19 Dez 2015

Und sie wissen nicht, was sie tun

Submitted by alphabetta

Auf den Seiten der Ständigen Publikumskonferenz erschien die folgende Programmbeschwerde von mir.

Putin, Putin und kein Ende

Bildergebnis für wladimir putin
veröffentlicht am 18.12.2015

Programmbeschwerde zur Doku ZDFzeit: Machtmensch Putin

Film von Annette Harlfinger, Caroline Reiher, Michael Renz und Dietmar Schumann
Kamera: Michael Habermehl, Zeljko Pehar
Produktion: ZDF/Birgit Helten
Redaktion: Philipp Müller, Ursula Schmidt

Ich gebe es zu: Ich habe mir diese neue ZDF-„Doku“ bewusst nicht angeschaut. Die Erfahrungen, die ich in den letzten zwei Jahren mit Produktionen dieser Art gemacht habe, genügen um zu wissen: Die Summe der beitragsfinanzierten Dämlichkeiten ist konstant. Das letzte Putin-Porträt, dem die Publikumskonferenz im Februar diesen Jahres, auf Grund der Intervention ehemaliger Nachbarn der Familie Putin in Dresden, eine Beschwerde widmete, wirkt zudem noch unangenehm nach.

In der Jahresendausgabe „Machtmensch Putin“ wurde zu allem Überfluss der Ex-Focus-Mitarbeiter und notorische Putinhasser Boris Reitschuster in einen völlig unverdienten Expertenstatus gehoben. Reitschusters Onlineaktivitäten, die sich in den sozialen Netzwerken hauptsächlich mit Russlandschelte befassen und beim Ausleben seiner Putin-Obsession auch schon mal homophobe Stereotype bemühen, werden von den „Kollegen“ im Geiste gerne geteilt und geliked. Unter diesem seltsamen Account trifft sich Alles, was bei der Russlandkritik in Dauerschleife „Rang und Namen“ hat – Spiegel-Journalisten, dubiose Ost-Europa-Experten, WDR-Radiofritzen bis hin zum ZDF-Fernsehratsvorsitzenden Polenz. Man versteht sich bei dieser Thematik offenbar blind und natürlich vollkommen unabhängig, wie das Mitglied der Atlantikbrücke, Claus Kleber, jüngst versicherte. Die Community war amüsiert.

Das Dilemma einiger Film- und Fernsehschaffender, die sich (natürlich vollkommen frei(-willig) und unabhängig) der Feindpropaganda verschrieben haben, dürfte normalerweise darin liegen, dass zwar das Feindbild klar gesetzt ist und gepflegt werden muss, gleichzeitig aber auch diverse Programmgrundsätze einzuhalten sind.

(4) Programmrichtlinie des ZDF
Die Berichterstattung muss von vorbehaltlosem Willen zur Wahrhaftigkeit und Sachlichkeit bestimmt sein. Zweifel an der Zuverlässigkeit einer Nachricht sind zum Ausdruck zu bringen.

Unsere damalige Mahnung an die Programmveranstwortlichen und an die „Anwälte des Publikums“, Anstand und Diplomatie gegenüber dem Präsidenten eines souveränen Staates zu wahren und im Interesse der Anspruchsberechtigten künftig mehr auf die Qualität der Produktionen und auf die Einhaltung der Programmgrundsätze zu achten, verhallte. Sowohl der Fernsehrat als auch der Beschwerdeausschuss sahen in klar nachgewiesenen unwahren Darstellungen (im Volksmund auch Lügen genannt), Diffamierungen und unbelegten Behauptungen keinen Verstoß gegen die für das ZDF geltenden Rechtsvorschriften.

Maren Müller

Wir dokumentieren im Wortlaut die Programmbeschwerde unserer Mitstreiterin Anja Böttcher zu der erneuten Fehlleistung des ZDF: 

 

Fehrsehrat des ZDF
Fernsehrat@zdf.de

 

Betrifft: Programmbeschwerde zur „Dokumentation“ „Machtmensch Putin“ vom 15.12.2015

 

„Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags

die Grundsätze der Objektivität und der Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt

sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.“

§ 11 Rundfunkvertrag

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich als deutsche Staatsbürgerin und als jemand, der seit mehr als zwei Jahrzehnten mediendidaktisch tätig ist, Programmbeschwerde über die ZDF-„Dokumentation“ „Machtmensch Putin“ einlegen, die allen gesetzlichen Grundlagen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Bundesrepublik Deutschland in eklatantester Weise widerspricht.

Von Beginn an vermittelt die Sendung zu einem großen europäischen Nachbarland, nämlich der Russischen Föderation, nichts anderes als eine grobe Schwarz-Weiß-Karikatur, die das Land in bester anti-kommunistischer Tradition in sensationsheischendem Ton als schreckensstarres Reich der Finsternis kolportiert, das von einem einsam despotisch führenden Diktator mit eiserner Hand herumdirigiert wird, von dem zudem noch die expansive Bedrohung der aggressiven Unterwerfung europäischer Nachbarn sowie die dämonische Absicht ausgeht, die Europäische Union zu zerstören. Dabei war offensichtlich der verantwortlichen ZDF-Redaktion keine unseriöse Effekthascherei, keine Unredlichkeit, ja noch nicht einmal die Lancierung als solcher heute einwandfrei bekannter Falschaussagen zu billig. Da die Missstände, die diese Sendung aufweist, zu zahlreich sind, als dass sie in Gänze hier angeführt werden könnten, möchte ich mich auf einige wenige beschränken, die allein hätten ausreichen müssen, um die Ausstrahlung der Sendung zu unterlassen.

 

Mangelnde Objektivität der Darstellung:
Die unsichtbare russische Invasion

So wird im ersten Drittel der Sendung hinsichtlich Russlands Politik in der Ukraine unhinterfragt die Behauptung kolportiert, die russische Armee sei invasiv in den Donbass eingefallen, obgleich diese Sichtweise weder durch die Berichte der OSZE gestützt wird noch der Darstellung auf den Seiten des Auswärtigen Amtes entspricht. Als einzigen „Kronzeugen“ dieser, nach aktuellem Kenntnisstand, nachweislichen Falschaussage zitiert die verantwortliche Redaktion prekärer Weise ausschließlich den zwischendurch kaltgestellten Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove. Dieser US-General stieß aber nicht nur der französischen Regierung unangenehm auf, weil er den regelmäßig an die US-Administration weitergegebenen Erkenntnissen der französischen Dienste widersprach.

So erklärte der französische General Christophe Gomard vor der Französischen Nationalversammlung: „Wir haben in der Tat festgestellt, dass die Russen weder Kommandostellen noch Hinterlandeinrichtungen, etwa Feldspitäler organisiert hatten, die ihnen eine militärische Intervention ermöglichen würden.“ Seiner Begutachtung aller Frankreich zur Verfügung stehenden Dokumente zufolge habe es nie einen Hinweis darauf gegeben, dass Russland auch nur eine Invasion der Ukraine vorgehabt habe.
http://www.lecourrierderussie.com/2015/04/russie-envahi-ukraine-renseign...

Noch ungehaltener über die als gefährlich eskalierend eingeschätzte Rolle des US-Generals zeigte sich die Bundesregierung, allem voran Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der die Äußerungen Breedloves als „gefährliche Propaganda“ einstufte, als er sich zum Zweck seiner Zügelung im März 2015 an Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wandte.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/nato-oberbefehlshaber-philip-breedlove-irritiert-allierte-a-1022242.html

http://www.n-tv.de/politik/Deutschland-legt-sich-mit-der-Nato-an-article14654376.html

Schlussendlich wurde der bekanntermaßen den US-Falken angehörige Nato-Chef selbst von der US-Regierung als derart unhaltbar erachtet, dass Präsident Obama ihn zurückpfiff. Und nun zitiert ihn eine sich als „Dokumentation“ ausgebende Sendung des ZDF als unbestechlichen Zeugen ‚russischer Aggression‘? Wie kann so etwas zustande kommen? Ist dies ein Recherchefehler oder eine absichtliche Irreführung der deutschen Öffentlichkeit?

 

Ausgewogenheit der Darstellung:
Im Herzen der propagandistischen Finsternis

Die Russische Föderation wird in dem Beitrag dargestellt als ein Land, dessen Regierung lediglich aus seinem dominanten und finsteren Präsidenten besteht, der für seine private paranoide Persönlichkeitsstörung ein ganzes Land in Haftung nimmt und aus einer pathologischen Herrschsucht von der Obsession besessen ist, die europäische Union zu zerstören. Hierbei, so insinuiert der Beitrag, stehe ihm ein umfassender propagandistischer Apparat zur Verfügung, der geeignet sei, die offensichtlich für unmündig gehaltenen europäischen Medienkonsumenten zu verwirren. (Dabei müsste das ZDF aus eigener leidvoller Erfahrung mit gut ausrecherchierten kritischen Publikumszuschriften doch wissen, dass die medienanalytisch offensichtlich kompetenten deutschen Zuschauer genau zu beobachten verstehen.) Deshalb wird in alarmistischem Ton gewarnt vor der Manipulation des Internets durch eine ominöse in Sankt Petersburg situierte „Trollfabrik“, die höchstpersönlich der Chef des Kremls überwachen soll. Diese, so versucht der dramatisierende Darstellungsmodus der „Dokumentation“ nahezulegen, sei geneigt, die dunkle Sicht des Kremls auch in Köpfe ahnungsloser europäischer Internetnutzer zu implantieren.

Nun scheint es in der Tat (nicht erst) im 21. Jahrhundert zu der unerfreulichen Komponente der Außenpolitik von Staaten zu gehören, ihre Sichtweise im Ausland nicht nur auf diplomatischem Wege zu vermitteln, sondern auch durch nicht als staatlich erkenntliche Kommunikationspartner innenpolitisch in anderen Ländern in Szene zu setzen, vor allem durch die Nutzung von Internetforen. Dass aber das ZDF davon ausgeht, dass hier Russland eine Vorzugsrolle einnehme und die dem Land unterstellte Neigung zur Desinformation primär mit Russland in Verbindung zu bringen sei, ist eine so abwegige Annahme, dass sie die Intelligenz jedes auch nur halbwegs informierten kritischen Bürgers grob beleidigt.

Ich möchte hier nur ganz dezent auf die sehr aufschlussreichen Relationen hinweisen, die seit den Leaks des Whistleblowers Edward Snowden zum politischen Allgemeinwissen gehören dürften:

Zu Russland: Im Frühjahr 2015 berichteten nahezu alle deutschen Leitmedien mit aufgewühltem Pathos, es gebe in Sankt Petersburg eine Institution, die mehrere hundert Mitarbeiter für einen Lohn von umgerechnet 900 Euro monatlich zwölf Stunden täglich damit beschäftige, im Sinne des Kremls Threads und Kommentare in diversen Internetforen zu posten.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/russische-trollfabrik-eine-insiderin-berichtet-a-1036139.html

http://www.focus.de/politik/ausland/propaganda-auf-bestellung-so-funktionieren-putins-troll-fabriken_id_4592188.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/russland-trolle-enthuellung

http://www.welt.de/politik/ausland/article145324382/Trollfabrik-Propagandastelle-des-Kremls-muss-zahlen.html

Diese Nachricht traf die damals von heftiger Kritik der eigenen Leser gebeutelten deutschen Leitmedien mit Wucht, löste sie doch große Erleichterung unter den führenden Journalisten der Außenressorts aus, die hierin den Nachweis sahen, es seien nicht etwa deutsche Leser, die die einseitige, manichäisch und dämonisierende Russlandberichterstattung des deutschen Mainstreams kritisierten, sondern nur „Kremltrolle“. Dabei gab die Faktenlage eine solche Deutung überhaupt nicht her: Denn Initialpunkt des Medienhypes um die „Trollfabrik“ war ein einziger Zeitungsartikel der russischen Zeitung Novaya Gazeta um eine in Sankt Petersburg beheimatete Firma unter dem Namen „International Research Agency“. Die Novaya Gazeta selbst firmiert wohl nach dem Verständnis der zuständigen ZDF-Redaktion unter jenen Presseorganen, die die „Dokumentation“ folgendermaßen charakterisiert: „Die Medien sind für den russischen Präsidenten ein zentrales Mittel der Politik. Nur noch einige wenige Zeitungen dürfen unabhängig und kritisch berichten.“ Nun besteht die „Unabhängigkeit“ der Novaya Gazeta in ihrer Finanzierung durch die „Open Society Foundation“ des berüchtigten US-Milliardärs George Soros, dessen Beteiligung an den diversen Farbrevolutionen im Osten Europas selbst von öffentlichen Sendern im Westen nicht bestritten wird, wie es weiland der ORF für das neutrale Österreich bewies.
https://nl.wikipedia.org/wiki/Novaja_Gazeta

Doch selbst dieser wenig als neutral zu vermutende Artikel verweist nur auf die bloße Existenz einer solchen Firma und vermag sie nur dadurch in Beziehung zum russischen Regierungschef zu setzen, indem sie – ohne Beleg hierfür – deren Besitzer Evgeny Prigozhin als „Geschäftsfreund“ Wladimir Putins behauptet. Allerdings werden in dem Text nur Internetaktivitäten in russischer Sprache genannt. Die Behauptung, es habe auch Verfasser von Posts in englischer Sprache und tatsächlich einen (sic!) in deutscher Sprache gegeben, erfolgte erst bei einem späteren, dem „westlichen“ Medienhype folgenden Radiointerview auf Radio Free Europe.

Die Annahme aber, ausgerechnet hierbei handle es sich um eine neutrale Plattform nimmt passend Paul Schreyer auf Telepolis auseinander:
„Nun ist Radio Free Europe im Kontext einer Debatte um Propaganda sicherlich die am denkbar wenigsten vertrauenswürdige Quelle. Es ist selbst ein Propagandawerkzeug aus der Zeit des Kalten Krieges und wurde nachweislich viele Jahre von der CIA finanziert.“
http://www.heise.de/tp/artikel/44/44596/1.html

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44454/1.html

http://www.heise.de/tp/artikel/45/45739/1.html

Vor allem aber wird, selbst wenn man die dürftige Beweislage und die Zweifelhaftigkeit der Zeugen außer Acht lässt, die Proportionalität zu einer anderen politischen Manipulationsmacht derart ignoriert, dass das dramatisierende Schmierenstück über die ‚Bedrohung durch russische Propaganda‘ sich selbst als das entlarvt, was es ist: nämlich ganz besonders billige Propaganda.

Denn selbst die sensationsheischenden Artikel der deutschen Leitmedien unterstellen der in bester Manier des kalten Krieges gezeichneten „Trollfabrik“ lediglich wenige hundert Mitarbeiter. Dagegen kennt seit den Enthüllungen von Edward Snowden so ziemlich die ganze Welt die exakte Anzahl der von der NSA eingesetzten Mitarbeiter zur Manipulation von Internetforen: nämlich glatte 27.000. Das freilich reicht der wissensbedürftigen Agentur für den nach Pakistan am besten überwachten Raum, den deutschen nämlich, aber längst nicht aus, wie folgende Jobanzeige belegt, in der die US-Botschaft in Berlin nach einem/r Mitarbeiter/in sucht, die sich in deutschen Foren unerkannt rumtreiben sollen, um sie zu Gunsten der US-Interessen zu beinflussen. Die Anzeige war für jeden Interessierten offen im Netz einsehbar.

Doch damit nicht genug: Unter den zahlreichen Publikationen von Glenn Greenwald zur Auswertung der Snowden Leaks weisen einige die zusätzlich mehrere tausend Mitarbeiter umfassende Tätigkeit des britischen GCHQ nach, die nicht nur Diskussionen manipulativ formen sollen, sondern sogar zu diesem Zweck den Auftrag erhalten, die Reputation missbeliebiger Personen durch Rufmord, Diffamierung und üble Nachrede zu zerstören, um sie jedes Einflusses auf die öffentliche Meinung relevanter Staaten zu rauben.

Die Bedenklichkeit der Praxis der „Five Eyes“ und der darin wirkenden Gefahr für die Demokratie scheint auch zum Zeitpunkt der Snowden-Leaks dem ZDF voll bewusst gewesen zu sein, wie eine 2014 ausgestrahlte ZDF-Dokumentation mit dem bezeichnenden Titel „Verschwörung gegen die Freiheit“ belegt.

Dennoch erweckt die Darstellung in der „Dokumentation“ den Anschein, als stecke in der nur lausig belegten Annahme, dass der Kreml auch nur wenige hundert Internetaktivisten in Petersburg beschäftige, eine tödliche Gefahr für die geistige Gesundheit der „hearts and minds“ von 80 Millionen Deutschen, während der mehr als zehntausendfach besser ausgerüstete Apparat von Spin-Doktoren „made in the USA“ eine klar dokumentierte Propagandamaschinerie des Pentagons offenbart hat, die sich nicht davon abhalten lässt, die Gesamtheit der deutschen Bürger dauerhaft ihrer Grundrechte nach § 4, § 5 und § 10 des Grundgesetzes zu berauben. Und das sind die realen Verhältnisse.

Der Berichterstattung unseres öffentlich-rechtlichen Rundfunks lässt sich diese Proportionalität der Freiheitsberaubung nicht entnehmen, wenn man die Meldungen zu „Putins Trollfabrik“ in ARD und ZDF liest, die ganz dem Tenor der vorliegenden „Dokumentation“ entsprechen.
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-77151.html

https://meta.tagesschau.de/id/97251/meinungsmache-im-internet-ex-putin-troll-im-interview

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2389222/auslandsjournal-vom-22.-April-2015#/beitrag/video/2389222/auslandsjournal-vom-22.-April-2015

Ganz anders dagegen lesen sich die Posts der Leser auf der Mediathek unter den oben verlinkten Beiträgen von ARD und ZDF. Wie will man dies erklären? Ist dies auch das Werk „russischer Trolle“? Sollte tatsächlich Moskau der einzige Ort sein, an dem man sich Gedanken um die Auswirkungen eines gigantischen Späh- und Manipulationsapparats des Internets auf die Grund- und Freiheitsrechte deutscher Staatsbürger macht?

Im ZDF scheint man das so zu sehen. Denn auch durch den gleichfalls nur übers Internet in deutscher Sprache zugänglichen russischen Sender RT scheint man dort die Geistesfreiheit der Deutschen gefährdet zu sehen. Das ist nun aber wirklich beachtlich. Da ja nun dankenswerterweise durch den verdienstvollen Sketch der Satiresendung „Die Anstalt“ zu Uwe Krügers empirischer Untersuchung „Meinungsmacht. Der Einfluss von Elitennetzwerken auf Leitmedien und Alphajournalisten“ (2014) bekannt ist, wie sehr transatlantische Netzwerke und Thinktanks zu dafür zu sorgen versuchen, dass der deutsche Bürger nur das für eine Nachricht hält, was mit der Weltsicht der US-Regierung und der Nato vereinbar ist, muss RT ja geradezu über magische Kräfte verfügen, um im unterstelltem Maße die deutsche Gesellschaft beeinflussen zu können.

Denn anders ist es nicht möglich zu erklären, wie das geballte mediale Potenzial US-amerikanischer Provenienz auch nur im Ansatz ausgehebelt werden kann. Zumal die dezent im Hintergrund arbeitenden Eliten-Netzwerke noch zusätzlich durch die ganze Phalanx von Nachrichtensendern (wie CNN, CBS früher Rias oder noch immer Radio free Europe) und die gigantisch Soft-Power-Maschine Hollywoods verstärkt werden, die die USA als mächtigste Besatzungsmacht Westdeutschlands in sieben Nachkriegsjahrzehnten auszeichneten. Und was steht diesem Bollwerk entgegen? Ein Internetportal, das – sage und schreibe – drei jeweils halbstündige Sendungen pro Woche ausstrahlt. Die ZDF-„Dokumentation“ spricht hier allen Ernstes von einem ‚russischen Informationskrieg‘ und leidet bitter unter der Angst, die deutsche Gesellschaft könne derart perfider Verführungsmacht doch glattweg erliegen und davor – trotz all der aufopferungsvollen ‚transatlantischen Fürsorge‘ – im Eiltempo kapitulieren. Wäre das aber dann wirklich mit der propagandistischen Finesse des russischen Senders erklärbar? Oder liegt die Diskrepanz zwischen dem Denken des Publikums und den Botschaften USW-affiner Meinungsmacht nicht viel eher daran, dass die Attraktivität transatlantischer Narrative durch Erscheinungen wie die NSA-Totalüberwachung, Foltercamps à la Guantanamo und Abu Graib, eine endlose Serie völkerrechtswidriger Angriffskriege im Nahen Osten, kurz: durch Elemente also, die in Deutschland seit nun sieben Jahrzehnten nicht so furchtbar hoch im Kurs stehen, erheblich gelitten hat?

 

Die Unparteilichkeit der Darstellung:
Das unrettbare Böse und die edlen Ritter der Tafelrunde

Jede Schülerin und jeder Schüler, der in Deutschland das Abitur bestanden hat, hat sich im Laufe seiner Schulzeit mindestens zweimal im Deutschunterricht und zweimal im Fach Geschichte mit der nationalsozialistischen Propaganda unter dem einschlägig bekannten Minister Joseph Goebbels vertraut machen müssen. Gelernt hat dieser Mann bekanntermaßen sein Handwerk durch das intensive Studium der aus dem Jahre 1928 stammenden Schrift „Propaganda“ des in den USA lebenden Freud-Neffen Edward Bernays. Die von diesem herausgearbeiteten Merkmale agitatorischer Rede, deren sich die NS-Zeit im Überfluss befleißigte, müssen in textanalytischen Klausuren von Schülern en detail herausgearbeitet werden: wie zum Beispiel der typische Manichäismus, bzw. die auffällige Gut/Böse und Schwarz/Weiß-Dichotomie, der bis in die Verben hinein ein dichotomisches Wording entspricht, die Neigung zur grundsätzlichen Personifikation behaupteter Übel, die Obsession der Dämonisierung des Gegners und der Hang zum übermäßigen Gebrauch von Superlativen. Zudem bemerken die Schüler, wie sehr Agitation und Propaganda permanent auf die Dramatisierung der Darstellung und die dauernde Emotionalisierung der Zuhörer setzen.

Als pädagogischer Effekt wird hierbei intendiert, dass Schüler lernen sollen, einer derart die Affekte ankurbelnden und Nüchternheit ausschaltenden Form der Rede zu misstrauen und auf ihre Intention abzuklopfen.

Schauen wir, das im Hinterkopf behaltend, nur mal auf den Beginn der Sendung, die sich ernsthaft für eine Dokumentation hält: Eine unbekannte Frau sagt auf Russisch zu martialischer Musik „Er ist stark und charismatisch.“ Dazu die Moderation: „In der Heimat verehrt, im Westen geschmäht.“ Nun hört man General Breedlove: „Putin verhält sich nach dem Motto: Lügen und Leugnen.“ Hierauf folgt martialisch der Titel der Sendung: „Machtmensch Putin“. Etwas später, nachdem der Moderator mit Verweis auf den Syrienkrieg raunend angekündigt hat, „dem Machtmensch Putin geht es in Syrien um mehr“ (als den Kampf gegen den Terror), setzt die Stimme des Focusredakteurs Boris Reitschuster ein:

„Da stecken viele Gründe hinter. Zum einen ist es so, dass er sich als eine Reinkarnation von Peter dem Großen und Ivan dem Schrecklichen fühlt. Er will auf die Weltbühne, will wieder mit den Amerikanern auf Augenhöhe operieren, und er spürt sehr genau, wunderbar, ich denke, er hat einen wunderbaren Instinkt, er spürt sehr genau die Schwäche von andern. Er spürt die Schwäche von Obama und das reizt ihn. Er ist der Spieler, er spürt hier, da kann ich den Platzhirsch machen, hier kann ich’s meinem größten Konkurrenten zeigen.“ Nun folgt das Echo des Moderators: „Sein Auftritt soll zeigen: Wir sind wieder stark.“

In einem späteren Ausschnitt leitet der Moderator, nachdem er auch die Wiedereinführung der Melodie der sowjetischen Hymne als Zeichen stalinistischen Machtstrebens gedeutet hat, eine dramaturgisch ähnlich aufgebaute und stilistisch verfasste Textstelle mit dem Satz ein: „Putin der Machtmensch: Er will den Glanz der Zaren und die Macht der Sowjets miteinander verbinden.“ (Ist sich dieser ZDF-Mann übrigens darüber im Klaren, dass auch er bei jedem Fußballspiel die Hymne hört, zu der auch Wilhelm II. und Adolf Hitler strammgestanden haben?)

Etwas später sagt Boris Reitschuster im Zuge einer erneuten intimen Introspektion in die Seele des russischen Präsidenten:

„Wenn man Wladimir Putin, wenn man seine Stimmungslage in zwei Worten beschreiben müsste, dann würde ich sagen: erniedrigt, beleidigt. Es zieht sich durch sein ganzes Leben: Ich bin erniedrigt und beleidigt worden, mein Land ist beleidigt worden, ich muss jetzt wieder Stärke zeigen, ich muss allen zeigen, wie toll ich bin, wie groß ich bin und der Westen hat da vielleicht aus psychologischer Sicht nicht sehr geschickt gehandelt und hätte Selbstbewusstsein aufblühen lassen soll. Und wenn Obama sagt, er ist eine Regionalmacht, dann ist der wie von der Tarantel gestochen, tse, tse, tse, tse, tse“

– und in diesem Tonfall geht es in einem fort….

Welche Reflexe löst alleine eine solche Bagatellisierung eines Landes und seiner Regierung und eine derart unterirdischer Stil der Mitteilung in einem Sendeformat, das eine Dokumentation darstellen soll, in einem Publikum aus, das prinzipiell von seiner Schulzeit an gelernt hat, pejorativer Rede zu misstrauen? Man fragt sich unwillkürlich: Wurde in solchem Tonfall je über einen englischen Staatschef berichtet? – einen französischen? – einen US-amerikanischen? Oder was würde geschehen, wenn irgendwer es wagte, sich in einem solchen Modus über einen israelischen Präsidenten auszulassen? Nicht auszudenken! Wie kann es aber kommen, dass so etwas im Falle Russlands möglich ist?

Und mit welcher Auswahl von Kronzeugen wird eine derartig missgünstige und sinistre Sichtweise abgesichert? Über die Aussagekraft eines Philip Breedlove habe ich mich bereits zu Beginn des Anschreibens geäußert; was vom langjährigen Focuskorrespondenten Boris Reitschuster zu halten ist, mag man seiner Rede entnehmen. Aber ähnlich voreingenommen zeigen sich auch weitere Personen, die in der Sendung zu Worte kommen. Eine den Passagen Reitschusters vergleichbare Mischung von Dämonisierung und missgünstig-spekulativer, dabei hoch fiktiver Introspektion in die Psyche Wladimir Putins findet sich auch in der ausführlich zitierten Rede der amerikanisch-russischen Aktivistin Masha Gessen, die mit ihrer Familie bereits 1981 14jährig aus Russland emigrierte und 2012 eine gallig-zornige Biographie mit dem Titel „Der Mann ohne Gesicht. Wladimir Putin“ schrieb.

Schaut man sich die Anzeigen hierauf, stellvertretend für andere Plattformen, auf Amazon.de und Buecher.de an, so fällt auf, dass die dort verlinkten positiven Rezensionen der Leitmedien auffallend mit den eher niederschmetternden Kommentaren der Leser kontrastieren, die dem Buch attestieren, außer einer ausgiebigen Beschimpfung der von ihr portraitierten Person nichts zu bieten, als was die westliche Tagespresse eh mantrahaft von sich gibt. Auch hier ist, wie bei allen anderen interviewten Personen, eine einseitig abschätzige Sicht auf den Gegenstand der „Dokumentation“ vorprogrammiert.

Nun ist es aber nicht so, dass es andere Beurteilungen in Deutschland nicht gäbe. Vormals oft interviewten Russlandexperten, die jedoch ab 2013 merklich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kürzer treten mussten, fallen langjährigen Zuschauern da zuhauf ein: zum Beispiel Christian Wipperfürth, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Angelegenheiten, Alexander Rahr, der Projektleiter beim Deutsch-Russischen Forum, Mathias Platzeck, der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg, Mitglied des ZDF-Verwaltungsrats und Vorsitzender des Petersburgers Dialog, der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, Gabriele Krone-Schmalz, die ehemalige Russlandkorrespondentin der ARD und Professorin für Journalistik oder der mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis ausgezeichnete Auslandskorrespondent der ARD Hubert Seipel. Keiner dieser Personen kommt als Kontrapunkt in dieser unwürdigen Sendung vor, die offensichtlich nichts als bloße Stimmung erzeugen will – und zwar eine hochgradig bösartige.

Es ist den Zuschauern ziemlich klar, dass mit Sendungen dieser Art für eine generelle politische Richtung – und zwar eine geopolitische Ausrichtung Deutschlands geworben werden soll und zwar eine strikt transatlantische. Eine solche gab es in der Bundesrepublik Deutschland schon immer. Ihr stand immer mit vergleichbarer Stärke eine eher kontinentaleuropäische oder – wie sie in den 50er und 60er Jahren genannt wurde, eine gaullistische entgegen. Durch Sendungen wie die obige wollen ganz offensichtlich die Macher, die genau diese Richtung vertreten, diese als „alternativlos“ in die Köpfe der Menschen hämmern. Einer solchen Einseitigkeit dürfte, wie sich dem oben zitierten Gesetzesausschnitt des Rundfunkvertrags entnehmen lässt, ein öffentlich-rechtlicher Sender in Deutschland nicht folgen. Doch selbst wenn man hiervon absieht, ist eine derart sichtbar tendenziöse Haltung darüber hinaus denkbar ungeschickt und stößt eher ab:

In Verbindung mit der NSA-Totalausspähung, dem permanenten Konfrontationswillen gegen ein Land, gegen das wir schon in zwei Weltkriegen blutig gehetzt wurden, und dem permanent von Washington aufgebauten Druck, eine immer stärker militarisierte Außenpolitik gegen die Länder im Nahen Osten mitzumachen, erreicht solche Propaganda das Gegenteil von dem, was sie erreichen will: Die Nation, an deren Interessen offensichtlich die deutsche Gesellschaft gekettet werden soll, wird den Menschen hierdurch immer unsympathischer.

Nicht die, die da portraitiert werden, sondern die, die ein anderes Land und dessen Regierung derart primitiv und menschenverachtend portraitieren, erscheinen den Menschen nämlich immer mehr als tödlich-totalitäre Bedrohung. Denn wer demokratischem Denken verpflichtet ist, versucht doch Menschen nicht derart emotional zu beeinflussen?

Diese Sendung war wie die ähnlichen Stils, die ihr vorangingen, übergriffig – auch und gerade uns als Zuschauern gegenüber.Ich protestiere hiermit entschieden dagegen, für so einen Schmutz Rundfunkgebühren entrichten zu müssen.

Ich bitte also Sie, liebe Mitglieder des Rundfunkrats, sich mit der Frage zu befassen, ob ein solcher Fehlgriff mit den gesetzlichen Grundlagen des Rundfunkvertrags vereinbar ist.

Mit freundlichen Grüßen

Anja Böttcher

https://publikumskonferenz.de/blog/

Kommentare

... ist die andere seite der gleichen medaille.
dazu hier auszugsweise ein zitat aus einem offenen brief von rolf hochhuth, über welchen es nur diese einzige mediale veröffentlichung gibt:

" Offener Brief an unsere Staatsoberhäupter: Handeln Sie, bevor es zu spät ist! Im Pentagon wird ein neuer Krieg gegen Russland geplant – mit den Deutschen als Kanonenfutter. Unserem Land droht die atomare Vernichtung, wenn Sie die Vasallentreue gegenüber den Vereinigten Staaten nicht beenden: Der Ausstieg aus der NATO ist das Gebot der Stunde. Die Konformistenpresse wollte Rolf Hochhuths offenen Brief nicht drucken.

Verehrte Frau Bundeskanzlerin, geehrter Herr Bundespräsident,

ich vermute, die Bekanntgabe, die NATO stelle jetzt „schwere“ Waffen in fast alle Staaten des an seiner Überflüssigkeit verendeten Warschauer Paktes auf, wird wie viele meiner Landsleute auch Sie alarmiert haben ! Umso mehr, als die Antwort Herrn Putins keine 24 Stunden auf sich warten ließ: Er werde jetzt seine „atomare Streitmacht in Bereitschaft setzen“ – meines Wissens das erste Mal seit Hiroshima, dass verbal ein Staatsoberhaupt dermaßen eindeutig mit Atomwaffen drohte. „Mindestens 40 atomwaffenfähige Interkontinentalraketen modernster Bauart“ solle seine Truppe noch in diesem Jahr geliefert bekommen!

Darf ich hoffen, dass Sie mich nicht für einen Panikmacher halten? Theo Sommer schrieb vor einigen Wochen in der Zeit von „den pausenlosen Demütigungen Russlands durch den Westen, seit Ende der Sowjetunion“.
So maße ich mir an, zu warnen: Allein Deutschlands Ausstieg aus der NATO verhindert Finis Germaniae!

Dazu meine Frage, denn dergleichen steht ja nicht mehr in der ach so freien deutschen Presse: Ist das Bundeskanzleramt von der NATO-Führung derart entmündigt worden, dass die NATO solch‘ selbstmörderischen Unsinn in der BRD veranstalten darf ? Hat Kohls Befehl, dergleichen nicht mitzumachen, zur Folge gehabt, dass Ähnliches seither unterblieb – oder geht es weiter so?

wiederhole aber Herrn Kohls Befürchtungen, über die ausführlich in Wimmers Buch nachzulesen ist. Wimmer spricht da wörtlich vom „Toben in der NATO“, anlässlich von Kanzler Kohls Befehl zum deutschen Ausstieg aus dem kriminellen Manöver – das aber ganz offensichtlich, dort nachzulesen, allein Herr Kohl kriminell, weil selbstmörderisch fand! Keineswegs auch einer der Unterlinge in der NATO-Generalität, sprich in der des Pentagons…Was ist dem noch zu entnehmen, als die absolute Entmündigung des deutschen Kontingents innerhalb der NATO ?

(…)

Ich sage das, weil ich vermute, dass Sie beide, unsere verehrten Staatsoberhäupter, nicht anders denken dürfen! Zweifellos wird das hier schon erwähnte „Toben in der NATO“, sollten Sie, Frau Bundeskanzlerin, Sie, Herr Bundespräsident das Bündnis verlassen, zu heute noch unvorhersehbaren Aufständen führen; möglicherweise sogar zur Zerstörung der NATO – und Sie, Frau Bundeskanzlerin, in höchste Lebensgefahr bringen! Sie wissen, auf General de Gaulle wurden drei (!) Attentate verübt, als er Frankreichs Ausstieg aus der NATO erklärt hat.

Sie beide wissen ungleich genauer als ich, ein nur durch die deutsche Einheitspresse an der Nase herumgeführter, wie die Presse selbst, ziemlich Ahnungsloser: Es ist der feste Vorsatz des Pentagons, mit entscheidender Hilfe der NATO, die Russen demnächst zum Angriff zu zwingen! Zweifellos hat auch Sie beide, Frau Bundeskanzlerin, Herr Bundespräsident, Scholl-Latours ausführliches Buch Russland im Zangengriff tief erschreckt. Das zwingt zur Güterabwägung.

Was aber zu Bismarcks Zeiten noch völlig undenkbar war, beispiellos zynisch, ist – wie Sie wissen – Tatsache in der Gegenwart, obgleich noch vor Bundeskanzler Konrad Adenauer verschwiegen: das Geheimabkommen Kreml-Weißes Haus von 1959, demzufolge allein Germany weggemacht wird. Sollte der Kalte in einen Heißen Krieg „ausarten“, werde garantiert bei den vier Siegern von 1945 – Russland, England, Frankreich, USA – keine Fensterscheibe kaputt gehen, sondern lediglich „Germany“ atomar weggemacht. Henry Kissingers erwähnt solch ein Geheimabkommen auch in seinen Memoiren, 1979. Diese Ruchlosigkeit ist noch in Kraft.

Entschuldigen Sie, dass ich hier an Absprachen erinnere, über die ja Sie beide unvergleichlich genauer informiert sind als ich – doch keineswegs der Bundesbürger. Ebenso wenig wie über das Ehrenwort Kanzler Kohls an Herrn Gorbatschow: Rücke er die Ostzone heraus – werde die NATO keinen Meter ostwärts vorrücken!
Sie ist, wie Sie beide wissen, tausend Kilometer weitergerückt nach Osten – das ist ein Drittel des Weges nach Stalingrad …

Herr Gorbatschow war genötigt, das am 2. April 2009 zu kommentieren. Er gab Kai Diekmann für die Bild-Zeitung, folgendes Interview, das „natürlich“ keine Zeitung erwähnte, weil „man“ Bild nicht zitiert: „Kohl, US-Außenminister James Baker und andere sicherten mir zu, dass die NATO sich keinen Zentimeter nach Osten bewege würde. Daran haben sich die Amerikaner nicht gehalten, und den Deutschen war es gleichgültig. Vielleicht haben sie sich sogar die Hände gerieben, wie toll man die Russen über den Tisch gezogen hat. Was hat es gebracht? Nur, dass die Russen westlichen Versprechungen nun nicht mehr trauen …“ Diese Tatsache wurde auch von Ray McGovern bestätigt, der 27 Jahre lang Berater der CIA bei immerhin sieben Präsidenten der USA war.

Die Angst also, dass Deutschland, gemäß Bertolt Brechts Voraussage von 1951, bald verschwunden sein wird, wenn nicht Sie, Frau Kanzlerin und Sie, Herr Präsident, die sehr große Last des deutschen Austritts aus der NATO auf sich laden – doch, wie gesagt, auch Präsident General de Gaulle musste das einst riskieren –, ist mein einziger Grund für diese Petition.

(…)"

https://www.compact-online.de/finis-germaniae-rolf-hochhuths-offener-bri...

Bild des Benutzers ebertus

auch einem Böll oder Grass et al. blieben heute wohl nur noch die "äußerst umstrittenen Medien".

Hat mich daher gewundert, dass Ulrich Heyden gestern in der FC auf dieses Film-Festival hinweisen konnte, der Blog nebst meiner Kommentare dort noch existiert; selbst das hehre "Haus der Demokratie" sich dem verweigerte ...

Werde da heute Nachmittag mal vorbeischauen, die Atmosphäre einfangen.

Diesen Brief von Rolf Hochhuth kannte ich noch nicht.

Dass er nur bei Compact erscheinen kann, ist schon erschütternd. 

(Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass sich auch die Nachdenkseiten, die Junge Welt, Kai Ehlers Russland.ru, Ossietzky, das Blättchen, Luxemburg, Konstantin Wecker & Kontext dem Aufruf verwehrt hätten. Dahinter, ihn ausschließlich über dieses Medium erscheinen zu lassen, muss also auch eine Entscheidung oder Unkenntnis des Mediums stecken.)

Mir wird immer schmerzlicher bewusst, wie fatal es ist, dass es keine wirklich zentrale Bühne mehr für eine unbefangenen tiefenanalytische Diskussion gibt, die uns allen angesichts der sehr wirren Entwicklung gibt, bei der es natürlich eben diese starke wirkmächtige Gewalt durch die US-Falken gibt (die natürlich auch nicht die gesamte Gänze dortiger Eliten ausmachen), aber auch eine diffuse und in sich widersprüchliche Wirkung vieler anderer Akteure.

Dass das Spinning, das sich hinter den Kulissen abgespielt hat, es geschafft hat, in deutschen Funktionseliten geballte politische Unbedarftheit zu implantieren, scheint jedoch offensichtlich.

Da scheint absolut niemand, niemand mehr zu hocken, der auch nur halbwegs gescheite & eigenständige Äußerungen von sich geben kann. Noch mit am meisten Verstand lassen ehemalige Militärs wie Harald Kujat durchblitzen. Aber die bewegen sich auch nur in Randpositionen.

Das erschreckende ist, dass man über diese Klientel unvermutet so denkt, wie ich es bei vielen Emigranten zur Zeit des NS gelesen habe: Sie schrieben, es sei kaum noch möglich diese Leute (die regierenden Nazis) zu hassen, weil einem bloßer Ekel jede andere Empfindungsmöglichkeit blockiere.

Merkel, die anderen auch, aber vor allem Merkel ist wirklich ein personifiziertes Vakuum, ein menschlicher Schwamm, eine Stoffwechsel betreibende Gummimasse, durch die jede Gemeinheit handeln kann, weil sie nicht den geringsten menschlichen Widerstand bietet. 

" ... dass es keine wirklich zentrale Bühne mehr für eine unbefangenen tiefenanalytische Diskussion gibt ..."

>>> ich weiß nicht ... sowas kenne ich ja ansatzweise aus der ddr ... und habe diese "magel-einheitsgesellschaft" nach ihren verschwinden besser schätzen gelernt >>> d.h. nicht mehr so einseitig abgelehnt, sondern die vor- UND nachteile von beidem erkannt. sicher bin ich mir jedoch, dass es einen herbst 89 nicht gegeben hätte, bei diesem verwirrenden pluralismus, in dem sich leichter zu verlieren, als zu gemeinsamkeiten finden läßt ...

ich hatte da ja anfangs hoffnungen, dass die junge welt und/oder der freitag eine art "zentrale" bilden können und wollen ... jetzt habe ich den überblick verloren ... einige felsstücke in der brandung springe ich immer wieder an ... manche verschwinden, neue werden entdeckt ... also ich nehme viel bewegung an mir - und mich herum wahr ... und versuche einfach nicht aufzuhören, an einem "netzwerk" zu arbeiten. jedoch stelle ich auch ZU viel eitelkeiten fest, die dies nicht befördern, sondern nur egoistisch zu benutzen versuchen ... es ist zum haare raufen ....

" Noch mit am meisten Verstand lassen ehemalige Militärs wie Harald Kujat durchblitzen. Aber die bewegen sich auch nur in Randpositionen."

mal optimistisch gesehen, wäre ja eine arbeitsteilung bei inhaltlichen analysen genau das richtige. >>> und dann ein forum, wo diese entweder vertieft ODER im zusammenhang mit anderen diskutiert werden können.
genauso interessant sind ehemalige geheimdienstmitarbeiter, die ins plaudern kommen ... ebenso journalisten oder politiker ... wobei hier leider immer das adjektiv "ehemalig" auf einen schlimmen zustand der situation verweist.

sehr lobenswert finde ich kenfm, sowie jedes medium, welches stimmen aus der psychologie, soziologie ... u.u.u. in diesen kreis mit einfließen läßt ... auch tilo jung mit der bpk, die propagandaschau und publikumskonferenz, die anstalt, aber auch xavier naidoo, prinz chaos ... unterschiedliche theaterprojekte und die provokationen von meese.

(genau diesen kunstbereich schaue ich mir jetzt genauer an, denn dort sind kluge und engagierte menschen unterwegs, die m.m.n. mehr aufmerksamkeit verdienen, als die kompatiblen talkshow-gäste der leichten muse ...)

" Sie schrieben, es sei kaum noch möglich diese Leute (die regierenden Nazis) zu hassen, weil einem bloßer Ekel jede andere Empfindungsmöglichkeit blockiere."

das ist natürlich gut nachzuvollziehen - darf aber auch nicht als ausrede herhalten!

am theater habe ich von brecht da so einige mittelchen der verfremdung (chaplin) und des "bruchs" gelernt ... überhöhung (satire) >>> also den gegner mit den eigenen waffen schlagen, so dass sie sich dann gegen ihn selbst richten (müssen) ... wir sind doch klug und kreativ!!!!!!!!? ich denke eh (als theatertante), dass da die "linken" immer sehr sehr weit unter ihren möglichkeiten bleiben und sich selbst beschränken (wollen?) ... was sind ihre WAHREN! tugenden??? edel und stolz? proletarisch direkt? die reine lehre?

ich bin zwar nicht sehr "geschichtssicher", aber als kleines schulkind in der ddr hat mich mich die "geschichte" von den anfängen (lenin) doch irre beeindruckt - das es ein riesiges sozialistisches lager auf der welt gab ... bis nach kuba und afrika ... und dies alles von anfangs nur 7!!! menschen um lenin begann ... das war noch nicht mal 50 jahre später

>>> es geht doch eigentlich nur um eine gemeinsamkeit gegen die parasiten und ausbeuter ... das könnte doch überschaubar sein ... doch das spießertum hat sich in alle richtungen ausgebreitet und treibt unter unzähligen fähnchen seine blüten ... diese gefahr gab es zur zarenzeit in rußland wohl nicht >>> jedoch heute, hängt jeder an seinem waschläppchen voller seeligkeit und hat verlernt, für einen ekligen charakter abscheu und hass zu empfinden und situationsgerecht damit umzugehen ...

fängt es da nicht bei jedem selbst an eklig zu werden?

".Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht.." So dachte nicht nur Heinrich Heine, so denken heute sicherlich viele Menschen. Und nicht nur in Deutschland!
Wir steckem mitten im 3. Weltkrieg, der aber heute ein anderes Gesicht hat als 1939 und deshalb vom tumben Bürger nicht erkannt wird. Und wenn er es erkennt, wird es zu spät sein.

wann das kippte.

 

Ich war definitiv gegen Helmut Kohl, fand ihn behäbig, spießig, selbstgefällig, seine Politik eng, unsozial & in vielem prinzipienlos.

Aber immerhin war es für diesen Menschen unterträglich, dass Deutschland direkt in einem Krieg beteiligt sein könnte. Im ersten Irakkrieg hat er - gegen den Druck der Amis - Deutschland rausgekauft & dafür den Einsatz der Franzosen & Engländer bezahlt. (Natürlich auch keine Lösung, aber wenigstens wollte er dort keine deutschen Soldaten sehen.) 

In der Krise von 1983 haben ihn so unterschiedliche Leute wie Rainer Rupp (als DDR-Agent im Nato-Hauptquartier) & sein ehemaliger Staatssekretär im Verteidigungssekretärium, Willy Wimmer, als denjenigen dargestellt, der sich gegen das Begehren der Reagan-Regierung gestellt hat, einen "kleinen beherrschbaren Nuklearkrieg" zu versuchen.

Der Mann war noch mit dem Geist eines im Krieg gefallenen Bruder aufgewachsen; der Krieg steckte ihm noch in den Knochen. Richard von Weizsäcker auch --- wann aber hörte das auf? Wie kommt da eine derart geschichtsversessene Bagage hin?

Ich bin jünger als die --- & ich habe von den Traumata meiner Großelterngeneration noch geballt etwas mitbekommen.

Wieso die nicht?

Wie können die, falls das schief geht, damit leben, die Rolle gespielt zu haben, die sie spielen?

Diese menschliche Seite - beziehungsweise ihr Fehlen - das ist es, was ich nicht verstehen kann, egal wie viel Struktur- & Kapitalismuskritik ich anstelle.

Wie hält man den Blick in den Spiegel aus, wenn man derartig den Hass zwischen Völkern ankurbelt? Auch als Journalist... 

Noch vor fünf Jahren hätte ich mir dergleichen nicht vorstellen können.

Bild des Benutzers ebertus

vielen Dank für das tätig werden.

Habe zwar seit vielen Jahren kein TV-Gerät mehr (ist wohl auch gut so) und dennoch gestern bereits über diese kaum noch steigerbare Dämonisierung eines Menschen in wohl bester, unguter deutscher Tradition gelesen; natürlich bei einem "äußerst umstrittenen Medium".

Allein das suggestive, optisch-akustische Beiwerk scheint kaum noch steigerungsfähig; und dennoch ...

"So primitiv diese Instrumentalisierung Putins als Eyecatcher ist, so verblüffend sind die Konsequenz und die Ausdauer, mit denen man in unseren Medien auf diese Methode setzt. Bei genauerem Hinsehen wird diese Penetranz der Fantasielosigkeit aber durchaus plausibel: Es handelt sich um Methoden, deren Wirksamkeit die Massenpsychologie schon seit 100 Jahren bewiesen hat." (Quelle)

Das ist sog. Qualitätsjournalismus, der bei dem ansonsten hochgehaltenen freien Spiel der Marktkräfte  und in dieser nicht einmal mehr subtilen, eher ganz offenen Form und Intensität wohl nur noch via der zwangsfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen zelebriert werden kann.

Wir haben noch einen Fernseher, ohne den mein Mann (als alter Fußballfan) nicht durchs Leben käme. Aber auf diese Dokumentation bin ich auch über einen Link auf den Hinweisen des Tages der Nachdenkseiten gestoßen. Ich habe sie dann mit Befremden in der ZDF-Mediathek angesehen. 

Was das Aktivwerden betrifft: Eigentlich würde ich mich gerne darauf konzentrieren können, mich wieder mehr in das theoretische Erfassen dessen, was uns da gerade widerfährt, zu werfen & eine unserer aktuellen Situation entsprechende Mediendidaktik zu verfassen, die sich auch unter den heutigen medialen Bedingungen noch an emanzipatorischen Zielen, sich frei informieren & selbst medial mitteilen zu dürfen, orientiert. Immerhin sind Grundgesetz und Landesverfassungen ja noch soweit gültig, dass wir noch die gleichen Bildungsziele wie in den 70ern haben dürfen. Denn die Behauptung, man wünsche offensichtlich nicht mehr, dass junge Menschen wirklich kritisch denken können, ist ja eine, von der wir - zu unserem eigenen reinsten Glück -immer wieder von fürsorglichen Wächtern des allzu freien Forenwildwuchs gemahnt werden, abzustehen, weil wir sonst ganz in das Fahrwasser von Menschen geraten würden, die sich nicht genügend vor "verschwörungsideologischen" Versatzstücken des Denken in Acht nehmen....

(Übrigens nimmt ein netter Artikel auf Le Bohemien mit dem Titel "Ideologiekritik als Ideologie" recht gut diese Diffamierungspraxis auseinander, die diskursiv wohl die gute alte Tante Zensur zu ersetzen versucht.)

 https://le-bohemien.net/2015/12/18/ideologiekritik-als-ideologie/

Aber wie das eben ist mit Dingen, die man "eigentlich" will: Da hauen sie dann doch immer wieder derart dicke Dinger raus, dass ich meine, reagieren zu müssen, da es sich für mich anfühlt, als wäre ich bei einer Unterlassung der Beihilfe zur Hetze schuldig. So sind alle meine ziemlich spontan erfolgten Beihilfe entstanden, die RT abgedruckt hatte.

https://deutsch.rt.com/search/?q=Anja+B%C3%B6ttcher

Liebe Grüße,

Anja

 

Bild des Benutzers ebertus

im Sinne von (theoretischem) Erfassen; das tun wir wohl alle, mehr oder weniger.

Natürlich, die wirklich zentrale Bühne mehr für eine unbefangenen tiefenanalytische Diskussion gibt es zur Zeit nicht, nicht mehr. Auch in meinem Regal stehen noch einige Kursbücher ... Nur mag ich dazu kurz drei Punkte anmerken:

1. Wenn der Diskurs auf die Intellektuellen beschränkt bleibt, dann muss er zwangsläufig enden wie die 68er.

2. Eine -trotz aller historisch bekannten Gefahren- gewisse (ehrliche), undogmatische Offenheit ist unabdingbar.

3. Das Netz ist Fluch und Segen zugleich, Alternativen bieten, aber für (fast) Jegliches offen.
 

Gerade der letzte Punkt scheint mir der Vertiefung wert, spricht bei dem CDU-Urgestein Willi Wimmer niemand von Querfront, obwohl Wimmer beinahe ausschließlich auf den "äußerst umstrittenen Medien" veröffentlicht. Die Frage ist einfach, wie einflußreich sind die fürsorglichen Wächter wirklich. In der dFC, keine Frage, wird darüber diffamiert, wird domestiziert, wird sanktioniert. Aber gesamtgesellschaftlich scheinen mir die Alternativen schon recht wirkmächtig, spricht die Reaktion der Etablierten, der institutionellen Politik wie derer Medien Bände, sind sie lange über GhandisTrilogie, dem schnöden Ignorieren hinaus.

Statt Fluch eher Segen ist ja gerade diese Multitude, eine substantiell nur wenig angreifbare Dezentralisierung bei sehr lockerer Abstimmung. Genau deshalb sind die Wächter ja mittlerweile kaum noch inhaltlich unterwegs, ist dieses "wer kennt wen?" das Credo jedweder Diffamierungsstrategie,

machen darüber auch die Gewerkschaften mit; wie bei dieser, mittlerweile wohl depublizierten Studie der Otto-Brenner Stiftung.

Den "Wächtern" entfleucht vor allem die Basis, wie der markante Rückgang ihrer Rezipienten beweist. 

Sie können nicht mehr umhin zu schlucken, dass sie die "hearts and minds" nicht mehr "gewinnen können" (wie es in der Diktion der Falken des "Informationskriegs" heißt). Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob sie das überhaupt wollen. (Die Strippenzieher meine ich; für das propagandistische Fußpersonal ist die wachsende Missachtung, die ihnen entgegenschlägt, sehr wohl ein (psychisches) Problem.) Denn die anscheinend ja geopolitisch immer noch maßgeblichen Neocon-Falken unterlagen durch ihren "spiritus rector" Irving Kristol dem ideologischen Einfluss des Nachkriegsphilosophen Leo Strauss, der vor allem die gezielte Schaffung von Chaos & Furcht als Unterwerfungsstrategie der Massen durch eine Elite propagierte. Wie diese Denkart schrittweise im Zuge der Entsorgung des Keynesianismus durch den Neoliberalismus zur hegemonialen Gruppe im angelsächsischen Raum wurde, bis sie seit der Paarung Bush/Blair dort "alternativlos" implantiert scheint (& jetzt Kontinentaleuropa umpflügt) haben die genialen Dokumentationstrilogien von Adam Curtis sehr anschaulich aufgezeigt, die zwischen 2002 bis 2007 die damals noch vitale BBC ausstrahlen konnte, die inzwischen Cameron unter permanenten Drohungen von Budget=Kürzungen eng ans neokonservative Gängelband genommen hat.

Ich weiß nicht, ob Du sie kennst: Sie lohnen sich wirklich. (Dringende Empfehlung!) Ich verlinke sie Dir hier (jeweils die erste Episode jeder der drei Trilogien. Sie sind aber nur auf Englisch zu sehen; niemand hielt es wohl für nötig, sie zu synchronisieren):

1. The Power of Nightmares

 http://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-power-of-nightmares-the...

2. The trap: What happened to our Dreams of Freedom

http://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-trap-what-happened-to-o...

3. The Century of the Self

http://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-century-of-the-self-hap...

 

Wenn die Atomisierung & Fragmentarisierung sozialer & sozialdiskursiver Verbindungen zwischen den Menschen wesentliches Mittel ihrer Beherrschung wird, dann stelle ich mir die Frage, ob wir uns durch das so starke Verlassen auf das Netz nicht in die entscheidende Falle begeben. Klar, mir fällt auch keine andere vergleichbar effektive Form ein, noch eine auch nur halbwegs beachtliche Anzahl Menschen zu erreichen. Aber wir bleiben auf all diesen Foren, auf denen wir noch schreiben, in unserer Nische. Wir sind da vollständig überwacht, d.h. es gibt im Netz keinen intimen Diskussionsraum, in dem man erst einmal Gedanken abklopfen, ins Gespräch miteinander bringen & durch eine strenge Diskussionsform so sieben kann, dass Spreu von Weizen diskursiv getrennt & tragbare Resultate herauskristallisiert werden können. Die diffuse vielgestaltige Verzweigung der Kommunikationsstrukturen mag zwar den Vorteil haben, dass sie nie ganz durch Intervention gekappt werden kann, aber die Frage ist doch, ob unter so diffusen Voraussetzungen je eine Situation entstehen kann, in der den alternativen Plattformen Handlungsoptionen erwachsen. (Und natürlich will jeder von uns auch die Sicherheit haben, dass aus dem, was er vertritt, nur solche Handlungen hervorgehen, die er/sie auch verantworten kann.)

Deshalb halte ich nach wie vor klassische=direkte menschlich=politische Kontakte für unerlässlich. Und da kommen auch die Gewerkschaften ins Spiel: Auch wenn sich leider dort (wie die von Dir zitierte Studie zeigt) hegemoniale Denkmuster eingeschlichen haben (vor allem bei den Spitzenfunktionären), halte ich das Prinzip der gewerkschaftlichen Selbstorganisation aller Lohnabhängigen per se für unverzichtbar & ich käme nie auf die Idee, meine Mitgliedschaft dort aufzukündigen. Anders als bei einer Partei ist hier die Gewerkschaftlichkeit an sich wichtiger als die Frage, ob man zu einem konkreten Punkt x mit dem konkreten Beschluss einer Gewerkschaft glücklich ist. (An Programmen kann ich dort festmachen, ob ich in der Gewerkschaft x oder y organisiert bin, nur dass ich es überhaupt bin, halte ich für essentiell: alleine schon, um rechtlich abgesichert zu sein, wenn ich in meinem Arbeitsbereich die Klappe aufmache.)

Auch die Aufrechterhaltung anderer noch existierender Strukturen, in deren Rahmen sich Menschen real=analog begegnen, ist ziemlich wichtig. Deshalb bleibe ich hier, wo ich lebe, mit so vielen politisch Aktiven in Kontakt, wie es nur geht, Es schützt doch erheblich & stärkt einen auch, sich zu trauen, laut den Mund aufzumachen, wenn man weiß, da kennen mich Leute persönlich, weil einem die unmittelbare Verbundenheit mit Menschen schon einen Rückhalt verschafft, wenn einem andere merkwüdig oder bedrohlich daherkommen, nachdem man sich in Rede und Handlungen exponiert hat,. 

Was auch richtig ist, ist, dass eine Diskussion, die nur der Selbstbespiegelung einer sozial exponierten intellektuellen "Elite" dient, nicht das ist, was uns weiterhilft. Aber wir müssen überhaupt, um handeln zu können, in allen Tiefenschichten der politisch-gesellschaftlichen Wirklichkeit, der wir ausgesetzt sind, überhaupt begreifen, was Sache ist. Dafür brauchen wir eine Infrastruktur, in der die vielen Teilerkenntnisse, die wir mit uns rumschleppen, in eine harte, aber gescheite Diskussion treten müssen. Das vermisse ich. Die neoliberal aufgestellten Universitäten liefern das nur noch zum Teil. Und natürlich ist heute jede Diskussionsplattform, sobald sie ein gewisses Maß von sozialer Wirkung entfaltet, den aufgrund ihrer Dümmlichkeit nicht minder perfiden Attacken der "liquide" gut organisierten selbstberufenen, aber in Teilen sicher auch dazu 'weitergebildeten' Missionarstruppen von Störenfrieden ausgesetzt.

Die 68er Gesinnungslinken befanden sich in einer ganz anderen Situation: Dort war eine von der engen Adenauer-Ära angewiderte Generation, die ökonomisch dringend gebraucht wurde, auf der sozialen Überholspur & konnte sich den Luxus erlauben, sich das weltanschauliche Wohnzimmer in revolutionärem Design einzurichten. Heraus kam dann (bis auf die Minderheit der Aufrechten & der - teilweise sympathisch, teilweise bedenklich - Durchgeknallten) jene Prenzlberg=Schickeria, die im Kern hochgradig bourgois ist & jetzt im Dienste der Neocons nichts als soziale & politische Besitzstandswahrung betreibt. (Das sind dann die, die daueraufgerüstet mit "Querfront"-Gebrülle & polemischer Pointierung von Kopfbedeckungen aus Alufolie durch die Gegend stampfen.) Aber für Linke halte die nicht ernsthaft. Zum Linkssein, das schlichtweg von seinem Ursprung aus der Arbeiterbewegung nicht zu abstrahieren ist, gehört schon der Blickwinkel von unten in dem Wissen, dass man den Stiefeln der Macht jederzeit konkret ausgesetzt sein kann, sowie die Bereitschaft, die Ohnmacht zu bekämpfen. 

... von reinhold schramm in einer guten analyse von daniela dahn:

" Die große Mehrheit aller Bevölkerungen, ob mit mehr oder weniger geistiger (feudal-religiöser oder bildungsbürgerlicher) Manipulation, möchte keine Überwindung und Abkehr von der kapitalistisch-imperialistischen Gesellschaftsformation. Vor allem aber auch nicht der mehrheitliche Bevölkerungsanteil, der primären sozial-ökonomischen und sozial-ökologischen gesellschaftlichen Menschenopfer, die von einer Überwindung des Kapitalismus 'profitieren würden. Sie stehen weitgehendst unter psychisch-physischer [zugleich 'religiöser] Abhängigkeit und damit auch noch erfolgreicher Fremdbestimmung und (äußerer) Kontrolle ihres [Selbst-] Bewusstseins.

Die Folge davon ist auch, die Ärmsten und Ausgebeutetesten, sie verfolgen den ungebrochenen Wunsch nach Verbesserung ihrer Lebenslage innerhalb der vorgegebenen Formation der Gesellschaft. Sie würden sich auch in ihrer (aktiven wie passiven) Mehrheit für den Fortbestand ihrer Unterwerfung und Fremdbestimmung [Entfremdung] einsetzen lassen.

Zugleich, die bürgerlich-parlamentarische Linke weist keine erkennbare Alternative zum bestehenden Gesellschaftssystem. Die selbst gesetzten Denkverbote der bürgerlichen Linken stabilisieren den vorgegebenen gesellschaftlichen Rahmen und weisen keinen erkennbaren Weg zu seiner Überschreitung."

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/strukturell-gnadenlos#1450362...

da ich mir soviele depri-gedanken verbiete, halte ich mich lieber an kleinigkeiten der schönheit und hoffnung auf, obwohl ich schon weiß, wenn ich die einzige uhr auf der welt hätte, welche die richtige zeit anzeigt, nützt mir das gar nix ...

und ich finde es - ich sag mal stark und hoffnungsvoll - das im konkreten fall von hochhut, elsässer (hin oder her) die "reihen geschlossen hat". auch der fall "naidoo" ist mit der riesen anzeige ein akt der solidarität. und der junge, naive tilo macht in der bpk einen mutigen job. dok ist in der propagandaschau unendlich fleißig und "fritzthecat" mit seinen übersetzungen dort genauso! uwe krüger hat ein hochpolitisches thema für seine doktorarbeit gewählt und ich bin optimistisch, dass seine studenten von ihm lernen und wichtige "hausaufgaben" bekommen.

jedoch muß ich schon sagen (ohne auch nur die geringste wertung vorzunehmen), dass mich kenfm und meese am meisten beeindrucken. kenfm macht neben der immer wirksameren medienarbeit auch noch einen beachtlichen "job" in griechenland:

https://twitter.com/TeamKenFM/status/675493562734235648

und ich vermute mal, dass er dabei an die "menschen" in der EU denkt >>> und ich kann seine gründe gut verstehen, dass er nicht die "europäische linke" nennt (die "rechten" meint er jedoch auf keinen fall!!!) ... aber vielleicht viel "linker" ist, als viele, die sich so nennen.

weiterhin hat er auch keine berührungsängste in plauen vor "einfachen", also nicht vorsortierten menschen, zu reden. >>> und sie zu erreichen!!! und dabei klar in seiner aussage zu sein!!!

https://www.youtube.com/watch?v=BMX6x9wGeq4

>>> ich kann nur ganz dunkel ahnen, was ihn für viele so "umstritten" macht, um nicht von denen zu reden, welche ihn verteufeln. WO sind die in der öffentlichkeit und "beindrucken" mich??? ich sehe nix!!!

und da kommt meese ins spiel, welcher genauso klar und in eine mögliche der zukunft der gesellschaft schaut.

beide haben mit doppelmoral NIX!!! am hut - sie wollen sich nicht vor sich selbst ekeln! >>> und doch decken sie ihn auf, damit er die chance hat zu verschwinden ... und setzen sich mit ihrer arbeit dagegen >>> als alternatives angebot für eine bessere welt

>>> einfach den weg gehen ... sich selbst und die richtung hinterfragen ... würden dies alle tun (und nicht irgendwem hinterher rennen, alle abkürzungen nehmen, nur die breitesten und nicht die schönsten straßen wählen ...) hätten wir eine gute chance uns an einem guten ort zu treffen ... doch das fängt bei jedem einzelnen schritt von jedem einzelnen an >>> und erWARTEN kann da keiner was ...

Es ist natürlich gut, aktiv zu sein, einfach um selbst auch noch jemand Eigenständiges zu sein.

Aber das allein reicht ja noch nicht, wenn wir in einem Land leben, das zynische Geopolitiker - für uns nicht kontrollierbar - jederzeit in ein Schlachtfeld verwandeln können, wenn es zu ihrer Machtbilanz passt. Denn das ist ja genau das, was wir in der Ukraine beobachten können, wenn die Divide-et-Impera innerhalb eines Landes gegeneinander gewetzt werden.)

(Ich habe mir gerade den Film auf youtube den Film Ukrainian Agony von Mark Batalmai angeschaut, nachdem ich Ulrich Heydens Lauffeuer schon im Frühjahr gesehen hatte, die ja beide auf dem Berliner Filmfestival zu den Mai-Massakern in Odessa laufen.)

https://www.youtube.com/watch?v=LXRIuVNGmds

https://www.youtube.com/watch?v=sy759dlJWYE

Aber auch die Eskalation der geopolitischen Kriege in Richtung eines richtigen Flächenbrands ist möglich.

 

Deshalb würde ich schon die Frage eines passenden Ausmaßes an Aktivitäten daran messen wollen, ob sie summa summarum dafür ausreichen, Unheil abzuwehren. Schon alleine unserer Kinder, Neffen, Nichten & Enkel wegen.

Und da sind wir leider noch meilenweit von entfernt.

Das aber macht mir Sorgen. Bereits seit zwei Jahren läuft das & die Eskalationsgefahr ist immer noch unvermindert hoch.

liebe anja, ich versuche deine antwort mal als einen einstieg in ein konstruktives streitgespräch zu nehmen:-)))

aus aktuellen gründen habe ich dabei die aktivitäten von podemos im kopf, denn ehrlich gesagt, sehe ich alle von oben aufgezählten aktivitäten als puzzle teile, die ein einzelner mensch zu leisten vermag und folge dir nicht in dem gedanken, daran einen maßstab anzulegen, der meine menschliche vorstellung des möglichen überschreitet und in den bereich der "zauberei" oder des "göttlichen" heldentums - wie du selbst schreibst >>> des unkontrollierbaren der mächtigen sich begibt.

ich bin in meiner fantasie grenzenlos, in meinen taten jedoch eher bodenständig. NATÜRLICH!!! wäre ich gern eine heldenhafte zauberin - und weiß aber auch, dass ich dann eine "freundliche diktatorin" wäre >>> alles geschieht nach meinem willen und in meiner macht ... und alles unheil auf der welt verschwindet ...

was hätte die "weiße rose" z.b. im widerstand MEHR machen können - was hat sie versäumt und welche aktivität unterlassen? ist es ihr "versäumnis", dass sie nix ändern konnte am lauf der geschichte des grauens? ihre mitglieder sind nicht ins sichere exil gegangen - sie haben ihr leben verloren - hätten sie sich besser schützen sollen oder zuviel und falsche aktivitäten gestartet?

"abwehr des unheils" schreibst du als maßstab ... ja klar! doch das unheil lauert ja in unzähligen details des alltags und ich kann mir nur vorstellen, die masse der menschen dafür zu sensibilisieren, damit sie sich - jeder an seinem ort - dagegen stellen und nicht die augen verschließen >>> ein "globales bewußtsein" entwickeln helfen ... und ja, auch eine vernetzung der basis-aktivisten fördern, um schwerpunkte zu setzen (rammstein/ttip u.s.w.) >>> und doch stelle ich mir immer vor " es ist krieg und keiner geht hin" >>> jeder fängt bei sich selbst an und holt sich kraft bei gleichgesinnten

ich persönlich brauche die mentale kraft der kunst für meine aktivitäten ... ihre lieder, ihre bücher, ihre bilder ... mein verstand allein reicht mir nicht ... ich verstehe die rote armee bei stalingrad ... und behaupte sie (jeder von ihnen) hatte vor allem dieses heiße herz ... über ihre theorien weiß ich nicht viel, aber dass bei ihrem siegeszug über hitler natürlich gedanken an ihre frauen und kinder eine rolle gespielt haben, bin ich mir sicher.

ich persönlich bin anders wohl als du (?) der überzeugung, dass alle ideologien/theorien/religionen/parteien/vereine/gewerkschaften ohne MENSCHEN mit dieser unverhandelbaren und tief verinnerlichten empathie, die sich in jeder tat und jedem wort von ihnen zeigt, die auf vertrauen und authentität baut, nix neues bringen, nur altes ewig wiederkauen ... und eher sowas wie scheinaktivitäten produzieren

syriza und podemos - aber auch die afd auf andere art - sind bewegungsaktivitäten und gleichzeitig signale, die für was anderes - neues - unverkrustetes ... sich noch zu findende unterwegs sind ... als europäer fühle ich mich den griechen, spaniern und portugiesen da viel näher - selbst polen bewegt sich - ungarn und frankreich auch >>> da findet ein kampf der kräfte statt >>> krise als chance??!!

deutschland bringt mich, wie schon h. heine u.a. da eher zur verzweiflung ... macht mich sehr wenig lebendig >>> ich muß ständig gegen ein komatiösen anfall kämpfen ... und doch bin ich nicht allein aktiv unterwegs ... und das ist gut so ... gerade auch hier bei den "termiten" ... die viele kleinen wesen, die riesenbauten errichten können ... oder wie meese von den "ameisen der kunst" spricht ... bestimmt könnte man für "kunst" auch liebe, ernsthaftigkeit, tiefe innere ausdrucksfähigkeit, wahrhaftigkeit und vor allem tabu-bruch mit allen "stinkpupsern" für frische luft und sonne für alle verstehen >>> WIRKLICH neues!!! WIRKLICH schönes!!! fantasie und mut für lebendigkeit des friedlichen lachens ...

Bild des Benutzers ebertus

im FC-Blog von Ulrich Heyden wohl sehr deutlich, zutreffend:

"Meiner Neugier geschuldet, habe ich nach dem Film >Mark Bartalmai< gegoogelt & Bingo: Auf entsprechenden Sites wird er nebulös als ´Neurechter´ definiert. Tja, so einfach ist es inzwischen, in diese Ecke verortet zu werden, wenn eine andere Erfahrung & dementsprechend andere Sichtweise dargestellt wird. Dabei kam mir wieder einmal der Gedanke, ob die eigentlichen ´Neurechten im linken Gewand´ im Grunde all jene sind, die keine anderen plausiblen Sichtweisen, Erfahrungen & Rückschlüsse dulden."

Daher nenne ich diese Wächter anstelle von "Neurechte im linken Gewand" verkürzt und dennoch passend gern "Neulinke", deren Tun, deren Denunzieren, Diffamieren und in Sippenhaft nehmen einen "McCarthyismus von links".

scheinen mir so eine "freie-markt-macke" der verdummung zu sein, an der sich wohl die ganze westliche welt tief befriedigt und im innersten angesprochen (>>> status zeigen) fühlt und es lebt - denn mit qualität und inhalt hat es nur sehr beschränkt zu tun ... eher mit "gesund-genannter-konkurrenz" >>> die das "geschäft der betreiber!" belebt ... in der ddr gab es "mehl" und basta:-))) ... auch war es nicht üblich, sich zwischenmenschlich etiketten anzuhängen ... man konnte sich ja aus dem weg gehen, wenn es nicht passte ...

trotzdem hatten meine kollegen am theater einen code kreiert "primitiv gefählich" hieß der warnhinweis für menschen, denen man besser aus dem weg gehen sollte und auf ihr geplapper (unabhängig ihrer funktion) nicht hören sollte. so war für uns die welt recht einfach im alltag und ich halte es immer noch so:-)))

klar hatten wir andererseits natürlich am theater ein feines gefühl für unendliche differenzierungen der menschen chraktere und deren ausdruckmöglichkeiten - so das gruppenbezogene utreile und wertungen wie von selbst verboten hatten ... selbst wenn wir von einem "tollen" oder "miesen" publikum am abend sprachen, meinten wir niemals jeden einzelnen davon ... und als unsere "gastarbeiter" aus vietnam kamen, nannten wir sie pauschal "die vietnamesen", denn ich kann mich nicht erinnern, dass es private kontakte zu ihnen gab ... es war eine diffuse menschengruppe und die bezeichnung nach ihrer herkunft wurde als neutraler gruppenbegriff benutzt ...

hochdifferenziert sprachen wir jedoch über EINZELNE menschen ... nahmen ihn in seiner vielfalt und widersprüchlichkeit wahr ... einen etikettenstempel konnte es auch da nicht geben ... sondern eine feine balance von nähe und distanz zu allen seinen äußerungen, welche je nach persönlichem geschmack und erfahrung NATÜRLICH unterschiedlich waren

>>> wollte nur sagen: mit der selbstverständlichkeiten der menschlichen vielfalt wurde GELEBT ... mit dem einen ging man gern tanzen und mit einem anderen in eine ausstellung ... doch beide wollte man trotzdem nicht heiraten - obwohl mn dem einen problemlos geld borgen würde und dem anderen eher nicht

also sorry:-))) ... ich werde mich nicht mit "primitiv-gefährlichen" abgeben ... bin ja nicht ihr psychoanalytischer gutachter - weiß jedoch auch um die wandelbarkeit und ewigen veränderungen ... versuche einfach die spuren zu lesen und deuten - ganz nach indianerart - und ihre tendenz und richtung zu erkennen - auch wieder mit dem wissen, dass es da überraschungen geben kann ...

"McCarthyismus von links" paßt trotzdem hervorragend ... wobei ich bemerken möchte, dass mein traditionelles verständnis von "links" mccarthysmus in jeder form ausschließt ... und genauso auch auch mein "kommunismus"begriff wohl nur allein in mir definiert ist. WIE und in welchem kontext begriffe von anderen verwendet werden, ist nicht meine sache - vor allem, wenn es diese "benutzer" gar nicht interessiert, wie meine definition lautet, sondern sich in der alleinigen definitionshoheit fühlen >>> wie schon gesagt: !PRIMITIV GEFÄHRLICH! spart mir viel zeit, die ich schöneren dingen widme ... ach, würden sich doch nur alle menschen darauf besinnen, was sie der welt schönes geben können ... aus primitiv gefährlichen wurzeln kommt da nix ... egal, welche blüten sie auch treiben und unter welchel label sie etikettiert werden >>> und wurzelbehandlungen sind wie tiefenpsychologie: nur freiwillig und aus überzeugung wirksam, wenn der schmerz groß genug ist und make up und verpackung nicht mehr trügen können ...

Marie, ich halte den Ausdruck "McCarthyism" von Links falsch - weil zum Linkssein einfach der Blick von unten gehört. Alles was je "Links" etikettiert wurde, war (solidarisches) Aufbegehren gegen (eigene) Entrechtung, ob gemeinsam des dritten und vierten Standes gegen Adel und Klerus oder durch die Arbeiterbewegung.

Die, die da Besitzstandwahrung betreiben, sind höchst bourgoise Milieus. Das ist die Prenzlbergschickeria, das sind Bürgerkinder, die mal zwischendurch ein wenig rebelliert haben, aber nach ihrer Rückkehr in Papis Milieu reaktionärer geworden ist als der je war (die Beck-Fücks-Harms-Kagan-Nuland-Fraktion) oder (wie bei Ditfuths) sogar feudale Sprösslinge, die ein Leben lang von servilen Fans beklatscht werden wollen, weil sie mal ein paar Jahre enfants terribles gespielt haben.

Wer auf den Seiten der US-Neocons zur Sicherung der globalen Vorherrschaft auf dem gesamten Globus steht, zu den Schlimmsten der Unterdrücker, der kann so viele Grünkernfrakadellen futtern wie er/sie will, soviel gerndern, wie er/sie will, der ist RECHTS, nicht LINKS.

Oder was würde man davon halten, wenn ein Josef Ackermann jovial von sich gäbe: "Ich bin ja schließlich auch Arbeiter."

(Tut der aber nicht, wenigsten DEN Anstand hat der - im Gegensatz zur Hassliebe olivgrüner Anhänger von Kopfbedeckungen aus Alufolie. 

 

natürlich ist es wichtig, eine Kultur des Widerstands zu haben, den man gegen die Plastikkultur setzt. Auch ist es wichtig, mit Menschen verbunden zu sein, um Mensch zu bleiben.Formen zu finden, in denen man ausdrücken kann, wie man leben will.

Aber ich bin im Moment auch furchtbar wütend auf die Kriegstreiber, die ja keine Mehrheit finden können, aber immer, immer, immer weiter versuchen zu eskalieren. In den Sendern wissen sie längst, dass es bei vielen nicht nur nicht verfängt, was sie da treiben, sondern dass ihre Hassrede die Leute anwidert, mit Ekel erfüllt & ohnmächtigem Zorn.

Aber immer wieder kommt ein neue Auflage dieser schändlichen Gülle.

Ihre Logik ist nicht nur eine, die am Ende tödlich sein kann, sondern sie ist auch noch ekelhaft & überzieht uns mit Gülle.

WIR ZAHLEN MIT UNSEREN RUNDFUNKGEBÜHREN DIESEN SCHMUTZ, DER SO ÜBEL IST, ALS SEI DER KADAVER JOSEPH GOEBBELS AUS SEINER GRUFT AUFGESTANDEN UND WÜRDE ERNEUT SEIN UNWESEN TREIBEN.

Da vergeht mir jeder Sinn für Schönheit, das ist so viel Gift, dass ich, egal welche Gaumengenüsse man mir vorsetzen will, nur noch nach dem Speikübel verlange.

Ich wünsche jedem von diesen Hetzern, dass ihnen aus dem Spiegel nur noch die hässliche Fratze ihrer üblen Nachrede über ein anders Volk (denn sie meinen ja ein Land, nicht nur eine Person) entgegenblickt, bis sie damit aufhören!

Zur Zeit versuchen sie uns volkswirtschaftlich (europaweit - was in Griechenland los ist, habe ich letzte Woche durch einen Besuch griechischer Aktivistinnen in Bochum wieder hören müssen), sie gefährden uns physisch (siehe neue Atomwaffenstationierungen in Büchel in der Eifel), sie werden zunehmend politisch repressiver (allein die Totalausspähung). Das ist alles schlimm.

Aber schlimmer als alles, ist wie sie versuchen uns durch diese Propaganda moralisch zu verheeren.

Wenigstens das würde ich gerne durch Druck von unten erzwingen können.

 

Liebe Grüße,

Anja

liebe anja, natürlich verstehe und kenne ich deine wut - und bewundere dich, welche ausdrucks- und verarbeitungsmöglichkeit du dafür gefunden hast:-))) ... ich glaube, ich habe dir schon mal gesagt, dass mich sehr früh und sehr tief die beschäftigung der kz-insassen von buchenwald mit theater und kunst geprägt hat und ich genau deshalb, in den mir unvorstellbar und unvergleichlichen - aber halt extrem schlimmen situationen - es genauso handhabe. für mich hat dies mit überlebenskampf zu tun.

außerdem bin ich der meinung, dass es ein großes defizit an seelisch-kulturellen werten in der gesellschaft gibt, die es auch zu benennen und auszugleichen gilt.

meine erste philosophische denkleistung als kind beschäftigte sich mit der frage "was ist mir wichtiger - oder auf was kann ich eher verzichten - auf die kartoffel oder auf die rose?"

da sich m.m.n. schon genug menschen mit der besseren kartoffelproduktion beschäftigen, habe ich mich einfach dem minderheitenprojekt "rose" zugewendet >>> und würde wohl am liebsten kartoffeln mit rosenblüten züchten wollen^^

...erinnert mich an einen Brief, in dem Heinrich Heine sein Unwohlsein über die Schriften von Karl Marx zum Ausdruck brachte - trotz aller Sympathie für dessen politische Ziele: Er schrieb dort, dessen klassenlose Gesellschaft höre sich an, als sei es eine, in der noch die letzte Blumenwiese in einen Kartoffelacker umgewandelt worden sei. Und er frage sich, ob es sich darin wohl leben ließe.

Aber es geht auch noch um ein Weiteres: Das, was mich auch erschüttert, ist die beobachtbar zunehmende Verrohung & den Verfall der Moral, die mit der gesellschaftlichen Regression einhergehen. Selbst in der entmenschlichen Maschinerie der Konzentrationslager gab es die, die auch um den Preis des eigenen Verhungern bis zuletzt ihre Kartoffeln teilten & die, die um der Erhöhung der eigenen Lebenschancen willen anderen Verhungernden die Kartoffeln wegnahmen. Leider erscheint die letzte Haltung immer als die "realistischere". Das ist sie auch für denjenigen, der die Kartoffeln stiehlt, wenn Vereinzelung zum alles beherrschenden Prinzip wird. Das aber wird sie nur, wenn sich alle für dieses Prinzip entscheiden. Ist dies nicht der Fall, denken die Menschen kollektiv=solidarisch, wird ihr gemeinsames Überleben wahrscheinlicher, wobei es natürlich sein kann, dass einige derjenigen, die entscheidend den Modus der Gemeinsamkeit voranbringen, die Überwindung des dehumanisierenden Mechanismus individuell nicht überleben.

Die Schönheit aber der geteilten Kartoffel würde ich der der Rose zumindest gleichsetzen, vielleicht sogar vorziehen. (Das ist nämlich etwas ganz anders als die "optimierte Kartoffel". Dass sie, nämlich die Haltung des solidarischen Teilens, aber zur Zeit derart öffentlich diskreditiert & verhöhnt wird, halte ich für ein beunruhigendes Zeichen. Und zwar wendet sich der Hohn gegen alle Begründungsansätze, die für das Teilen werben: seien es sozialistische, libertiäre oder christliche.

Wenn Teilen aber über den Kampf mit dem Ellenbogen überhand gewinnt, kann man es natürlich auf alles ausdehnen: auf Rosen wie auf Kartoffeln. Nur würde die Rose ja eh keiner in seiner Rocktasche vor den anderen verstecken. Schließlich geht sie ja ohne das Licht der Öffentlichkeit ein.

Der Kampf mit dem Ellenbogen aber verheert am Ende sowohl die Kartoffeläcker wie die Blumenwiesen... 

vielleicht hilft es als orientierung in der medienlandschaft, wenn man mal schaut, wem die propagandaschau ihre diesjährigen preise verleiht. vergeben wird er für die "maulhure" und für den "aufklärer" des jahres 2015.

jeder kann und niemand muß das gut finden ... ich persönlich werde dort vielleicht mal vorschlagen, dass ich eher für eine aufklärungsmannschafts ... als staffel oder "volxssportverein" plädiere ... vielleicht fühlen sich die bestplatzierten aufklärer ja dazu in der lage und sehen genau wie ich einen sinn in solidarischer vernetzung ...

... am lustigsten finde ich: "rainer rupp als aufklärer des jahres"

... beachtlich die häufige nominierung von ken jebsen, willy wimmer, Tilo Jung und dok

ich persönlich habe auf meine liste susann witt-stahl, Wolf Wetzel, Thierry Meyssan, Max Uthoff und Claus von Wagner, Uwe Krüger, U.Gellermann, Gabriele Krone-Schmalz, Jürgen Todenhöfer, William Engdahl, Gerhard Wisnewski, RTdeutsch, Dirk Pohlmann, Karin Leukefeld, Rainer Mausfeld, Michael Lüders, Mark Bartalmai, Christoph Hörstel, Putin, Dr. Daniele Ganser, Florian Rötzer, Eugen Drewermann, Markus Fiedler, Propagandaschau, sputnik, Edward Snowden, Georg Schramm, Volker Pispers, Dirk Müller, FritzTheCat, H. Bayerl, Jasinna, Julian Assange, Christoph Butterwegge, Philippe Mastronardi, Nachdenkseiten, evelyn hecht-galinski, Deutsche Wirtschafts Nachrichten, Paul Schreyer, Mathias Bröckers, Dagmar Henn aufgenommen, bei denen ich bei aufklärungsbedarf gern vorbeischaue

https://propagandaschau.wordpress.com/2015/12/19/wahl-zur-maulhure-und-z...

Bild des Benutzers fahrwax

Ich hatte es nicht vermeiden können mir das unsägliche Machwerk reinzupfeifen.

Es verursachte mir körperliche Übelkeit, war eine propagandistische Beleidigung jeglicher Information bei eingeschalteter Hirntätigkeit.

Schöööön, das dieses Elaborat (nicht nur) hier die angemessene Würdigung erfährt.

Allerdings erweckten die Bilder des darin feilgebotenen "Fachpersonals" am Ende auch mein Mitleid. Legten sie doch ein beschämendes Zeugnis über das Niveau ihrer persönlichen Geistestätigkeit ab, als auch über das ihrer Zielgruppe.

nee, das Elaborat wurde außer hier & auf den Seiten der Publikumskonferenz (mit meiner Beschwerde), was dann auch die Propagandaschau abdruckte, noch auf RT & Sputnik kommentiert.

https://deutsch.rt.com/meinung/36046-machtmensch-putin-im-zdf-stimmungsm...

http://de.sputniknews.com/meinungen/20151218/306578399/zdf-jahrespressek...

 

Und noch auf den Nachdenkseiten:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=29654#more-29654

Meines Wissens war's das aber auch schon.

 

Ich frage mich, wie lange wir warten müssen, bis auch der einie oder andere Journalist der Leitmedien oder des ÖRF wieder soviel Schamgefühl entwickelt, dass er zugibt, wie tief sie bei einem solchen Niveau fallen.

 

Aber so etwas wie ein Mindestmaß an Anstand & einem daran orientierten Selbstwertgefühl scheint äußerst selten geworden zu sein.

 

Bild des Benutzers fahrwax

Jeder Nachweis eines Schamgefühls der jeweiligen (austauschbaren) Eltären wäre für mich ein evolutionärer Sprung in der Menschwerdung.

Das Selbstwertgefühl des Bougois erfüllt sich am Zuwachs des eigenen Arschumfang - nirgendwo sonst. Anstand und Glaubwürdigkeit sind Kategorien die dieser Lebensform nicht in die Gene gelegt wurden. 

Bild des Benutzers marie

 

 

...das sind Jungs, schlimm genug, dass die überhaupt eine Knarre in der Hand haben (müssen?), weil es einfach nicht aufhört, dass die Menschen im Donbass beschossen werden (wie so viele im Nahen Osten auch). --- & da missbrauchen diese jungen Kerls, die vielleicht schon jetzt Dinge erlebt haben, mit denen sie im Leben nicht fertig werden, dann auch noch Journalisten eines öffentlichen Rundfunks, den wir mit unseren Beiträgen bezahlen MÜSSEN.

In unseren Schulklassen habe ich Kinder aus allen Kriegsgebieten der letzten beiden Jahrzehnte: aus allen ehemals jugoslawischen Republiken, aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, jetzt auch dem Donbass. Zusätzlich aus den durch diese brachialkapitalistische Geschäftsmache abgewirtschafteten Regionen--- 

--- da ist das irgendwann nicht mehr so wirklich auszuhalten.

Aml leichtesten fällt es noch, wenn man wirklich gute Literatur liest: Ob ganz alte (Grimmelshausen, den Simplizius, der es in diesen Wirren noch geschafft hat Mensche zu sein oder guten Romanen aus der Zeit des zweiten Weltkriegs [egal aus welcher Nation der Autor stammt].)

Aber damals gab es noch unberührte Flecken dieser Erde. Heute erreicht die gefräßige Maschinerie alles=alles.

[Dennoch: Jetzt erst einmal ein Glas Glühwein.]

 

Liebe Grüße,

Anja

 

Bild des Benutzers costa esmeralda

ganz herzlichen Dank für Deinen Beitrag, den ich am Ende eines langen Tages erwischt habe, da ich vorhatte, eine Peru-Geschichte einzustellen, aber an Deinem Beitrag nicht vorbeikam.
Dank auch für die Diskussion mit Marie. Daraus geht eine ungeheure berechtigte Frustration an den gesellschaftlichen Verhältnissen in D und der Welt hervor, die uns alle rasend macht.
Ich hatte vor zwei, drei Monaten die Deutsche Welle, ARD und ZDF angeschrieben und ihnen ein Projekt vorgestellt, Länderanalysen aus der Peripherie in Folgen zu erarbeiten (je Land eine Stunde), in denen die Wirkung deutscher, EU und westlicher "Entwicklungshilfe" (Weltbank, Währungsfonds) konkret dargestellt und gefragt wird, ob diese die Ausbeutung und auch heutige Wanderungsproblematik in der Welt befördert hat oder nicht. Antwort: Es wird schon viel mit Flüchtlingen gemacht, das Geld ist schon vorgeplant. An ARTE war leider nicht ranzukommen.
Ja, soviel zu unseren verdammten Mainstream-Medien.
Aber was tun?
Vielleicht gelingt es mir, über die Weihnachtszeit etwas über den "EINEN Menschen in seiner Vielfalt" zu schreiben, über den Menschen als universellen Wanderer, Weltbürger, zwischen Geburt und Tod, überall auf der Welt, unteilbar und immer auf der Suche nach Heimat, die nicht geographisch bestimmt ist, sondern bestimmt durch Solidarität, Empathie, Liebe und gutes Leben.
Mein Entschluss steht fest, in 2016 nach D wieder zurückzukommen und mich in die Flüchtlingsproblematik in meiner alten Heimat einzuklinken.
An Deiner und Maries Diskussion ausführlich teilzunehmen habe ich jetzt leider keine Zeit mehr. Aber eines sagt mir die Erfahrung und auch mein Herz: Reine intellektuelle Arbeit bleibt auf halber Strecke stehen. Die konkrete Tat muss dazukommen. Sie wird letztlich durch viele Versuche entweder etwas erzeugen oder zertreten werden. Aber dieses Wagnis muss eingegangen werden.
Dir, Marie und den anderen lieben Termiten noch ein ganz schönes Weihnachtsfest und Klarheit und Weitsicht fürs Neue Jahr!
LG, CE

Bild des Benutzers ebertus

in "D" - und mit allen guten Wünschen meinerseits.

Vielleicht können wir -und an Werner ginge der Dank im voraus- ein weiteres Termiten-Meeting in der Eifel organisieren, durchführen; vollkommen offen was Inhalte und potentielle TeilnehmerInnen betrifft.

Habe gerade auf der Privatausgabe meine OnTour-Grobplanung für 2016 eingestellt, ist dort fast alles und weitgehend noch offen.

Gruß, Bernd.

das mit der Eifel wäre toll! Für mich ist immer die Zeit um den 10 Mai günstig. Wir werden sehen.
Als ich gestern diesen Kommentar einstellen wollte, wurde mir gesagt, die page würde nicht reagieren. Es ging nicht vor und zurück. Frustriert ging ich davon. Heute bin ich erstaunt, dass der Text doch erscheint. Ist ja schön!.
Wie Du an Anja und Marie siehst, es haben wohl doch noch Menschen in D ihr Denken und Gewissen nicht verloren. Was Anja von den "Salon-Linken" sagt, was stimmt, ist m. E. schlimmer als offene Kapitalfraktions-Diktatur á la Mme und Konsorten. Dadurch wird der Begriff "Links" völlig diskreditiert. Ich habe auch inzwischen die "Schnauze" voll von Links-und-Rechts-Gelaber. Einzig der Begriff Humanismus mit Inhalt aus der Aufklärung und modernisiert, interessiert mich noch.
Dir und den anderen Termiten ein schönes Weihnachtsfest. LG, Hermann
PS: Die Peru-Geschichte stelle ich später ein.

Folgenden Aufruf weiterverbreiten & unterzeichnen:

 

http://www.syrien-aufruf.de/

 

 

danke für Deine Rückmeldung & schön, Dich wieder im Lande zu haben.

Dennoch lässt mich Dein Verweis auf nötige "Taten", so wie Du ihn oben anstellst, etwas hilflos zurück.

Sowohl Marie wie auch ich (& unzählige Andere) bemühen uns ja redlich, nicht "nur zu reden", sondern schon irgendwie zu handeln. Unsere Friedensaktion in Treptow war unter anderem ein Versuch. Marie hat sich darüber hinaus sehr bei weiteren Aktionen & bei den Flüchtlingen, die in Berlin landen, eingebracht. Ich habe (neben Texten, Demonstrationen & Spenden) mich vor Ort in unserer lokalen Griechenlandsolidarität engagiert & ansonsten ja auch durch meinen Beruf mit vielen Problemen praktisch zu tun.

Die Gesamtmenge der Menschen, die sich solidarisch handelnd in Deutschland einbringen, ist ja gar nicht gering. Es mag keine Mehrheit sein, aber es sind doch Millionen. Ich vermute durchaus, dass es bei allen negativen Tendenzen in der Gesellschaft mehr hilfsbereite Menschen als Egofighter gibt. Aber die ideologischen Verfechter des Kampfes mit dem Ellenbogen haben zweifelsfrei einen viel stärkeren Zugriff auf die entscheidenden Kommunikationsnetzwerke, die sie ja in einem Maße in ihren Besitz bringen konnten wie noch nie zuvor, wodurch ihr Verständnis der Welt eine kulturelle Hegemonie erlangt hat. Das heißt: Selbst die, die gerne selbst solidarisch sind, verstehen die Strukturen & Dynamiken zu wenig, die die Not erzeugen.

Deshalb vermögen es auch Millionen hilfsbereite Menschen nicht, zur gesellschaftlich prägenden Macht zu werden.

Das entspricht ja der Erfahrung, die Du mit Deinem Projekt auch gemacht hast.

Eine Rosa Luxemburg konnte zu so vielen Menschen sprechen, weil es eine Arbeiterbewegung, Arbeiterparteien, Gewerkschaften & Koop-Intiativen gab, die damals anwuchsen. (Trotzdem hat sie verloren.)

Wir aber leben in einer Zeit, in der solidarische Strukturen (die geschwächten & deshalb butterweichen Gewerkschaften mögen hier als Beispiel herhalten) eine massive Erosion erlebt haben - seit 26 Jahren, nämlich seit 1989 (- wenn es nicht sogar schon vorher begann.) 

Das ist das Problem, mit dem wir uns rumschlagen.

 

Erstmals aber auch Dir ein frohes Weihnachtsfest!

Liebe Grüße,

Anja

mit den Tatenlosen meinte ich nicht Dich oder Marie. Man sieht ja, wie Ihr kämpft und wie Du sagst, viele Andere auch, eben keine Salon-Linken, einfach Humanisten, die in der jetzigen Situation das tun, was einzig richtig ist. Deswegen auch habe ich die Diskussion um Links- und Rechts-Sein gründlich satt, da es im Prinzip um das eigene Ego geht und um den arroganten Blick von Oben und eben nicht, den von Unten, der sich konkret solidarisiert mit den Entrechteten.
Die Ausgegrenzten der Welt spüren sofort, ob über sie gesprochen wird und gegen sie gehandelt wird, trotz allem populistischen Gehabe, oder ob gemeinsam gekämpft wird für das gleiche Schicksal. Dieser gemeinsame Kampf,diese gemeinsame Sorge füreinander haben Menschen Rosa Luxemburg und Clara Zetkin gegenüber sicher gespürt. Darauf kommt es letzten Endes an.
Den Glaube an politische Parteien hatte ich schon lange verloren, an Gewerkschaften ebenso, wenn auch dort oft gutwillige Geister zu finden sind, die im Grunde von ihren eigenen Seilschaften die Nase voll haben. Ich hatte, bevor ich zum ersten Mal in Afrika zu arbeiten begann, innerhalb der ÖTV, in der ich war, eine Parallelliste zu den Betriebsratswahlen der städtischen Verwaltung in Ludwigshafen/Rh (BASF) angeführt. Und wir waren als junge Erneuerer in der Gewerkschaft klar favorisiert. Einen Tag vor der Wahl in 1974 wurde mir von der Stadt (SPD-OB) fristlos gekündigt, so dass meine sichere Wahl zum Betriebsratsvorsitzenden ins Wasser fiel. Es gab einen kleinen Aufstand, mir wurde schließlich eine Abfindung von 20.000 DM damals gezahlt. Das Einzige was ich noch durchbekam, war die erste Gründung einer deutsch-türkischen/ausländischen Einrichtung für Kinder und Eltern, die heute nach 43 Jahren noch besteht. Fünf Jahre vorher war mein zweijähriges Gastspiel in der SPD ebenfalls beendet, da man ein Ausschlussverfahren einleitete, aufgrund Unvereinbarkeitsbeschluss der Zusammenarbeit mit kommunistischen Gruppen und Parteien. Mit den Grünen, die ich in Heidelberg von Beginn mit unterstützte, ging es mir ebenso. Auch die Erfahrungen in zahlreichen Ländern mit staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen waren immer die gleichen: Es geht um Macht gegen die grosse Mehrheit von Völkern. Allein das zählt. Wenn ich mir aus der Ferne dieses eklige Schachern in D ansehe, kommt Übelkeit auf. Trotzdem und gerade deswegen will ich zurückkommen. Was ich in der Peripherie tun konnte, habe ich getan und habe mir da nichts vorzuwerfen. Gottseidank gab es immer internationale Organisationen, für die ich tätig werden konnte. Deutsche ließen mich stets abblitzen. Drückten nur manchmal Erstaunen aus, dass fremde Regierungen mich mit Entwicklungs- und Friedenspolitik betrauten, während offizielle deutsche Institutionen lediglich zum Knete-Beitrag gebeten wurden.
Anja, Du und Marie und viele Andere auch sehen, dass jetzt die Stunde des humanistischen Teils der Zivilgesellschaft gekommen ist. Wir können und dürfen uns da nicht vorbei mogeln. Die braun-gefärbte Zivilgesellschaft steht schon bereit, obwohl unter dieser auch nur die wenigsten wahre Faschisten sind. Sie sind auf der falschen Seite der Geschichte, weil sie sozial und emotional ausgegrenzt sind. Da tut Aufklärung not, gerade unter der Jugend. Aber was sage ich, Du weißt es durch Deine SchülerInnen besser.
Dir ganz liebe Grüsse und schöne Tage mit Mann und Tochter, Hermann
PS: Nachmals Dank für Deinen "Putin"-Artikel! Unabhängig davon, wie man ihn einschätzt, diese Dämonisierung und die Hatz gegen Russland ist das Allerletzte, was D tun sollte. Aber das begreifen ja auch immer mehr Menschen.

Bild des Benutzers Heinz

Mir kann niemand einschwätzen, die Programmmacher wüßten nicht ganz genau, was sie tun. Was in den Medien geschrieben oder gesendet wird, ist vorher in Redaktionskonferenzen verhackstückt worden.

Die Staatsmedien haben es natürlich sehr viel einfacher, als die privaten Medien, weil sie von einer Hüttensteuer leben, die den PolitikerInnen erst ermöglicht, ihren DünnPfiff via Staatsmedien unters Volk zu verteilen.

Nehmen wir einmal die Lage im Kalten Krieg, als die Staatsmedien lustig Mainz, wie es singt und lacht gesendet haben, statt die wirkliche Lage ernsthaft zu recherchieren.

Telepolis:

Atombomben auf Ost-Berlin

Diese strategischen Spielchen von Schurken waren damals die wirkliche Bedrohung.

Heute ist die Bedrohung gewachsen, nachdem die Sicherheit durch Schurken in den USA und der EU in Europa leichtfertig gefährdet worden ist.

Bild des Benutzers marie

achtung: eigenwerbung!

 

hier meine privatbetrachtungen + "künstlerisches" schaffen zur gegenwart

 

 

http://www.privatausgabe.net/node/632

 

http://www.privatausgabe.net/node/572

Die Begebenheit, wie das ZDF hier das "Spiel nicht mit den Schmuddelkinder"-Theater aufführt, ist beschämend; ihre 'Solidaritäts-Show' zeigt, dass sie die Probleme gar nicht begreifen wollen.

 

Wenn Ihr aber in den Festtagen zwischen Weihnachten & Sylvester noch einen Solidaritätsakt tun wollen, dann gibt es hier eine Möglichkeit:

Wir hatten am vom 9-13. Dezember zwei Frauen von der Sozialen Arztpraxis in Arta, aus der strukturschwächsten Region Griechenlands, zu Gast

bei uns in Bochum. Netterweise hatte uns von der lokalen Griechenlandsolidarität, die eine Freundin von mir leitet, Verdi Räumlichkeiten für eine Veranstaltung am 12.12.15 zur Verfügung gestellt. Die soziale Artzpraxis Arta versucht wie andere Projekte dieser Art auch, nicht mehr krankenversicherten Griechen (30%!!! der Bevölkerung) notwendige ärztliche Versorgung zu ermöglichen.

In Arta gibt es aber auch schon längst jede Menge Familien, die nicht mehr genügend zu essen haben.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, dort zu spenden:

Einmal für die soziale Arztpraxis in Arta selbst: Das Geld geht über die Kuba-Hilfe in Bochum (die über viele Jahre das steuerlich relevante Prädikat der "Gemeinnützigkeit" und der "Milttätigkeit" erlangt hat, das uns gleichfalls zu erlangen viel Zeit und bürokratischen Aufwand kosten würde) und muss mit dem Hinweis unter Verwendungszweck "Spende für Griechenland" versehen werden, damit das Geld auch in Arta landet.

Zudem kann ein Lebensmittelpaket direkt nach Arta gesendet werden (hier sind nur Naturalien möglich, da nach dem Troika-Regiment Barmittel nur beschränkt aus dem Ausland bei Privatleuten landen können). Die Spendenadressen findet Ihr unter den folgenden beiden Links:

Die Spendenadressen und die Bankverbindung für die Soziale Arztpraxis findet Ihr unter folgenden Links:

https://hellassolidaritaetbochum.wordpress.com/

http://www.bo-alternativ.de/2015/12/27/nahrungsmittelspende-fuer-arta/#m...

 

Wie Ihr der Seite der Hellas-Solidarität entnehmen könnt, geht es uns nicht um Caritas, sondern um politische & soziale Solidarität. Das heißt, dass wir in permanentem Kontakt zur sozialen Arztpraxis in Arta und anderen Soli-Einrichtungen Griechenlands in politischem Dialog stehen. Außer den Veranstaltungen mit den Frauen von Arta war auch Litsa, die Sprecherin der streikenden Putzfrauen der Griechischen Finanzbehörden bei uns & es bestehen gute Kontakte zur griechischen Flüchtlingshilfe. Eine aus unserer Gruppe wird demnächst 6 Monate unbezahlten Urlaub,also ein Soli-Sabbatical nehmen, um auf Lesbos bei der Versorgung der Flüchtlinge zu helfen. (Es gibt dort auch deutsche Ärzte, die dort ihren Urlaub mit Flüchtlingsversorgung verbringen. Auch die reguläre Bevölkerung hat dort keine aprobierten Ärzte mehr, die ausgewandert sind - u.a. nach Deutschland.)

Jede solidarische Hilfe von uns allen hier zeigt auch, dass Merkel & Schäuble nicht identisch mit Deutschland sind, sondern es auch noch ein anderes solidarisches Deutschland gibt.

 

Wir tun also nicht nur denen etwas Gutes, sondern leisten auch Ehrenrettung & helfen damit, einem Gegenentwurf zu "Deutschland-einig-Merkelland' zum Durchbruch zu verhelfen.