17 Nov 2015

Ausbeuterische Mikrojob-Vermittlungen

Submitted by hadie

"Die partizipative Wirtschaft, ein komplexes Ökosystem aus Dienstleistungen auf Abruf und der über Online-Tauschplattformen laufenden vorübergehenden Nutzung von Gütern. entwickelt sich rasant weiter. Sie beschert den Verbrauchern mehr Auswahl und niedrigere Preise und bringt Wachstumschancen für innovative Start-ups und etablierte europäische Unternehmen, und zwar sowohl im Inland als auch im Ausland. Die partizipative Wirtschaft schafft zudem neue Stellen und bringt für die Beschäftigten mehr Flexibilität, wobei die Palette von unqualifizierten Mikrojobs bis zur Tätigkeit als Teilzeitunternehmer reicht. Ressourcen können effizienter genutzt werden, was wiederum zu mehr Produktivität und Nachhaltigkeit führt."


MITTEILUNG DER KOMMISSION AN EUROPAPARLAMENT, RAT, EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND AUSSCHUSS DER REGIONEN

Dies schreibt die EU-Kommission in einem aktuellen Papier (28.10.2015) und hält das Beschriebene für Nachhaltigkeit und einen Innovationsschub. Den Versuch einer Kritik der sich lawinen(!)-artig entwickelnden Mikrojob-Branche wagt Netzpolitik.org in
Digitale Arbeitsvermittlungsplattformen: Der Versuch einer strukturellen Bewertung.

Was da euphemistisch unter dem Schlagwort Partizipative Wirtschaft gefeiert wird, entpuppt sich beim näheren Hinsehen als schnöde Arbeitsvermittlungs-Plattformen, die ihre Arbeitnehmer extrem benachteiligen. Eigentümer sind fast ausschließlich Großbanken (wie KfW) und milliardenschwere Kapitalgesellschaften von Großanlegern (wie Holtzbrinck). Dass es sich bei den erbrachten Leistungen um klassische Arbeit handelt, wird konsequent geleugnet. Die Arbeitnehmer werden zu intensivierter Konkurrenz untereinander gezwungen, etwa durch „Versteigerungen“ ihrer Arbeitsleistung, oder als Mikrounternehmer, denen auch gerne mal eine hauseigene Krankenversicherung aufgenötigt wird.
AppDas heißt dann Crowdwork, Portfolio Work oder Casual Work und soll ganz einfach, schnell, flexibel und gesellschaftspolitisch wünschenswert sein. Der Mikro-Paketdienst CheckRobin etwa verspricht CO2-Einsparungen, Umwelt- und Ressourcenschonung, nicht zuletzt die "Bekämpfung von Schwarzarbeit".

Dabei ist das ganze Geschäftsmodell organisierte Schwarzarbeit und Vernichtung regulärer Arbeitsplätze, organisiert von EU und Großkapital. Begriffe wie Mindestlohn, Zuschläge für Nacht- oder Feiertagsarbeit, Überstundenzuschläge, Sozialversicherung, Arbeitslosengeld und Urlaubsgeld sind in diesen Beschäftigungsformen Fremdwörter.

"Hier beginnen historische Kämpfe im digitalen Zeitalter von Neuem", schreibt Netzpolitik.org
Und wir können sagen, wir sind dabeigewesen ...

Siehe auch: 

Kommentare

Bild des Benutzers fahrwax

Oder auch schlichter: Etikettenschwindel mit hoher krimineller Energie.

Die trittbrettfahrenden Gewerbetreibenden dieser "Innovation" haben das kapitalistische Grundmuster in die persönlichen Gene tätowiert: durch Beschiß zügig reich werden.

Gruß, Werner

Bild des Benutzers Heinz

Als Westerwelle noch Muckefuckkanzler war, hatte er in einem strengen Winter vorgeschlagen:

Man kann doch die Hartz4ler zum Schnee schippen einsetzen.

Das ist sogar praktisch, weil Schnee nun wirklich nicht viel und nicht immer fällt, aber jeder Gehsteig bei Schneefall bis 9:00 Uhr geräut sein muß; da können die Hartz4ler dann im Quadrat hüpfen, um das auch zu schaffen - vor alle müssen die dann auch mal früh aufstehen.

Bild des Benutzers hadie

Formal sind es Minijobs, wenn uneingewiesene und schlecht ausgerüstete Hartzer zum Schneeschippen auf große Bahngelände geschickt werden ...