend durch ein paar veränderte identitäre Assecoirs in das gleiche Milieu zurückkehrten. Auf ihren gesinnungsmäßigen Fortschritt haben sie sich dabei stets mächtig was eingebildet.

Mit dem gewöhnlichen Plebs konnten sie aber noch nie etwas anfangen.

Aber "die Linke", die historisch einfach aus der Emanzipation der Subalternen lebt, war immer schon die Masse der gesellschaftliche Deklassierten, die außer der eigenen Arbeitskraft nichts aufzubieten hatten, sobald sie sich damit nicht abfanden. Eine "edle Gesinnung" ist ein zeitweises Hobby der Überfütterten, wenn sie vor lauter Überfluss anfangen, unter Ekel zu leiden. Aber linken Widerstand übt einer dann, wenn er weiß, was Hunger bedeutet.

​Die entscheidende Rechts-Links-Unterscheidung hing und hängt an Fragen der politischen Ökonomie. Solange durch  Vermögens- und Machtunterschiede Exklusivität gegeben ist, wird divide-et-impera zur Deaktivierung von Protesten andauern.

Wie sagte noch Warren Buffet? "Da draußen läuft ein Krieg, ein Klassenkrieg. Und meine Klasse, die der Reichen, hat ihn begonnen - und wir werden ihn auch gewinnen." 

Sobald aber zu viele aufmucken, merkt diese Klasse eben auch, dass der Rest die vielen sind, die sie mit keinem Gewaltmittel der Welt unter Kontrolle halten können, wenn Wut keine Fesseln mehr kennt. Deshalb müssen sie den Zorn der vielen auf anteilige Divisionen ihrer  selbst lenken, nachdem sie sie vorher fragmentiert haben.

Es ist ein ganz altes Spiel - aber man muss zugeben, dass sie es höchst effektvoll in den letzten Jahren betrieben haben. Mausfeld sagt ganz richtig: Es waren genau diese linken US-Neocons, die ihren kurzen pubertären Ausflug in linke Milieus dazu genutzt haben, vor allem die Philosophie Lenins ihrer Klasse nutzbar zu machen und die kulturelle linke Hegemonie der 70er für die Reichen zu brechen.

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Mausfeld bringt es, im Interview mit Wernicke, korrekt (und "positiv") auf die Punkte die unser Anliegen eindeutig charakterisieren. Die Hervorhebungen sind von mir:

 

"Links und rechts sind ja nicht lediglich – in ihrem Bezug auf die Sitzordnung in der verfassunggebenden französischen Nationalversammlung von 1789 – historische Einteilungen entlang einer eindimensionalen Eigenschaft. Als solche wären sie in der Tat nicht nur historisch überholt, sondern auch hoffnungslos unterkomplex. Links steht vielmehr für die normativen moralischen und politischen Leitvorstellungen, die über den Menschen und über die Möglichkeiten seiner gesellschaftlichen Organisation in einem langen und mühsamen historischen Prozeß gewonnen wurden und die in der Aufklärung besonders prägnant formuliert wurden. Den Kern dieser Leitvorstellungen bildet ein universeller Humanismus, also die Anerkennung einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen.

Bereits aus dieser Leitvorstellung ergeben sich schwerwiegende und weitreichende Folgerungen. Beispielsweise schließt ein universeller Humanismus Positionen aus, die auf der Überzeugung einer prinzipiellen Vorrangstellung der eigenen biologischen, sozialen, kulturellen, religiösen oder nationalen Gruppe beruhen; er schließt also Rassismus, Chauvinismus, Nationalismus oder Exzeptionalismus aus. Zudem beinhaltet er, dass alle Machtstrukturen ihre Existenzberechtigung nachzuweisen und sich der Öffentlichkeit gegenüber zu rechtfertigen haben, sonst sind sie illegitim und somit zu beseitigen.

Aus dem universellen Humanismus ergibt sich also das spezifische Leitideal einer radikal-demokratischen Form einer Gesellschaft, in der ein jeder einen angemessenen Anteil an allen Entscheidungen hat, die die eigene ökonomische und gesellschaftliche Situation betreffen; er schließt also Gesellschaftsformen aus, die auf einer Elitenherrschaft oder auf einem Führerprinzip beruhen. Diese in der Aufklärung erstmals klar formulierten Leitideale sind seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und verfeinert worden und stellen den Identitätskern des linken Projektes dar.

Da diese Leitideale gewaltige politische Konsequenzen haben, wurden sie seit je auf das schärfste bekämpft; historisch war das der Kern der sogenannten Gegenaufklärung, der es wesentlich um die Wahrung des jeweiligen Status quo ging. Die Behauptung, eine Links-Rechts-Unterscheidung hätte sich historisch überlebt, würde also letztlich beinhalten, dass sich die Leitideen einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen und einer ernsthaften demokratischen Gesellschaftsorganisation überholt hätten – eine These, die natürlich gerne von denen vertreten wird, deren Macht gerade auf rassistischen, chauvinistischen, nationalistischen oder exzeptionalistischen Ideologien basiert.

Wenn, wie Sie sagen, links und rechts gesellschaftliche und politische Gegenpole bilden, wie kann es dann eine Querfront geben und wie können Linke tatsächlich oder vermeintlich „rechts-offen“ sein? Oder stellen diese Begriffe auch nur Propaganda dar, um Linke zu diskreditieren? Wenn ja, was sind dann die Gründe hierfür?

In der Sache sind links und rechts in der Tat Gegenpole und können daher in der Substanz so wenig Berührungspunkte miteinander haben wie Aufklärung und Gegenaufklärung oder wie Demokratie und Elitenherrschaft. Blickt man jedoch statt auf die Sache auf die Ebene einzelner Personen oder auf die Ebene konkreter politischer Gruppierungen, die sich als links bezeichnen, so lassen sich aus naheliegenden Gründen alle möglichen Konstellationen von Haltungen finden, die in der Sache völlig unvereinbar miteinander sind."

 

Daraus ergibt sich auch - ganz unzweifelhaft, unsere persönliche (für mich auch die organisatorische) "Marschrichtung".

Alle Machtstrukturen sind ohne Daseinsberehtigung, somit gegenstandslos wie vermeid- und bekämpfbar.

Damit ist alles Wesentliche gesagt - es muß nur noch konsequent praktiziert werden. Jede Machtausübung gegen andere zerstört die kleinsten sozialen Zellen und gibt sich der eigenen Lächerlichkeit preis, wenn es diese vernachlässigt und sich dem "Weltfrieden" zu widmen anmaßt - sich gottähnlich gebärdend.

my heart will go on _ und nicht zu einem machthaber _ sondern mit gleichgesinnten brüdern+schwestern in einer gelebten Praxis

https://www.youtube.com/watch?v=En4fk4wlxCk&feature=youtu.be

ab Min. 1:25 sieht man einen sprachlosen Ken Jebsen im Alter von 23 Jahren, der mit der westlichen Hetz-Spaß-Leitkultur konfrontiert wird und die nächsten 25 Jahre jedoch nicht in Lethargie versunken ist:-)

erst belächeln sie dich, dann ignorieren sie dich, dann bekämpfen sie dich und DANN hast du gewonnen ...

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“
M. Gandhi
 

Der Wunsch nach Stabilität scheint das Bedürfnis nach Neuem bei weitem zu überwiegen. Dabei werden selbst offensichtlich negative Auswirkungen des Gegebenen individualisiert oder auf andere Weise relativiert. Weniger um die Ursachen von Belastungen kreisen die Gedanken, um das „Warum“, sondern darum, wie wir uns der „Realität“ stellen, wie wir ihren Anforderungen gerecht werden, uns ins „Notwendige“ fügen und dabei möglichst viel für uns herausholen. „In der subjektivierenden Herangehensweise stehen nicht die gesellschaftlich abschaffbaren oder minimierbaren Zumutungen kapitalistischer Erwerbsarbeit im Vordergrund der Aufmerksamkeit, sondern die quasi sportliche Herausforderung, die eigene Tüchtigkeit, Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.“ (Meinhard Creydt: „Stufen der Subjektivierung“ in Streifzüge 60)

Der Psychologe Rainer Mausfeld (Universität Kiel) charakterisiert den status quo bias als „unsere natürliche Neigung, den jeweiligen Zustand der Gesellschaft, in der wir leben, als gut, gerecht, moralisch erstrebenswert usw. anzusehen“. Diese Voreingenommenheit geht parallel mit einer Tendenz, den Benachteiligten die Verantwortung für ihr Scheitern und ihre missliche Lage selbst zuzuschreiben, ebenso wie mit einer Abneigung gegenüber allem und allen, die offensiv Veränderungen anstreben. In ökonomisch krisenhaften Zeiten verstärkt sich das. Wer Sorge hat, „in jedem Moment mit seinem ganzen Leben zur Disposition zu stehen“ (Heinz Bude: „Gesellschaft der Angst“), fühlt sich ohnmächtig und wenig Herr seiner selbst. Im Zweifel wählen wir das bekannte Leiden.

Zwar passen wir uns ständig an, aber eher notgedrungen, der Umstände halber. Im Rhythmus des Geldes laufen wir, so gut es eben geht. Wir laufen mit, ein wenig schneller eben, wenn die Vorgaben erhöht, irgendwelche Sollzahlen neu bestimmt werden, oder wir tun uns ein wenig hervor, gelegentlich. Die Konkurrenz schläft nicht. Wir sind MitläuferInnen, mindestens, sonst machen es andere.

Gewohnheiten abzustreifen verlangt einiges an Ausdauer und Willenskraft. Das weiß nicht nur, wer sich von irgendwelchen kleineren oder größeren Lastern verabschieden oder irgendwas Anerzogenes, nunmehr die Persönlichkeit Belastendes loswerden möchte. Dabei sind das noch leichte Übungen, verglichen mit unseren vom marktwirtschaftlichen Getriebe geprägten Handlungen, Herangehensweisen und Wertungen. Wir sind geeicht als Kauf- und Verkaufssubjekte, konkurrierend, nutzenmaximierend, kalkulierend. Selbst „Alternativen“ lassen sich scheinbar nur nach monetären Maßgaben denken.

Um loszuwerden, was uns längst in Fleisch und Blut übergegangen ist, müsste zuerst der Wunsch nach etwas anderem wach werden, und darüber hinaus müsste, was ist, als überhaupt veränderbar erkannt werden. Allzu selbstverständlich, „normal“ eben, ganz „natürlich“ erscheint uns unser Verhalten, es gehört eben dazu. Es gehört dazu, wenn eins Erfolg haben will im Beruf, im Freundeskreis mithalten will, ein bisschen was haben möchte vom Leben, Kinder hat …

Das Bedürfnis nach emotionaler Geborgenheit, Vertrautheit, Füreinanderdasein, der liebevolle Blick auf den Mitmenschen, sie sind nur innerhalb der privateigentümlich ausschließenden Beziehungen gerne gesehen. Andernfalls treffen sie auf Argwohn.

Kraft zur gesellschaftlichen Veränderung ist daraus nicht zu schöpfen. Umso mehr bleiben allesamt an den systemischen Irrsinn gefesselt. Den Kindern und den Enkelkindern wird es nicht besser gehen. Vielleicht fragen sie einmal, warum wir uns nicht irgendwann zusammengetan und uns gewehrt haben? Vielleicht fragen sie nicht einmal.

http://www.streifzuege.org/2016/alltaegliche-befangenheit