18 Jul 2016

A LAS BARRICADAS

Submitted by fahrwax

Heute vor 80 Jahren begann mit dem spanischen Bürgerkrieg der kriegerische Vormarsch des Faschismus der, mit dem 2. Weltkrieg, ganz Europa in ein Schlachtfeld verwandelte.

Viele Aktivisten wussten damals die Zeitzeichen zu deuten und machten sich auf den Weg nach Spanien.

Um aus der Geschichte lernen zu können, sollte sie bekannt sein.

Glaubwürdige persönliche Erinnerungen sind dabei von besonderer Qualität:


30 Wuppertaler Antifaschisten kämpften im spanischen Bürgerkrieg in der republikanischen Armee gegen (den späteren Diktator) Franco und die deutschen Nazi-Truppen. Einer der wenigen Überlebenden war Helmut Kirschey, der bis zu seinem Tod am 23. August 2003 in Göteborg lebte. Nach einer halbjährigen KZ- Haft floh er 1933 nach Holland und ging von dort im Juli 1936 nach Spanien.
Der Film begleitet den Wuppertaler Anarchosyndikalisten Helmut Kirschey 1989 auf eine Erinnerungsfahrt nach Spanien an die Stätten seines damaligen Aufenthaltes, wo er aktiv als Milizionär der anarchistischen Kolonne Durruti an den Kämpfen des Bürgerkriegs zwischen 1936 und 1939 teilnahm.“

Eine schriftliche Lebensgeschichte von Helmut Kirschey ist hier zu finden.

 

 

„Es ist besser, stehend zu sterben, als kniend zu leben! No pasarán!“

Ist ein heutiger Titel der Nachdenkseiten.

Viel Hintergrund zum spanischen Bürgerkrieg wird ansprechend aufbereitet:

Eine Collage zum Spanischen Bürgerkrieg, der heute vor 80 Jahren begann. Von Götz Eisenberg

Und dann, als wir um die Ecke in die Ramblas (die Hauptverkehrsader Barcelonas) einbogen, kam eine gewaltige Überraschung: schlagartig breitete sich die Revolution vor unseren Augen aus. Es war überwältigend. Es war, als wären wir auf einem Kontinent gelandet, der sich von allem unterschied, was ich bisher gesehen hatte.“
(Franz Borkenau)

In puncto Anarcho-Phobie unterscheidet sich ein linientreuer Kommunist kaum vom braven Kleinbürger. Für beide besitzt das Wort Anarchie einen bedrohlichen Klang, der ihrem Wahrnehmungssystem Gefahr und Desintegration signalisiert. Mit dem Begriff Revolution verbindet ein Kommunist das Beharren auf Ordnung und Disziplin. Er will ja am Typus der Industrialisierung nichts ändern, nur neue Verfügungs- und Kommandostrukturen einführen. Den Weg zur Revolution kann er sich nur über bestimmte Typen stabiler, disziplinierender Organisationen mit Strukturen von Befehl und Gehorsam denken, wie sie in kommunistischen Parteien vorliegen. Immer muss erst Ordnung herrschen, bevor Revolution sein kann, und auch danach muss schnell wieder Ordnung einkehren. Anarchisten, so ein alter kommunistischer Spruch, könne man in der Hitze des revolutionären Kampfes ganz gut gebrauchen, danach müsse man sich ihrer schnell entledigen. Anarchisten führten an zwei Fronten Krieg: Gegen die herrschenden Mächte in all ihren Gestalten, dann aber auch gegen Tyrannen und Bürokraten in den Reihen der eigenen Verbündeten. Zwischen diesen beiden Fronten wurden sie zerrieben. Bei Durrutis Begräbnis – er war am 20. November 1936 im Kampf um Madrid von einer Kugel unklarer Herkunft getroffen worden – waren 200.000 Leute in Barcelona auf den Straßen. Einen Monat nach seinem Tod hieß es in der Prawda: „Was Katalonien anlangt, so hat die Säuberung von Trotzkisten und Anarchisten begonnen, und sie wird mit derselben Energie durchgeführt werden wie in der UdSSR.““

Der komplette, umfängliche Artikel von Götz Eisenstein auf den Nachdenkseiten ist hier zu finden.

Ein beachtliches Bühnenstück zum Leben von Buenanventura Durruti findet sich hier.

Kommentare

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Ein Beitrag von Florian Wilde, Historiker und Mitarbeiter am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-luxemburg-Stiftung. von 2012 bis 2014 gehörte er dem Parteivorstand der Linken an. Der Beitrag erschien gedruckt im Magazin Marx21

 

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"Deutschland hat das faschistische Regime des spanischen Generals Franco, dessen Putsch sich diese Woche zum achtzigsten Mal jährte, nicht nur vor, sondern auch nach 1945 systematisch unterstützt. Während Berlin den Franco-Truppen schon im Spanischen Bürgerkrieg unter die Arme griff und etwa mit der Bombardierung der Stadt Guernica sogar militärisch auf ihrer Seite intervenierte, nahm die Bundesrepublik bereits 1952 die diplomatischen Beziehungen zu Madrid wieder auf. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits bundesdeutsch-spanische Rüstungsgeschäfte abgewickelt, die ihren Ursprung in Abmachungen aus dem Zweiten Weltkrieg hatten. Die in den 1950er Jahren gestartete Westintegration Spaniens wurde von Bonn umfänglich gefördert; Plädoyers hochrangiger Politiker, die Kooperation mit Madrid auszuweiten, wurden lediglich aus Furcht vor Gegenmaßnahmen der Westalliierten abgelehnt. Ende der 1950er Jahre preschte die Bundesregierung sogar mit dem Plädoyer für die Aufnahme des faschistischen Spanien in die EWG voran, konnte sich damit allerdings nicht durchsetzen. Noch Mitte der 1950er Jahre lobte der damalige Bundesjustizminister Francos Putsch als Beitrag zum "Kampf gegen den Kommunismus"."