29 Dez 2015

Die ZEIT & das proklamierte Ende der rechtsstaatlichen Demokratie

Submitted by alphabetta

Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten. Vom Feinde bezahlt, dem Volke zum Spott. Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk. Dann gnade Euch Gott! (Theodor Körner)

Ein offener Brief

Anja Böttcher

 

Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage:

Weh dir, dass du ein Enkel bist!

Vom Rechte, das mit uns geboren ist,

Von dem ist leider nie die  Frage.

J. W. Goethe: Faust 1

 

 

ZEIT ONLINE GmbH

Buceriusstraße, Eingang Speersort 1

20095 Hamburg

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Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion von „Die Zeit“ und „ZEIT online“,

 

als oftmals regelmäßige, gelegentlich aber auch nur sporadische Leserin Ihrer Zeitung über mehr als zwei Jahrzehnte, teilweise über Jahre im Abonnement, verbeamtete Lehrkraft am Gymnasium mit den Fächern Deutsch und Englisch, Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und beruflich seit mehr als zwanzig Jahren mit medienpädagogischen Aufgaben im Schuldienst betraut, teile ich Ihnen hiermit mit, dass Ihre Zeitung in meinen Augen endgültig nicht mehr die Kriterien  eines Mediums erfüllt, das im Rahmen einer pluralistischen Meinungsbildung auf der Grundlage des Grundgesetzes der Bundesrepublik eine gedeihliche Rolle zu spielen imstande wäre. Im Gegenteil:  Aus der Summe Ihrer zunehmend nur noch im Modus des Tendenzjournalismus daherkommenden Artikel kristallisiert sich summa summarum eine bedenklich antidemokratische Narrativstruktur heraus, die eine außerordentlich verengte und ideologisierte Interpretation zeitgenössischer Herausforderungen gegen jede mit der propagierten Sichtweise kontrastierende Lesart immunisiert und zu diesem Zweck hiervon abweichende Betrachtung unserer politischen Realität mit einem diffamierenden Gestus angreift, der einen freien politischen Diskurs nahezu unmöglich macht. Dies betrifft nahezu alle politisch sensitiven Themen, von deren kluger politischer Beantwortung die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland entscheidend abhängen dürfte:  Ob es sich um die neue hegemoniale Ausrichtung der deutschen Außenpolitik handelt, die mit dem Grundgesetz in keiner Weise vereinbar ist, die durch eine expansionistische Nato-Politik hervorgerufene Ukraine-Krise, den unheilvollen Zusammenbruch des Nahen Ostens durch eine aggressive Kriegspolitik und das skrupellose Kalkül der geopolitischen Nutzbarmachung terroristischer Kräfte seit anderthalb Jahrzehnten, die Gefährdung unserer Grund- und Freiheitsrechte durch geheimdienstliche Totalausspähung der deutschen Bevölkerung und Volkswirtschaft (vor allem auch durch eine fremde Exekutive, die wir nicht abwählen können), die bedrohliche und schrecklicherweise auch Atomwaffen umfassende Rüstungsspirale im Zuge der offensichtlich gewollten neuen Ost-/Westkonfrontation: Überall tut sich „Die Zeit“ nicht nur als ein Medium hervor, welches sich im Hinblick  auf die wahrheitsgetreue und vollständige Information seiner Leser als handwerklich und substanziell zunehmend defizitär erweist, sondern das darüber hinaus in einem unangenehm propagandistischen Unterton jede der sukzessive stattfindenden Schritte zur Untergrabung des Grundgesetzes und des gesellschaftlichen Konsens, der sich als Ergebnis der öffentlichen Diskussion der desaströsen Zerstörung Europas im Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte in Deutschland entwickelt hat, umarmt und voranzutreiben versucht. Dies geht einher mit der offensichtlich einseitigen Orientierung einzig an der Sichtweise einer prozentual marginalen Funktionselite, die das Gros der Leser inzwischen ratlos zurücklässt.

Die medienwissenschaftlichen Erklärungen für dieses Phänomen, das sich in Deutschland keineswegs allein auf „Die Zeit“ beschränkt, welche hierfür jedoch ein besonders fatales Beispiel darstellt, variieren: Während der Medienwissenschaftler Thomas Meyer („Die Unbelangbaren“, Berlin 2014) die undemokratischen Tendenzen dieser Form des aktuellen Journalismus vor allem in der sozialen Homogenität der leitenden Funktionäre des ‚Meinungsmanagements‘ begründet sieht, die zudem noch meinen, Politiker in ihrem Sinne instrumentell in die ‚richtige Richtung‘ schubsen zu dürfen, konzentriert sich der Medienwissenschaftler und langjähriger Leiter des Adolf-Grimme-Instituts Lutz Hachmeister auf die empirische Erfassung der konkreten Institutionen und Personen, die den Mediendiskurs in Deutschland maßgeblich zu ihrem Zweck bestimmen („Grundlagen der Medienpolitik“, München 2008; „Nervöse Zone. Politik und Journalismus in der Berliner Republik. München 2007; „Wer beherrscht die Medien? Die 50 größten Medienkonzerne der Welt“, München 2005; vgl. auch Kramp/Weichert: „Die Meinungsmacher. Über die Verwahrlosung des Hauptstadtjournalismus“, Hamburg 2010). Ergänzend hierzu liefert – gerade, was die einseitig transatlantische Stoßrichtung von „Die Zeit“ betrifft - die empirisch ausgerichtete Dissertation des Leipziger Medienwissenschaftlers Uwe Krüger („Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Wissenschaften“, Köln 2014) bezeichnende Einblicke in die Abhängigkeit der hiesigen Presseberichterstattung von den Interessen US-amerikanischer Machteliten. In diesen explizit auf die deutsche Realität bezogenen Arbeiten wird darüber hinaus eine Reflexion von Modellen vollzogen, die der insgesamt in den Gesellschaften des „Westens“ sich entwickelnden Tendenz einer Medienwelt nachspüren, die sich  immer weniger an den Interessen einer Bevölkerungsmehrheit, sondern immer pointierter ausschließlich an einer ausgesprochenen Elitenagenda orientiert: Hierbei tendieren diskursanalytische Ansätze sowie die kybernetische Systemtheorie in der Nachfolge Niklas Luhmanns dazu, Pressediskurse als sich systemisch selbst generierende darzustellen, während die theoretischen Ansätze der linkslibertären US-Amerikaner Noam Chomsky, Chris Hedges und Sheldon S. Wolin den hegemonialen Medienapparat primär als abhängiges Werkzeug korporativer Macht betrachten (Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien. 2. erweit. Auflage. Opladen 1996; Chomsky/Hermann: „Manufacturing Consent. The Political Economy of the Mass Media.” New York 1988, Noam Chomsky: Media Control. Wie die Medien uns manipulieren. Hamburg/Wien 2002; Chris Hedges: The Empire of Illusion. The End of Literacy and the Triumph oft he Spectacle. New York 2009; Sheldon S. Wolin: Democracy Incorporated. Managed Democracy and the Specter of Inverted Totalitarianism, Princeton 2010).

Mit dem Diktum unter anderem dieser Wissenschaftler, welche die diskursive Ausrichtung eines Mediums wie „Die Zeit“ jedenfalls nichts als durch die Interessen einer Mehrheit der Bevölkerung in Ländern bestimmt sehen, in denen konstitutiv „alle Macht […]vom Volke“ ausgehen sollte und in denen die Grundrechte der Bürger verfassungsrechtlich als das höchste Rechtsgut ausgewiesen werden, scheint inzwischen der überwältigende Anteil der Bürger der Bundesrepublik Deutschland (und auch der Leser von „Die Zeit“) unverkennbar übereinzustimmen: Denn endgültig mit der Ukraine-Berichterstattung, an der aufgrund ihrer unverhohlen russophoben Ausrichtung die Diskrepanz zwischen Lesern und gut vernetzten Alphajournalisten besonders eklatant ans Licht trat, bekundeten zwei Drittel der Leser in wütenden Posts und Umfragen, dass sie den Medien ihres Landes nicht mehr trauen.

http://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/mehrheit-hat-kein-vertrauen-in-medien-berichterstattung-zum-ukraine-konflikt/

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44545/1.html

http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Ukraine-Krise-Zwei-Drittel-der-Deutschen-vertrauen-Berichterstattung-nicht-131985

Auch in „Die Zeit“ und auf „ZEIT online“ war dies Thema: Unter dem thematischen Stichwort „Die Deutschen und Russland“ sinnierte Ihr Autor Bernd Ulrich am 10. April 2014 über die Frage, warum wohl vier Fünftel der Leser ganz anders über den antirussischen Konfrontationskurs der Nato-Staaten denken als die Journalisten. Und anstatt den Leserprotest über den aggressiven Mediendiskurs, der einzig die militaristische Nato-Rhetorik übernimmt, selbstkritisch zu reflektieren, hatte er eine Antwort parat, die jedem Demokraten glatt die Schuhe ausziehen musste. Bereits zu diesem Zeitpunkt ahnte der leidgeplagte Leser schon die Stoßrichtung seiner stereotypen Argumentation, sobald er die Schlagzeile, „Wie Putin spaltet“, gewahrte: Laut Ulrichs ‚Diagnose“ sind nämlich die Leser offensichtlich schlichtweg demokratisch unreif, aus diesem Grund einem finsterem Dämonen wie dem dunklen Fürsten Wladimir Putin hilflos erlegen – weshalb sie nichts dringlicher benötigen als paternalistisch für sie urteilende journalistische Meinungsmacher und politische Eliten, die diesen Einfältigen die Entscheidung abnehmen müssen, was als gut und was als böse zu gelten hat. Vergeblich erklärte erneut die Mehrheit der 747 hilflos hiergegen anpostenden ZEIT-Leser, wie absurd es sei, dass Ulrich als Antwort auf ihr Misstrauen wieder nur ein Übermaß von dem bot, was den Leserprotest erst hervorgerufen hatte: Nämlich der unerträglich paternalistische Gestus, mit dem in einem unverkennbar autoritär-propagandistischen Ton der Verfasser nichts als die tausendste Wiederholung einer schlichten manichäischen Weltsicht wiedergekäute, inklusive der simplizistischen Personifikation dieses so offensichtlich geostrategischen Konflikts, die in diesem Prozess über diese Personifikation erfolgende und äußerst reaktionäre Dämonisierung der Russen im Kollektiv, die suggestive Verwendung einer hierauf abgestimmten dichotomischen Wortwahl (nach dem Muster „Obama warnt“/“Putin droht“, „Obama stellt fest/Putin behauptet“), der permanenten und penetranten Emotionalisierung des Publikums sowie der enervierenden Dauer=Dramatisierung des dargestellten Geschehens, der Pathologisierung und Kriminalisierung des Gegners sowie einer gnadenlose Selektivität der Darstellungsperpektiven.          

http://www.zeit.de/2014/16/russlanddebatte-krimkrise-putin/komplettansicht

Es ist bemerkenswert: Da vermögen Leute, die sich für Angehörige einer medialen Elite halten, angesichts einer zunehmend krisengeschüttelten Welt, welche sich nach dem Wegfall des starren Ordnungsgefüges, welches sich im Zuge der Dipolarität des Kalten Krieges entwickelte, als komplexer erwiesen hat, als es die Powerpointpräsentationen auf Netzwerktreffen vermuten lassen, sich nurmehr eines Weltverständnisses zu versichern, das sich in einem simplen Dualismus erschöpft. Der Leserschaft, meist hochqualifiziert beschäftigte Bürger dieser unseren Exportnation, kann vor solcher Eindimensionalität nur bange werden. Doch den medialen Vertretern solcher Einfalt, der jede stille Größe abgeht, ist anscheinend diese längst zum ideologischen Kitt geronnen. Eisern immunisieren sie sich mit aller Vehemenz gegen jede Einsicht in die Monokausalität der eigenen Denkweise – selbst wenn sie darüber das Gros ihrer Leser zu verlieren drohen. Da nicht sein kann, was nicht sein darf, die simple Propagandamasche, die die Leser als solche durchschauen, nicht eingestanden werden darf, muss wieder dauernd ein schwarzer Mann, wie ehedem mit dämonischer Fähigkeiten begnadet, aus der täglichen Box gezogen werden: der diskursive geradezu unerlässliche tägliche Putin. Wie anders sollte sich denn ein allmächtger Leitmedien=Journalist die Diskrepanz zwischen Lesern und Meinunsmachern erklären können?

Wie viel Borniertheit ist wohl vonnöten, um nicht zu verstehen, dass die protestierenden Leser gegen die nicht endende Kriegstreiberei eben nicht der pathologischen Fixierung auf eine Person unterliegen, an der die Kriegstreiber selber leiden? Welche Verkehrung des Intellekts und der Psyche geschieht im Zuge der Anpassung eines leitenden Journalisten auf seiner Karrierebahn, in der er sich als einer der wenigen fest Angestellten gegen die Masse der prekarisiert Beschäftigten durchboxen musste, dass er aufhört, Selbstverständlichkeiten zu begreifen wie die, dass nicht die Einhaltung des Friedens, wie sie Artikel 26 (1) des Grundgesetzes vorschreibt, einer Legitimation bedarf, sondern dessen permanente Verletzung durch die unaufhörliche mediale Kriegserklärung gegen ein Nachbarland?

Aber nicht genug: Nicht nur gegen den von einer soliden Bevölkerungsmehrheit – trotz aller Kriegspropaganda – standhaft vertretenen Willen zum Frieden, sondern auch gegen das rechtsstaatliche und demokratische Fundament der Bundesrepublik selbst wendet sich inzwischen  der entfesselte Kampagnenjournalismus eines Medienorgans wie die „Die Zeit“.

Dies wird ultimativ deutlich am 11. Dezember 2015 in dem Artikel „Darfs noch etwas mehr sein.“ unter dem Stichwort „Politische Führung“ von Heinrich Wefing. Diesen Artikel scheint „Die Zeit“ für so bedeutsam zu halten, dass sie ihn nicht nur in der Papierausgabe, sondern auch auf „ZEIT online“ in englischer und in deutscher Sprache erscheinen lässt sowie als Autodatei einstellt.

http://www.zeit.de/2015/50/fluechtlinge-starker-staat/komplettansicht

In diesem Artikel betreibt der Verfasser Wefing nichts Minderes, als propagandistisch den dauerhaften Autoritarismus der Exekutive gegen den demokratischen Souverän, den Demos, zum politischen Modell der Zukunft zu erheben. Denn der von ihm emphatisch gepriesene „starke Staat“ ist pure Exekutivmacht, die mit einer Heerschaar von Geheimdienstmitarbeitern, einer lückenlosen Überwachungstechnologie und massiver Bewaffnung Entscheidungen autoritär durchpressen können soll, auch wenn klar ist, dass sie nicht dem Willen der Mehrheit entsprechen: „All das wird nicht ohne Ärger und Spannungen funktionieren, und es könnte auch hässliche Nebenfolgen haben“. Doch Wefing ist zuversichtliche, dass der „starke Staat“ ganz erfolgreich den erwartbaren Widerstand der Bürger gegen die autokratische Usurpation brechen können wird: “Vermutlich wird das auch bedeuten, dass wir uns in einer neuen mürrischen Gelassenheit üben müssen. Dass wir uns an das Lästige des Alltags im Schatten der Gefahr gewöhnen werden. An Sicherheitskontrollen vor Bahnhöfen und Behörden, an Leibesvisitationen vor Konzerten und Kaufhäusern. Anders zugespitzt gesagt: ein bisschen weniger Idyll, ein bisschen mehr Israel. Niemand will das, niemand mag das, aber kaum jemand  [Achtung: Klimax!] wird das als unerträglich empfinden, solange die Bedrohung existiert. Und das kann noch lange sein.“ Mit „der Gefahr“ ist natürlich die des islamistischen Terrorismus gemeint, deren Eindämmung in Wefings Augen als Zweck all jene Mittel heiligt, gegen die Wefing – entgegen seiner Beteuerung – so wenig einzuwenden hat, dass er auch just die Perpetuierung jener Politik fordert, die der alle Rechtstaatlichkeit zu opfernden Gefahr der terroristischen Radikalisierung seit 2002 so richtig zum Durchbruch verhalf: die seit dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak systematisch erfolgende Zerstörung des Nahen Ostens, von der – anders als die Bürger – die Leute in den Redaktionsstuben von „Die Zeit“ & Konsorten anscheinend immer noch nicht genug haben: „Angesichts der Abkehr der Amerikaner von Europa und dem Mittleren und Nahen Osten müssen wir deshalb unsere Sicherheit künftig selbst garantieren. In einem Ausmaß, das noch vor wenigen Jahren undenkbar schien und völlig quer steht zum habituellen Pazifismus der Republik. Der eben erst beschlossene Einsatz in Syrien ist da erst der Anfang.“ Da haben wir sie wieder: die gaucklerische Renaissance des altpreußischen „Hunde wollt ihr ewig leben“, die, wie dankenswerter Weise die Satiresendung „Die Anstalt“ offenbarte, der Transatlantiker Jochen Bittner dem Bundespräsidenten in die viel verachtete Rede auf der Münchener Sicherheitskonferenz von 2013 schrieb, um sie in einer anschließenden Laudatio im Rahmen eines Zeit-Artikels in den Himmel zu heben. Dass der „gerade erst beschlossene Einsatz in Syrien“, legitimiert weder durch ein UNO-Mandat noch eine Erlaubnis der rechtmäßigen syrischen Regierung, schlicht so völkerrechtswidrig ist wie die von Wefing vorgenommene aggressiv-hegemoniale Umdeutung des Selbstverteidigungsauftrags der Bundeswehr grundgesetzwidrig, ficht ihn – wie die anderen Apologeten der unumschränkten ‚westlichen Hegemonie‘ – nicht die Bohne an. Noch weniger zählt die mehrheitliche Ablehnung einer kriegerischen Politik durch die deutsche Bevölkerung. Denn die hat längst begriffen, was auch keiner akademisch-politikwissenschaftlichen Bestätigung mehr bedarf, dass erst die Dynamik der Zerstörung der muslimischen Welt aus geopolitischem Kalkül aus dem marginalen außenpolitischen Problem des wahabitisch codierten Islamismus ein massives außenpolitisches - und in Kombination mit der sozialen Diskriminierung von Muslimen im Zuge des „Kriegs gegen den Terror“ darüber hinaus noch ein innenpolitisches Sicherheitsproblem schuf.  Wefing dagegen erachtet die Fortführung der kriegerischen Hegemonialpolitik „des Westens“ als eine politisch selbstverständliche Konstante und die hierdurch erfolgende Nomadisierung der Bevölkerung des Nahen Ostens als quasi naturgesetzliche Erscheinung, der – egal wie man mit ihr umzugehen gedenkt – nur der „starke Staat“ Herr werden kann:

„Die einigermaßen kuriose Pointe dieser Entwicklung ist der Umstand, dass die Stärkung des Staates notwendig wird, ganz gleich, wie man zum Beispiel über die Flüchtlingsfrage denkt. Egal ob man für offene Grenzen eintritt oder für deren Schließung – um eine starke Exekutive kommt niemand herum.

Wer die Grenzen schließen oder auch nur die Zuwanderung stark einschränken will, kann das nicht ohne Beamten und Kontrollen, ohne Abweisung und Abschiebung, die notfalls mit Zwang durchgeführt werden müssen. Er braucht den starken, durchgreifenden Staat.

Aber auch derjenige braucht den starken Staat, der die Migranten nicht abweisen, sondern aufnehmen will. Denn dann braucht es die Kontrollen im Inneren, eine bessere Sicherung der Flüchtlingsunterkünfte. Es braucht Beamte, die die erwartbaren Verwerfungen ansteuern bei der Integration von Hundertausenden Einwanderern aus dysfunktionalen Gesellschaften, von Traumatisierten, von Analphabeten und Bildungsfernen in eine hochdifferenzierte und liberale Kultur. Es braucht Beamte, die die Reibereien zwischen verschiedenen Zuwanderergruppen unterbinden und die Regeln, die in Deutschland gelten, auch bei den Neuankömmlingen durchsetzen.“   

Es wird mehr als deutlich, dass Wefing die durch die Kriege geschaffene Gefahr für die Flüchtlinge ebenso wenig anficht wie die Beschränkungen von Grund- und Freiheitsrechten unter dem Vorwand der durch ihre Nomadisierung von ihm fest erwarteten innenpolitischen Gefährdung. Um aber rhetorisch diese  Revision von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit dem Leser schmackhaft zu machen, wählt der Verfasser die Kombination von Pathos und asketisch=preußisch eingefärbter Opferrhetorik: Unter der Zwischenüberschrift „Der Staat erlebt eine Renaissance“ heißt es: „Ausgerechnet der Staat, der lange Zeit immer kleiner und inkompetenter geredet wurde, der Staat, über den nur noch Fantasien des Rückzugs und des Absterbens im Umlauf waren, dieser Staat erlebt gerade eine notwendige Renaissance.  Tusch! Da wird ziemlich zu Beginn schon eine hyperbolische Sprache ersten Ranges aufgefahren und in der Steigerungsform der Klimax vorangetrieben – worauf es ähnlich pathetisch weitergeht: Das heißt nun nicht, dass wir unbedingt mehr Gesetze brauchen. Es geht auch nicht um mehr Kompetenzen für die Sicherheitsbehörden. Es geht darum, dass wir die Strukturen und Institutionen schaffen, die staatliches Handeln braucht.“  Hier verhüllt das Pathos die Forderung nach Erweiterung des staatlichen Zugriffs, indem es zwei Sätze lang so tut, als heiße der Autor den Verzicht auf zusätzliche Gesetze (die immerhin Staatshandeln in transparente Regeln gießen) und Behördenkompetenzen (die gleichfalls als Regelwerke einsehbar sind) gut, während er – im Zeitalter des Spinning und des Lobbyismus keineswegs beruhigend – gleich die Schaffung diffuser neuer „Institutionen und Strukturen“ in Aussicht stellt. Ansonsten steigert sich Wefing Klimax um Klimax stakatohaft in eruptiven Erregungsprüngen, die mit offenen Armen der Vision des „starken Staats“ entgegenhecheln. Manchmal gelingen unserem Verfasser, dem man die Erregung darüber anmerkt, vor so viel stählern strahlender Staatsgewalt endlich mal wieder die Hände an die Hosennaht legen zu dürfen, sogar zwei davon in nur einem Satz, mit zwei Ellipsen angereichert: „Integration, Innere Sicherheit, Intelligence [hier erfolgt die dreistufige Steigerung sogar mit einer Alliteration phonetisch abgerundet - & dies noch unter Integration eines echt ‚weltoffenen‘ Angliszismus für Geheimdienstschnüffelei] all das wird übrigens auch Geld kosten. Viel Geld. Geld, das anderswo fehlen wird.“  Mit dem „Geld“, das nicht mehr bürgernahen Aufgaben zur Verfügung stehen soll, wird der Bevölkerung bereits die Haltung zugewiesen, die sie angesichts der neuen Staatsgloriole an den Tag zu legen hat: Die Haltung asketischer Opferbereitschaft ganz im Sinne des preußischen Kulturprotestantismus, den Wefing inbrünstig beschwört: „Es geht aber auch um härtere Fragen. Um Entscheidungen, die uns innerlich zerreißen“. Und zwischen den Zeilen lässt Wefing durchblicken, dass das, was er autoritativ von oben verordnet haben möchte, nichts weniger ist als ein grundlegender Paradigmenwechsel im Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland: „Kurz: Je unruhiger die Zeiten, desto wichtiger ist ein wirkmächtiger Staat, der die Befolgung der Gesetze sichert und dafür auch die Mittel hat.“ (Hier wird erneut der Bevölkerung eingetrichtert, „den Gürtel enger zu schnallen“. Wie wenig die, die dergleichen predigen, es selbst damit halten, hat für alle Zeiten Charlie Chaplin in seiner Persiflage auf asketische Beschwörungen des dicken Goering in „Der große Diktator“ künstlerisch verewigt.) Doch der Casus knacksus folgt nun: „Das ist ein Einschnitt in das Selbstverständnis der Republik, dessen Bedeutung sich kaum überschätzen lässt. Seit Jahren und Jahrzehnten, eigentlich seit Gründung der Bundesrepublik, verstärkt durch die 68er Bewegung und beschleunigt noch einmal nach 1989, ging der Grunddrift immer in die entgegengesetzte Richtung. [An der Zeitleiste zeigt sich verräterisch, dass Wefing ausgerechnet die Sicherung der Daseinsfürsorge und eine vernünftige Sozialpolitik, den mit den Konzernermächtigungsabkommen Ceta, TTIP & TISA endgültig der Garaus gemacht werden soll, nicht unter die Staatsaufgaben rechnet, denen er eine Restauration angedeihen lassen möchte.] Der Staat rüstete ab, wurde weniger autoritär, weniger eingreifend, zog sich aus vielen Bereichen der Gesellschaft zurück – etwa aus der Sexualmoral. Natürlich war das gut so, aus Untertanen wurden Bürger, aus Behörden wurden Serviceagenturen.“  Eine solche politische Bedeutung hätten selbst die 68er, die gegen den Muff der Nachkriegszeit sexuell-libertär zu Felde zogen, der gelockerten Sexualmoral nicht mehrheitlich zugemessen. Aber diese Passage ist durchaus symptomatisch für die diskursive Masche, mit der in Zeiten einer aggressiv  militaristischen Nato-Politik, die sich seit dem Krieg gegen Serbien zunehmend um keine völkerrechtlichen Beschränkungen mehr schert, und einer totalitär gegen die Bürger gerichteten Überwachungspraxis, die seit Snowden detailliert belegt ist, verschleiert wird, dass die Staaten „des Westens“ seit mehr als zwei Jahrzehnten unter US-amerkanischer Führung ihre eigenen konstitutionellen Geschäftsordnungen sukzessive schreddern, was Wefing hier ja frenetisch feiert. Um den Verlust der über Jahrhunderte erstrittenen Bürgerrechte zu übertünchen, werden isolierte Einzelsegmente der geschwächten Sozialbewegungen (wie zum Beispiel die Genderfrage), an denen heute hegemonialer Herrschaft schlicht nichts mehr gelegen ist, als Fetische symbolisch überhöht und triumphierend als Nachweis der zivilisatorischen „Freiheit des Westens“ gefeiert. Hier ist es nun die „Sexualmoral“ – als ob sich an der auch nur ansatzweise die Essenz des demokratischen Rechtsstaats festmachen ließe: Dabei weiß jeder, der auch nur rudimentäre Grundkenntnisse der deutschen Geschichte aufweist, dass ihre offene Sexualmoral die Weimarer Republik nicht rettete und auch der Nazismus, wo immer er totalitär eingriff, die Sexualmoral der Menschen weitgehend unberührt beließ, solange sie nicht gegen die NS-Rassenpolitik verstieß. Der Bürger aber wird erst zu einem solchen, wenn der Staat sich vor ihm für jede Gewaltausübung, für die Wefing ja seine potenzierte Macht beschwört, rechtfertigen und sie deshalb so stark wie nur irgendwie möglich einschränken muss. Dies sieht der Artikel jedoch gerade nicht vor, hält sein Verfasser doch, wie er gleich zu Anfang kundtut, für die Aufgaben der Zukunft die Gesamtheit der Bürger für viel zu schwach: „Die Zivilgesellschaft kann das nicht allein, jedenfalls nicht auf Dauer.“ Doch um „Abwehrreflexen“, vor allem solchen historischer Provenienz, gegen sein Postulat den Wind aus den Segeln zu nehmen, wird am Ende dann doch einmal die Gemeinschaft der Bürger beschworen, die den Geist, den sie mit ihm rufen sollen, doch sicher wieder in die Flasche zurückbannen können, sollte er sich als zu mächtig erweisen: „Und die letzte Garantie gegen das Kippen des starken Staats sind wir, die Bürger. Denn die Liberalisierung des Staates hat ja nicht nur den Staat verändert, sondern auch die Gesellschaft. Der Befehlston, das Herumkommandieren und Unterwerfen sind ja nicht nur aus den Amtsstuben verschwunden, aber auch aus den meisten Familien, aus den Schulen und vielen Unternehmen. Mag sein, dass diese Entwicklung nicht auf ewig unumkehrbar ist. Aber zunächst einmal und auf lange Zeit immunisiert sie uns gegen die Versuchung des Autoritären.“  Dass bereits die extreme Zunahme wirtschaftlicher und in ihrer Folge politischer Inegalität, die totale Überwachung und die Militarisierung des Politischen eine Revision bürgerlicher Freiheit ersten Ranges darstellen, kümmert Wefing wenig. Denn der Rekurs auf die Zivilgesellschaft ist ihm nur Rhetorik, die – wie sollte es in Zeiten schwindender Grundrechte auch sein – bereits zuvor durch den üblich manichäischen Verweis auf die Finstermänner im diskursiven Kosmos „des Westens“ Plausibilität zu erlangen versucht. Denn deren Staaten verfügen offenbar nicht über so tolle Bürger, wie wir es sind, die wir uns einen ‚starken Staat‘ leisten können, der nur durch unsere genuine Kraft nicht „autoritär“ werden kann: „Brauchen wir wirklich einen starken, einen noch stärkeren Staat? Haben wir nicht lange schlechte, ja katastrophale Erfahrungen mit dem überstarken Staat gemacht, gerade in Deutschland? Sind nicht alle unsere politischen Quälgeister zugleich Verfechter des starken Staates, Autokraten wie Putin, Erdogan, Orban? Haben sie nicht endlos das Schwule und Schwächliche des Westens verhöhnt – und nun wollen wir ihnen auch noch recht geben?“ Wie die rhetorischen Fragen am Ende eines Artikels, der die autoritative Stärke der nicht mehr gezügelten Exekutive bejaht, beantwortet wird, wurde ja bereits dargelegt. Symptomatisch ist hier wieder, wie die Gewähr des garantierten Anderssein des „starken westlichen Staats“ gegenüber den dichotomisch hiervon abgesetzten ‚schwarzen Schafen‘ durch den symbolhaften Verweis auf den Genderdiskurs („das Schwule und Schwächliche des Westens“) unter Vermeidung klarer politischer und vor allem rechtlich-verbindlicher Unterscheidungen diskursiv gesichert werden soll. Hierdurch wird uns ein Plädoyer gegen die demokratisch-rechtsstaatlich verfasste Gesellschaft als deren Verteidigung verkauft.   

Es ist die Häufung von Artikeln wie diesem und der in ihnen mit penetranter Permanenz erfolgende Angriff auf das politische Fundament der Bundesrepublik Deutschland und des geschichtlich errungenen Konsens der in ihr verfassten Bevölkerung, die aus „Die Zeit“ ein Medium hat werden lassen, das nicht mehr als konstitutiver Bestandteil eines demokratischen Diskurses fungiert, in dem die verschiedenen Lager einer Gesellschaft miteinander in einer kontroversen und pluralistischen Diskussion um einen Konsens ringen können, sondern stattdessen als ein Instrument eines Meinungsmanagements fungieren lässt, das nur noch eine vorab in abgeschotteten Zirkeln entwickelte Agenda im Kampagnenstil dem Publikum unterzujubeln versucht. Auch der Versuch des Publikums, durch Nutzung des Kommentarbereichs die diskursive Vielfalt, die Zeitung wie Onlineausgabe selbst nicht mehr bieten, durchzusetzen, wird durch eine repressive Forenmoderation hintertrieben. Und dies geschieht auf verschiedene Weise: Zum einen erfolgt regelmäßig die (sichtbare) Löschung von Kommentaren, die durch moderierende Zurechtweisungen einer Wertung ausgesetzt werden, die durch Verschwinden des Textes für niemanden mehr nachvollziehbar und nicht selten im Verhältnis zum Kommentarinhalt ein reiner Hohn ist. So wird eine Löschung eines unbotmäßigen Kommentars zum Beispiel gerne mit der Bemerkung versehen, „Bitte zitieren Sie nur seriöse Quellen“, auch wenn es sich bei den verwendeten Zitaten um solche etablierter Wissenschaftler wie Jürgen Habermas oder bei Aussagen zur US-amerikanischen Geopolitik um US-amerikanische Regierungsquellen wie das im Internet als pdf abrufbare „Department of Defense – Law of War Manuel“ vom Juni 2015 handelt oder um Schriften einflussreicher Regierungsberater und Thinktanks wie etwa die von Zbgniew Brzézinski („The Grand Chessboard“, 1997; die deutsche Übersetzung: „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ wurde übrigens von Hans-Dietrich Genscher mit einem Vorwort versehen) die geopolitische aufschlussreiche Schrift „Rebuilding America’s Defenses“ des einflussreichen neokonservativen Thinktanks PNAC um Victoria Nulands Ehegatte Robert Kagan oder Schriften und Reden von George Friedman für den Thinktank Stratfor. Offensichtlich hält die Forenmoderation von „ZEIT online“ die Annahme, dass strategische Schriften aus dem Umfeld des US-amerikanischen Politikapparats tatsächlich etwas mit der geostrategischen Ausrichtung der US-Politik zu tun haben könnten, für eine böswillige „Verschwörungstheorie“, gegen deren Verbreitung sie zensorisch anzugehen habe.

Noch übler wird mit Foristen verfahren, die sich unterstehen, die offensichtlich handwerklich defizitäre Verfasstheit eindeutiger Tendenzartikel zu konstatieren und dies nachweislich zu belegen. Denn solche Unverfrorenheit führt regelmäßig je sicherer zu Accountlöschungen, umso differenzierter und fachlich versierter die Verfasser von Posts argumentieren. Wer dagegen im Sinne der Artikel „prollt“, Mitforisten wegen ihres Dissenses zum Tenor eines Artikels unbegründet der Agententätigkeit für fremde Geheimdienste verdächtigt oder sie einer pathologischen Neigung für schillernde Diktatoren beschuldigt, hat keine Beschränkungen durch Zensureingriffe zu befürchten. Ganz eindeutig, wie ich aus mehrfacher eigener Erfahrung weiß, ist vor allem Kritik und Selbstkritik mit dem derzeitigen journalistischen Selbstverständnis von „Die Zeit“ nicht vereinbar, weswegen auch nichts so gründlich der diskursiven Elimination ausgesetzt wird, wie die begründete Darlegung, dass sich durch Artikel vermittelte Kampagnen in diesem Medium mit dem politischen Fundament des Grundgesetzes auf Kriegsfuß befinden. (Das Zensurverhalten in den Kommentarmoderationen deutscher Leitmedien wäre in der Tat inzwischen ein lohnendes Thema für eine empirische medienwissenschaftliche Studie, deren Ergebnis jedoch –so fürchte ich – jeder kritische Nutzer der Foren durch das Hochrechnen eigener Erfahrungen unschwer antizipieren kann.)

Es ist ganz offensichtlich: Der Gesellschaftstypus, den sich „Die Zeit“ zu propagieren auf die Agenda gesetzt hat, entspricht dem Menschentypus, der sich in ihr artikuliert und den sie ansprechen will: den bourgoisen, gerne auch rot oder grün lackierten Citoyen, der sich nach 68 infolge der kritischen Auseinandersetzungen der deutschen Gesellschaft mit sich selbst für geläutert wähnte, und der nun glaubt, schamlos zum Status quo ante des „autoritären Charakters“ (Adorno/Horkheimer) zurückkehren zu können, solange er sich als Fetisch Etiketten der eigenen Fortschrittlichkeit an die Brust heftet. Gemeinsam mit seiner Kanzlerin und seinem Bundespräsidenten kann er „multikulturelle Offenheit“ predigen, womit er nur die Bereitschaft meint, die Afterwork-Stärkung bei seinem Lieblinsvietnamesen um die Ecke einzunehmen, während ihm jede wirkliche Empathie für die durch einen skrupellosen Raubtierkapitalismus und hegemoniale Kriege global Vertriebenen abgeht. In seinen Kreisen schätzt er es auch als „Quelle von Lebensqualität“ ein, mit einer „bunten Vielfalt“ von Menschen unterschiedlicher „Gender-Identitäten“ umgeben zu sein, während er völlig ungerührt davon bleibt, wie wenig die Masse der zunehmend Prekarisierten global zuverlässige soziale Bindungen leben kann. Wie der obige Artikel von Wefing belegt, sind für ihn „Offenheit“, „Buntheit“ und „Freiheit“ keine strukturellen Postulate, denen entsprechend eine demokratische Gesellschaft in einem von einer Mehrheit geführten Diskurs um eine Antwort auf die Frage ringt, wie wir eigentlich leben wollen, sondern Dogmen, die es im Zweifelsfall auch autoritativ durchzusetzen gilt. Ihre Postulate erscheinen ihm als ästhetische Manifestationen, aufwendig gerahmt an der Wand hängend und in dieser symbolischen Form genügend gewürdigt. In der Krise lässt sich sein politisches Motto symptomatisch durch die folgende Variation des nach Francois Bondys Schilderung berühmten Ausspruchs Ignazio Sylvones erfassen: „Wenn der Totalitarismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: „Ich bin der Totalitarismus.“ Nein, er wird sagen: „Ich bin der Antitotalitarismus.““     

Eingespannt in eine solche unfreie und autoritäre Agenda freilich könnte „Die Zeit“ der rechtsstaatlich verfassten Demokratie nur noch dienen, wenn sie als Folge des Mangels an erfolgreich vergrätzten Lesern ihr Erscheinen einstellen würde, um einem wirklich pluralistischen Diskurs Platz zu machen.

Für eine Medienwissenschaft und Medienpädagogik, die junge Menschen ernsthaft ermutigen will, sich ihre Welt durch „Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung“ anzueignen, wie sie in allen Richtlinien und Lehrplänen des Landes Nordrhein-Westfalens als oberstes Ziel ausgewiesen wird, kann die „Die Zeit“ und „ZEIT online“ nur mehr als Objekt der Diskussion darüber dienen, wie eine freie, demokratische, rechtsstaatlich fundierte und auf Achtung der Würde aller Menschen beruhende Berichterstattung und öffentliche Diskussion eben nicht funktionieren kann.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Anja Böttcher

 

     

 

 

 

 

 

 

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Weitere Stellungnahmen zu Wefings Artikel:

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Literaturliste zum Thema Medienkritik und Medienwissenschaften:

1.      Adorno, Th.W./ Horkheimer, Max: Kulturindustrie, in: Dialektik der Aufklärung, in: M. Horkheimer: Werke Bd. 5, Frankfurt/M. 1987.

2.      Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Werke Bd. 2, Frankfurt/M. 2011.

3.      Baumann, Zygmunt: Flüchtige Moderne. Frankfurt M. 2000.

4.      Bernays, Edward: Propaganda, New York, 1928.

5.      Bourdieu, Pierre: Zur Soziologie der symbolischen Formen, Frankf./M. 1989.

6.      Bourdieu, Pierre: Über das Fernsehen. Frankfurt/M. 1998.

7.      Chomsky, Noam: Manufacturing Consent, The Political Economy of the Mass Media, New York 1988.

8.      Chomsky, Noam: Media Control. Wie die Medien uns manipulieren. Hamburg/Wien 2002.

9.      Dieckmann, Martin: Globale „Heuschrecken“ – „gutes Deutschland“? Kontroversen um die Konzentrationskontrolle im Medienbereich. In: Bisky, Lothar/ Kriese, Konstanze/ Scheele, Jürgen (Hrsg.): Medien – Macht – Demokratie. Neue Perspektiven. Berlin, 2009, S. 242-263.

10.  Dörner, Andreas: Politainment. Politik in der medialen Erlebnisgesellschaft. Frankfurt/M. 2001.

11.  Döveling, Katrin: Zur Macht des Emotionalen im Reality-TV. Abstracts. Medien und Macht. Jahrestagung der Sektion „Medien- und Kommunikationssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Universität Trier, 20.-21. Juni 2007, S. 6-8.

12.  Eberwein, Tobias/ Pöttker, Horst: Journalistische Recherche im Social Web. Neue Potenziale, neue Probleme? In: Zfkm, Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik. Ausgabe 1/2009, S. 23-32.

13.  Filopivic, Alexander: Identität, Beziehung, Information. Systhematische Überlegungen zu einer Anthropologie des Web 2.0 in medienethischer Perspektive. In: Zfkm, Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik. Ausgabe 1/2009, S. 61-65.

14.  Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt/M. 1990.

15.  Frindte, Wolfgang, Haußecker, Nicole (Hrsg.): Inszenierter Terrorismus. Mediale Konstruktionen und individuelle Interpretationen. Wiesbaden 2010.

16.  Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Frankfurt/M. 1990.

17.  Hachmeister, Lutz: (Hg.): Grundlagen der Medienpolitik. Ein Handbuch. München 2008.

18.  Hachmeister: Nervöse Zone. Politik und Journalismus in der Berliner Republik. München 2007.

19.  Hachmeister, Lutz/ Sierring, Friedemann: Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945. München 2002.

20.  Hachmeister, Lutz/ Rager, Günther: Wer beherrscht die Medien. Die 50 größten Medienkonzerne der Welt. München 2005.

21.  Hautsch, Gerd: Gute Bekannte. Kapitalkonzentration in der deutschen Medienlandschaft. Fast überall trifft man auf dieselben Namen. In: Bisky, Lothar/ Kriese, Konstanze/ Scheele, Jürgen (Hrsg.): Medien – Macht – Demokratie. Neue Perspektiven. Berlin, 2009, S.264-294.

22.  Hambückers, Martin: Welche Macht wird den Medien zugeschrieben? Das Verhältnis von Medien und Politik im Spiegel der Mediatesierungsdebatte. Abstracts. Medien und Macht. Jahrestagung der Sektion „Medien- und Kommunikationssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Universität Trier, 20.-21. Juni 2007, S. 1-3.

23.  Hedges, Chris: Empire of Illusion. The End of Literacy and the Triumph of the Spectacle. New York, 2009.

24.  Heinelt, Peter: Nur deutsche Kriege sind gute Kriege. Bundesrepublikanische Medien auf Friedenskurs? UTOPIE kreativ, H. 152, Juni 203, 520-24.

25.  Hieber, Lutz: Neue soziale Bewegung und Medienmacht. Abstracts. Medien und Macht. Jahrestagung der Sektion „Medien- und Kommunikationssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Universität Trier, 20.-21. Juni 2007, S. 10-11.

26.  Holland-Letz, Mathias: Scheinheilige Stifter. Wie Reiche und Unternehmen durch gemeinnützige Stiftungen noch mächtiger werden. Köln 2015.

27.  Hondrich, Kal Otto: Enthüllung und Entrüstung. Eine Phänomenologie des politischen Skandals. Frankfurt/Main 2002.

28.  Imhof, Kurt: Mediengesellschaft und Medialisierung. M &K 54, Jahrgang 2/2006.

29.  Jäckel, Michael: Macht und Ohnmacht des Publikums. Abstracts. Medien und Macht. Jahrestagung der Sektion „Medien- und Kommunikationssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Universität Trier, 20.-21. Juni 2007, S.15-16.

30.  Kramp, Leif/ Weichert, Stephan: Die Meinungsmacher.  Über die Verwahrlosung des Hauptstadtjournalismus. Hamburg 2010.

31.  Kepplinger, Hans Mathias: Die Demontage der Politik in der Informationsgesellschaft. München 1998.

32.  Koselleck, Reinhart: Kritik und Krise. Frankfurt/Main 1973.

33.  Krüger, Uwe: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse. Köln 2013.

34.  Krüger, Uwe: Das Wettrennen im Hamsterrad. Noch nie konnten Journalisten Menschen so schnell informieren – noch nie hatten sie so wenig Zeit, um Journalismus zu machen. Paradoxien und Gefahren des medialen Beschleunigungstrips. In: Zfkm, Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik. Ausgabe 1/2009, S.154-158.

35.  Kücklich, Julian: Computerspiele, Medialität und Öffentlichkeit. In: Bisky, Lothar/ Kriese, Konstanze/ Scheele, Jürgen (Hrsg.): Medien – Macht – Demokratie. Neue Perspektiven. Berlin, 2009, S. 411-426.

36.  Link, Jürgen: Normale Krisen. Normalismus und die Krise der Gegenwart. Konstanz 2013.

37.  Link, Jürgen/Link-Heer, Ursula: Literatursoziologisches Propädeutikum. München 1980.

38.  Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien. 2. erweit. Aufl.. Opladen 1996.

39.  Mai, Manfred: Macht und Gegenmacht. Thesen zum Verhältnis politischer und medialer Macht. Abstracts. Medien und Macht. Jahrestagung der Sektion „Medien- und Kommunikationssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Universität Trier, 20.-21. Juni 2007, S.11-12.

40.  Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Frankfurt/Main 1973.

41.  Mausfeld, Rainer: Warum schweigen die Lämmer? Demokratie, Psychologien und die Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements. Vortrag an der Christian-Alberts-Universität zu Kiel. 22. Juni 2015.

42.  Meier, Werner A.: Gesellschaftliche Folgen der Medienkonzentration. Aus Politik und Zeitgeschehen. (bpb) 15. März 2004.

43.  Meyer, Thomas: Die Theatralität der Politik in der Mediendemokratie. Aus Politik und Zeitgeschehen (bpb). 29. Dezember 2003.

44.  Meyer, Thomas: Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch die Medien. Frankfurt/M. 2015.

45.  Meyer, Thomas: Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. Berlin 2015.

46.  Pinter, Harold: Kunst, Wahrheit & Politik. Nobelvorlesung, 7. Dezember 2005.

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/pinter-lecture-g.pdf

Ders.: Art, Truth & Politics. Nobel Lecture, December 7, 2005.

http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2005/pinter-lecture-e.pdf

47.  Pressefreiheit in Deutschland: Einflussnahme von außen auf die journalistische Freiheit. Institut für Demoskopie Allensbach. Juni 2014.

48.  Pörksen, Bernhard/ Detel, Hanne: Der entfesselte Skandal. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter. Köln 2012.

49.  Prokosch, Dieter: Kritische Kommunikationsforschung. Aufsätze aus der Zeitschrift für Sozialforschung. München 1983.

50.  Ritz, Hauke: Die Strategie der Informationskriegsführung und was sie für die Zukunft der europäischen Kultur langfristig bedeutet. Vortrag. Bonn 10.09.2014.

51.  Ritz, Hauke: Wenn Nachrichten zu Waffen werden. Demokratie im Zeitalter der Informationskriegsführung: Der Fall Lybien. (Supplement zur Zeitschrift Sozialismus) 1. Dezember 2001.

52.  Rusch, Gebhard: Einführung in die Medienwissenschaften. Konzeptionen, Theorien, Methoden, Anwendungen. Wiesbaden 2002.

53.  Schiller, Dan: Informationskrieg. In: Bisky, Lothar/ Kriese, Konstanze/ Scheele, Jürgen (Hrsg.): Medien – Macht – Demokratie. Neue Perspektiven. Berlin, 2009, S. 228-241.

54.  Schmitt, Danny: Das Bild Russlands in den deutschen Leitmedien. Berlin 2016.

55.  Stegbauer, Christian/ Bauer, Elisabeth: Macht und Autorität im offenen Enzyklopädieprojekt Wikipedia. Abstracts. Medien und Macht. Jahrestagung der Sektion „Medien- und Kommunikationssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Universität Trier, 20.-21. Juni 2007, S. 21-24.

56.  Schuster, : Staat und Medien. Über die elektronische Konditionierung der Wirklichkeit. 2. erweit. Auflage. Wiesbaden 2004.

57.   Sjurts, Insa: Think global, act local – Internationalisierungsstrategien deutscher Medienkonzerne. Aus Politik und Zeitgeschehen. (bpb) 15. März 2004.

58.  Terkessides, Mark: „Irgendwas mit Medien“. Moderne Kulturarbeit zwischen Freiheitsversprechen und Prekariat. In: Bisky, Lothar/ Kriese, Konstanze/ Scheele, Jürgen (Hrsg.): Medien – Macht – Demokratie. Neue Perspektiven. Berlin, 2009, S. 199-214.

59.  Thoden, Ronald (Hrsg.): ARD & Co. Wie Medien manipulieren. Frankfurt/Main 2015.

60.  Trebbe, Joachim: Zwischen Boulevard und Ratgeber-TV. Eine vergleichende Programmanalyse von SWR und WDR. OBS-Studie, Frankfurt a.M. 2013.

61.  Volkmann, Ute: „Leser-Reporter“ – die neue Macht des Publikums? Abstracts. Medien und Macht. Jahrestagung der Sektion „Medien- und Kommunikationssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie der Universität Trier, 20.-21. Juni 2007, S.

62.  Wehner, Josef: „Media Mining“ – Produktions- und Rezeptionsstrukturen im Internet, S. 18-19.

63.  Weichert, Stefan/ Zabel, Christian: Die Alpha-Journalisten. Deutschlands Wortführer im Porträt. Köln 2007.

64.  Wernicke, Jens/ Bultmann, Torsten (Hrg.): Netzwerk der Macht – Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh. (Bd.Wi) Marburg 2007.

65.  Wiedel, Fabian: Audience is King, Brand is King Kong. Eine qualitative Interviewreihe mit leitenden Nachrichtenjournalisten zu den Akteur-Struktur-Dynamiken und Arbeitslogiken im deutschen Mediensystem.

https://f.hypotheses.org/wp-content/blogs.dir/2401/files/2015/03/Audience-ist-King.pdf

66.  Wolin, Sheldon S.: Democracy Incorparated. Managed Democracy and the Specter of Inverted Totalitarianism. Princeton, New Jersey 2008.

67.  Zeilinger, Thomas: „Social Networking“ als Basis der Wahrnehmung kommunikativer Kompetenz im Internet. Von einer Ethik allgemeiner Geltungsansprüche zu einer Ethik sozialer Verbundenheit. In: Zfkm, Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik. Ausgabe 1/2009, S. 57-60.

68.  Zwingli, Miriam: Tendenziöse Attributierung in deutschen Printmedien: Putin versus Obama – eine linguistische Größe. Bachelorarbeit an der Fachhochschule des Sprachen- und Dolmetscher-Instituts München.

69.  Zuakala, Andrea: Medien und öffentliche Meinung im Irakkrieg. Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage der Zeitung „Das Parlament“. 10 Juni 2003, S. 25-34.

Kommentare

Bild des Benutzers Heinz

Langer Text, da hilft nur noch, daß er auch verständlich ist.

Ich habe den Text mal durch eine Analyse laufen lassen: Fleschwert 25!

Dabei habe ich nur den Text von der Anrede bis zum Grußwort genommen, Anschrift, Bilder und Literaturangaben also nicht.

Versuch es einmal selbst:

tuwort

Lieber Heinz,

das Problem ist: Der Text war ja nie primär als Artikel gedacht, sondern als ein Anschreiben an die Zeit-Redaktion. Somit ging er an genau solche Leute in der Presse, die erstens seit zweieinhalb Jahren gezielt eine unglaubliche Feindes- & Kriegshetze betreiben & seit etwa anderthalb Jahren jeden übel angehen, der sich dem in den Weg stellt. Vorrangig ist da die demagogische Strategie, Protest & Widerspruch zu entsorgen, indem Artikelschreiber & Politstrategen die Protestierenden per Diffamierung in die Pegidaecke oder in die Kreise linksautonomer Krawallmacher stopfen, gerne unter ahistorischem & propagandistischem Missbrauch der "Querfront"-Vokabel.

Das wollte ich ihnen halt nicht ermöglichen: Ich wollte klarmachen, dass, gerade wenn man Textanalyse zu betreiben versteht, über fundiertes medienwissenschaftliches Wissen verfügt und eine sichere geschichtliche Grundbildung hat, man dem Geschäft, das sie betreiben, nur mit Ablehnung und Verachtung begegnen kann. Und dies eben nicht, weil man autoritären Gesellschaftsmodellen anhängt, sondern gerade, wenn man die Verteidigung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie will, die durch die aktuelle politische Entwicklung nämlich akut gefährdet sind. (Der Frieden sowieso.) 

Die Veröffentlichung hier dient einerseits der Dokumentation eines konkreten Versuchs der Gegenwehr, andererseits zur Information über die Stoßrichtung in Richtung einer offenen Propagierung des autoritären Staats in Medien wie der ZEIT.

Von daher kann ich vielleicht noch dezent "glätten", den Text aber nicht komplett umschreiben, weil er sonst dem, den die ZEIT-Redaktion erhalten hat, in nichts mehr ähnelt

 

Mir geht es aber beim Schreiben meist so, dass ich zunächst nur versuche, die Gedanken, die ich habe, so genau wie möglich niederzuschreiben. Dann wird es meist sehr komplex. In einem zweiten, dritten und vierten Gang versuche ich dann, die Texte formal zu vereinfachen, ohne inhaltlich irgendetwas preiszugeben.

Der Schriftsteller Leonard Frank, dem es wohl Ähnliches passierte, sagte einmal, er brauche nur drei Wochen, um einen Roman zu schreiben, aber anschließend zehn Monate, um ihn zu kürzen. Ich glaube, würde ich je einen Roman schreiben, müsste ich ähnlich verfahren.

Herzliche Grüße,

Anja

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Mein undezenter Hinweis sollte ja eigentlich auch keine Kritik am Text sein und schon gar nicht am Inhalt.

Mir geht es ja genau so, daß ich eine Idee aufschreibe, wie sie mir spontan im Kopf kreist.
Da muß sie dann erst einmal raus.

Erst danach kann ich diese idee stilistisch so umformen, daß sie auch andere verstehen - zumindest versuche ich das.

Zu diesem Zweck ist dann ein Analyseprogramm nützlich, aber kein Allheilmittel.

Ich ärgere mich ja selbst, wenn die Formulierungen umständlicher geraten, als ich es vorhatte.

Bild des Benutzers Heinz

Ich habe mir bis zum Spätsommer vorgenommen, das Konzept der ARGE allgemeinverständlich umzuformulieren; das wird ein hartes Stück Arbeit.

(Das Unterfangen, Unsinn zu erklären, es also sinnhaft zu vermitteln, ist allerderdings eine Aufgabe, die an notwendig aufzubringender Mühe der Quadratur des Zirkels gleicht.) 

... leistet Marcus Glöckler eine absolut fundierte, detaillierte & präzise Analyse eines Tendenzartikels über eine Veranstaltun von Daniele Ganser.

Formal bietet diese Analyse alles, was man braucht, um die wesentlichen Kniffe eines bloß noch Stimmung erzeugenden Kampagnenjournalismus bloßzustellen.

http://www.heise.de/tp/artikel/46/46966/1.html

 

Als Paradigma darf der Text gerne in jedes mediendidaktische Schulbuch für die Sekundarstufe II übernommen werden, so textanalytisch sauber & kleinschrittig arbeitet Klöckner hier.

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Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ - Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements

Rainer Mausfeld meint, wir haben eine Chance, wenn wir den Mut haben, unser bisschen Verstand zu gebrauchen.

... wie breit das von Rainer Mausfeld genannte "wir" soziologisch aufgestellt & wie es sozial verbunden werden muss, um politisch wirksam zu werden.

Es ist ja nun historisch nachgewiesen geworden, dass kein Krieg, auch nicht der Zweite Weltkrieg je stattgefunden hätte, hätte sein Ausbruch auf einem Plebiszit beruhen müssen. Die Mehrheit der Bevölkerung war auch damals "kriegsunwillig", bzw. durch die Erfahrung des Ersten Weltkriegs "kriegsmüde".

Die sozialen Strukturen aber selbst der Friedensbewegung der 80er Jahre scheinen weitestgehend so gekappt, dass uns das Artikulationsforum von damals nicht mehr zur Verfügung steht. Daran scheint über mehr als zwei Jahrzehnte, in denen US-Strategen & Transatlantiker vorgebaut haben, damit bloß die deutsche Bevölkerung niemals auf die Idee kommen kann, das Ende des Kalten Krieges könne Deutschland davon erlösen, im Zweifelsfall als Schlachtfeld für die Behauptung der hegemonialen Position der USA herhalten zu müssen, gearbeitet worden zu sein.

Wichtige Schritte für diese neue=restlose Anbindung waren zweifellos 1.) der ideologische Umbau der Grünen über die Achse Fischer/Albright/Soros/Beck/Fücks (die auch noch mit dem Ehepaar Nuland/Kagan befreundet sein sollen - laut dem Grünen Robert Zion - vgl. sein Interview auf Telepolis), 2.) die Entwicklung der anti-deutschen Szene (die strukturell den Neocons so ähnlich argumentiert, das ich fest von einem geheimdienstlichen "Nudging" durch US-Dienste ausgehe, welches allerdings bei gewissen Leuten auf äußerst fruchtbaren Boden gefallen sein muss), 3.) die Entwicklung des ausufernden totalen Ausspähsystems der NSA, durch die die deutsche Zivilgesellschaft vor den US-Diensten blank & bloß daliegt. 

 

Kommen wir dagegen an? 

Bisher sicher noch nicht. Sicher ist, dass die "Informationskriegsführung der NATO" bisher im Vergleich zu ihren Ansprüchen bei der deutschen Gesellschaft nicht sonderlich erfolgreich war. Deshalb auch die JAPCC-Tagung in Essen zur Infokriegsführung der Nato - gerade im Hinblick auf die konfrontationsunwillige deutsche Bevölkerung (23-25.11.2015), zu der DIE LINKE eine Gegentagung veranstaltet hat. (Ich war da: Starsprecher war Oskar Lafontaine, Uwe Krüger und Wolfgang Neu waren als Referenten anwesend, um über die Rolle der Medien in der Konfrontation gegen Russland zu sprechen.)

Aber ob diese Unwilligkeit ausreicht, um irgendwann doch in einen offenen Protest umzuschlagen, der einer deutschen Regierung die Fortführung der Konfrontation unmöglich macht, wage ich nicht prognostisch zu behaupten.

Ich fürchte, davon sind wir noch weit, weit entfernt. Es grummelt unglaublich vielen Leuten der Magen, aber den Auslöser für ein Umschlagen des lähmenden Unwohlseins in einen tragfähigen Zorn, den sehe ich noch nicht.

Ich hoffe aber drauf. 

Und immerhin gehören wir doch zu denen, die im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten das uns Mögliche tun - oder nicht? Nach zweieinhalb Jahren im Mut der Verzweiflung beharrlich weiterzumachen, ist doch wenigstens etwas...

Aber ich sähe schon gerne deutlichere Resultate. (In den 80ern waren wir - in einer kleineren Bundesrepublik - 300 000 Demonstranten im Bonner Hofgarten. Nur gegen TTIP haben wir in diesem Jahr zumindest 250 000 auf die Beine bekommen. Hoffen wir das das im Sommer noch einmal gesteigert werden kann - & dann auch die Mobilisierung auf weitere Felder übertragbar ist...

Da Aufgeben existenziell gefährlich werden könnte, ist Beharrungsvermögen Bürgerpflicht, denke ich.

 

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Im Prinzip ja, aber mit welchem Ziel und Zweck?

Die Entwicklung in den osteuropäischen Staaten ist in den jetzigen Krisen der Wirtschaft, des Euro, der EU und der Flüchtlinge eindeutig nationalistisch motiviert und die Bewegungen um Pegida auch. Die Menschen berufen sich auf ihr Heimatrecht, ihre angestammte Kultur und allgemein auf die Forderung:

Unser Land gehört uns!

Aus einer sozialen und humanen Sicht ist das verwerflich. Nicht vergessen sollten wir aber, daß gerade diese Staaten mit der nationalen Idee die Besetzung und Bevormundung ihrer Länder nicht nur durch die Sowjetunion überstanden haben, sondern jede Besetzung in den Jahrhunderten vorher, sie ist dort also Kulturgut geworden.

Besonders die wirtschaftlichen verhältnisse haben sich in den letzten Jahrzehnten global dramatisch verschlechtert. Der globale Finanzhandel dominiert die reale Wirtschaft und damit die sozialen Verhältnisse in allen Staaten (bis auf Bhutan, wo nicht finanzielle Maximierung, sondern das nationale Glück dominiert).

Falschmeldungen haben das strategische Ziel, die öffentliche Meinung zu manipulieren, weil letztendlich davon die Wiederwahl abhängt.

Als Gegenstrategie hilft dabei nur Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung.

 

... besteht für uns alle erst einmal in der Wahrung des Friedens und der rudimentärsten letzten Reste der Sicherung von Daseinsfürsorge für die Menschen. Da die merken, dass Repression, Krieg, Deprivation usw durch die Exekutive einer fremden 'Superpower', supranationale Strukturen wie die EU & multinationale Konzerne erfolgen, erscheint zunächst die nationale Reorganisation einer Gegenwehr von unten als eine rational sinnvolle: Auf dieser Ebene, auf der ja einst auch Bürgerrechte & soziale Institutionen erkämpft wurden, die einen grundsätzlichen Schutz der Menschen boten, haben sie ja einzig Strukturen (Gewerkschaften und Arbeiterparteien) erfahren, die Macht zumindest soweit beschränken konnte, dass menschenwürdiges Dasein & ein gewisses Maß an Selbstbestimmung möglich wurde.

Freilich haben Machteliten in inegalitären Zeiten hierauf immer mit einer zerstörerischen Divide-et-Impera-Politik geantwortet: So entstehen Kriege & Bürgerkriege.

Aber auf einen Krieg steuern sie uns eh hin: Ich halte nichts von irgendeiner rechten Partei - sie sind noch nie dem Kapital in den Arm gefallen. Marie Le Pen wird Frankreich auch nicht retten. Aber sie ist eben auch als Schreckensbild nicht mehr wirksam, wenn die selbsternannte "Mitte" die Gesellschaft totalitaristisch umwandelt,wie dies Francois Hollande derzeit mit der Erhebung des Notstandes zum Normalfall, ergo mit der Abschaffung des demokratischen Rechtsstaats tut.

Ich bin der festen Überzeugung, dass auch Merkels Flüchtlingspolitik nichts, aber auch gar nichts mit Humanität gemein hat. Denn gings ihr um die Syrer, so wäre sie ein Aktivposten gegen die Verheerung des Nahen Ostens aus gegenpolitischem Kalkül. Das ist sie aber nicht. Im Gegenteil: Bislang war auch ihr Mantra "Multikulti ist gescheitert" - seit den frühen 90ern. Merkel möchte aber um jeden Preis durchsetzen, dass "Deutschland" seine feste Rolle in der Phalanx der Verbündeten im militaristischen Coup der Erhaltung der US-Suprematie einnimmt & gegenüber anderen Sekundanten nicht marginalisiert dasteht. Ich glaube aber, Berater haben ihr klar gemacht, dass dafür die am stärksten durch moralische Kriegstraumata langfristig geschädigte Bevölkerung ein eminentes Risiko hierfür darstellen könnte. Eine verstärkte Neuauflage der Friedensbewegung der 80er, die doch in den letzten Monaten mit allen Mitteln der Diffamierung ("Querfront", "völkischer Pazifismus") bekämpft wurde, wäre für sie ein Alptraum. Denn die demagogisch operierende Presse erlebt ja einen Bedeutungsverlust, kann eventuell nicht ewig ihre Aufgabe erfüllen, die pazifistische Gegenwehr zu bannen. Durch die Flüchtlingsmasse hofft man wohl, den rechten Rand so richtig in Aktion bringen zu können, so dass alle nicht-rechten Kräfte hinter der Staatsmacht versammelt werden können. Und aüßerdem sich alles Protestpotenzial auf die Abwehr von Rechts lenken lässt.

Die große Anti-TTIP-Demo war aber wieder der erste Nachweis, dass auch eine breit aufgestellte Gegenwehr möglich ist. Ich hoffe im nächsten Jahr auf eine Wiederholung oder sogar Steigerung (Vorbereitungen laufen ja überall). (Prompt wurde ja auch die TTIP-Demo als heimlich "rechts", "Querfront" usw diffamiert, im Spiegel & in der Zeit: Wer da war, weiß, wie absurd das ist.

Ergo: Die Rechten von heute spielen erst einmal nicht die Rolle der Rechten von gestern, weil das Kapital und die Machteliten nicht auf ihrer Seite sind. Aber sie sind auch keine Gewähr für irgendetwas Positives. Es empfiehlt sich, sie rechts liegen zu lassen & andere Strukturen zu stärken. Pegida ist kompletter MIst; aber wer auf Anti-Pegida-Demos mitläuft, stärkt die Hegemonialkräfte - woran auch niemand ein Interesse haben kann. Einfach geballt für die Demos einsetzen, mit denen man konform gehen kann. Und was die Flüchtlinge betrifft: Wir sind da zur Solidarität nicht nur verpflichtet, sondern verdammt. Auch die sind alle=alle gegen Krieg und sollten in eine Protestperspektive eingebunden werden.

Entweder wir brechen diese globalen militaristischen Exzesse und seine immer aggressivere Propaganda - oder es knallt uns um die Ohren - auf allen Fronten.

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«Aber auf einen Krieg |steuern sie uns eh hin» | haben sie uns eh hingesteuert

Wir sind mitten in einem asynchronen Krieg

Seit D wieder "groß" ist und vor allem nicht mehr so einen kümmerlichen Regierungssitz hat, wie die Bonner Republik Deutschland BRD, sondern eine richtige Hauptstadt in der erweiterten Berliner Republik Deutschland BRD, betonen dies auch alle Nachrichtensprecher und -Innen der staatlichen Medien. Die Länder, Freistaaten und Stadtstaaten sind vermehrt in den Hintergrund getreten, in die Bedeutungslosigkeit; schließlich ist keine Stadt so hoch verschuldet, wie Berlin, das hebt die Bedeutung natürlich. Diese tägliche Berieselung mit nationalen Bezeichnungen wirkt langfristig und zeigt ja auch bereits Wirkung. Diese andauernde Indoktrination ermutigt einerseits die Täter, die damit fischen gehen, andererseits viele Menschen, die durch die zurückliegenden Jahrzehnte verunsichert sind und Orientierung suchen. So treffen sich denn Fischer und Fisch. Deutlich wird dieses Dilemma bei Seehofer, der nur darum rechts fischen geht, weil er genau weiß, daß es sich bei diesen Fischen um die angestammte Wählerschaft seiner Rechten Partei CSU handelt, getreu dem Spruch von FJS:

"Rechts von der CSU ist kein Platz."

Der asynchrone Krieg wird auf allen Ebenen geführt, vorwiegend in der Wirtschaft. Das geht gegen die eigene Bevölkerung, siehe Hartz4, oder gegen ganze Staaten, siehe Griechenland. Offene Konflikt werden vermieden oder als lokale Aufstandsbekämpfung verharmlost (Afghanistan ist dafür ein Beispiel, wo eigentlich nur eine Friedenstruppe Brunnen bauen und alten, gebrechlichen Mütterlein über die Straße helfen sollte). Dafür die Bezeichnung Krieg zu verwenden war politisch inkorrekt und höchst gefährlich, weil dafür keine Versicherung zahlt und sowas den Job kosten kann.

Die Völkerwanderung von 60 Millionen Menschen, die heute als Flüchtlingsproblem gehandelt wird, ist kein Zufall und auch nicht vom Himmel gefallen. Sie hat letztendlich wirtschaftliche Ursachen in den Verhältnissen, in denen sich die Machthaber ihren eigenen Fortbestand sichern. Von Eliten will ich hier ganz bewußt nicht schreiben, weil das keine Eliten sind, sondern Kriminelle, die ihre Macht mit medialer, administrativer, wirtschaftlicher, polizeilicher oder militärischer Gewalt mißbrauchen.

Mit den Mobilfunknetzen und dem Internet ist heute jegliche Information in Echtzeit rund um den Globus zugänglich. Der Einzelne muß darum selbst filtern:

Was ist glaubwürdig und was ist Müll?, Aschenputtel läßt grüßen.

Mit dieser allgegenwärtigen Information haben wir aber auch ein Problem:

  1. George Orwell hatte sich in 1984 nicht träumen lassen, wie total die Überwachung sein kann.
  2. Das Internet beschert uns ein dauerhaftes soziales Problem, oder eine andere Gesellschaft.

Das soziale Problem haben wir, die andere Gesellschaft noch nicht.

... da die politisch aktiven Griechen davon ausgehen, dass sie nur den Experimentierkasten dafür abgeben sollen, bis zu welchem Niveau sie die ökonomische Depravierung & Entrechtung der Menschen hier in Europa treiben können, ohne dass es zu einem die "Funktionseliten" (eben die von Dir zurecht als Kriminelle Bezeichneten) ernsthaft gefährdenden Aufruhr kommt.

Deshalb unter anderem meine ich ja: Es kann nur solidarisch funktionieren, aber dass muss es auch in jedem einzelnen Land. Als organisatorische Einheit ist Widerstand am ehesten national zu organisieren - doch die Perspektive muss international sein.

 

Bild des Benutzers Heinz

Nehmen wir die Armut, die sicherlich relativ ist. D ist eines der reichsten Staaten der Welt und leistet sich eine Armutsgrenze von 15,5% der Bevölkerung.

Die (inzwischen) schweigende Mehrheit der Menschen, die unter dieser Armutsgrenze leben müssen, folgen der neoliberalen Taktik des Tittytainment, sind also bereits deren Opfer geworden, obwohl D in der Zahlungsbilanz an erster Stelle steht. Diese Leute gehen gar nicht mehr wählen, haben faktisch kein Mandat, werden nicht mehr vertreten und nur noch verwaltet und die pseudodemokratischen Wahlergebnisse sind verfälscht, weil Nichtwähler den Ergebnissen prozentual zugeschlagen werden.

Eine politische Forderung könnte darum sein, die Anzahl der Abgeordneten mit der Wahlbeteiligung zu begrenzen. Damit hätten die Politiker einen elementaren Anreiz, sich um die WählerInnen zu bemühen. Damit könnte ein Dialog entstehen, der ALLEN klar macht, in welchem Boot wir sitzen.

 

Die absolut beste Dokumentaton & beste (filmische) Analyse der ideologischen Architektur des Totalitarismus, mit dem wir es in Form der aktuellen von den Straussianern & Neocons dominierten US-Falken zu tun haben, hat der Dokumentarfilmer Alan Curtis für die BBC zwischen 2002 und 2007 in den folgenden Film-Trilogien erstellt: (Seit Cameron dem Staatssender die Daumenschrauben angelegt hat, dürften die so etwas auch nicht mehr drehen - aber zum Glück existieren die Dokus ja schon - übrigens - bezeichnender Weise - existieren sie nicht in synchronisierter Fassung auf Deutsch. Ich verlinke jeweils die erste jeder Episode jeder der Trilogien; die anderen Folgen sind aber auch auf Freedocumentary zu finden:

http://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-power-of-nightmares-the...

https://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-trap-what-happened-to-...

http://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-century-of-the-self-hap...

Es lohnt sich absolut, sich alle diese Filme anzuschauen!

Bild des Benutzers pleifel

Werte Alphabetta,

da haben Sie aber einen Text verfasst, in dem so richtig der angesammelte Frust (Empörung?) über die Zeit ersichtlich wird! Da ist es nicht verwunderlich, wenn die vielen Gedanken auf einmal einen komplexen und langen Text ergeben. Da ich selbst als ehemaliger Bezieher der Zeit des Öfteren spontane Leserbriefe geschrieben habe, aus gleichen Anlässen heraus, wie es sich aus ihrem Text ergibt, kann ich ihre Intention bestens nachvollziehen. Hoffentlich profitieren auch ihre Schüler davon, die doch wohl den Text zu lesen bekommen, oder?

Was bei der "Texterei" für mich immer wichtig ist, dass ich meistens mindestens einen kritischen Leser habe, der sich meine Schreibe anschaut. Ich bin dann auch nicht sauer, wenn ich daraufhin etliches umschreiben muss, das Gegenteil ist der Fall. Und dann bleibt ein Beitrag (wenn er für mich wichtig ist), mindestens einen Tag liegen, bevor ich mich abschließend damit beschäftige. Das aber nur am Rande.

Wird so ein Text bei Ihnen im Lehrerkollegium gelesen (bekannt)? Ich könnte mir gut vorstellen, dass da einige nicht unbedingt so medienkritisch eingestellt sind.

Beste Grüße
Paul

Nachtrag:
Dazu passt noch ein Artikel von Volker Bräutigam aus Ossietzky Nr. 25/2015 "Öffentlich-rechtlicher Gesinnungsjournalismus".

für Link & Kompliment.

Nein, unterrichtlich würde ich niemals einen von mir verfassten Text verwenden.

Aber die obige Literaturliste verdankt sich der Tatsache, dass ich mir verschärft Gedanken mache, wie im Sinne des Grundgesetzes, der jeweils geltenden Landesverfassung & der Schulgesetze schulisch eine der aktuellen Mediensituation angemessene Mediendidaktik entwickelt & unterrichtet werden könnte. Das Lernziel "Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung", wie es in den diversen NRW-Richtlinien so schön heißt, setzt voraus, dass Schüler eine fachwissenschaftlich fundierte Übersicht über Modelle der Medienanalyse & Interpretation (etwa nach Chomsky, Luhmann, Bourdieu u.a.) erlangen, sich selbst in ihnen erproben können & eigenständige Versuche verschiedener Pressekampagnen dann selbst medien- & diskursanalytisch auswerten. Das könnte dann gruppendifferenziert laufen: Die einen untersuchen etwa die Darstellung von Islam & Muslimen im Kontext der Medienkampagne um den "Krieg gegen den Terror", andere die Medienberichterstattung zum Kosovokrieg, der Ukraine-Krise oder die wirtschaftliche Krise in Griechendland. (Da wir Schüler mit unterschiedlichstem Migrationshintergrund haben, haben deren Präferenzen nicht selten etwas mit familiärem Hintergrund zu tun.)

Dabei muss aber im Sinne der "Neutralität der Amtsführung" den Schülern selbst überlassen werden, wie sie konkrete Medienerzeugnisse selbst bewerten.

Ein drittes Feld wäre dann die kritische & umfassende Beleuchtung unterschiedlichster alternativer Medien & die Frage, inwieweit sich heute überhaupt noch Meinungsmonopole durchsetzen lassen, ob das Netz ein optitmistisch stimmender Ort der "liquid democracy" ist oder (siehe NSA-Ausspähung) eher ein Mittel einer umfassenderen Kontrolle, die alles bisher Dagewesene übersteigt. (Ich denke, Formate wie Thilo Jungs "Jung & Naiv" kommen bei den Jungen gut an, aber vermutlich bringen sie bei einem solchen Thema auch vieles an, was sie selbst so im Netz vorfinden.

Abschließend könnten Schüler sich selbst journalistisch ausprobieren, Blogbeiträge erstellen oder auch Youtubevideos, Audiodateien ect.

Die Möglichkeit im Differenzierungsbereich "Medienwissenschaften" als Kurs anzubieten, gibt es.

Es ist allemal wichtig, junge Leute zu ermutigen, sebstbestimmt Kommunikationswege zu finden & die mediale Vermittlung der Belange ihrer eigenen Generation aktiv zu gestalten, anstatt zuzulassen, dass sie einer suggestiven & manipulativen Medienmaschinerie passiv ausgeliefert sind.

Ihre Schlussfolgerungen, worauf es ihnen ankommt & was sie kritisieren, müssen sie aber selbst entscheiden können. Alles andere wäre wenig emanzipatorisch.

Herzliche Grüße,

Anja 

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Liebe Anja,

so neutral ist mir mein Deutsch- und Geschichtslehrer jedenfalls nicht in Erinnerung geblieben. Wenn wir auf Klassentreffen darüber sprechen, dann gibt es die ziemlich einhellige Meinung, dass wir am meisten bei ihm (von ihm) gelernt haben. Natürlich sollen die Schüler unter qualifizierter Anleitung zu ihrer eigenen Erkenntnis gelangen, aber darüber hinaus wäre es mir jedenfalls wichtig zu wissen (soweit sich das nicht bereits aus dem Unterricht selbst deutlich zeigt), wofür steht mein Lehrer?

Und ich wäre stolz darauf, wenn ich sehen würde, wie sich meine Lehrerin als Staatsbürgerin für die Stärkung der Demokratie einsetzt! Und wenn ich den Text kennen würde, wäre das für mich ein Thema für den Unterricht, denn es ist dann persönlicher, zeitnah und aktuell. Nach solchen Vorbildern stärkt sich auch das eigene Selbstbewusstsein und daraus erwächst wiederum das, was sich später an die eigenen Kinder vermitteln lässt.

Ich komme also zu etwas anderen Schlussfolgerungen. Es ist auch nicht notwendig, da einen Gegensatz zu sehen.

Viele Grüße
Paul

dass wir da weit auseinanderliegen. Für Grundrechte, Frieden & Demokrtatie, soziale Gerechtigkeit darf & werde ich mich auch immer offen einsetzen - auch im Unterricht. "Neutralität" bedeutet im Wesentlichen parteipolitische Neutralität. 

Ich würde mich aber doch scheuen, einen von mir verfassten Text als Anlass zu verwenden (käme mir auch eitel vor, wenn es auch gute von anderen Autoren gibt.)

Das, was aber am nachhaltigsten Schüler kritisch macht, ist, wenn sie selbst sich hinter Themen klemmen. Eigene Betroffenheit ist da oft ein guter Ausgangspunkt. (Über den türkisch-kurdischen Konflikt habe ich ebenso eindrucksvolle Texte schon erhalten wie nach der Milleniumswende über den Balkankrieg.)

Dir einen frohen Jahreswechsel & uns allen ein hoffentlich erfreulicheres Jahr 2016!

Herzliche Grüße,

Anja

Einen Hetzartikel der übelsten Sorte lieferte ZON am 27.12. - verfasst vom inzwischen militaristisch-extremistischen Ex-Nazo-Fellow & rechts äußen fischendem OlivGrünen Adepten der Harms=Beck=Fücks=Fraktion, ideologischer Scharfmacher der Heinrich-Böll-Stiftung: Andreas Umland.

 

Titel: "Was die Putin-Versteher missverstehen"

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-12/russland-wladimir-putin-kreml...

 

Eine knackige Antwort auf so viel üble Kriegshetze (Aufforderung an die ZEIT-Leser, moralisch=ideologisch das Begehren, die russische Regierung zu stürzen, als unterstützenswert zu erachten - als bliebe auch nur hier ein Stein auf dem anderen, wenn der nächste mörderische Nato-Staatsstreich ein Land von der größe Russlands in Chaos & Unglück stürzen würde (Umland ruft dazu auf, vor allem die totale wirtschaftliche Destabilisierung zu unterstützen), war natürlich auch hier fällig.

 

Aber der Wahnsinn dieser Leute macht einen sprachlos.

 

Können die alle die eigenen Kinder nicht leiden?

 

Hätte das von Euch jemand vor zehn Jahren gedacht, dass sie auf sämtlichen Propagandaröhren wieder so mörderisch=selbstmörderisch rumtuten würden wie zu Zeiten Joseph Goebbels?

 

Wir sollten uns langsam daran gewöhnt haben, aber daran lässt sich nicht gewöhnen.

Das, was sie alle=alle betreiben, war der Hauptanklagepunkt des NÜRNBERGER KRIEGSPROZESSES!!!!

Alle anderen Gräuel des Nazismus werden dort in der Urteilsbegründung als die Folge der gezielten Zerschlagung des Friedens in Europa und als Vorbereitung eines Angriffskrieges bezeichnet.

Die US-Eliten haben die Implantierung des geistigen Nachwuchs der Nazis prima hinbekommen. Wir sind unter der Knute der gleichen rückgratlosen Menschenfeinde wie damals.