12 Dez 2015

Institut für Medienverantwortung

Submitted by ebertus

Bild: Bernd Ebert

Veranstaltung zum 10-jährigen Jubiläum des IMV

Haus für Demokratie und Menschenrechte,
Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

Sabine Schiffer, die Gründerin und Leiterin des Instituts lernten Marie und ich im Sommer 2014 kennen, als Sabine im Berliner Sprechsaal eine mehrtägige Veranstaltungsreihe incl. einer kleinen Ausstellung organisierte und als Mentorin begleitete. Die Ausstellung bezog sich auf die seit dem Frühjahr 2014 und im Rahmen der Ukraine-Krise immer deutlicher werdende Einseitigkeit der Großmedien hierzulande, welche subtil bis offen eine transatlantisch eingebundene NATO-Position gegenüber Rußland einnahmen, gleichzeitig jegliche Ansätze von Widerstand (Montagsmahnwachen etc.) als "neurechts" einordneten, deren seriöse Unterstützer diskreditierten und oft gar diffamierten.


Das IMV forscht und publiziert zu kontroversen Themen, über die vom medialen Mainstream hierzulande zunehmend sehr einseitig, oft tendenziös oder eben weglassend (nicht) berichtet wird. Das Themenspektrum des Instituts und seiner meist freien Mitarbeiter, Wissenschaftler etc. ist  recht breit aufgestellt, hat dennoch und wie es auch an den Vorträgen dieses Nachmittags deutlich wurde, einen übergeordneten, gemeinsamen Bezug: Manipulation in oft partikularem Interesse.

Sabine Schiffer ist dabei nicht die Wissenschaftlerin im akademischen Turm, bringt sie sich aktiv, an Demos und anderen Veranstaltungen teilnehmend, kommentierend in die Auseinandersetzungen gemeiner Tagespolitik ein. Und das nicht erst seitdem der Islam als Religion, die Muslime in toto und nicht nur verbal, ganz real als neues Feindbild sog. westlicher Kultur und Werte aufgebaut werden; großmedial und dennoch sehr subtil dem Volke verabreicht, welches doch bitte gegen die erkannte Gefahr nun zusammenstehen möchte.

Einzelne Themenfelder des IMV und ihre sehr aktuellen Bezüge mögen hier ggf. in weiteren Blogtexten vertieft werden. Aktuell soll jedoch kurz, in wenigen Sätzen über die gestrige Veranstaltung berichtet werden, bei der Sabine Schiffer die einleitende und natürlich auch die jeweils überleitende Moderation übernahm, es dann anschließend noch einen kleinen Empfang gab, bei dem auch für das leibliche Wohl gesorgt war.

Keine Frage, es ist mein, möglicherweise sehr subjektiver Eindruck.

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Inge Höger, MdB der Linkspartei aus Herford leitete die Grußworte ein, kam dabei sehr schnell und äußerst kritisch auf den Syrienfeldzug unter Teilnahme Deutschlands zu sprechen, ein Mittun, welches in Sachen weiter ansteigender Flüchtlingszahlen mehr als nur kontraproduktiv zu beurteilen ist.

Daniel Bax von der taz blieb in seinem Grußwort sehr im Allgemeinen, blieb an Deutlichkeit zu tagespolitischen Ereignissen weit hinter Inge Höger zurück. Verständlich, so ist nach meinem Dafürhalten die taz gerade in Sachen Ukraine/Rußland mittlerweile eher in den NATO-Support eingebunden, während gerade zur Flüchtlingsthematik weiterhin die ganz alten, die noch nicht systemisch gewendeten, mir bis zur BTW im Herbst 1998 eine Stimme wert gewesenen Grünen erkennbar bleiben.

Süleyman Bag als verantwortlicher Redakteur eines mir bislang noch nicht bekannten Deutsch-Türkischen Journals hob primär auf die gute, fruchtbare Arbeit des IMV zum Thema der Muslime in Deutschland ab. 

Silke Pieper schließlich stellte den Förderkreis des Instituts vor, der sich natürlich um eine entsprechende, primär finanzielle Unterstützung des IMV kümmert, für mich ein dahingehendes Engagement durchaus Sinn machen wollte.

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Nach einer kurzen Pause folgten vier Vorträge von freien Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen des Instituts, welche die Themenbreite deutlich machten, die Reihenfolge für mich und sehr subjektiv zu verstehen, eine von meinem Interesse her aufsteigende Relevanz zeigten.

Michael Wallies sprach über eine auch von den Medien geförderte, zumindest billigend inkauf genommene Online- Computerspielsucht, gerade bei jungen Menschen. Studien dazu sind oft interessengeleitet, gar von den Herstellern entsprechender Hard- und Software initiiert. Außerdem informierte Wallies über Gefahren des sog. Cybergrooming, welches nicht selten in verbalem, auch realem Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene Täter via dem Internet führen kann, wo insbesondere Lehrer/Lehrerinnen die Aufgabe der Früherkennung besser warnehmen müssten.

Xenia Gleissner, oft in den Golfstaaten, den Emiraten unterwegs, sie informierte über ihre Untersuchungen zu den Medien eben dort. Während beispielsweise das englischsprachige AlJAZEERA einen nach internationalen, westlichen Standards recht professionellen, offenen und auch kritischen Journalismus betreibt, so sind die lokalen Medien via der sie besitzenden Familienclans oft reine Transporteure von Hofberichterstattung; mehr vielleicht, als unsere Medien.

Constantin Wagner ging (auch durch Beispiele ergänzt) der Frage nach, wie Rassismus und insbesondere Islamfeindlichkeit in den Großmedien hierzulande äußerst subtil transportiert wird. Wagner hat vor einiger Zeit zusammen mit Sabine Schiffer bei der Böllstiftung einen, so meine ich, wichtigen und dennoch primär einführenden Text zu Antisemitismus und Islamophobie veröffentlicht, der aktueller kaum sein könnte, Anlaß zu weiterer Auseinandersetzung mit dem Thema bietet.

Jens Wernicke, nun wohl zunehmend bei den Nachdenkseiten aktiv, er beendete mit seinem Vortrag zu den die Reihen schließenden Großmedien einerseits, der Ausgrenzung nahezu aller substantiell kritischer Medien und Einzelpersonen diesen Vortragsteil. Und Wernicke stellt (sich) beinahe fassungslos die Frage, warum sich ehemals kritische Geister, Linke, deren Medien, gar weitgehende Teile der Bevölkerung sich systemfromm einhegen lassen, sich so passiv verhalten im Angesicht zunehmender Repressionen, zunehmender Überwachung, zunehmender sozialer Ungleichheit nach innen, ebenso schamloser gewaltsamer, kriegerischer Auseinandersetzungen nach außen.

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Der abschließende Festvortrag wurde gehalten von Prof. Jörg Becker, lediglich gut ein Jahr älter als meine Wenigkeit und wie dieser Wiki-Eintrag zeigt, ein äußerst kritischer Geist, oft im verbalen bis gar rechtsrelevanten Kreuzfeuer der Restauration, der Neokonservativen stehend. Jörg Becker und Sabine Schiffer kennen und schätzen sich bereits lange Jahre, wie Becker betonte. Möglicherweise hat Sabine bei ihm studiert, war er ihr Mentor, hat das auch auf den bei ihr erkennbar entwickelten kritischen Geist einen entsprechenden Einfluß gehabt.

Becker fokussiert in seinem Vortrag auf die öffentlich rechtlichen Medien, welche von der herrschenden Politik vereinnahmt zu weitgehender, systemkonformer Hofberichterstattung degradiert sind. Seine Vorschläge zur Änderung dieser Situation, das Besinnen auf eine kritisch begleitende sog. Vierte Gewalt trägt Becker im Rahmen eines Programms von zehn Punkten vor, die weitgehend meine Zustimmung finden, ebenfalls separat vertieft werden wollten.

Zum Abschluß seiner Rede schloß Jörg Becker ein wenig an Jens Wernicke an, fragte nach den Grenzen des Zumutbaren und ob Verweigerung oder gar Widerstand nicht irgendwann nötig werden könnten. Ohne ihn ausdrücklich zu erwähnen, so stand natürlich Art. 20 Abs. 4 GG sofort im Raum und wurde mit Sicherheit bei dem sich anschließenden Empfang äußerst kontrovers diskutiert. Becker zumindest bekam für seinen Vortrag einschließlich diesem Finale einen lang anhaltenen Beifall aus dem Kreis der vielleicht dreissig bis vierzig Anwesenden.

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Zu dem sich anschließenden Empfang sind aus meiner Sicht und über intensives Zuhören, über verschiedene kurze Einwürfe hinaus zwei von mir geführte Gespräche zu nennen:

Mit Inge Höger, einer konsequenten Kritikerin israelischen Gebarens und insbesondere in den besetzten Gebieten diskutierte ich über die bei einer Israelkritik beinahe reflexartig hochkommenden Vorwürfe von Antisemitismus, sprachen wir und was den medialen Widerhall angeht auch über das sog. Toilettengate des Gregor Gysi. Die kurze Notiz im Tagesspiegel ist in ihrem selektiven Weglassen bzw. Betonen symptomatisch für die Zuweisung von Antisemitismus, insbesondere durch die dahingehend formiert agierenden Großmedien hierzulande.

Mitglieder der Partei Die Linke um Inge Höger hatten zwei, dem Agieren Israels gegenüber kritisch eingestellte Autoren eingeladen, einen Israeli und einen US-Amerikaner; beide Juden! Der prompte Antisemitismusvorwurf richtete sich jedoch nicht an die beiden Akteure der hektischen Szenen (wie man diese immer auch beurteilen mag) vor und auf der Bundestagstoilette. Da greift die hierzulande und in vielen, gerade zum Thema Israel aufgeladenen Diskursen dann immer wieder zu erkennende Beisshemmung; wie ich dieses Verhalten gern nenne. Menschen jüdischen Glaubens dürfen/sollen von Deutschen nicht kritisiert werden. Punkt! Stattdessen entläd sich der umgehend erfolgte Antisemitismusvorwurf gegenüber den Einladenden, haben sie diese Szenen zugelassen, werden nicht nur in Sippenhaft genommen, sind gar und wie medial dann transportiert die Täter.

Mit Jens Wernicke hatte ich Gelegenheit über linke Medien, diese unsägliche Kampagne gegen die Nachdenkseiten zu sprechen. Wernicke, der dort nun wohl verstärkt mitarbeiten wird hat den Eindruck, dass es nach den Quereleien der letzten Wochen nun endlich wieder konsequent und auf gutem Weg voran geht. Vom Freitag und dessen mittlerweile weichgespülten Kurs hält Wernicke wenig und kritischer noch äußerte er sich über die Junge Welt, deren Weigerung, die Friedensbewegung auch nur ansatzweise positiv warzunehmen, sie sich stattdessen ebenfalls zunehmend eingemeinden lässt.

Ok, ich nannte die aus meiner Sicht durchaus noch zu würdigenden Vertreter wie Susann Witt-Stahl oder Rainer Rupp, erklärte jedoch ebenso offen, dass ich mein über Jahre unterhaltenes Soliabo genau wegen dieser -salopp gesprochen- Ditfurthisierung der JW  bereits in 2014 gekündigt habe.

Vielleicht hier noch zum Abschluß bzw. Ausblick: So hatte Jens Wernicke bereits in seinem oben erwähnten Vortrag angekündigt, dass Sabine Schiffer zukünftig ebenfalls einen Bereich bei den Nachdenkseiten mit Inhalt füllen wird. Ich bis gespannt ...


Und sorry, für die nicht optimale Qualität der Bilder. Habe den Blitz bewußt ausgeschaltet. 

Kommentare

beides lese ich selektiv und online - d.h. bezahlen würde ich dafür nicht - und möchte sie auch nicht vermissen, denn etwa wie bei einem nicht akzeptablen nachbarn nehme ich nicht alle dort in sippenhaft, sondern rede sehr wohl mit einigen "kindern" von ihm, die zwar in seinem haus wohnen, zu mir aber immer "freundlich" und damit auch bereichernd kommuniziert haben.

überhaupt stellt sich die gretchenfrage, sage mir, mit wem du "wohnst/sprichst/spazieren gehst" gesellschaftlich ja fast in einer totalität, die ich gefährlich und billig finde und selbst gegen jede tendenz von totalitarismus widerstand leiste. bei der jungen welt und dem freitag ist ja so, dass ich sie in "meiner reihe" ganz lange gesehen hatte, sich aber die reihen immer mehr lichten >>> und dazu aber zulauf von neuen stimmen auf dem "marktplatz" zu beobachten ist und eine bisher wahrgenommene "ordnung" dort nicht mehr existiert.

dabei beobachte ich folgende strömungen: 1. die konservativen halten traditionell am bekannten und für sie bewahrenswerten fest - und selbst wenn die zweifel bei ihnen wachsen, sind sie jedoch mit ihrer "treue und beständigkeit" nur schwer zu bewegen und verharren ... aus welchen gründen auch immer
2. die modischen trendsetter ergreifen ihre "chance" auf den markt zu stoßen und wollen endlich ihr "produkt" unter die leute bringen, an dem sie immer schon gebastelt hatten - oder die andere sorte "b" mit dem gleichen ziel - aber ohne "eigenes produkt" - versucht ihre nase in den wind zu hängen und alle verirrten und orientierungslosen als "kunden" zu gewinnen ...
3. die "avantgarde", welche immer klein und fein, da integer und der wahrheit und sozialen gemeinschaft verpflichtet - ihrer zeit voraus und von den konservativen, trägen massen verteufelt und von den trendsettern als konkurrenz schlecht geredet

so ist also der medien-meinungs-markt in voller bewegung ... und das ist gut so ... jeder konsumiert die produkte nach seinem geschmack - leider haben wohl viele einen ganz hausbackenen bzw. einfach keinen "guten" geschmack, welcher die produkterzeugung und somit die zeitgemäße veränderung als grundlage eines gesunden angebotes für alle im blick hat ...

leider muß man diese "schieflage" wohl zur kenntnis nehmen >>> das drame daran ist nur, dass die sinnvollen produkte für die bessere zukunft kaum "beworben" werden, sondern nischenprodukte sind ... wie wohl seit über 1000 jahren ... die neugierige und naive erkundung unserer ur-vorfahren hat sich auf mehr profit und die maschinen fokussiert ... die gesunde menschliche lebensfreude und vernunft wurde von der GIER aufgefressen, bei der es nur verlierer gibt >>> gier nach kriegen - gier der spekulanten - gier nach macht und kontrolle ... wo doch der geiz damit echt geil wäre

" ... wenn alle nur das vermeintliche Gute der Obrigkeit wiedergeben, dann entsteht eine autoritäre Form der politischen Korrektheit. Ein Zuviel des Guten wird selber schlecht. Denn in einer Demokratie, in der Medien zu Besserungsanstalten der Nation mutieren, wird plötzlich „das Ungesagte zum Eigentlichen“ (Martin Walser). Und so kommt es, dass nach einer Allensbach-Feldforschung unglaubliche 45 Prozent der deutschen Bevölkerung behaupten, man müsse in Deutschland vorsichtig sein, seine Meinung zur Flüchtlingsfrage zu äußern.

Fast die Hälfte der Bevölkerung hält also die Meinungsfreiheit derzeit für nicht gewährleistet – ein katastrophaler Befund für Medien, die vielfältige Meinungen eigentlich sichtbar machen sollten, und auch für den Zustand unserer Demokratie.

„Günther Jauch“ mit Günther Jauch

Der Talkmaster steht mit seiner selbstbetitelten Sendung an der Spitze des 19. Berichtes der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Sender (KEF), die die Minutenpreise deutscher Fernsehshows misst. Die TV-Show aus dem Berliner Gasometer kostet 4634 Euro pro Minute und ist mit Abstand die beliebteste Talkshow Deutschlands. Jauchs Gage macht dabei tatsächlich nur einen Teil der Kosten aus. Vielmehr wird die Sendung aufwändig produziert und inszeniert. "

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/whatsright/whats-right-s...

Sehr informativer Beitrag nebst dem Hinweis auf den (kontrovers) geführten Vergleich von Antisemitismus und Islamophobie. Völlig schiefen Vergleich macht hingegen Xavier Nadioo in seinem neuen Lied "Nie mehr Krieg", wenn er meint/singt: „Muslime tragen den neuen Judenstern“. Hier der Song https://www.youtube.com/watch?v=RqDt2R1rBC0

Kritik zur dem obigen Textausschnitt findet sich im Migazin und kann hier nachgelesen werden.
http://www.migazin.de/2015/12/08/muslime-tragen-keinen-judenstern/
Eine zweite Kritik findet sich im selben Magazin von folgendem Autor, der gleichzeitig auch in der FC seinen Artikel weitergereicht hat. Der Autor heißt Said Rezek und seinen Artikel hier http://www.migazin.de/2015/12/09/die-empoerte-republik-gut-dass-wir-daru...

und hier in der FC https://www.freitag.de/autoren/srezek/die-empoerte-republik
veröffentlicht.

Sowohl das "Liedchen" v. Nadioo als auch die "empörte" Einlassung von Said Srezek finde ich trivial bzw. inhaltlich nicht weiterführend!

Empfehlenswert und als "Weihnachtsgeschenk" möglicherweise interessant finde ich dieses Büchlein von Prof. Werner Ruf ( Sabine Schiffer und Werner Ruf kennen sich aus gemeinsamen Veranstaltungen zum Themenkomplea "Islam"):Der Islam – Schrecken des Abendlands. Rezension hier:http://diefreiheitsliebe.de/gesellschaft/der-islam-schrecken-des-abendla...

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Der Text von Said Rezek im MiGazin war mir bekannt, dass er ihn auch beim Freitag eingekippt hat, noch nicht.

Ob "Empörung" das richtige Wort ist, das sei mal dahin gestellt, würde ich eher von einer in der Deckung bleibenden, dennoch politisch korrekt vorgetragenen, derzeit systemfromm angesagten Ambivalenz sprechen. Schon der Anrisstext

"Xavier Naidoos Lied „Muslime tragen den neuen Judenstern“ hat eine Welle der Empörung ausgelöst."

ist (wohl bewußt) falsch gewählt, eher als Trigger für die entsprechende Klientel zu verstehen, hat es Rezek dann auch in seinem FC-Text so nicht wiederholt. Das Lied trägt einen ganz anderen Titel und auch die Intention ist viel weiter gefaßt, als diese eine Zeile, bei der dann die Antideutschen, die Ruhrbarone et al. natürlich reflexartig aufheulten; ob dieser Blasphemie ...

Andere Textfragmente wären ebenso zu diskutieren und genau Rezeks Verdrehung macht dann diese Zeile eher wahr:

"Nie mehr Krieg, nie mehr Krieg! Wenn wir das nicht sagen dürfen, dann läuft doch etwas schief"

Naidoo führt natürlich keinen akademischen Diskurs und (seine) Kunst im weitesten Sinne darf alles, sie darf nicht nur, sie muss sogar provozieren, wehtun, zum Reflektieren auffordern. Es sei denn -und damit hat man ja gerade hierzulande entsprechende Erfahrung- sie wird als "entartet" klassifiziert; und heute im Rahmen eines wieder auflebenden McCarthyismus von links auf den Index gestellt.

Allerdings, und das hebt Said Rezek aus blindem, systemisch korrektem Bashing dann doch etwas heraus, so hat er den Schuß wohl durchaus gehört. Ein softer Knall, welcher über dieses -wenn es denn hilft- auch als trivial zu bezeichnende Liedchen hinaus hallt; in Sachen eines bereits erfolgten, zukünftig möglicherweise noch relevanter werdenden (auch) akademischen Diskurses.

Genau da findet sich dann auch die Anschlußfähigkeit hier zum Blogtext, der Thematik des IMV.

Auf die Causa Wolfgang Benz weist Rezek hin, und wenn er ganz wissend, personifizierend anmerkt, dass auch bei Benz die Empörung dominiert, so wäre doch bitteschön gleich anschließend ein Link zu erwarten, auf einen Text unter dem Rezek die von ihm vermisste inhaltliche Auseinandersetzung führt. Meine Erinnerung -gern an anderer Stelle zu vertiefen- ist eher diejenige, dass inhaltlich beispielsweise Micha Brumlik für Wolfgang Benz Partei ergriff, diesen gegen die unterirdischen Anwürfe der Küntzels und Henis, der Broders, der üblichen Verdächtigen eben verteidigte.

Aber gut, dass wir auch darüber mal geredet haben ...

In Anlehnung an Wolfgang Benzs Vergleich von Antisemitismus und Islamophobie fragt sich auch Werner Ruf (das Buch habe ich Dir oben empfholen), "ob und inwieweit in der islamophoben Argumentation Stereotype vertreten sind, die schon im "klassischen" Antisemitismus vorgetragen wurden und - als tief sitzende Vorurteile- nun gegen Musliminnen und Muslime verwendent werden." (S. 74) Er ist wie Benz der Auffassung, dass weiterhin mit Stereotypen argumentiert wird, die aus der Vorurteils- und Antisemitismusforschung bekannt sind. Den Juden wird die "Übernahme der Weltherrschaft" unterstellt und im Falle der Muslime geht es bei der Feinbildkonstruktion um die "Islamisierung Europas". (S.75f.) Die Feindbilder der Judenprogromme des Mittelalters lassen grüßen- so die Überschrift eines Abschnitts in seinem sehr aktuellen Buch!

Übrigens auch in der FC wurde das Buch von Werner Ruf rezensiert- ohne Kommentare. Schade!
https://www.freitag.de/autoren/freiheitsliebender/der-islam-2013-schreck...

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für das Institut, schrieb Marie weiter oben.

Josef Schuster vom Zentralrat der Juden in Deutschland hatte es kürzlich beinahe noch zurückhaltend formuliert, stellt Springers WELT es jetzt in einen -vom Autor her- globaleren Zusammenhang; bereits in der Überschrift als sog. Tatsachenbehauptung. Das sind die Texte unserer Qualitätsmedien, welche eher subtil denn offen Islamophobie transportieren.

Ok, Jeffrey C. Herf ist (nach erstem, kurzen Check) offensichtlich einer der intellektuellen drüben, welche den Republikanern, den Neocons dort nahe stehen, die eher heute als morgen möglicherweise den Iran bombardieren wollten.

Aber auch der Übersetzer (Alan Posener) ist nicht uninteressant, eine schillernde Figur, welche im Sinne von

"Pack schlägt sich, Pack verträgt sich"

im Umfeld von Broder, anderer Neocons auch hierzulande anzusiedeln sind; es zumindest waren, zur Causa Wolfgang Benz auch schon mal ernsthaft, verbal kloppten; wie dieser bereits einige Jahre alte Text, dieses Interview via dem Freitag sehr schön zeigt:

"Die gemeinsamen Nenner sind klar: pro-israelisch, pro-amerikanisch, gegen den Islamofaschismus"

Noch Fragen ...?

wie ich schon kurz in der "privatausgebe" schrieb, erscheint mir die welt - im internetzeitalter - voll massiver und gravierender probleme, die ich jedoch nicht zu meinen machen will, denn was habe ICH mit dem antisemitismus der syrier zu tun??? - genauso wenig wie mit fast allen anderen problemen und krisen, welche aus meiner sicht nach dem "zusammenbruch" des ostblocks = eines (gescheiterten) sozialistischen versuchs ganz offensichtlich und real wurden, wie es dies in zeiten "des kalten krieges" in der ddr-schule gerlernt hatte. wenn ich mal den kampfbegriff des westens "kalter krieg" da rausnehme, so war es für mich AUFKLÄRUNG darüber, was sich hinter den schillernden schaufenstern und einer "von der deutschen bank gesponserten demokratie" (heiner müller) verbirgt und adorno´s weitsicht "der neue faschismus kommt in neuer gestalt (von demokratie) wieder" ...

paradoxerweise hat das IMV ähnliche ansätze der gesellschafts-(medien)kritik, wie ich selbst in der ddr, wo ich gegen eine zensur, für meinungs- und kunstfreiheit "gekämpft" habe, weil ich dies als eine allererste (psychologisch-gesunde und ökonomisch kostenlose) voraussetzung betrachte! >>> doch einerseits war die D-MARK (und die sich um sie rankenden Wohlstandshoffnungen) und andererseits die pervers verlogenen "friedensversprechen" (NATO-osterweiterung/gorbatschow) die größten irrtümer, denen die massen auf den leim gegangen sind ... und erst als sie daran festklebten, begann es bei ihnen zu dämmern ...

für mich war der "kalte krieg" im gegensatz zu dem "orkan der freien kräfte des wahnsinns" ein kinderlied - eine bedrohung aus dem osten sah ich niemals!!! >>> obwohl in prag/budapest und peking gruselige "maßnahmen der disziplinierung andersdenkender" mir schon ganz klar zeigten, dass die freiheit des wortes eine waffe ist, die sehr ernst genommen wird und auch mit brutaler gewalt beantwortet wird, wenn die " mächtigen waffenbesitzer" keine einsicht/argumente und lust haben, sich auf einen dialog mit unbequemer kritik und fragen einzulassen ...

dieses wird es jedoch IMMER geben >>> meinungsverschiedenheit, unterschiedliche werte und lebensprioritäten >>> die einzige frage ist nur: WIE!!! damit (von den mächtigen bzw. unzufriedenen und benachteiligten massen) umgegangen wird.

es ist wertvoll, welche arbeit genau dort das imv im medienbereich leistet - doch eine theoretische analyse spricht nur sehr wenige (fachleute) an ... die anderen sagen salopp "lügenpresse" dazu ... und kreieren als kontrast dazu ihre eigenen "wahrheiten" >>> wir leben in einer parallelgesellschaft ... nein in einer splittergruppen-meinungsgesellschaft, die zunehmend agressiver "argumentiert" und immer mehr an das ende ihrer konträren argumente kommt bzw. sich darum gar nicht mehr verbal kümmert, sondern "handelt" (viele kleine RAF-zellen??? und dazu ein staat mit unkontrollierten geheimdiensten in seiner tiefe???)

na, gute nacht, marie:-))) ... auf welcher hochzeit willst du morgen tanzen - ohne dass es dir die beine wegzieht?

>>> die musik spielt und trommelt von allen seiten >>> schwer dabei ruhe zu finden ... und keiner erwartet was von mir >>> genau das ist mein problem: ich kann ganz frei wählen, wieviel und welche "hochzeitstänze" ich besuche oder meide ... meine ersten tanzschritte habe ich in meiner kindheit in der ddr gelernt ... und schau mir jetzt die von meese, jebsen, krüger, rupp u.v.a. interessiert an und übe immer noch an meinen bescheidenen solo-auftritt ... "parteienpolitik" oder "antisemitismus/rassismus" wird er jedoch nicht zum inhalt haben ... eher alltagsgeschichte, wie von rio reiser

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Faschismus herrscht dort, wo die gruppenspezifische Zuweisung den "Feind" entmenschlichen kann?

Der freitäglich bekannte Emran Feroz berichtet über orwellsche Erfolge der kreativen Bennennungskünste:

"nicht die Meinungsfreiheit verteidigen wollten, sondern lediglich ihr „Recht auf die Religion der Schwachen zu spucken“."

Der gelungenen Titel dazu:

Zombie-Katholiken, Pseudolinke und Islamfeinde

Dieser Zombie-Katholik mit philosophischer Lizenz hat mich diese Tage "verängstigt"- sein christlich-abendländisches Verständnis von (christlicher) Ethik und Humanität: Der Herr heißt Roberst Spaemann (kein Unbekannter) und schwadroniert folgendes (im Zusammhang von "moralischer" Pflicht zur Flüchtlingshilfe und ihre "natürlichen" Grenzen).

Zitat: "Es gibt verschiedene Grade der Nähe und hier hat Augustinus den entscheidenden Begriff geprägt: ordo amoris, also eine Rangordnung der Liebe. Wo unserer Hilfe Grenzen gesetzt sind, da ist es auch gerechtfertigt auszuwählen, also zum Beispiel Landsleute, Freunde oder auch Glaubensgenossen zu bevorzugen. Johannes schreibt in einem Brief: Tut Gutes allen. Besonders aber den Glaubensgenossen."

Spaemann weiter: "Glaubensgenossen zu bevorzugen. Das ist ja auch in einigen Ländern gängige Praxis. Kultureller Pluralismus kann eine historisch begründete Gegebenheit sein, aber wir sollten ihn nicht zu einem Ziel hochjubeln. Er vergrößert das Konfliktpotential."

Mit ordo amoris Argumenten auf die "Religion" der Schwachen gespuckt. Hier das vollständige Interview mit diesem christlich-talibanischen Philosophen:
http://www.fr-online.de/kultur/gespraech-mit-robert-spaemann--religionen...