21 Aug 2015

Buchprojekt "Was es ist", Kapitel 13.: Die NATUR schlägt zurück

Submitted by Delloc


„Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers hervorgegangen; alles entartet unter den Händen der Menschen.“ (Jean-Jacques Rousseau)

Ich erinnere mich noch gut, mit welcher Mimik unser Geschichtslehrer über Jean-Jaques Rousseau und seine Devise „Zurück zur Natur!“ sprach. „Geringschätzig belächelnd“ und „überheblich  belustigt“ beschreiben es ungefähr. Doch als 17-jähriger war ich damals ganz seiner Meinung und regelrecht schockiert, dass es jemand überhaupt wagte, den technisch-wissenschaftlichen Fortschritt in Frage zu stellen.

 

Wie kam es dazu, dass man (ich) Anfang der 60er Jahre so extrem systemkonform dachte? Schließlich hatten unsere Eltern doch erst wenige Jahre zuvor erfahren, zu welchen Brutalitäten und Gräueltaten die faschistische Spielart des Kapitalismus in der Lage war.

Waren es die weltweit organisierten Schuldzuweisungen, die jeden Mut zu einem eigenen, selbstbestimmten und kritischen Gesellschaftsentwurf schon im Ansatz zunichtemachten?

Oder ist eine traumatisierte Generation generell zu nichts anderem in der Lage, als sich der Normativität des Faktischen zu unterwerfen?

 

Jedenfalls war es eine der großen Glücksstunden meines jungen Lebens, dass ich Ende der 60er Jahre in einer revolutionär orientierten Studentenbewegung dem Mief der „deutschen Krankheit“ (Autoritätsgläubigkeit, Duckmäusertum und Schäferhund-Mentalität) samt dem Spießer-Wertekanon von Fleiß, Pünktlichkeit und Sparsamkeit entfliehen konnte.

Eine antikapitalistische Weltanschauung war der erste Schritt, um eine ganzheitliche Perspektive zu eröffnen, in der Mensch und Natur in ihrer Abhängigkeit und gegenseitigen Bereicherung kritisch betrachtet werden konnten.

 

Heute, ein halbes Jahrhundert später, gibt es den Kapitalismus immer noch. Der menschliche Intellekt hat es bisher nicht geschafft, seine tödliche Wirkung zu verhindern. Die Zerstörung der Natur schreitet beschleunigt voran und die Gruselstrategien der Casinomafia und ihrer politischen Handlanger ersticken alles natürliche Leben.

Völlig unerwartet betritt inzwischen aber eine Kraft die Bühne der Weltgeschichte, die schon längst als tot und erledigt galt: GOTT.

Nicht als Hirngespinst, wie in den Konzepten der Religionen, sondern als DAS, was ES schon immer war: als reines Bewusstsein, das in jeder Form und in jeder Bewegung wirkt und im universalen Maßstab jedes Ungleichgewicht wieder ausgleicht. „Jeder Versuch, den Naturzwang zu brechen, gerät nur um so tiefer in den Naturzwang hinein.“ (s.o. - Dialektik der Aufklärung, ebd.)

Die natürlichen Reaktionen des universalen Bewusstseins bieten eindeutige Orientierungen und erzeugen zugleich Einsichten in den Wahnsinn der Bürgerlichen Kultur, die von der politischen Propaganda der Mainstream-Medien nicht mehr kaschiert werden können. Vor allem Dürren, Überschwemmungen, Stürme, pflanzliche und tierische Entartungen, biologische Invasionen, Bakterien- und Virusepidemien, sind vielfach effektiver als jede intellektuelle Mahnung, ein Umdenken in der sozio-politischen und ökonomischen Prioritätensetzung einzuleiten.

Es geschieht nun in der Praxis, was Karl Marx in den „Grundrissen“ noch als abstrakte Notwendigkeit formuliert wurde: „Es genügt nicht, dass der Gedanke zur Verwirklichung drängt, die Wirklichkeit muss sich selbst zum Gedanken drängen.“

Zwar überwiegt noch das gewohnte Verhaltensprinzip, aus jeder Notsituation private Profite zu generieren, doch große Teile der Menschheit sind inzwischen unübersehbar in Bewegung geraten – psychomental wie physisch. Allein die weltweite Flut der Flüchtlingsströme verdeutlicht den Zwangscharakter, der durch die Ordnungsvorstellungen der Bürgerlichen Kapitalmafia (Nationalstaaten, Fabrik- und Grenzzäune) entstanden ist und offenbart die Stärke der menschlichen Natur, diese zu überwinden und einzureißen.

In diesem Sinne werden wir aktuell Zeugen des natürlichen Wunders, wie äußere und innere Natur bereits kooperativ zu Werke gehen, um das Elend der Bürgerlichen Kultur für jedermann deutlich sichtbar zu machen und (hoffentlich bald) von diesem Planeten zu vertreiben.

 

„Die Natur reicht uns die Hand der Freundschaft, sie lädt uns ein, damit wir uns an ihrer Schönheit erfreuen; doch wir fürchten ihre Stille und fliehen in die Städte, wo wir uns zusammendrängen wie eine Herde Lämmer beim Anblick des Wolfes.“ (Khalil Gibran)

Die zunehmende Verstädterung und die Zubetonierung der Natur hat inzwischen schwerwiegende Umweltschäden verursacht. Bereits 1998 erschien in „Der Spiegel“ der Artikel „Rache der Natur - 120 Hektar Land werden täglich zugebaut“:

„Wenn es so weitergeht, ist die Republik bald betoniert: Häuser und Parkplätze, Straßen und Einkaufszentren, Industrieflächen oder Technologieparks schlucken täglich rund 120 Hektar Boden.

Die Natur rächt sich schon jetzt. In den Alpen rutschen die Hänge, Tier- und Pflanzenarten verschwinden, der Grundwasserspiegel sinkt. Die Zersiedelung der Landschaft wird von Fachleuten als das größte Ökoproblem der Zukunft angesehen, denn Boden ist unersetzbar. Interessenverbände, Umweltschützer und Politiker in Bonn streiten seit gut zwei Jahrzehnten über ein wirksames Bodenschutzgesetz - bislang ohne Resultat.“

(Siehe auch „Indikator Zersiedelung“:

http://www.ioer-monitor.de/fileadmin/Dokumente/Symposium_2010/ACKERMANN_Zersiedelung.pdf)

 

Es mangelt ja insgesamt nicht an Mahnern und Appellen:

 

  • „Ihr könnt die Wahl treffen, morgen die Vernichtung eurer Regenwälder zu beenden. Ihr könnt die Wahl treffen, mit der Zerstörung der Schutzhülle, die euren Planeten umgibt, aufzuhören. Ihr könnt die Wahl treffen, den permanenten Angriff auf das geniale Ökosystem eurer Erde zu stoppen.“ (Neale Donald Walsch)

 

  • „Indem wir unsere wahre Natur vergessen, handeln wir wie ein König, der träumt, er sei ein Bettler.“ (Nisargadatta Maharaj)

 

  • „Wenn die Menschheit endlich zurückkehrte zu ihrer wahren Natur, dann würden sich alle ihre Probleme lösen. Doch bis heute drehte sich alles nur ums Geld, Ficken und Fressen - das reinste Tollhaus!“ (Kodo Sawaki)

 

  • „Durch das wissenschaftliche Verständnis ist unsere Welt entmenschlicht worden. Der Mensch steht isoliert im Kosmos da. Er ist nicht mehr in die Natur verwoben und hat seine emotionale Anteilnahme an Naturereignissen, die bis dahin eine symbolische Bedeutung für ihn gehabt hatten, eingebüßt.“ (Carl Gustav Jung)

 

  • „Wer seinen Wohlstand vermehren möchte, der sollte sich an den Bienen ein Beispiel nehmen. Sie sammeln den Honig, ohne die Blumen zu zerstören. Sie sind sogar nützlich für die Blumen. Sammle deinen Reichtum, ohne seine Quellen zu zerstören, dann wird er beständig zunehmen.“ (Buddha)

 

  • „Wir müssen ... wieder lernen, mit der Natur zu kooperieren. Sie hat eine viereinhalb Milliarden lange Erfahrung. Unsere ist wesentlich kürzer.“ (Hans-Peter Dürr)

 

Betrachtet man dagegen die Ergebnisse der globalen Umweltkonferenzen, so tritt schnelle Ernüchterung und Ohnmacht ein. Wir müssen uns derzeit nolens volens eingestehen, dass die Weltgemeinschaft nicht in der Lage ist, die „Liquidation“ (s.o.) des natürlichen Lebens durch die politischen Eliten zu verhindern.

Alle zwei Jahre publiziert der WWF zusammen mit dem Global Footprint Network und der Zoological Society of London den „Living Planet Report“, den umfassendsten Bericht zum Zustand der Erde. Er zeigt auf wissenschaftlicher Basis, wie sich der Ressourcenverbrauch der Menschheit und der Zustand der Natur entwickeln.

Für den sogenannten „Footprint“ wird der Ressourcenverbrauch der Weltbevölkerung den Ressourcen gegenübergestellt, die die Erde in der gleichen Zeit neu produziert. Bis Mitte der Siebziger Jahre lag der globale Footprint unter 1. Inzwischen hat er 2,7 erreicht: Wir verbrauchen also fast dreimal so viele Ressourcen, wie die Erde auf längere Sicht reproduzieren kann. Hier eine Auswahl der Spitzenwerte: 11,7 Katar, 10,4 Bahrein, 6,2 Nordamerika, 4,7 EU (8,3 Dänemark), 2,9 Brasilien, 2,1 VR China, 1,4 Afrika.

Der Wahnsinn dieser Ökologiebilanz erklärt sich aus dem Privatcharakter politökonomischer Entscheidungen, die unter wetteifernden Konkurrenzbedingungen auf den Märkten der Kapitalmafia getroffen werden. Der Privatcharakter erklärt die Verantwortungslosigkeit gegenüber Mensch und Natur, die globale Casino-Konkurrenz ihre rasante Beschleunigung.

Doch die Natur rächt sich zunehmend, oder weniger martialisch formuliert: „sie hält uns den Spiegel vors Gesicht.“ So wie der Körper durch Schmerz und Krankheit die Irrtümer der Seele und der Gedanken zum Ausdruck bringt, führt die Natur uns die Armut der menschlichen Zivilisation vor Augen.

 

„Die Natur ist ein Brief Gottes an die Menschheit.“ hat schon Platon geschrieben. Doch seitdem an die Stelle der göttlichen Botschaft die menschliche Vernunft getreten ist, wird die Welt durch den blindwütigen Eifer machtgieriger Eliten regiert, denen neben ihrer Inkompetenz vor allem das Herz fehlt, um überhaupt die wesentlichen Fragen stellen zu können. Stattdessen protzen und profilieren sie sich mit „Lösungen“, die die Probleme langfristig noch verschärfen.

Zwar gibt es hilfreiche Wegweiser, die den menschlichen Wahn auf fruchtbaren Boden führen könnten: 

 

  • „Die Dogmen wechseln, und unser Wissen ist trüglich; aber die Natur irrt nicht: Ihr Gang ist sicher, und sie verbirgt ihn nicht. Jedes ist ganz in ihr, und sie ist ganz in jedem.“ (Arthur Schopenhauer)

 

  • „Die Natur betrügt uns nie. Wir sind es immer, die wir uns selbst betrügen.“ (Jean-Jacques Rousseau)

 

  • „In der Natur ist kein Irrtum, sondern wisse, der Irrtum ist in dir.“ (Leonardo da Vinci)

 

  • „Ökologische Weisheit besteht nicht in dem Wissen, wie man im Einklang mit der Natur lebt, sondern in dem Wissen, wie man Subjekte zu einem Konsens über ein Leben im Einklang mit der Natur bringt.“ (Ken Wilber)

 

  • „Das Antlitz der Natur ist ein Ausdruck der Andacht. Wie die Gestalt Jesu steht sie da mit geneigtem Haupt und den Händen über der Brust gefaltet. Der glücklichste Mensch ist derjenige, der von der Natur die Verehrung lernt.“ (Ralph Waldo Emerson)

 

Aber „Einklang“ und „Verehrung“ sind Eigenschaften, die im ökonomischen Totalitarismus einfach nicht vorkommen. Die Diktatur der Casinomafia und ihrer politökonomischen Adjutanten hat sich schon vor langer Zeit von der natürlichen Welt verabschiedet und befolgt nur noch die Logik von Profit und Machterhalt. Dabei spielt ihnen die zunehmende Verstädterung und Kasernierung in Flüchtlingslagern ideal in die Karten.

Die in diesen Lagern und in den Ghettos verelendeten, aber auch die in Betonkästen der Vorstädte verwahrlosten Menschen, die mit Almosen (wenn überhaupt) auf Schlachtvieh-Niveau gehalten werden, haben kaum Möglichkeiten, sich physisch, psychisch oder geistig zu entwickeln. Die historische Funktion des Lumpenproletariats als industrielle Reservearmee und als Disziplinierungsinstrument zur Anpassung hat Ausmaße angenommen, wie niemals zuvor in der Geschichte der Bürgerlichen Diktatur.

Radikaler Widerstand gegen den kapitalistischen Wahnsinn ist von der Weltgemeinschaft und ihren Institutionen derzeit nicht zu erwarten. Dafür ist die Diktatur des Kapitals einfach zu perfekt organisiert - durch totalitäre Mechanismen wie materielle Korruption, ideologische Propaganda, polizei-militärische Gewaltmonopole, technische und geheimdienstliche Überwachungsdienste.

Warren Buffett, einer der reichsten Männer der Casinomafia, beschreibt die Bürgerliche Diktatur als Krieg: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen." – (zitiert bei Jutta Ditfurth, Zeit des Zorns, nrhz.de/flyer, 29. Juli 2011)

Doch wenn wir mit Werner Heisenbergs darauf vertrauen, dass „Die Natur () der unmittelbare Ausdruck des göttlichen Willens (ist).“, dann haben sich die Kriegsgeneräle der Bürgerlichen Gesellschaft in ihrem globalen Wahn einen Feind geschaffen, gegen den sie nicht den Hauch einer Chance haben werden.

Und wer hätte jemals gedacht, dass der „Ausdruck des göttlichen Willens“ die Marxsche Prophezeiung erfüllt, dass die durch die kapitalistischen Produktionsverhältnisse der Bürgerlichen Gesellschaft entstandene „»Entfremdung« ... nur unter zwei praktischen Voraussetzungen aufgehoben werden“ (MEW 3, S.34 f.) kann:

„Damit sie eine »unerträgliche« Macht werde, d.h. eine Macht, gegen die man revolutioniert, dazu gehört, dass sie die Masse der Menschheit als durchaus »Eigentumslos« erzeugt hat und zugleich im Widerspruch zu einer vorhandenen Welt des Reichtums“

(1% besitzen inzwischen mehr als die restlichen 99%.)

„... weil ferner nur mit dieser universellen Entwicklung der Produktivkräfte ein universeller Verkehr der Menschen gesetzt ist, daher einerseits das Phänomen der »Eigentumslosen« Masse in Allen Völkern gleichzeitig erzeugt (allgemeine Konkurrenz), jedes derselben von den Umwälzungen der andern abhängig macht, und endlich weltgeschichtliche, empirisch universelle Individuen an die Stelle der lokalen gesetzt hat."

(Die Charakterisierung der globalen Abhängigkeit.)

 

Die Griechenlandkrise zeigt derweil, dass der Deutsche Schäferhund noch lokal seine Witterung aufnimmt und auf die nächstliegende Beute schielt. Das macht das derzeitige Spektakel so leicht durchschaubar, wenngleich zum Schaden der armen Griechen.

Es mag wie ein Witz der Geschichte anmuten, dass eine Kultur, in der ein Konzept von Demokratie historisch erstmalig praktiziert wurde, wieder die Vorreiterrolle übernehmen muss, wenn die Casinomafia die politischen Spielregeln für ein ganzes Volk diktiert.

Und es mag wie ein Drama der Geschichte erscheinen, dass die eifrigsten Werkzeuge dieser totalitären Diktate wieder Deutsche sind.

Immer wenn dieser Widerspruch in mir auftaucht, mit Identitäten zu hantieren, lese ich bei Robert Adams:

„Du denkst, du kannst diese Welt zu einer Besseren machen. Du kämpfst für deine Rechte. Du versuchst die Meinungen der Leute zu beeinflussen, protestierst gegen dies und das. Ich gestehe ein, dass solche Dinge in dieser Welt notwendig sind, aber das ist alles Maya. Maya ist eine herrliche Illusion. Es lässt dich glauben, dass du etwas tun kannst, um die Dinge in der Welt zu verändern. Aber ich kann dir versichern, nichts wird sich je verändern. Es wird sich für eine Weile scheinbar ändern. Dinge werden für eine Weile scheinbar besser sein und scheinbar schlechter. Es wird Katastrophen geben, Zerstörungen. Alle möglichen Dinge werden passieren. Das ist die Natur dieser Welt. Es hat absolut nichts mit dir zu tun. Und doch, gleichzeitig bist du die Welt. Ich widerspreche mir ständig selbst, das ist die Lehre. Totaler Widerspruch. Aber die letztendliche Wirklichkeit ist: Lasse alles gehen. Erkenne dich selbst als allumfassend, und du wirst totale Glückseligkeit sein, totale Freiheit.“

Kommentare

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und die Gletscher die gehen.

“Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass das Bild, das ich von mir selbst habe, zum größten Teil ein künstliches Produkt ist und dass die meisten Menschen – ich schließe mich nicht aus – lügen, ohne es zu wissen? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass „Verteidigung“ Krieg bedeutet, „Pflicht“ Unterwerfung, „Tugend“ Gehorsam und „Sünde“ Ungehorsam? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass die Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder instinktiv lieben, ein Mythos ist? Dass Ruhm nur selten auf bewundernswerte menschliche Qualitäten und häufig nicht auf echte Leistungen gründet? Dass die Geschichtsschreibung verzerrt ist, weil sie von den Siegern geschrieben wird? Dass betonte Bescheidenheit nicht unbedingt ein Beweis für fehlende Eitelkeit ist? Dass Liebe das Gegenteil von heftiger Sehnsucht und Gier ist? Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass jeder versucht, schlechte Absichten und Handlungen zu rationalisieren, um sie edel und wohltätig erscheinen zu lassen? Dass das Streben nach Macht bedeutet, Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe mit Füßen zu treten? Dass die heutige Industrie-Gesellschaft vom Prinzip der Selbstsucht, des Habens und des Konsumierens bestimmt ist und nicht von den Prinzipien der Liebe und Achtung vor dem Leben, die sie predigt? Wenn ich nicht fähig bin, die unbewussten Aspekte der Gesellschaft, in der ich lebe, zu analysieren, kann ich nicht wissen, wer ich bin, weil ich nicht weiß, in welcher Hinsicht ich nicht ich bin.”

 

Erich Fromm: Vom Haben zum Sein

 

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Der Fromm-Text ist Inhaltlich zunächst plausibel, aber dann...

 

Der letzte Halbsatz ab „kann ich nicht wissen...“ ist wahr, doch die Bedingung „Wenn ich nicht fähig bin...“ finde ich falsch. Wie soll ich fähig sein, „die unbewussten Aspekte der Gesellschaft, in der ich lebe, zu analysieren“? Zweifellos eine erkenntnistheoretische Frage!

 

„Zufällig“ geht es im nächsten Kapitel (14) um dieses Thema und dort werde ich versuchen, diesen Bezug herzustellen. Kap. 14 wird mit einem Maharaj-Zitat eingeleitet:

 

Auf immer und ewig können Sie woanders nach Wahrheit, Liebe, Intelligenz und Wohlwollen suchen, Gott und die Menschen anflehen – alles umsonst. Sie müssen bei sich selbst anfangen, mit sich selbst, das ist das unumgängliche Gesetz. Sie können nicht das Spiegelbild ändern, ohne Ihr Gesicht zu ändern. Realisieren Sie zuerst, dass die Welt nur eine Reflexion Ihrer selbst ist, und hören Sie auf, nach Fehlern an der Reflexion zu suchen.

Beschäftigen Sie sich mit sich selbst, bringen Sie sich selbst in Ordnung – mental und emotional. Das Physische wird automatisch folgen. Sie reden so viel von Reformen, ökonomisch, sozial, politisch. Lassen Sie ab von den Reformen, und kümmern Sie sich um den Reformer.

Was für eine Welt kann jemand erschaffen, der dumm, gierig und herzlos ist? Es ist weder nötig noch möglich, andere zu ändern. Aber wenn Sie sich selbst ändern, werden Sie feststellen, dass keine anderen Veränderungen nötig sind. Um den Film zu ändern, wechseln Sie einfach die Filmrolle aus, Sie attackieren nicht die Leinwand. Sie müssen aufhören, im Äußeren zu suchen, was nur im Inneren gefunden werden kann. Klären Sie Ihre Sicht, bevor Sie anfangen zu agieren. Läutern Sie Ihren Verstand, reinigen Sie Ihr Herz, heiligen Sie Ihr Leben – das ist der schnellste Weg, Ihre Welt zu verändern.“ (Nisargadatta Maharaj)

 

Krishnamurti formuliert in diesem Sinn: „Der Geist, der ein Problem verstehen will, darf sich nicht mit dem Problem selbst befassen, sondern damit, wie sein eigener Mechanismus der Urteilsbildung funktioniert.“ (Krishnamurti, Vollkommene Freiheit, ebd., S. 314)

 

Fromm hat m.E. eine zu optimistische Vorstellung von den Wirkungen des analytischen Verstandes. Aber mit dieser Chimäre wurden wir ja seit der frühesten Kindheit indoktriniert und diszipliniert.

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Nach m. E. sieht er haargenau diesen Widerspruch - zwischen innen und außen, einer irrealen Scheinrationalität - ebenfalls.

Der "analytische Verstand" ist ein betrügerisches Fabelwesen das, nur angeblich, individuellen oder Gruppenentscheidungen zu Grunde liegt. Die, dabei regelmäßig überaus flüchtigen, "Fakten" sind gasförmiger (flüchtiger) Natur.

Graeber und Sedlacek beschäftigen sich übrigens (ich hatte das Büchlein bereits zu Kaitel 12 verlinkt) nicht zuletzt mit dem "homo ökonomicus" der, vor diesem Hintergrund, ebenfalls nichtexistent ist. Wie könnte er auch, wo seine "Rationalität" auf fehlerhaften Grundlagen basiert.....

Noch einmal der Link zum Gespräch der beiden, eigentlich ursprünglichen, Gegenpole - der Eine hält das umgebende Glaubensgebäude für "reformierbar", der Andere sieht nichts greifbares aus seiner Vorstellungswelt in dieser Welt - beide stimmen überein, das es eine andere Ebene / Form menschlichen Austausches geben muss / wird.

http://David Graeber, Tomas Sedlacek: Revolution oder Evolution - Leseprobe beim Hanser Verlag

Die Indoktrinierung versagt, ebenso wie jede Disziplinierung, angesichts des sich-selbst-bewussten und komunizierenden individuum.

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"In diesem Sinne werden wir aktuell Zeugen des natürlichen Wunders, wie äußere und innere Natur bereits kooperativ zu Werke gehen, um das Elend der Bürgerlichen Kultur für jedermann deutlich sichtbar zu machen und (hoffentlich bald) von diesem Planeten zu vertreiben."

Weniger ein natürliches Wunder, als die Notwendigkeit der schmerzhaften Erkenntnis über die selbstverursachten Miseren. Da wir wohl auch das Ergebnis der Natur sind ist es müßig, fiktive Trennungen vorzunehmen. Es scheint aber unsere Konstitution zu sein, erst über die Krisen eine Änderung unserer Geisteshaltung zu verursachen, was ich auch als eine kulturelle Evolution des Menschen auf selbsterzeugter Ebene beschreiben kann. Im Gegensatz zur Natur können wir über die Handlungen (Folgen) reflektieren, wenn auch nicht im vollen Ausmaß übersehen. Der Grund liegt nicht nur in unserer begrenzten Fähigkeit, sondern vor allem in der Art, wie die Natur (das Ganze) aufgebaut ist. Es ist eben kein kausaler Mechanismus, sondern ein dynamisches Umfeld, dass viele Freiheitsgrade zulässt, wenngleich wiederum nicht beliebig ist. Dafür stehen die Naturgesetze, die (auch wenn diese Konstanten anders verstanden werden können), ein sicheres Fundament für die Entwicklung des Lebens geboten haben.

Es gibt in deinem Artikel den Anklang einer friedlichen Natur, die ihre Zerstörungskraft mehr dem menschlichen Wirken und weniger den natürlichen Ursachen zuschreibt. Unser Wissensstand heute bezeugt da völlig andere Zustände, die als normale Wirkmechanismen gerade mit den großen Katastrophen erst unsere eigene Existenz hervorgebracht hat. Da lassen sich nun logischerweise völlig andere Schlüsse  ziehen, bevor ich mich in paradiesischen Gefühlen verliere. Denn die hat es so und wird es ohne unser einsichtigeres Verhalten auch in Zukunft nicht geben.

Sicher ist erst einmal selbst zu ergründen (erkennen), warum ich so denke wie ich denke. Was treibt einen so um und warum? Dann die Auseinandersetzung mit den Inhalten, wie sie zu den eigenen Prioritäten geworden sind und warum? Die Reihe lässt sich ergänzen. Ab einem bestimmten Punkt geht es in die "Handlungen mit Ungewissheit", denn letztlich gibt es keine endgültigen Gewissheiten, die nicht mit anderen Blickwinkeln auch andere Berechtigungen erfahren. Deshalb müssen wir lernen, die größerer Wertigkeit des Seins gegenüber dem Haben zu erkennen, geduldiger mit uns selbst zu sein, eigenen Unvollkommenheiten zu akzeptieren, eine individuelle begrenzte Lebenszeit nicht unter ökonomischen Zwängen zu leben, die wir auch noch selbst fälschlicherweise als ideale Konstruktion gesetzt haben und spielerisch gemeinsam experimentieren, wie unsere Zukunft aussehen soll.

Und natürlich wird uns unsere Intelligenz vor den zerstörerischen Kräften der Natur schützen, denn es wäre mehr als nur dumm zu nennen, wenn wir unsere Fähigkeiten nicht dazu nutzen. Allerdings muss schon noch der Schalter umgelegt werden um zu erkennen, dass wir Teil der Natur sind und demgemäß eine andere Lebensweise erforderlich ist. Dazu bedarf es nicht einmal besonderer Intelligenz, um das zu erkennen!

"Es wird Katastrophen geben, Zerstörungen. Alle möglichen Dinge werden passieren. Das ist die Natur dieser Welt. Es hat absolut nichts mit dir zu tun. Ich widerspreche mir ständig selbst, das ist die Lehre. Totaler Widerspruch. Aber die letztendliche Wirklichkeit ist: Lasse alles gehen. Erkenne dich selbst als allumfassend, und du wirst totale Glückseligkeit sein, totale Freiheit."

Solche Sätze allerdings kann ich wie Pudding an die Wand nageln! Gerade noch gelesen, was die Folgen unserer Handlungen betrifft und dann solche "Weisheiten".

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„... Erkenntnis über die selbstverursachten Miseren. ... Im Gegensatz zur Natur können wir über die Handlungen (Folgen) reflektieren, wenn auch nicht im vollen Ausmaß übersehen.“

Ja, aber Reflektionen bleiben Reflektionen. Diese verändern sich erst, wenn das, was in den Spiegel schaut, sich verändert hat.

„Es ist eben kein kausaler Mechanismus, sondern ein dynamisches Umfeld, dass viele Freiheitsgrade zulässt... “

Genau. Deshalb ist die Dynamik des eigenen Beteiligtseins wichtig.

„Es gibt in deinem Artikel den Anklang einer friedlichen Natur, die ihre Zerstörungskraft mehr dem menschlichen Wirken und weniger den natürlichen Ursachen zuschreibt. Unser Wissensstand heute bezeugt da völlig andere Zustände, die als normale Wirkmechanismen gerade mit den großen Katastrophen erst unsere eigene Existenz hervorgebracht hat. Da lassen sich nun logischerweise völlig andere Schlüsse  ziehen, bevor ich mich in paradiesischen Gefühlen verliere. Denn die hat es so und wird es ohne unser einsichtigeres Verhalten auch in Zukunft nicht geben.

Sicher ist erst einmal selbst zu ergründen (erkennen), warum ich so denke wie ich denke.“

Ja, das ist der springende Punkt.

Wer mit der Totalität des Geistes (Brahman oder der Absolutheit des reinen Bewusstseins) als EINES identifiziert ist, existiert in dieser Harmonie und ruht in diesem Frieden. Darin gibt es weder Geburt noch Tod, sondern nichts als Sein, das „ewige Leben“ – kein Platz für Katastrophen oder andere fragmentarische Projektionen.

„Ab einem bestimmten Punkt geht es in die "Handlungen mit Ungewissheit", denn letztlich gibt es keine endgültigen Gewissheiten, die nicht mit anderen Blickwinkeln auch andere Berechtigungen erfahren. Deshalb müssen wir lernen, die größerer Wertigkeit des Seins gegenüber dem Haben zu erkennen, geduldiger mit uns selbst zu sein, eigenen Unvollkommenheiten zu akzeptieren, eine individuelle begrenzte Lebenszeit nicht unter ökonomischen Zwängen zu leben, die wir auch noch selbst fälschlicherweise als ideale Konstruktion gesetzt haben und spielerisch gemeinsam experimentieren, wie unsere Zukunft aussehen soll.“

Diese Haltung ist rückwärtsorientiert und verfolgt die Absicht, verstandesgemäß zu analysieren. Chacun à son goût... Wer in der Wirklichkeit des Augenblicks lebt, wird zu ganz anderen Konsequenzen kommen.

{"Es wird Katastrophen geben, Zerstörungen. Alle möglichen Dinge werden passieren. Das ist die Natur dieser Welt. Es hat absolut nichts mit dir zu tun. Ich widerspreche mir ständig selbst, das ist die Lehre. Totaler Widerspruch. Aber die letztendliche Wirklichkeit ist: Lasse alles gehen. Erkenne dich selbst als allumfassend, und du wirst totale Glückseligkeit sein, totale Freiheit."

Solche Sätze allerdings kann ich wie Pudding an die Wand nageln! Gerade noch gelesen, was die Folgen unserer Handlungen betrifft und dann solche "Weisheiten".}

Ja, die Kontrolle zu verlieren, scheint dir nicht zu schmecken... :-)

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"Wer in der Wirklichkeit des Augenblicks lebt, wird zu ganz anderen Konsequenzen kommen."

Es gibt verschiedene "Weisen", die ihre jeweilige Berechtigung (Angemessenheit) den jeweiligen Situationen gegenüber haben. So wie der Schlaf der Erholung dient, wird keine Brücke mit "der Wirklichkeit des Augenblicks" erbaut, solange weder die Mathematik noch die Materialeigenschaften beherrscht werden. Die Momente der Sammlung, "das bei sich sein", steht für eine völlig andere Lebenswirklichkeit. Wer die im Alltag mit einbringen kann, umso besser. Es hat aber einen anderen Stellenwert und steht für sich.

Im Übrigen sind der Tod, der Schmerz, die Liebe, usw. Lebenswirklichkeiten, die mit dem "Ruhe in Frieden" noch recht wenig zu tun haben.  Brahman mag für dich eine Lebenswirklichkeit darstellen, meine ist es nicht. Ich habe ziemlich viele, letztlich unergiebige Texte wie in deinem letzten Absatz gelesen. Sie könnten auch von Timothy Francis Leary stammen: ein wenig Droge, ein wenig Liebe. Letztlich ist leicht zu erkennen, wieviel heiße Luft darin enthalten ist. Es lässt sich alles und nichts daraus entnehmen, es ist einfach inhaltsleer, was ja in der Tradition einen gewissen Wert ausmachen soll.

Wenn Du gerne die Kontrolle verlierst? Mir ist klar, dass etwas anderes gemeint ist. Als Stichworte dazu Individualität und Ego. Darauf gehe ich jetzt nicht weiter ein. Das führt bei Dir zu endlosen Diskussionen.

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"So wie der Schlaf der Erholung dient, wird keine Brücke mit "der Wirklichkeit des Augenblicks" erbaut, solange weder die Mathematik noch die Materialeigenschaften beherrscht werden."

Stimmt! Aber die Wirklichkeit des Augenblicks wird die Brücke wieder einreißen... :-)

 

"... ein wenig Droge, ein wenig Liebe. Letztlich ist leicht zu erkennen, wieviel heiße Luft darin enthalten ist."

Mit der heißen Luft ist es wie mit der Schlange: erst wenn sich ihr Bild aufgelöst hat, ist das Seil erkennbar.

 

"... es ist einfach inhaltsleer, was ja in der Tradition einen gewissen Wert ausmachen soll."

Ja, der Wert spiritueller Inhalte ohne sprachliche und materielle Substanz liegt in der Erfahrung der nackten Wirklichkeit, die nicht durch persönliche Aktionismen verkleidet wurde. Eine große Herausforderung für Aktivisten, Handwerker, Ingenieure  und alle, die glauben, es ginge nicht(s) ohne sie.

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"Eine große Herausforderung für Aktivisten, Handwerker, Ingenieure  und alle, die glauben, es ginge nicht(s) ohne sie."

Hier bringst Du etwas in einen Gegensatz, der so nicht vorhanden ist. Polarisierung der Extreme ist unangebracht. Es geht um völlig unterschiedliche Bereiche. Allerdings wäre es eine ganz nützliche Erfahrung für die Grenzgänger der "nackten Wirklichkeit", wenn man sie nämlich genau auf diesen Zustand beschränken würde. Dann käme sicher etwas mehr "Substanz" in deren Wirklichkeit, was das praktische Leben betrifft. Denn das beinhaltet Notwendigkeiten, die praktisches und theoretisches Wissen erfordern.

Aber deine Thematik ist eh eine Luxusbaustelle für diejenigen, die weniger existenziellen Sorgen unterliegen und vielleicht noch der wenigen, die sich tatsächlich und ausschließlich den spirituellen Dingen zugewendet haben.

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" ... das praktische Leben ... beinhaltet Notwendigkeiten, die praktisches und theoretisches Wissen erfordern."

Das kann nicht bestritten werden.

 

"Aber deine Thematik ist eh eine Luxusbaustelle..."

Wenn das, was über praktisches und theoretisches Wissen hinausgeht, bereits als Luxus gilt, dann hat die Bürgerliche Kultur ihr ideologisches Ziel wohl erreicht...

„Indem wir unsere wahre Natur vergessen, handeln wir wie ein König, der träumt, er sei ein Bettler.“ (Nisargadatta Maharaj)

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Da deine geistige Heimat offensichtlich die fernöstliche ist, frage ich mich, warum Du deine Zeit im Westen verschwendest? Vom Sozialwissenschaftler zum Quantenpsychologen, da ließe sich doch auch in Indien was mit anfangen. Oder ist es doch eher die profane materielle Basis (Sicherheit, Bequemlichkeit), die Dich hier hält. Da wir ja alle in der gleichen Wirklichkeit leben, sollte das doch kein Hindernis sein. Nichts für ungut. Ich nehme dir deine Botschaften einfach nicht ab.

Eines kann ich Dir aber gerne sagen, mein Leben ist das reine Vergnügen. Materiell reich würde ich mich zwar nicht nennen, aber mein Leben hat jetzt so viele Facetten, dass ich den Spruch "Indem wir unsere wahre Natur vergessen, handeln wir wie ein König, der träumt, er sei ein Bettler (ein typischer Spruch ohne großen Gehalt)" so umformulieren kann: "Weder König noch Bettler ist mir ein Begriff, denn das wahre Leben zeigt sich in den Gehalten, die nicht nötig sind, zu formulieren".

Wir haben zwar gemeinsame Schnittmengen, aber der größere Teil ist wohl different. Damit kann ich gut leben, denn das gehört auch zur Vielfalt der Natur. In dem Sinne können wir weiter spielen.

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Deine Einwände kann ich gut nachvollziehen. In einer vergleichbaren Situation hat Nisargadatta einmal gesagt:

 

„Ihr Interesse an anderen ist egoistisch, es dient Ihrem eigenen und ist selbstorientiert. Sie sind nicht an der Person anderer interessiert, sondern nur daran, inwieweit Sie dadurch bereichert werden oder Ihr eigenes Image aufpolieren können. Der Gipfel der Selbstsucht ist, sich nur um den Schutz, den Erhalt und die Vermehrung des eigenen Körpers zu kümmern. Mit Körper meine ich alles, was in Bezug zu Ihrem Namen und Ihrer Form steht – Ihre Familie, Sippe, Land, Rasse usw. Seinem eigenen Namen und seiner Form verhaftet zu sein ist reiner Egoismus.“

 

In diesem Sinne verstehe ich deinen Frust und deine „Vergnügen“.

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....verfolgte ich Euer Gespräch, den Versuch inkombatible Blickwinkel zu "vermitteln"..

Seit Langem ist es dabei für mich hochgradig erstaunlich, dass die tigerischen Gesichtspunkte einem grundsätzlichen Hintergrund entspringen den ich zumeist gern als "esoterisch" zur Seite schiebe, weil sie mir zu "abgehoben" - zu flüchtig -erscheinen. Interessant werden diese Gesichtspunkte jedoch regelmäßig, wo sie in Schlussfolgerungen münden die weitgehend meinen eigenen entsprechen.

Den Versuch menschliche Entwicklung als Sicherstellung und vorgebliche "Erweiterung" materieller Grundlagen - noch dazu für eine eng begrenzte, privilegierte Minderheit - zu betrachten, halte ich für längst gescheitert. Für mich findet diese Entwicklung erst statt, wenn sich Zusammenwirken und Verbindung - statt Konkurrenz und Abgrenzung - als Horizont entwickeln. Diese mögliche Transformation halte ich für unumgänglich, weil sie den Wurzeln unseres Ursprunges angemessen ist.

Gegenwärtige, der egozentrisch-materiellen Verpolung entsrechenden, >>Wichtigkeiten<< sind dagegen durchweg von lächerlicher Aufgeblasenheit die jeder wirklichen Entwicklung, zu Gunsten neurotischer Fehlsteuerung, entsagen.

Mensch spiegelt sich in der Summe seiner direkten Nützlichkeit für sein soziales Umfeld; jede seiner individuellen materiellen Anhäufungen entspringt einer Verkennung seiner ursprünglichen, auf Kooperation ausgerichteten, Antriebskräfte. Die Flucht in den Materialismus, statt der Entwicklung geistiger Potenz, ist eine selbstmörderische Sackgasse.

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Ich finde es immer wieder bezeichnend, wie aus individuellen Existenz sichernden Arbeiten, auf die gesamtgesellschaftliche Situation geschlossen wird. Ich glaube nicht, dass wir in Zelten wohnen oder zum Waschen an Bäche und Teiche gehen müssen (wollen). Also lassen wir die Kirche mal im Dorf.

Es dürfte wohl, was die Ungleichgewichte, die Verzerrungen, ja die Perversionen unserer Gesellschaft betrifft, keine größere Diskrepanz bei uns geben. Die Unterschiede zeigen sich eher da, wenn es um die Wege der Veränderung, überhaupt die Vorstellung über das Ziel geht. Transformation ist ein schönes Wort, aber ich denke, es wird eher eine Revolution werden. Der Ausgang ist ungewiss und es kann auch noch schlechter werden.

Übrigens ergibt sich aus jeder sinnvollen Tätigkeit die Basis gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wie auch immer die Organisationsformen sein werden, das wird auch zukünftig nicht anders sein. Eine gute materielle Basis auf nachhaltiger Art ließe sich schon längst für alle Menschen verwirklichen, denn die smarte Technik haben wir längst entwickelt. Es sind die derzeitigen Strukturen und die verfehlte Sinnverwirklichung, die es noch scheitern lassen. Aber "Mensch" ändert sich nicht gerne, wenn er das Feld der Unsicherheit betreten soll. Den meisten dürfte zwar klar sein, dass es nicht so bleiben kann. Aber solange es sich noch weiter improvisieren lässt, wird improvisiert werden.

Früher wussten wir nichts darüber, wenn in China ein Sack Reis umfällt. Das hat sich geändert, da unsere Aktivitäten global geworden sind. Das zeigte sich gestern wieder in Arte, wo der Rückgang der Krillbestände in der Antarktis erforscht wurde und die wahrscheinlichen Ursachen wieder mit menschlichen Aktivitäten zusammenhängen. Die Auswirkungen wiederum sind global.

Wir haben enorme Schwierigkeiten, die Folgen unserer Handlungen zu übersehen. Es liegt nicht nur am System allein, sondern auch an Milliarden Menschen, die halt die Umwelt formen. Mit Materialismus und Egoismus (Reichtumsverteilung) dürfte zwar vieles verursacht sein, es gibt aber auch noch andere Gründe.

 

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Wie sollte das heute möglich sein, wo  die Renditeerwartung des europäischen Pensionfondes den Wert des - in China umfallenden - Reissackes bestimmt? Die Kirche - das Glaubensgebäude "unseres" Wohlstandes - in "unserem" (BRD) Dorf besteht aus global zusammen geraubten Einzelteilen. Partizipieren ebenso vom Hungerlohn des Reibauern, des Wanderarbeiters und der Näherinnen "unserer" Textilien und Schuhe.

So besehen sind wir mitwissende Hehler, laben uns am globalen Raubgut - seiner hiesigen Verdichtung in Wohlstand.

Warum sollte gerade der Krill sich außerhalb des Dogmas der Gewinnmaximierung bewegen dürfen?

"Übrigens ergibt sich aus jeder sinnvollen Tätigkeit die Basis gesellschaftlichen Zusammenlebens."

Da nenne ich dich aber naiv, solange nur die renditeträchtige (abmellkbare Zinserträge erbringende) menschliche Tätigkeit als "sinnvoll" betrachtet, aber eben auch nur nach "Marktlage" honoriert wird. Der unbezahlbare Rest menschlicher Tätigkeit ist dann was?

Nicht 'Milliarden von Menschen formen die Umwelt', sondern die ekelerregende Maxime der Gewinnmaximierung - die Macht der Märkte so wird  es gern moderat vernebelt. Wir fressen alles und jeden im Dienste dieser Gottheit, entfernen uns dabei beständig von den Wurzeln, den Quellen unserer Existenz.

Leider leben wir eben nicht mehr in Zelten, waschen uns am Bach - aber unsere geistige Entwicklung ist dort stehen geblieben.

Wir konferieren gerade mitttels hochtechnologischer Maschinen, tragen in der eigenen Birne aber noch die Software aus dem Neandertal spazieren, die wir allein dazu nutzen unsere Keulen zeitgemäß zu stylen.

Ist das noch Luxus, schon Dekadenz oder schlichte Dummheit?

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Es ist bei weitem nicht alles Ausbeutung, was Du hier zusammenbringst. Sinnvolle Tätigkeit hat wenig mit gewinnmaximierenden Prinzipien unseres Systems zu tun. Um es konkreter zu sagen, einfach mal eine kleine Aufzählung: da wären die Tätigkeiten im Dienst am Menschen, dazu würde ich ferner die kleinen Familienbetriebe im Handwerk, Handel und Landwirtschaft zählen. Was im Fokus der Kritik steht, sind die internationalen Konzerne und die Finanzinstitutionen. Es macht für mich immer noch einen gewaltigen Unterschied aus, ob es um lokalen und regionalen Handel, Handwerk, usw geht oder um die Bereiche, die ich deiner Gewinnmaximierung zuordnen kann.

Was mir insbesondere bei Linken auffällt, ist eine genüssliche, fast sadomasochistische Art, alles in Grund und Boden zu kritisieren, was die gesellschaftlichen Zustände betrifft. Wir beide stehen wohl in der Linie der Neandertaler, der im Gegensatz zu deinen Vorstellungen aber alles andere als ein primitiver Mensch gewesen ist. Da wir selbst Natur sind, die Natur uns so hervorgebracht hat, stellen wir uns als Natur nun selbst die Frage: wer bin ich, wer sind wir? Die Natur gibt uns darauf keine Antwort, sie kann es nicht! Wie auch, ihre Gegebenheiten haben uns zwar ermöglicht, alles weitere geschieht nun auf einer neuen Ebene, der Ebene der reflektierten Weiterentwicklung. Es liegt also alles bei uns!

So beschissen unser System auch für Millionen Menschen zurzeit noch ist, ist doch nicht zu übersehen, dass es auch Millionen Menschen gibt, denen das System ein besseres Leben ermöglicht hat. Auch hier könnte ich eine Liste machen, worin die Qualitäten aufgezählt werden. Dieses bessere Leben betrifft nun nicht nur die sogenannten Hegemonialmächte, sondern mehr oder weniger alle Länder der Erde. Wenn eine verbesserte Hygiene und eine fortgeschrittenere Medizin eine höhere Lebenserwartung ermöglichen, wenn die Kindersterblichkeit drastisch gesenkt werden konnte usw. Kann man alles als unwesentlich oder als nicht genug bezeichnen, es ist aber nicht zu unterschlagen.

Ich würde bei der ganzen Totalkritik unserer Lebensweise mal eine Bestandsaufnahme vorschlagen und dann können wir weiter diskutieren.

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......ist hier vorgegeben, wir bewegen uns in seinem Blog. Damit auch seine Bestandsaufnahme, die ich teile - du eben nicht.

Um nur einen der tigerischen Mahner aus dem Text zu zitieren:

„Wenn die Menschheit endlich zurückkehrte zu ihrer wahren Natur, dann würden sich alle ihre Probleme lösen. Doch bis heute drehte sich alles nur ums Geld, Ficken und Fressen - das reinste Tollhaus!“ (Kodo Sawaki)

Es ist unsere Lebensweise die hier gerade zur Debatte steht, eine (für mich) gnadenlose gegenseitige Ausbeutung von Allem und Jedem, die eben nicht "unserer Natur", unseren Stärken entspricht.

Mensch kann sich aneinander entwickeln, oder sich gegenseitig (inklusive der Kugel auf der wir herumwanken) nieder machen.

Das Niedermachen passiert pausenlos und zählt nicht zu den Tötungsarten (siehe Brecht) die hier verboten sind, diese Form des Mordens wird als Überlegenheit der Fittesten dargestellt. Griechen, Afrikaner, Chinesen müssen so werden wie wir (hergelaufene Kolonialisten, mit der teritorial korrekten Stätte der Geburt) es bereits sind.....

Das ist bekloppt, lieber Pleifel, du weist es doch ebenfalls: unsere gegenwnärtigen Verschwendungsbrauchsgewohnheiten sind die privilegierter, selbstsüchtiger Arschlöcher.

Das ist keine sadomasochistische, linksverpeilte Sichtweise - sondern der Versuch schlüssige Antworten zu finden.

Um die Gegenwart zu einer "Ebene der reflektierten Weiterentwicklung" machen zu können, wird es notwendig sein die Depandance der Hegionalmächte im eigenen Kopf zu planieren - scheint mir.

Die ewige Sozen-Vorstellung: hier ein Reförmchen und dort ein kosmetisches Pflästerchen ist aus dem vorigen Jahrtausend, da funktionierte sie aber auch schon nicht.

Wo es Millionen Menschen geben könnte, denen "das System" Besserung bescherte, ist für mich nicht lokalisierbar: ich sehe nur (was erstaunlich ist!) das menschliches Leben trotz dieser bekloppten Systematik noch immer nicht untergegangen ist.

 

"Prolog

Geld ist zweifellos eine großartige Erfindung, eine ideelle Konstruktion mit Wert und Gegenwert, zeitlos anwendbar, bisweilen dogmatisch, selbst frei von Schuld und demokratisch. Vergleicht man die Gesellschaft mit einem Organismus, so ist Geld das Blut, das Lebenswichtiges zu Lebenswichtigem transportiert. Es müsste einzig dafür Sorge getragen werden, dass dieser Kreislauf nicht gestört wird, an keinem Punkt so viel Blut "abgezapft" wird, dass der Organismus Schaden nimmt!

Geld erlaubt (im Idealfall) die unbegrenzte Speicherung und Vermehrung von Werten, wobei Werte, im Kontext des Zeitgeistes stehend, eine unterschiedliche Gewichtung erfahren. Aber, nicht erst im mikrosekunden getakteten Börsenalltag unserer Tage ist der Wert des Geldes, das Geld selbst, das eine selbstzerstörerische Qualität erreicht hat; es läuft gerade ungehindert Amok!" 

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Wenn die Menschheit endlich zurückkehrte zu ihrer wahren Natur, dann würden sich alle ihre Probleme lösen. Doch bis heute drehte sich alles nur ums Geld, Ficken und Fressen - das reinste Tollhaus!“ (Kodo Sawaki)

Genau das sind die schönen Sprüche, die soweit ich zurückdenke, aus esoterischen Zirkeln ventiliert werden. Da sehe ich zumindest keinen Aufhänger, denn was soll das sein "wahre Natur?". Da wird etwas phantasiert, als ob die Menschheit diesen Zustand einmal gehabt und verloren hätte. Das Überlebensszenario unserer Vorfahren würde ich wohl kaum mit dem Zustand in Verbindung bringen. Hier handelt es sich um ein Phantasierprodukt derjenigen, die daraus auch noch Geschäfte machen. Fügt sich dann vorzüglich in unsere Gesellschaft ein. Für jeden Suchenden gibt es ein passendes Mittelchen, gegen Bezahlung versteht sich.

Was soll das: "Geld, Ficken, Fressen!" Über die Geldfunktionen werde ich hier nicht diskutieren, das habe ich ausgiebig im Freitag gemacht. Das Geld ließe sich auf die gewünschten Funktionen reduzieren, die wir dem Werteübertragungsmittel noch zugestehen wollen. Wenn Du Beziehungen als "Fickverbindung" verstehst, solltest Du dich mal mit deiner "Eingeflogenen" unterhalten, ob das die Qualität eurer Beziehung ausmacht. Und was das Essen betrifft, darüber ließe sich auch lange diskutieren. Wir haben zumindest mit unserem Dorfladen eine genossenschaftliche Lösung gefunden, die lokale Produkte anbietet. Nicht viel, aber ein kleiner Schritt zumindest.

Ansonsten kann ich nur allgemein sagen, selber machen oder Klappe halten!

Von "Reförmchen" hatte ich zumindest nicht gesprochen, während Du von Transformationen träumst. Die Besitzenden werden sich nicht kampflos von ihren Gütern trennen. Eine zukünftige Gesellschaft kann aber nicht auf diesen Ungleichgewichten aufbauen. Es wird daher hart zur Sache gehen.

 

 

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...zur Sache gehen; ganz unabhängig von einem eher intellektuellen Diskurs, dem Aufscheinen divergierender Meinungen.

Insofern sehe ich meine Position -vielleicht etwas naiv- primär im Beobachten, ggf. kommentieren und ansonsten jenseits des Virtuellen in einer ganz realen Arrondierung der persönlichen Verhältnisse dahingehend, zumindest die ersten Stürme einer substantiellen Apocalypse des Bestehenden, des scheinbar heimelig Seienden noch überstehen zu können.

Bild des Benutzers pleifel

Deinem letzten Satz stimme ich zu. Ich würde nur das Wort "scheinbar" streichen, obwohl das persönliche Glück Dir (uns) leicht wieder als Illusion oder Egoismus auf Kosten anderer gewendet werden könnte. Zum Glück ist wenigstens das Atmen noch nicht mit den Vorwürfen belastet. Obwohl sich unsere gute Luft hier sicher irgendwie mit der schlechten Luft indischer oder chinesischer Großstädte in Verbindung bringen lässt.

Viele  Grüße nach Berlin

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"... was soll das sein "wahre Natur?". Da wird etwas phantasiert, als ob die Menschheit diesen Zustand einmal gehabt und verloren hätte. Das Überlebensszenario unserer Vorfahren würde ich wohl kaum mit dem Zustand in Verbindung bringen."

Allein diese Frage offenbart eindrücklich die psychomentale Armut der heutigen Gesellschaft.

"Natur" ist kein "Zustand", sondern eine lebendige Ressource. Die menschliche Natur kann allerdings nur dann ihr Potenzial entwickeln, wenn sie wahrgenommen ("wahre Natur") und entwickelt wird. Erst danach mögen kontextsensuelle Zustände entstehen, die dieses Potenzial nutzen können.

Der Hinweis auf "das Überlebensszenario unserer Vorfahren" versus "Lebensszenario" (der heutigen Bürgerlichen Gesellschaft) entspringt genau jener systemkonformen Ideologisierung des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts, von der am Anfang dieses Kapitels die Rede ist.

Anstatt natürliche Ressourcen als Phantasiezustände zu diffamieren, käme die Überprüfung der Herkunft solcher Hirngespinste der menschlichen Natur sicherlich näher. 

Bild des Benutzers pleifel

Wenn wir überhaupt von und über die Natur als Begriff sprechen (in deiner Welt eher mit Immanenz anzunähern), dann beschreibe ich Natur als einen dynamischen Prozess, in dem wir als Bestandteile als reflexive Wesen aktive und geplante Eingriffe vornehmen können. Nun gibt es Menschen wie Dich, die mehr oder weniger den Eindruck vermitteln, als wenn sie die "wahre Natur" sowohl erfahren, erkannt und verkündbar machen können. Unkritisch angenommen, das ihre Sichtweise nicht nur einen Teilaspekt der Wirklichkeit ausmacht, sondern bereits als Ganzes angenommen werden kann.

Aber nicht nur das, jene wissen auch gleich, wie die "wahre Natur" (Potentiale) zu aktivieren und zu leben ist. Das wiederum unterscheidet jene nicht allzusehr von Gläubigen verschiedenen Grades, die sich ebenfalls in solchen oder ähnlichen Zuständen wähnen. Insoweit stimme ich Dir zu, dass ich mich lieber bei dem Teil aufhalte, den du mit "psychomentaler Armut" beschreibst. Zumindest muss ich auf diesem Gebiet meine Fähigkeiten nicht in beruflicher Hinsicht "verkaufen".

Die Philosophie beinhaltet in ihren Teilgebieten alle "Daten", die geistig verarbeitet zur persönlichen "Umgestaltung" völlig hinreichend sind! Mehr ist dazu von mir nicht zu sagen, außer dem noch, dass mich die Zitate sogenannter "Erleuchteter" wenig beeindrucken. Denn daraus lässt sich i.d.R. nach belieben rausziehen. Dazu bedarf es nur einen Baukasten von Versatzstücken, um beeindruckende Formulierungen zu generieren. Das würde ich mir sogar zutrauen, in eine IT-Anwendung zu implementieren.

Der Neandertaler ist in die Diskussion übrigens abwertend eingebracht worden, worauf ich dies bestritten hatte. Insoweit ist deine Kritik an der Sache vorbeigegangen.

"Natürliche Ressourcen" im letzten Satz von Dir interpretiere ich im Zusammenhang mit Natur. Natur als Oberbegriff ist viel zu komplex, um das in ein paar Sätzen adäquat zu behandeln. Das versuche ich hier erst gar nicht.

 

Bild des Benutzers Delloc

 

„Wenn wir überhaupt von und über die Natur als Begriff sprechen (in deiner Welt eher mit Immanenz anzunähern), dann beschreibe ich Natur als einen dynamischen Prozess, in dem wir als Bestandteile als reflexive Wesen aktive und geplante Eingriffe vornehmen können. Nun gibt es Menschen wie Dich, die mehr oder weniger den Eindruck vermitteln, als wenn sie die "wahre Natur" sowohl erfahren, erkannt und verkündbar machen können. Unkritisch angenommen, das ihre Sichtweise nicht nur einen Teilaspekt der Wirklichkeit ausmacht, sondern bereits als Ganzes angenommen werden kann.“

Ja, Natur als Unendlichkeit ist erfahrbar in dem Sinn, dass sich alle fragmentarischen Aspekte auflösen. Im Tiefschlaf passiert ja dasselbe. Wenn du dir jetzt noch einen bewussten Zeugen des Tiefschlafs dazu denkst, kommst du zumindest der Vorstellung von dieser Erfahrung schon sehr nahe.

Aber da du es ja vorziehst, aktive und geplante Eingriffe vorzunehmen, wirst du vermutlich keine Zeit verschwenden, dich mit solchem unnützen Kram zu beschäftigen... :-) 

 

„Aber nicht nur das, jene wissen auch gleich, wie die "wahre Natur" (Potentiale) zu aktivieren und zu leben ist. Das wiederum unterscheidet jene nicht allzusehr von Gläubigen verschiedenen Grades, die sich ebenfalls in solchen oder ähnlichen Zuständen wähnen. Insoweit stimme ich Dir zu, dass ich mich lieber bei dem Teil aufhalte, den du mit "psychomentaler Armut" beschreibst. Zumindest muss ich auf diesem Gebiet meine Fähigkeiten nicht in beruflicher Hinsicht "verkaufen".“

Ja, genau! Es ist doch wirklich nicht schwer, zu begreifen, dass die natürlichen Potenziale sich erst dann entfalten können, wenn die unnatürlichen Einflüsse, Überlagerungen und Verunreinigungen durch egobedingte Projektionen und Emotionen nicht mehr wirksam sind. Die Zuordnung dieses einfachen Sachverhalt irgendeiner Art von Gläubigkeit zuzuordnen, grenzt für mich schon fast an hysterische Paranoia... :-)

Übrigens verkaufe ich nichts außer Wohlbefinden. Das ist der einzige Grund, warum meine Patienten wiederkommen.

 

„Die Philosophie beinhaltet in ihren Teilgebieten alle "Daten", die geistig verarbeitet zur persönlichen "Umgestaltung" völlig hinreichend sind!“

Die „Umgestaltung“, die der Verstand bewirken kann, sind lediglich innerhalb des Verstandes von Bedeutung. Wenn du dich darauf reduzieren möchtest, bitteschön...

 

 

„Der Neandertaler ist in die Diskussion übrigens abwertend eingebracht worden, worauf ich dies bestritten hatte. Insoweit ist deine Kritik an der Sache vorbeigegangen.“

Kritisiert wurde der Begriff „Überlebensszenario unserer Vorfahren“, als ob die heutige Generation dank des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts aus einer Existenzsicherung entlassen sei. Das Gegenteil ist nämlich der Fall.

Bild des Benutzers pleifel

"Natürliche Potentiale" sind mögliche Inhalte von Selbsterfahrung und keine Qualitäten, die verallgemeinerbar sind.

Du bist schon ein ganz besonderer Stützer des jetzigen Systems, indem Du "Übrigens verkaufe ich nichts außer Wohlbefinden. Das ist der einzige Grund, warum meine Patienten wiederkommen."
Wenn ich es positiv auslege (und das tue ich), praktizierst Du das, was ich aus meiner beruflichen Tätigkeit und Lektüre als Fitnessprogramm der Selbstorganisation kenne, wo über Motivationsübungen, Zeitmanagement, intrinsische Aspekte usw. die Arbeitsfähigkeit gestärkt wurde. Viele sind aus den Kursen mit positiven Elementen herausgekommen, aber da sich dadurch nichts an den Ursachen ihrer Probleme geändert hatte, leider nur eine vorübergehende Erleichterung.

"Du kannst nämlich nur das wahrnehmen, wovon du überzeugt bist, dass es existiert und dass es in einer bestimmten Art und Weise beschaffen ist."

Du weißt, von wem ich den Satz "entliehen" habe. Es gibt Dinge, die kann man nicht wahrnehmen, man ist aber mehr als sicher, dass sie existieren. Ferner ist auch die Beschaffenheit nicht darstellbar (nur mit Symbolen) und doch kein Grund, die Existenz zu bezweifeln. Weiterhin kann ich auch etwas wahrnehmen, wovon ich nicht überzeugt bin. Schmerzhaft kann mich etwas darauf aufmerksam machen, was ich nicht wahrgenommen und wovon ich folglich nicht überzeugt sein konnte. Kurz: eine Überzeugung ist in dem Zusammenhang unnötig (überflüssig), um die Existenz einer Entität "wahrzunehmen". Aber der Satz beinhaltet sicher noch weitere Implikationen, die aufzudecken wären.

Die Überschrift ist so zu verstehen: Du sorgst für den Verkauf geistiger Illusionen (Wirklichkeit wäre eine angenommene Vorstellung) und andere schaffen die Basis dafür, Dir materielle Ressourcen bereitzustellen. Ich sehe mich mehr in der Mitte der Extreme.

 

Bild des Benutzers fahrwax

Jahrhundertelang wurden wir darin erzogen,
dass wir gehorchen müssen,
dass wir uns in eine vorgegebene Ordnung
einordnen müssen.
Jahrhundertelang haben wir dabei vergessen,
dass es auch eine Ordnung gibt, die nicht
von aussen kommt, sondern die wir in uns tragen.
Eine ordnende Kraft, aus der wir selbst
und alles Leben geschaffen ist.
Es ist Zeit, diese Kraft in uns zu erkennen
und bewusst mit ihr zu leben.

Lange genug haben wir im naiven Gehorsam
geglaubt, dass die Politik für uns eine freiheitlich
demokratische Grundordnung schafft
für Frieden, für Freiheit und Gerechtigkeit.
Heute ist uns so klar wie noch nie,
dass wir maßloß betrogen, manipuliert und für
destruktive Zwecke missbraucht wurden.
Heute ist uns so klar wie noch nie,
dass wir unser Schicksal selbst in die Hand
nehmen müssen, dass wir uns erheben müssen aus
der selbstgewählten Lethargie des dummen
Schafherdentums.
Ich selbst bin die Veränderung.

Was uns eint ist nicht irgend ein Programm, eine
Partei, eine nationale Identität oder irgend ein
Glaubenskonzept.
Was uns eint ist die absolute Gewissheit,
dass es eine ordnende Kraft gibt, die allem innewohnt
und von der alles Leben beseelt ist.
Wir erkennen, dass wir alle das Gleiche wollen:
das Wahre, das Schöne, das Gute.
Dessen Verwirklichung hat sehr viel mit Tun zu tun,
mit Eigenverantwortung
und mit Liebe der bedingungslosen Art
zu uns, zum Nächsten und zur Quelle allen Seins.

 

Ein Weckruf von
www.eulenspiegel.blog.de

 

Bild des Benutzers pleifel

"Was uns eint ist die absolute Gewissheit, dass es eine ordnende Kraft gibt, die allem innewohnt und von der alles Leben beseelt ist."

Nur diesen Satz würde ich so schreiben: "Was uns eint, ist die Erfahrung von dem Schönen, dem Guten (Liebe, Freundschaft, Miteinander), dem Wahren, dem wir in allen Lebensaspekten zum Durchbruch verhelfen können."

Was dem ganzen zugrunde liegt, was die Basis dieser Erfahrungen ausmacht, was hier als "ordnende Kraft, die allem innewohnt" beschrieben wird, darf aber auch die andere Seite der Medaille nicht ausblenden, was den Hass, das Unrecht und die Gewalt betrifft. Deshalb ziehe ich es vor, weniger von "ordnender Kraft" und mehr von erkannten und erstrebenswerten Anliegen der Menschen zu sprechen. Da diese positiven Qualitäten so evident sind, ist es mehr als verwunderlich, warum sie nicht unser Miteinander bestimmt.

Daraus ziehe ich zumindest den Schluss, dass es mit der "ordnenden Kraft" nicht allzu gut bestellt sein kann, wenn sich unsere negativen Seiten so zeigen können.

Bild des Benutzers Delloc

 

Ja, ein schöner Text!

Aber sicher auch etwas zu schwärmerisch... :-)

Bild des Benutzers fahrwax

was soll daran schlecht sein:  "wer bereit ist alles zu geben, wird nicht weniger verlangen"(uralte Sponti-Weisheit).

Bild des Benutzers Delloc

 

„Seit Langem ist es dabei für mich hochgradig erstaunlich, dass die tigerischen Gesichtspunkte einem grundsätzlichen Hintergrund entspringen den ich zumeist gern als "esoterisch" zur Seite schiebe, weil sie mir zu "abgehoben" - zu flüchtig -erscheinen. Interessant werden diese Gesichtspunkte jedoch regelmäßig, wo sie in Schlussfolgerungen münden die weitgehend meinen eigenen entsprechen.“

 

Ja, in einer Gesellschaft, in der die materielle Produktion und Reproduktion zum Götzen gemacht wurde, ist das Esoterische verkümmert und wird allenthalben diffamiert. (Zu Recht dort, wo die Empirie ausgeschlossen wird.)