11 Aug 2015

Über die "positive" Umwidmung eines Begriffs

Submitted by ebertus

Political Correctness... Wie eine reaktionäre, eine bigotte, eine verschleiernde, gar verniedlichende Sprache nun auch hierzulande zum Standard gepflegter Kommunikation wird.

Dieser Begriff von der "Political Correctness" in Wort und Schrift ward hierzulande bislang eher belächelt, wurde -und wohl zutreffenderweise- primär diesen bigotten, gar religiös eingefärbten Evangelikalen us-amerikanischer Couleur zugeordnet.

Natürlich, bei F- und N-Worten werden die Schreiber (keine ...Innen, weil doch chauvis, machos, sprich: männliche Domäne) seit einiger Zeit auch hierzulande ermahnt und ggf. sanktioniert. Das weiss mann; und lässt es in vorauseilendem Gehorsam bleiben - oder weil eine vulgäre, eine provozierende Sprache eh' nicht dem eigenen Verständnis entspricht; soll es geben...

Schwierig kann das beim Zitieren werden, erst recht bei Schriften von gewisser Relevanz. Nicht nur, dass Hannah Arendt in "Macht und Gewalt" das inkriminierte N-Wort häufig verwendet; nein, sie kritisiert darüber hinaus auch die lediglich im Rahmen der Bürgerrechtsbewegung an die Unis gekommenen, oft nicht studierfähigen Schwarzen. Undenkbar wohl, dies heute so zu formulieren und vielleicht hätten dann sogar die politisch korrekten Antideutschen recht, für die Arendt ein rotes Tuch ist, deren Leistung auf die Liebschaft mit Heidegger reduziert werden wollte.

Soweit zum Einstieg in Sachen Political Correctness.

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Was nach meinem Eindruck und beispielhaft an den (nicht nur großen) Medien zu erkennen ist, dass erhebt die politisch korrekte Bigotterie nun auch hierzulande zum Standard der Kommunikation, besser: der Verlautbarung.

Selbst jemanden politische Korrektheit, wahlweise ein sog. Gutmenschentum auch nur zu unterstellen, das kann schon mal für die Verbannung auf den Index sorgen; zumindest heftige Reaktionen der Guten, der politisch Korrekten auslösen.

Genderthemen beispielsweise sind kaum noch sachlich, ohne relativ baldige diffamierende Zuschreibung zu diskutieren und neben dem inflationär verwendeten "Antisemit!" (Zuckermann) ist Godwin's Law nun der Standard im Diskurs an den -gerade- intellektuellen Stammtischen. Das dabei verwendete Vokabular will wohl überlegt sein und jedwede, wenngleich auch nur partielle Zustimmung darf gern übertrieben werden, wird gnädig nicht als solche, nicht als -möglicherweise- Ironie erkannt.

Oder man bleibt gleich vollkommen unter sich, schließt (hier) die Kommentarfunktion und beschränkt sich auf Verlautbarungen; die inflationär eingesetzten, umfangreichen Linkfarmen mit weitgehender Selbstreferenz gern eingeschlossen.

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Und in der großen, weiten Welt?

Die transatlantische Vorwärtsverteidigung wird als solche, eben als Verteidigung extensiv propagiert, werden gleichzeitig die Kollateralschäden verbal und insbesondere medial minimiert;

wenngleich nun nicht mehr so häufig Brunnen gebohrt und Mädchenschulen gebaut werden - die notwendige weltweite Verteidigung unserer Wirtschaftsinteressen reicht zur Begründung; das wusste bereits Horst Köhler.

Die primäre Ursache dieser Kollateralschäden, welche Millionen entwurzelter, um jede Existenzgrundlage gebrachter Menschen hinterlässt, sie wird in seiner grausamen Konsequenz hierzulande politisch korrekt, gar demonstrativ ignoriert; oder, ebenso politisch korrekt mit Betroffenheitslyrik, wahlweisem Entrüstungsfuror ummantelt. Für das vor einigen Wochen noch in aller Munde seiende ZPS beispielsweise materialisieren die Flüchtlinge erst dann, wenn sie die europäischen Südgrenzen -dead or alive- erreichen und für die Hardcore-Antifaler (hier politisch inkorrekt formuliert) erscheinen sie eh' aus dem Nichts, materialisieren beinahe ausschließlich im Umfeld der sog. Neurechten.

Allerdings mochten die Großmedien diese politisch äußerst korrekte Sicht in den letzten Tagen nicht mehr so ganz mitgehen, wurde dann schon mal dezent und ganz ohne Verweis auf Pegida&Co. über gewisse Probleme berichtet. Natürlich, und eher Realität denn Zynismus: vor dem LAGESO in Berlin während der noch anhaltenden Hitzeperiode zu kollabieren, diese Wahrscheinlichkeit ist für die Flüchtlinge aktuell wohl wesentlich höher, als mögliche Übergriffe "besorgter Bürger".

Noch mehr politische Korrektheit? Ja, insbesondere der Balkan und dessen wohl blühende Landschaften sind gerade wieder im negativ konnotierten, politisch korrekten Gespräch. Wo doch genau dieser Balkan, seine Strukturen und Ressourcen von der sog. Westlichen Wertegemeinschaft in die Steinzeit zurück gebombt, die Menschen dort gegeneinander aufgehetzt und um ihre Existenz gebracht wurden.

Bereits vor mehr als fünfzehn Jahren! Exemplarisch zu verstehen, was uns in Sachen Libyen, Syrien, Palästina, dem Irak oder Afghanistan; gar der Ukraine im Laufe der nächsten Generationen erwartet.

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Strukturell bzw. systemisch gedacht ist Political Correctness das Werkzeug einer westlich-weissen Mittelschicht zur Selbstvergewisserung und Selbstbetäubung nach innen, zur Abwehr jedweder kritischen Hinterfragung, sprich: der bösen Welt da draußen.

Man fordert Sensibilität ein, meint damit jedoch lediglich die sehr partikularen Interessen eben dieser Mittelschicht, welche im Zuge der (global) ablaufenden Ereignisse viel, beinahe alles zu verlieren hat. Die wirklich Reichen werden sich auch hierzulande und zunehmend hinter die Mauern der gated communities zurückziehen; soweit politisch korrekte, formal-juristische Scheingefechte wie das in HH-Harvestehude nicht mehr helfen.

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Für den Rest von uns gibt es Placebos wie das hier:

"treating other people with respect", kann man von den Befürwortern der Political Correctness lesen. Zustimmung! Nur davon, von dieser (gespielten?) Korrektheit, dem (gespielten?) Respekt allein werden Menschen nicht satt...

Abschließend hier der Hinweis auf diesen faszinierenden Rollentausch, der (gefühlt) jeweils eigenen Überprüfung  gern anempfohlen:

Konservative Medien, deren Metier die bigott-politische Korrektheit doch sein müsste, sie fallen heute schon mal aus der Rolle, benennen recht derb, manchmal gar damit kokettierend, oft politisch unkorrekt, was ihrer Meinung nach zu benennen sei.

Historisch: Wenn es denn der Wahrheitsfindung dient...

Eher liberale, gar linke, gleichwohl bekennend systemfromme Medien dagegen, sie sind voll auf die politisch-zensurelle Korrektheit a la Apple, Facebook & Co. eingenordet, werden abweichend formulierende Autoren und Autorinnen sofort ermahnt, gar gleich ein lauer -neudeutsch- Shitstorm entfacht.

Wohl bekomms!

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Politisch unkorrekt oder (noch) zulässige Ironie?

Ein sicheres Herkunftsland

Der Neurechte Staat

Das ZPS gleich mit versenkt