24 Dez 2014

Der schwarze Kanal

Submitted by ebertus

"Sprache" ist verdächtig, sie selbst eben und weniger der Inhalt, den sie zu transportieren vorgibt. Karl-Eduard  wie er leibt und (weiter) lebt; tät ich mal sagen. Besser als aktuell Jan Fleischhauer hätte das auch der gute Schnitzler wohl nicht gebracht.

Die Seinen einhegen, wider die Anderen... ansonsten, damit es -mit dem Jan gesprochen- klar ist:

"Für alles Weitere ist der Verfassungsschutz zuständig und, bei Zuwiderhandlung gegen das Demonstrationsrecht, der Wasserwerfer."

 

Nun ja, wie das mit der DDR nach Schnitzlers oft sinngemäßem Tenor dann weiter ging, das ist bekannt.

Ansonsten ist es dem guten Jan bislang offensichtlich zu ruhig geblieben, kein schwarzer Block, keine Hools etc. und plakativ zu berichtende Fremdenfeindlichkeit ist wohl nur von den undercovers, den V-Leuten, den (auch) RTL-Trittbrettfahrern zu vermelden; Pegida-Parolen dagegen eher in den Programmen, insbesondere von CDU und CSU nachzulesen.

Nein, inhaltlich sagt Fleischhauer nichts, betreibt eher seine Art von entrüstet würgendem Poverty Porn; genau das, was er zu einem eher hehren, wirklich wichtigen Thema dann Carolin Emcke qualitätsjournalistisch vorzuwerfen beliebte.

Quelle: Bundesarchiv via Wikipedia

 

Andere sind da konsequenter, ehrlicher, erkennender als Fleischhauer. Enfant terrible Broder beispielsweise, der einerseits gern die grobe Antisemitismuskeule schwingt, in Sachen Israel ja nun vollkommen unverdächtig ist, der andererseits schon zur Beschneidungsdebatte sehr frühzeitig merkte, dass sich -nicht nur die jüdischen- Berufsoffiziellen hierzulande möglicherweise verrennen, der genau wie diverse Politiker der ganz großen Koalition Pegida versteht.

Und dann gibt es über Broder hinaus natürlich noch die neulinke, spiegelverkehrte Antifa 2.0 in ihrer mehr oder weniger antideutsch, nicht weniger islamophob kontaminierten Ausprägung. Anders als Broder betreibt man auch dort eine Art Poverty Porn, wie dieser Artikel bei publikative sehr schön zeigt. Mehr würgend dargebotene, ins Detail gehende Werbung für Elsässer&Co. geht nicht; auch Broder wird lobend erwähnt, ausführlich zitiert und -mehr noch- interpretiert.

Ok, der publikative Autor ist nicht unbekannt, nicht zuletzt öffentlich-rechtlich unterwegs und zum Herausgeber des Freitag hat Patrick Gensing seine ganz eigene Meinung. Dahingehend erkennbar ein solides Tête-à-Tête mit Broder; und das mit Pegida wird schon noch werden...

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Jenseits der vorgenannten (groß)medialen Spreizungen, jenseits der sich partiell erschüttert zeigenden Politikdarsteller nun zurück - bzw. hin zu den schnöden Niederungen des Seins unter einer spätkapitalistischen, postindustriellen Demokratiesimulation. "Welt am Draht" würde Rainer-Werner Fassbinder das möglicherweise nennen, wird der (Aus)schalter wohl händeringend gesucht, ist schlußendlich zu konstatieren:

Die versprochenen "blühenden Landschaften" sind drüben weitgehend ausgeblieben, wurde das Land westlich kolonialisiert und ausgeplündert. Mittlerweile schwinden auch hüben die materiellen Reserven, wo bei diesem staatsräsonalen medialen Propaganda-Overkill der Delinquent nur mal nicken müsste...

 

Kommentare

Schnitzler hat ja mal stolz verkündet, dass man ihm keine einzige Lüge habe nachweisen können, worauf ihm entgegnet wurde, dass das, was er verbreitet habe, so absurd gewesen sei, dass sich niemand ernsthaft damit beschäftigt habe. Noch Jahre nach dem Mauerfall war Schnitzler davon überzeugt, dass die Mauer das DDR-Volk vor einer militärischen Annexion der BRD bewahrt habe.

Was aber vor allem den Propagandisten Schnitzler zur Blaupause für Fleischhauers macht, ist seine Rechtfertigung selbst der schrecklichsten Schandtaten im Namen höherer Werte. Dort der Sozialismus, hier die europäischen, westlichen Werte, die alles, aber auch alles rechtfertigen. 

Fleischauer: "Mit Menschen, die ihr Weltbild vor allem aus Blogs und Webseiten zusammenklauben, die sich als Gegenöffentlichkeit verstehen, wird es schwer, eine Ebene der Verständigung zu finden."

Mangels Information aus TV und Presse, angefangen beim Freitag über Spiegel bis hin zu Nato-Blättern habe ich mir den Report über die CIA-Folter heruntergeladen. 552 Seiten in englischer Sprache, die ich vielleicht über die Tage durchackern werde, weil mir kein "seriöser" Journalist mehr diese Arbeit abnimmt.

Ja, es wird schwer, mit einem Fleischauer eine Ebene der Verständigung zu finden, weil er garantiert nicht den Folterbericht durchackern wird, sondern es sich arrogant in seiner Staatsmoral bequem gemacht hat. Die Presse versteht sich schon lange nicht mehr als Anwalt des kleinen Mannes, des Volkes, der Masse (von der allein die Staatsgewalt ausgehen sollte), sondern als dessen Vormund. Und genau das ist das Problem, jedenfalls wenn das Mündel erwachsen wird.

Das Thema Folter sollte uns noch Jahre beschäftigen. Dass es sich nicht um "Verhörmethoden" gehandelt habe, weil das Verhören gar nicht das Motiv war, sondern dass es um Konditionierung mittels vor allem psyschischer Gewalt ging, ist eine These, für die es anscheinend gute Gründe gibt. Sobald wir uns diesem Thema fundiert widmen können, wird aber das Thema Folter von so vielen anderen überlagert sein, dass niemand mehr ernsthaft mitdiskutiert.

Interessant ist Fleischauers Aussage oben immerhin: Wäre es nicht Aufgabe eines Journalisten, aus allen ihm zur Verfügung stehenden Quellen zu schöpfen (zu klauben), um dann zu neuen Erkenntnissen (einem Weltbild) zu kommen, das man einer herrschenden Moral entgegenstellen könnte (Gegenöffentlichkeit). Es ist verräterisch, denn Fleischauer sagt nichts anderes, als dass er sich weigert diesen Job zu tun (den ein Journalist tun sollte) und jeden verachtet, der dies mehr oder weniger erfolgreich und mehr oder weniger geschult zu tun versucht. 

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Mo: http://fe.termiten.net/comment/187#comment-187

"Das Thema Folter sollte uns noch Jahre beschäftigen", und man stelle sich vor, wir sind aktive Partner eines bekennenden Folterregimes. Das wäre vor einigen Jahren als reine Verschwörungstheorie abgetan worden, auch wenn es immer vereinzelte Stimmen gab, die genau das aussagten und hinterfragten. Kein Thema für den medialen Mainstream, auch heute nicht wirklich.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall Mut beim "durchackern" - Durchhaltevermögen sowieso.

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Als purer, bekennender Leistungsverweigerer wäre er beinahe sympathisch.

Als schmalspur Welterklärer hat er leider nur Arroganz zu verhökern; er sollte bekommen was er verdient: nichts....

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Wenn die Öffentlichkeit der Meinungssteuerung entgleitet

Hadmut
24.12.2014 15:42

Lest mal Fleischhauers Konkurrentenbeschimpfung beim SPIEGEL:

Eigentlich kotzt er nur darüber, dass die Presse das Meinungsmachermonopol verloren hat und in den Blogs und Foren eine echte Konkurrenz entstanden ist. Die Presse war jahrzehntelang gewohnt, dass sie alleine die öffentliche Meinung diktieren kann, weil sie quasi das Druckmonopol hatte. Durch das Internet (und in gewisser Weise auch den Digitalen Buchdruck, der Verlage und großen Kapitaleinsatz überflüssig macht) ist dem Monopol eine Konkurrenz erwachsen, der man nichts entgegenzusetzen hat: Nämlich kein Großer, den man einfach übernehmen könnte, sondern unzählige privat betriebene und ständig sich verändernde Mini-Publikationen.

http://www.danisch.de/blog/2014/12/24/wenn-die-offentlichkeit-der-meinungssteuerung-entgleitet/

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http://fe.termiten.net/comment/193#comment-193

Schön zu lesen, dass auch an anderer Stelle über den neuen Schnitzler (derer mag es gar mittlerweile viele geben) diskutiert wird, vielfach und einschließlich dem Blogautor dort bei danisch.de in ähnlicher Richtung. Ja, ausgekotzt hat sich der Fleischhauer, war daher für mich kein inhaltliches Eingehen wert. Dass der Spiegel ihm jedoch weiterhin wohl eine Plattform gibt, das scheint nur die Kontinuität des Sargnagels -was derartige Texte betrifft- zu unterstreichen. 

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Der Fleichhauer ist ja nicht bloed. Darum hat er natuerlich auchn bisschen recht. Es gibt ja die Verschwoerungstheoretiker im Netz. Damit wird  viel Geld gemacht.

Und Ueberlebensratschlaege fuer die finale Katastrophe gibt's auch fuer viel gute Dollar.

Aber: was hat das mit dem main-stream Meinungs-Verbiegen in den Tageszeitungen zu tun? Kann ja beides stimmen. Und das Meinungs-Umnieten kann man sich tagtaeglich  bei den oeffentlich-rechtlichen angucken.

Unabhanegige Nachrichten blogs und Verschwoerungstheoretiker in einen Pot werfen, und die oeffentlich-rechtlichen als Ritter der Demokratie darzustellen, das ist die perfide Kunst dieses Artikels. Wie gesagt, der ist ja nicht bloede, der Herr F.

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Über einen von mir (noch) ab und zu verwendeten Newsaggregator -ein Blogtext zu r i v v a folgt in Bälde- kam ich auf diesen Artikel in der FAZ und erschauderte. "Angstindustrie" klingt gar wie Industrie, also big business, oder so... Sicherheitstechnik, Überwachungskameras, Panzerlimosinen, Drohnen, Blackwater&Co. - alles in dieser Richtung kam mir spontan in den Sinn. Dann mal angeklickt, den FAZ-Text...

Ok, auf Seite eins geht es nach einfühlsam einführenden Worten um den (Gott sei bei uns) Kopp-Verlag. Auf Seite zwei immer noch um den Kopp-Verlag und außerdem wird vermeldet, dass Verschwörungstheorien gerade in der (explizit so benannten) arabischen  Welt fest verankert sind.

Na komm schon,  wird es doch jetzt wohl endlich ernst, auf Seite drei!

Ööh... MMnews...??? Die kenn' ich nicht, möglicherweise etwas verpasst? Und dann kommt nur noch Juttas Freund, der Elsässer mit seinem Compact-Verlag. Fehlt lediglich deren (Juttas) Kontonummer für allfällige Spenden für noch allfälligere juristische Auseinandersetzungen. Ok, zu diesen direkten Support gibt sich die Qualitäts-FAZ (noch) nicht her, das muss subtiler eingefädelt werden. Wobei natürlich sofort die wohl durchaus legitime Frage entsteht, wer von den beiden GlatiatorInnen denn nun im Sinne des FAZ-Artikels unterwegs ist.

Wie war nochmal die Überschrift? AngstIndustrie...!

@rechercheuse

Was ich über Schnitzler weiß, rührt vor allem aus eigener Anschauung aus den 80er Jahren, wenn man sich - vor allem um des Amusements willen - den Schwarzen Kanal "reinzog". Interessant waren vor allem seine Versuche, den Westen - nicht nur in der großen Politik, sondern vor allem in seinem Alltag, der dem DDR-Bürger verwehrt blieb - zu dikreditieren. Überall Arbeitslosigkeit, Drogentote und Rockmusik. Schnitzer war ein dialogunwilliger Propagandist - und der Prototyp des Spießers noch dazu. Er verteidigte nicht nur den Sozialismus, sondern auch den Stalinismus und war ein Verfechter des Prinzips "Umerziehung" - der Mensch, so wie er ist, war ihm nichts, so wie er sein sollte (hier der sozialistische Mensch alles). DESHALB habe ich den Eindruck, dass das Büro Schnitzler nicht geschlossen worden ist, sondern nach Westen umgezogen ist. 

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Das "Büro Schnitzler" war nie etwas anderes, als eine der Klitschen in denen Mensch, gemäß institutioneller Vorgaben, vor sich selbst geschützt werden sollte?

Umziehen musste es nicht, weil die Depandancen dieser Denkweise westwärts ebenfall längst in der Nutzung waren. Er und Löwenthal lebten von der selben Verblödungsmasche des teilen und herrschen.

Jenseits dieser Prototypen vergeht uns aber heute gerade das Lachen angesichts der Omnipotenz ihrer Lehrlinge auf allen medialen Kanälen.

Bild des Benutzers ebertus

wenngleich von uns mehr oder weniger intensiv begleitet. Für mich und in Perspektive ist eine Sequenz von Fleischhauer wesentlich relevanter noch als möglicherweise partiell ganz unterschiedliche Interpretationen von Historie. Und diese beinahe Aufforderung, Handlungsanweisung etc. lautet:

"Für alles Weitere ist der Verfassungsschutz zuständig und, bei Zuwiderhandlung gegen das Demonstrationsrecht, der Wasserwerfer."