22 Nov 2015

Houellebecq über Frankreich

Submitted by hadie

Da die Qualitätspresse es nicht für nötig erachtet, den Artikel von Michel Houellebecq: How France’s Leaders Failed Its People (am 19.11.2015 in der NYT) zu übersetzen, habe ich selbst zum Wörterbuch gegriffen.
 

Wie Frankreichs Führungspersonal am Volk vorbei regiert

von Michel Houellebecq  

New York Times am 19.11.2015

In der Zeit nach den Januar-Attacken in Paris verfolgte ich zwei Tage lang gebannt die Nachrichten. In der Zeit nach den Angriffen vom 13. November schaute ich kaum Fernsehen; Ich rief Leute in den betroffenen Stadtteilen an, die ich kannte (das sind nicht wenige). Man gewöhnt sich an Terroranschläge.

Im Jahr 1986 gab es eine Reihe von Bombenanschlägen auf verschiedene öffentliche Plätze in Paris. Ich denke, dass die Hisbollah hinter diesen Angriffen steckte. Das dauerte ein paar Tage, vielleicht eine Woche, die Einzelheiten habe ich vergessen. Aber ich erinnere mich sehr gut die Atmosphäre in der U-Bahn in der ersten Woche danach. An die völlige Stille in den Waggons, die Leute tauschten argwöhnische Blicke aus. Das war in der ersten Woche. Und dann, früh genug, wurden die Gespräche wieder aufgenommen, normalisierte sich die Stimmung. Die Furcht vor weiteren bevorstehenden Explosionen war immer noch in aller Munde, war aber in den Hintergrund getreten. Man gewöhnt sich an Terroranschläge.

Frankreich lebt weiter. Die Franzosen fangen sich wieder und brauchen dazu nicht einmal einen "sursaut national", einen Reflex nationalen Zurückschlagens. Sie fangen sich wieder ein, weil es keinen anderen Weg gibt und weil man sich an alles gewöhnt. Keine menschliche Kraft, nicht einmal die Angst, ist stärker als die Gewohnheit. "Ruhe behalten und weitermachen." Nun gut, das ist genau das, was wir tun (obwohl es leider keinen Churchill gibt, der uns führt). Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung sind die Franzosen gefügig und leicht zu regieren. Aber sie sind auch keine kompletten Idioten. Stattdessen ist ihr Hauptfehler eine Art vergessliche Frivolität, die es erforderlich macht, ihr Gedächtnis von Zeit zu Zeit aufzufrischen. Es gibt Menschen, politische Menschen, die für die unglückliche Situation verantwortlich sind, in der wir uns heute befinden. Und früher oder später wird ihre Verantwortlichkeit untersucht werden müssen.

Es ist unwahrscheinlich, dass der unbedeutende Opportunist, der unser Staatsoberhaupt ist oder der geborene Schwachkopf, der unseren Ministerpräsidenten spielt, oder gar die "Stars der Opposition" (LOL) aus dieser Prüfung klüger hervorgehen werden. Wer genau dünnte die Kapazitäten der Polizei so weit aus, bis sie völlig geschwächt und fast unfähig waren, ihre Aufgaben zu erfüllen? Wer genau hat uns seit Jahren die Vorstellung eingetrichtert, dass Grenzen eine veraltete Absurdität seien und Beweise für einen widerlichen und ranzigen Nationalismus? Die Schuld ist, wie man sieht, breit verteilt. Welche politischen Führer zwangen Frankreich zu lächerlichen und kostspieligen Operationen, deren Hauptergebnis es war, den Irak und dann Libyen ins Chaos zu stürzen? Und welche politischen Führer waren bis vor kurzem bereit, das gleiche in Syrien zu tun?

(Ich vergaß: Wir gingen nicht in den Irak, wenigstens nicht beim zweiten Mal, aber wir waren kurz davor. Dominique de Villepin, damals Außenminister, wird wohl aus diesem Grund in die Geschichte eingehen: weil er verhinderte, dass Frankreich sich an einer kriminellen und dummen Operation beteiligte, wohl das einzige Mal in seiner jüngeren Geschichte).

Die Schlussfolgerung ist leider so offensichtlich wie vernichtend. 10 (20? 30?) Jahre lang sind unsere aufeinander folgenden Regierungen lächerlich, systematisch und kläglich an ihrer Kernaufgabe gescheitert: die Bevölkerung in ihrem Zuständigkeitsbereich zu schützen.

Für die Bevölkerung haben sie gar nicht völlig versagt. Es ist im Grunde unklar, was genau die Bevölkerung denkt, denn unsere aufeinanderfolgenden Regierungen haben keine große Sorgfalt darauf verwendet, das Volk zu befragen (außer im Jahr 2005 beim Referendum über die europäische Verfassung, dessen Ergebnis sie dann zu ignorieren geruhten).

Aber Meinungsumfragen sind erlaubt, und soweit sie zutreffen, zeigen sie mehr oder weniger, dass die französische Bevölkerung sich ihr Vertrauen in und die Solidarität mit der Polizei und den Streitkräften bewahrt hat. Dass sie weitgehend von den Moralpredigten der sogenannten moralischen Linken abgestoßen werden, darüber, wie Migranten und Flüchtlinge zu behandeln seien. Dass sie die Bereitschaft zu militärischen Auslandsabenteuern ihrer Regierungen immer mit Argwohn gesehen haben.

Man könnte viele weitere Beispiele für den Abgrund aufführen, der sich zwischen der Bevölkerung und ihren Volksvertretern auftut. Das Misstrauen gegenüber allen politischen Parteien ist nicht nur riesig; es ist auch legitim. Und mir scheint, dass nur noch eine einzige Lösung zur Verfügung steht: uns sanft auf die einzige Form wirklicher Demokratie zu zu bewegen: Ich meine die direkte Demokratie.

Kommentare

Bild des Benutzers fahrwax

Danke Hadie.

Aber die Peilung Houllecbecg's ist ein wenig widersprüchlich:

"......dass die französische Bevölkerung sich ihr Vertrauen in und die Solidarität mit der Polizei und den Streitkräften bewahrt hat."

Solidarität mit der bediensteten Büttelei, statt mit den Opfern der angeblich regierenden Clowns?

Hochgradig staatstragend, also deppert.

aus deiner - (west)deutschen sicht kann ich das gut verstehen.

ich hatte jedoch immer schon die "ahnung", wenn sich die "väter, söhne und nachbarn unter staatsflagge/waffen" für die menschen und ihre EIGENTLICHE aufgabe entscheiden ... also nicht zum feind der menschen "gemacht" werden ... dann!!!!

wie dies in frankreich ist, weiß ich zu wenig ... aber ich weiß, dass es auch anders geht ... besser geht!!!! und eine riesenchance ist, in ihnen (auch!!!) menschen zu sehen, die, wie ich gehört habe, massenhaft tiefe gewissenkonflikte in sich tragen (zwischen job=lebensgrundlage für familie und befehlen ausführen).

aber jaja, du hast recht! auch wenn ich mich persönlich verweigern würde, weiß ich, dass es viele menschen gibt, die dies nicht tun würden ... doch wäre dies kein guter grund, zwischen ihnen mir den abgrund sooo tief zu ziehen ... gespräche über gemeinsamkeiten im gleichen boot finde ich da sinnvoller

also danke :-)))

nur kurz dazu: wo ist die "sammlung" der klugen und freien stimmen?????

ich mochte ja die mangelwirtschaft der ddr immer mehr, nachdem ich die überflußgesellschaft der "freiheit" kennengelernt hatte. die müllhalden der verblödung und verdummung und verwirrung hatte ich in diesem ausmaße dann doch nicht erwartet ... die stecknadelsuche im heuhaufen habe ich immer noch nicht wirklich gut für mich organisiert, obwohl ich dafür vielviel zeit investiere

also danke für deine stecknadel :-)

Bild des Benutzers hadie

wo ist die "sammlung" der klugen und freien stimmen?

Wie wäre es denn mit dieser hier? George Soros: National Borders Are The Enemy. In seinen Emails rund um die Orban-Äußerungen erklärt der Spekulant ziemlich unverblümt, dass er die europäischen Nationalstaaten durch den Mixer schicken will. Die Flüchtlinge sind dabei für ihn nur Mittel zum Zweck. Die Fluchtursachen sind oftmals erst durch aktive Eingriffe von NGOs wie der Open Society Foundations entstanden. Die inhaltlichen Schnittmengen zwischen Soros Forderungen und Merkels Politik sind offensichtlich: Zuchtmeisterlicher Druck auf Abweichler unter den EU-Staaten, ständige Umerziehung für die Wohnbevölkerungen und weitere Destabilisierung der Krisenregionen.

Nicht zuletzt soll sich die EU massiv weiter verschulden, um mit gut gesicherten Eurobonds spekulativen Kapitalanlegern neue Profitquellen zu bieten:

The EU should provide €15,000 ($16,800) per asylum-seeker for each of the first two years to help cover housing, health care, and education costs – and to make accepting refugees more appealing to member states. It can raise these funds by issuing long-term bonds using its largely untapped AAA borrowing capacity. (George Soros in Rebuilding the Asylum System)

was in diesem zusamenhang die frage nach soros soll.

was hat houellebecq denn mit ihm zu tun?

Bild des Benutzers hadie

wo ist die "sammlung" der klugen und freien stimmen?

Hier könnte sie entstehen. Klug ist Soros zweifellos und auch frei (von Skrupeln).

hmm ... skrupellos, manisch-fixiert, sadistisch, größenwahnsinnig, empathiefrei ... >>> gewissenlos

hatte ich nicht erwähnt, weil es für mich wohl selbstverständlich ist ... und ich nicht moralisieren wollte, aber wohl "dumm" genug bin, die eiskalte grausamkeit von NUR verstand nicht als "klug" beim schreiben auch nur gedacht zu haben und es nicht EXTRA erwähnt habe

sorry, habe mich unexakt ausgedrückt ...

natürlich hast du recht ... und "danke" für deinen hinweis, sonst hätte es noch weitere mißverständnisse gegeben und du würdest mir weitere - deiner meinung nach kluge menschen vorschlagen, welche von mir niemals gemeint waren ... selbst wenn es wohl "emotionale intelligenz" gar nicht gibt ... oder doch???

okay ... was sagt uns trotzki heute??? wäre ja auch eine variante ... hierzu ein text von 1969!!!!

"Trotzkis Faschismustheorie ist jedoch nicht nur ein unerbittliches Anklagedokument im Rahmen der Vergangenheit. Auf die Gegenwart und Zukunft schauend ist sie eine Warnung vor neuen theoretischen Fehlern und vor neuen Gefahren.

Das Spezifische des Faschismus kann nur im Rahmen des imperialistischen Monopolkapitalismus erfaßt werden. Es ist absurd, irgendwelche autoritären Bewegungen in halbkolonialen Ländern »faschistisch« zu nennen, nur weil sie einem Führer Gefolgschaft schwören oder ihre Anhänger in eine Uniform stecken. Ist in einem Land der wichtigste Teil des Kapitals in ausländischem Besitz, und ist das Geschick der Nation durch diese Herrschaft des ausländischen Imperialismus bestimmt, so kann keine Rede davon sein, eine Bewegung der nationalen Bourgeoisie, die sich von dieser Beherrschung im eigenen Interesse zu befreien sucht, faschistisch zu nennen. Sie kann mit dem Faschismus einige oberflächliche Merkmale gemeinsam haben: den extremen Nationalismus, den Führerkult, manchmal sogar auch den Antisemitismus. Wie der Faschismus mag sie ihre Massenbasis im deklassierten und verarmten Kleinbürgertum finden. Aber der entscheidende sozial- und wirtschaftspolitische Unterschied zum Faschismus tritt sofort zutage, wenn man ihre Haltung gegenüber den beiden entscheidenden Klassen der modernen Gesellschaft untersucht: dem Großkapital und der Arbeiterklasse.

Der Faschismus konsolidiert die Herrschaft des ersteren und verschafft ihm wirtschaftlich höchste Gewinne; er atomisiert die Arbeiterklasse und zerschlägt ihre Organisationen. Dagegen werden die fälschlich als faschistisch verketzerten nationalistischen Bewegungen der nationalen Bourgeoisie halbkolonialer Länder dem - vorwiegend ausländischen - Großkapital manch ernste und dauerhafte Schläge zufügen und der Arbeiterschaft neue Organisationsmöglichkeiten schaffen. Das beste Beispiel dafür ist die peronistische Bewegung Argentiniens, die, weit davon entfernt, die Arbeiterklasse zu atomisieren, zum ersten Mal allgemeine Massengewerkschaften der Fabrikarbeiterschaft zum Durchbruch kommen ließ, die bis zum heutigen Tage das Geschick des Landes bedeutend beeinflußt haben.

Die Keime dieses potentiellen neuen Faschismus liegen in den in mehreren imperialistischen Ländern bewußt erzeugten Bazillenherden der fremdenfeindlichen und rassistischen Mentalität (gegen die Schwarzen, gegen die Farbigen, gegen die Gastarbeiter, gegen die Araber, usw.), in der wachsenden Gleichgültigkeit gegenüber politischen Morden in einem Land wie den USA(57), in den irrationalen Ressentiments gegen eine tendenziell immer stärker zutage tretende »ungünstige Entwicklung« der Weltpolitik, in einem nicht weniger irrationalen Haß gegen radikale, nonkonforme Minderheiten (»Man müßte Euch alle vergasen« wurde SDS-Demonstranten viele Male in der Bundesrepublik und Westberlin zugerufen, »Ihr gehört ins KZ« ist ein übliches Schimpfwort »ordnungsliebender Bürger« gegenüber radikalen Demonstranten in der Bundesrepublik und in den USA). Es ist eine tragische Verblendung, daß sich ein sonst kluger, liberaler Hochschullehrer wie Jürgen Habermas zur Verwendung des Schlagworts »Linksfaschismus« gegen die radikalen Studenten, d.h. gegen die ersten potentiellen Opfer eines späteren faschistischen Terrors hinreißen läßt, wo doch gestern wie heute der wirkliche Nährboden des Faschismus nicht bei nonkonformistischen Minderheiten sondern bei den »Anständig, anständig, Ehre, Treue« stotternden, gegen diese Studenten aufgebrachten Spießern zu suchen ist. "

http://www.ernestmandel.org/de/textes/txt/theorien_uber_den_faschismus.htm

http://www.zeit.de/2002/28/200228_sm-intelligenzen.xml

https://www.youtube.com/watch?v=v3qpqT1Gwok

Bild des Benutzers hadie

Wenn in diesem Zusammenhang trotzkistische Elemente auftauchen, hat das auch mit Personenkult zu tun. Trotzki als "Liebling der Partei" hatte den "Schönheitswettbewerb" gegen Stalin verloren usw.

Mandel vermengte die alten trotzkistischen Thesen dann für den Gebrauch der 68er Generation. Heute wird das Ganze noch einmal aufgewärmt, was wohl mit dem Personenkult um die synthetische Persönlichkeit des Flüchtlings zusammenhängt.

Das Problem ist nur, dass wir nicht mehr im Jahr 1969 leben. Nach 35 Jahren Thatcherismus und Reaganomics kann man nicht mehr von der Arbeiterklasse ausgehen, die es schon richten wird.

Bild des Benutzers fahrwax

Wo Angst herrscht und die Skrupellosigkeit regiert, mangelt es nicht an kuscheligen Aufenthaltsorten für die Soros-Banden.

"Es ist wahrhaft ein asymmetrischer Krieg - und eine asymmetrische Panik -, die hier auch von Politik und Medien inszeniert wird und der terroristischen Strategie voll und ganz gehorcht. Zwei mögliche Terroristen, die möglicherweise Anschläge vorhaben, sollen mit Tausenden von schwer bewaffneten Polizisten und Soldaten in Zaum gehalten werden. Es fehlt nur noch, dass Panzer auffahren. Mit minimalem Einsatz wird eine maximale Wirkung erzielt - und mit den Medien wird nicht nur in Brüssel und Belgien, sondern in ganz Europa und letztlich weltweit Angst verbreitet."

Die Symetrie ergibt sich, ebenso wie die Asymetrie immer aus dem persönlichen Blickwinkel. Darüber, dass auch die Blickwinkel alles andere als gleichberechtigt nebeneinander stehen, dürfte Einigkeit bestehen. Solange die Clowns der Banden herrschen (die mit dem bevorrechtigten Blickwinkel), dürfte sich das nicht ändern.

es scheint wohl als "erwiesen", dass soros eine art "reiseführer für flüchtlinge" mit karten und tips in arabischer sprache "herausgegeben" und verteilen lies (über schlepper??). jedenfalls wurde davon ein exemplar gefunden - was ja auch NICHT WIRKLICH heißt, dass es echt ist und diese geschichte so stimmt.

hab dazu nix weiter gefunden, deshalb findet die "spekulation" darüber NUR in meinem kopf statt.

Bild des Benutzers ebertus

kommen in den Garten; und die Guten müssen jetzt ganz tapfer sein.

Versuche mal, den Bezug zu Deutschland, den aktuell ablaufenden Ereignissen, eher Statements zu schlagen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland übt den Schulterschluß mit der CSU; hier in Sachen Obergrenzen für Flüchtlinge, versteht sich. Und was dieser Zentralrat fordert, zumindest implizit anmahnt, das hat Relevanz; wie wie aus der Beschneidungsdebatte wissen - mündet umgehend in die entsprechenden gesetzgeberischen Aktivitäten und Klarstellungen.

Interessant -und nochmal der Schwenk zur Beschneidungsdebatte- könnte die Frage werden, ob es eine ethnische, religiöse oder nationale (sichere Herkunft wie die aus Afghanistan...) Lex zu den Obergrenzen geben wird.

Bild des Benutzers ebertus

ob ich das  Thema des ZR in einem separaten Blog verarbeiten sollte.

Aber es geht in der Szene schon hoch her; und die taz traut sich was ... Ist doch Deniz Yücel nicht mehr an Bord, kann man auch zu diesem sensiblen Thema dann etwas kritischer sein.

"Rassismus im Zentralrat der Juden", ganz ohne relativierendes Fragezeichen. Glücklicherweise scheint der Autor des Beitrages, die dahinter stehenden Aktivisten (auch) jüdische Wurzeln zu haben, sind also nicht so leicht mit der Antisemitismuskeule zu bedrohen. Habe mir schon mal die Adresse für weitere, separate Recherche gespeichert, kamen mir die dort thematisierten "Schatten des Regenbogens" nebst einem der erwähnten Autoren (von dem, zu dessen Thema ich ein Buch besitze) schon mal in einem anderen Zusammenhang unter.

Zum Thema selbst ist es natürlich schon ein starkes Stück, wenn sich gerade der ZR, der offizielle Vertreter aller Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland, für eine noch nicht näher definierte Form von Selektion ausspricht; wo doch bereits diese Begrifflichkeit hierzulande auf dem Index steht.

Wie es sich dann praktisch entwickelt, das kann man hier sehen.

 

Da werden vorgestanzte Konflikte immer wieder aufgerührt, im Grunde soll das "Pack" die Sortierarbeit selbst leisten, wer gut und wer "doppelplusungut" ist.

spontan fallen mir - nach naidoo ... noch augstein und jebsen ein ... doch es gibt wohl noch jede menge mehr, gegen welche dieser rassismus-vorwurf zur (öffentlichen) diffamierung in verbogener und ekelhafter weise eingesetzt wurde, welche jedoch keinem einzigen juristischen "erfolg" für deren verwendung bescheinigt wurde - sondern im gegenteil: ein verbot + strafe für diese diskreditierung der persönlichkeitsrechte >>> und das völlig zu recht.

und doch hört es wohl nicht auf - hat sich in den hirne und den sprachgebrauch der hetzer eingeschliffen ...

nun fange auch ich mal an, mich mit diesem thema zu beschäftigen, obwohl es mich in seiner absurdität nie wirklich interessiert hat, denn wer meinem familiennamen kennt, ahnt vielleicht, dass sich dahinter eine sehr bunte ahnentafel verbirgt - daher für mich+sozilales multikurell-buntes umfeld - die er-+gelebte absurdität dieser begriffsverwendung.

also, aus meiner "ahnungslosgkeit" heraus, fange ich mal ganz von vorne an - hier öffentlich:

1.

" Von 1933 an hat das NS-Propagandaministerium der Presse angeordnet, vom Gebrauch des Wortes «Antisemitismus» Abstand zu nehmen: «In letzter Zeit taucht immer wieder der Begriff „Antisemitismus“ auf. Da durch diese Bezeichnung die Beziehungen zu den nichtjüdischen Semiten, namentlich der für uns besonders wichtigen panarabischen Welt gestört werden, muss die Presse in Zukunft genau darauf achten, dass die Worte „Antisemitismus“, „antisemitisch“ durch Ausdrücke wie „Judengegnerschaft“, „Judenfeindschaft“ und „Antijudaismus“ bzw. „judenfeindlich“ und „antijüdisch“ ersetzt werden.» Diese Mahnung wurde in regelmässigen Abständen an die Presse gegeben. Die Öffentlichkeit hat den Begriff «Antisemitismus» offenbar genau so verstanden, wie er gemeint war: als «Judenfeindschaft».
Auch heute wird manchmal der Einwand laut, Antisemiten würden sich auch gegen Araber wenden oder diese könnten keine Antisemiten sein, weil sie selber zu den Semiten gehörten. Die Wortschöpfung Antisemitismus und die damit verbundene Ideologie hat sich jedoch immer konkret gegen Juden und Jüdinnen gerichtet."

http://www.gra.ch/lang-de/gra-glossar/131

2.

" Der Begriff "arisch" bzw. "Arier" stammt ursprünglich aus der Sprachwissenschaft. Als Arier wurden Menschen aus dem indo-iranischen Sprachgebiet bezeichnet, d.h. Menschen, die im Gebiet des heutigen Irans im Nordwesten Indiens siedelten. Die Sprache, die dort gesprochen wurde, war Teil der indogermanischen Sprachfamilie, zu der auch die deutsche Sprache zählt. "

http://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/zeitklicks/zeit/politik/beg...

zu 1.)

" Das Wort Antisemitismus leitet sich zwar von den Semiten ab bezeichnet aber nur eine feindselige Haltung gegenüber Juden und nicht gegen andere semitische Volksguppen. Außerdem basiert Antisemitismus nicht auf sprachlichen sondern auf religiösen und rassistischen Vorurteilen."

http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Semiten.html

>>> verstehe ... also nix!!! als vorurteile!!! >>> und als "begründung" der vorurteile weitere vorurteile bzw. deren berufen darauf >>> irrenhaus!!! aber gefährlich, wenn die irren IMMER NOCH!! die öffentliche meinung bestimmen ...

>>> und was ist wenn juden oder menschen mit jüdischen "wurzel-fasern" (von z.b. "nichtjuden") als antisemiten bezeichnet werden ???? >>> ein fall für broder oder sarrazin??? (biite wieder streichen!!! nehme die frage zurück, denn ein teil der antworten könnte sie verunsichern, obwohl ich erst mal um ihren vertrauensvorschuß hier werben möchte;)

zu 2.)

" Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde dieser Begriff des Ariers verfremdet bzw. abgewandelt und auf die weiße oder auch nordische Rasse übertragen. Eigentlich komisch, denn ein Inder oder auch Iraner ist ja alles andere als unbedingt nordisch.

Die " Wissenschaftler" , die den Begriff umdeuteten, waren der französische Historiker Joseph Arthur de Gobineau (1816-1882) und der Brite Stewart Chamberlain (1855-1927). Letzterer war der Schwiegersohn des berühmten Komponisten Richard Wagner. Gobineau und Chamberlain gelten noch heute als die Begründer der so genannten Rassenlehre.

So hat Gobineau in seinen Schriften Menschen in "höhere" und in "niedere" Rassen eingeteilt. Er ging das davon aus, dass die "arische weiße Rasse" allen anderen Rassen überlegen sei. Die niederen Rassen hatten sich der weißen Rasse unterzuordnen. Nur die weiße Rasse war Träger der Kultur. Keinesfalls sollten sich die Rassen mischen, denn dadurch wäre ja die Überlegenheit der "weißen arischen Rasse" verloren.
"Kampf der niederen mit den höheren Rassen"

So jedenfalls dachte Gobineau schon im 19. Jahrhundert und fand auch viele Anhänger, die ihm das, was er sich erdacht hat, glaubten.

Die Nationalsozialisten haben diese Gedanken dann aufgenommen und nutzten ihn, um unter anderen die Juden auszugrenzen. "Arier" waren keine Juden. Eine "arische" - also nichtjüdische - Abstammung musste nachgewiesen werden, erst dann erhielt man den "Ariernachweis". "

http://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/zeitklicks/zeit/politik/beg...

>>> hmm, die kommunisten hat man dann mit ANDEREN "argumentationen" in die gleichen lager geschickt ... sinti und roma auch

" Dasselbe Muster wendet Annetta Kahane auch auf das Thema "Israelkritik" an. Sie schiebt vor, dass es selbstverständlich gerechtfertigte Kritik an Israel geben dürfe, um dann ein übergroßes "aber" folgen zu lassen:

Je leidenschaftlicher eine Diskussion
über Israel jeden Antisemitismus darin bestreitet, desto präsenter ist er.

Argumentiert so sachlich wie Ihr wollt, Ihr wollt Euch doch nur damit verstecken, sagt die Autorin damit."

https://www.freitag.de/autoren/schlesinger/der-manichaeismus-der-annetta...

" Anetta Kahane: Um es gleich mal krass zu sagen: Wenn Öko von Nazis gemacht wird, hat das für mich keinen Wert. Ich kann mit einem sauberen Bach nichts anfangen, wenn ich mit meinen Freunden, Menschen, die im Visier von Rechten und Rechtsradikalen sind, nicht am selben sitzen kann. Für mich hat eine Ökologie, die sich nicht gleichzeitig um gesellschaftliche Offenheit und Vielfalt bemüht, keinen Wert. Lieber würde ich in einem verdreckten Land wohnen, wo die Leute nett zueinander sind. "

http://www.taz.de/!5097180/

>>> naja, in der ddr wollte sie ja auch nicht leben - für deren staatssicherheit jedoch schon (erfolgreich!!) arbeiten ... als dies nach der biermann-ausbürgerung dann gar nicht mehr "chic" war, verlegte sie ihren wohnsitz in den westen - um nach dem mauerfall festzustellen, wie "weiß doch der osten deutschlands" ist ... hmmm ... treuhand und co. hat sie nie thematisiert ... die alt-nazi´s im westen auch nicht ... aber den "weißen osten" ...

" Ich war nicht gemacht für diesen Staat. Ich war in meinen Gedanken zu unordentlich, zu wenig festgelegt, zu sehr in Brüchen. Das haben die Leute gemerkt, das war in der Schule, an der Uni, bei der Arbeit zu spüren. Ich galt immer als unzuverlässig. Meine Eltern haben aber erwartet, dass ich zuverlässig bin und etwas Nützliches für die DDR tue. Als die Situation so war, dass meine Freundin sich in den Westen abgesetzt hatte und die mich unter Druck setzten, da dachte ich: Vielleicht ist es das. Vielleicht kann ich so, etwas für die DDR tun. "

http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2004/08/30/a0252

>>> und nun auch noch noch den gar nicht weißen und nicht ddr-ex naidoo ... hmmm

cut: zum großen glück gibt es noch keine rassengesetze - sondern "NUR" neue asylgesetze. doch wieso darf man stop-ttip-demonstranten schon so öffentlich diffamieren:

„In der Allianz der TTIP-Gegner schreiten Gewerkschaften und Umweltverbände Seite an Seite mit Nationalisten vom rechten Rand. Ein paar ganz Braune sind auch dabei: Pegida-Chef Lutz Bachmann hat seine Anhänger in Dresden aufgerufen, sich an den Protesten zu beteiligen, die NPD ist dabei, der französische Front National, die bulgarischen Ultranationalisten.“ Der Vorwurf Proteste würden eigentlich von Rechten getragen ist kein neuer, wenn es darum geht Bewegungen zu schwächen oder ihnen ihre Legitimität abzusprechen. So unbegründet wie bei TTIP war der Vorwurf selten.

Noch absurder der Vorwurf: „Bei den TTIP-Protesten sind die Rechten nicht Mitläufer, sondern heimliche Anführer. Die Geisteshaltung vieler Anti-TTIP-Aktivisten ist im Kern eine dumpf nationalistische. Offene Grenzen sind ihnen einen Gräuel, ob es nun um Menschen oder um Handelsbeziehungen geht.“ Kein Redner kam aus dem rechten Spektrum, keine rechte Organisation hatte einen Stand oder zählte zu den offiziellen Unterstützerorganisationen, kein Banner oder Fahne einer rechten Partei war zu sehen.

„Die Geisteshaltung vieler Anti-TTIP-Aktivisten ist im Kern eine dumpf nationalistische“ ist ein weiterer Vorwurf Neubauers, der durch nichts bestätigt, sondern von ihm einfach in den Raum gestellt wird. Die Reden, Plakate und die Teilnehmerliste zeigten aber, dass die Behauptung jeglicher Wahrheit entbehrt. Am abstrusesten dürfte die Behauptung sein: „Die Kampagne gegen den Freihandel ist wie auf dem braunen Mist gewachsen.“

http://diefreiheitsliebe.de/politik/die-querfrontluege-oder-die-spiegelh...

ab minute 20:00 wird es wieder aktuell ... also "rassistische terrorgefahr" ...

vor der ich immer noch keine angst habe, da:

In der Todesursachenstatistik des Jahres 2013 werden 21.930 Unfalltote ausgewiesen. Das heißt, etwa 0,03 % der gesamten Wohnbevölkerung erlitten 2013 einen tödlichen Unfall. Aus den vorliegenden Statistiken ist klar, dass es

932 Todesopfer durch Arbeitsunfälle gegeben hat, wovon 440 auf den Bereich Verkehr entfielen.
43 Todesopfer durch Schulunfälle gegeben hat, wovon 36 auf den Bereich Verkehr entfielen.
insgesamt 3.542 Todesopfer durch Verkehrsunfälle (inkl. Arbeit und Schule) gegeben hat, und es
8.675 Todesopfer durch Unfälle im Hausbereich gegeben hat.

Daraus lässt sich ableiten, dass 9.214 Unfalltote bei anderen Aktivitäten - vornehmlich in der Freizeit - umgekommen sind."

http://www.baua.de/de/Informationen-fuer-die-Praxis/Statistiken/Unfaelle...

nun hier noch so ein angstfreier mensch aus deutschland:

https://www.youtube.com/watch?v=A7Oz4aO6nvA

Bild des Benutzers fahrwax

.... zieht eigentümliche Lehren aus dem ureigenen Erleben: selbst 'an der Rampe' sind eben längst nicht alle gleich.

Sicherlich muss Mensch jedoch bei den 'Gleicheren' ( wie gewöhnlich ) den Funktionärsfaktor subtrahieren.

Auch in den Nazisghettos waren so manche, für die Nazis brauchbaren, Hilfstruppen vom 'Judenrat' schlicht die privilegierten 'Gleicheren' in der Sterbefolge.

Da bleibt nur das Kotzen eben...., angesichts dieser Form von mitfühlen.

Michel Houellebecq spricht über seinen Roman "Unterwerfung" und die Situation in Frankreich nach den Anschlägen auf "Charlie Hebdo" in Paris. Houellebecqs einziges TV-Interview in Deutschland zu diesem Thema.

"Warum gibt es in Deutschland keine Intellektuellen vom Format Houellebecqs?" nun das mag etwas mit Traditionen und Geschichte zu tun haben, aber dass es Denkverbote in Deutschland gebe ist ein alter und immer falscher Hut, der übrigens jeden Tag in jedem Medium widerlegt wird. Neben bei: Vielleicht liegt es auch daran, das H. sich explizit nicht als Intellektuellen betrachtet.

https://www.youtube.com/watch?v=pebFR_bmqdY