8 Aug 2015

Buchprojekt "Was es ist", Kapitel 12.: Die Vollendung der Zeit

Submitted by Delloc


"Wer in der Zeit sein Herz auf die Ewigkeit gestellt hat, und in wem alle zeitlichen Dinge tot sind, da ist Vollendung der Zeit." (Meister Eckhart)

Botschaften an das Herz sind Ermutigungen, darauf zu vertrauen, dass es im Labyrinth der Zeit nichts zu entscheiden gibt. Jede bewusste Entscheidung kann ja nur auf kurze Augenblicke der Wahrnehmung zurückgreifen, die vor langer Zeit stattfanden, und mit jeder Erinnerung wird der Glaube verstärkt, in einer Wirklichkeit zu leben, die längst vergangen ist.

Dieser Glaube begünstigt das Vergessen, wo man sich in Wahrheit befindet und ruft das Ego und den Verstand auf den Plan, hilfsweise für Orientierung zu sorgen und richtige Entscheidungen zu treffen. Doch das Wissen des Ego und die Assoziationen des Verstandes sind völlig überfordert, den lebendigen Augenblick zu verstehen und zu vollenden.  

Lernen ist ja bereits abgeschlossen, noch bevor seine Wirkungen manifest werden. Der Einfluss des Lernens, der Gegenwart eine Bedeutung zu geben, stammt daher immer aus der Vergangenheit. Selbst wenn das aus dem Lernen resultierende Bewusstsein annähernd die  Gegenwart erfassen könnte, würde es der Echtzeit um ca. 0,2 Sekunden hinterherhinken. Dies ist die durchschnittlich gemessene Mindestzeit, die vergeht, wenn Reaktionen bewusst gesteuert werden bzw. Beobachtungen interpretiert und beurteilt werden. Nur unbewusste Handlungen befinden sich im Einklang mit der Echtzeit und der faktischen Wirklichkeit des Lebens.

 

Daraus wird die Schwäche eines Konzepts offenbar, das noch heute als Non-Plus-Ultra der geistigen Orientierung des homo sapiens propagiert wird: das Vernunftprinzip. Die Ideologie der „Aufklärung“ setzte an die Stelle der Wirklichkeit die Rationalität dissoziativer Beobachtungen und behauptete, diese seien der lebendigen Geistesgegenwart überlegen. Die „instrumentelle Vernunft“ der Bürgerlichen Eliten hat diese „Überlegenheit“ genutzt, um Staaten und Kulturen auszurotten, ihre Schätze zu plündern und ganze Regionen zu entvölkern oder zu versklaven – was ja auch heute noch lediglich in anderer Form geschieht.

„Die Abstraktion, das Werkzeug der Aufklärung, verhält sich zu ihren Objekten wie das Schicksal, dessen Begriff sie ausmerzt: als Liquidation. Unter der nivellierenden Herrschaft des Abstrakten, das alles in der Natur zum Wiederholbaren macht, und der Industrie, für die sie es zurichtet... Die Distanz des Subjekts zum Objekt, Voraussetzung der Abstraktion, gründet in der Distanz zur Sache, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt.“ (Horkheimer/Adorno, Dialektik der Aufklärung – Philosophische Fragmente, Frankfurt a. M. 2002, S. 19)

„Liquidation“ ist das finale Prinzip des Bürgertums und des kapitalistischen Systems überhaupt.“ „Jeder Versuch, den Naturzwang zu brechen, gerät nur um so tiefer in den Naturzwang hinein.“ (Ebd.)  Das Ziel, die Vitalität und Vielfalt alles Lebendigen zu liquidieren, verspricht nicht nur den maximalen Profit, sondern erfüllt auch idealerweise die Bedingungen des „sich selbst verwertenden Wertes“ (Marx)- das akkumulative Wachstumsgesetz des Kapitals.

 

In diesem Zusammenhang wird auch verständlich, warum in den heutigen Metropolen nicht die subjektiv empfundene Lebensqualität als Maßstab gesellschaftlicher Werte und Zielsetzungen Verwendung findet, sondern abstrakte Hirngespinste wie Freiheit und Menschenwürde oder materiell definierte Lebensstandards. Diese eignen sich entschieden besser für diktatorische Meinungsmonopole und deren Propaganda, während die individuellen Befindlichkeiten des Lebendigen in ihrer  gesellschaftspolitischen Bedeutung ja gerade liquidiert bzw. unterdrückt werden sollen, da sie politökonomisch nicht systemkonform sind.

Die Interessen der Bürgerlichen Besitzklasse sind auf eine Gesellschaft angewiesen, die genügend Menschenmassen produziert, die von einer armseligen Vergangenheit so erledigt sind, dass sie jedes Hirngespinst begrüßen, das ihnen eine bessere Zukunft verspricht.

Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben und als Flüchtlinge und Sklaven zu „exportieren“, war immer schon die bevorzugte Methode der Bürgerlichen Gesellschaft, um die Masse des „Lumpenproletariats“ mit frischem „Material“ aufzufüllen. Damit die Systematik dieses Geschäftsmodells nicht transparent wird,  zelebriert man u. a. für Holocaust-traumatisierte Menschen rührselige Gedenkfeiern, während die Tatorte tagtäglicher Traumatisierungen in den vorsätzlich destabilisierten Krisengebieten für waffentechnische Tests und strategische Tötungsexperimente genutzt werden.

 

Vor diesem Hintergrund ist der mittelalterliche Appell Meister Eckharts an das Herz eine Botschaft, die nichts von ihrer Bedeutung für die menschliche Selbsterkenntnis eingebüßt hat. Das Herz ist das einzige „Organ“, das im Jetzt der Gegenwart das ewige Selbst erkennt und sich unverzüglich damit vereint. Nur im Herzen kann die Unvergänglichkeit des Lebens als Gewissheit erfahren werden, und nur im Vollbesitz dieser Gewissheit wird der tödliche Wahnsinn davon abweichender egomaner Konzepte offenbar.

Wenn „Der Kleine Prinz“ (Antoine de Saint-Exupéry) sagt „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“, ist nicht das körperlich-sinnliche Sehen gemeint, sondern das, was man in der unio mystica die „Schau“ nennt. Dabei wird Stärke statt Schwäche, Einheit statt Trennung und Liebe statt Angst erfahren.

Die hauptsächliche Eigenschaft der  „Schau“ ist ihre Durchlässigkeit, wie bei einer „Linse im Lichtstrom“ (Dag Hammarskjöld). Darin sind wir mehr die Empfangenden, im Unterschied zu Emotionen, die zeitlich-situativ psychomentale Reaktionen darstellen. Insofern ist der Zusatz Eckhartsund in wem alle zeitlichen Dinge tot sind“ wichtig, um diesen Unterschied zu verdeutlichen. (vgl. Kap. 3 „uncooked seeds“)

Wenn der individuelle Erfahrungshorizont die Automatik emotionaler Reaktionen bzw. gezielter Projektionen nicht übersteigt, wird diese Botschaft wohl eher erschrecken oder gar verängstigen. Der „monkey mind“ macht’s möglich...

Wenn die Bewusstheit der universalen Wirklichkeit im Herzen reflektiert wird, geschieht Befreiung von den Automatismen.

„Aus sich selbst heraus wird das reine, unbegrenzte, einzige Bewusstsein leuchten; alle Begrenzung und Vielfalt der Gedanken wird verschwunden sein. Wenn man dann still bleibt und diesen Zustand nicht verlässt, wird das Ego, das Gefühl der Individualität in Gestalt von "Ich bin der Körper" vollständig aufgelöst und schließlich auch der letzte Gedanke, die "Ich"-Form, ausgelöscht werden, wie das Feuer, das Kampfer verbrennt. Die Heiligen und die Schriften sagen klar, dass das allein Befreiung ist.“ (Raman Maharshi)

 

Die Methode, die das Ego zerstört, wird „Hingabe“ (Bhakti), „Meditation“ (Dhyana), „Konzentration“ (Yoga) und „Erkenntnis“ (Jnana) genannt. Welche Tradition der individuellen Persönlichkeit eher entspricht, ist nicht ausschlaggebend, wenn die innere Haltung "Egal, was geschieht, es geschehe!" oder „Dein Wille geschehe!“ im Zentrum der Übungen steht.

Die Einstellung, sich nicht mit den Geschehnissen zu identifizieren und das Selbst nicht zu verlassen, kann geübt werden. Nur so schwindet der Glaube, den Körper als das Selbst anzusehen – früher oder später.

 

Was nicht funktioniert, ist der Versuch, das Ego willentlich oder bewusst aufzulösen, weil Projektionen keinerlei Wirkkraft besitzen. Mit anderen Worten: das unbewusst Bewusste ist dem reflektorisch Bewussten nicht zugänglich, sondern agiert stets aus der Totalität seiner Existenz heraus.

Da die Schriften der verschiedenen Weisheitslehren klar sagen, dass das Denken als solches Sklaverei ist, ist es am besten, still zu bleiben und das Selbst niemals zu vergessen, nachdem alle psychomentalen Bewegungen, die nur unterschiedliche Formen des "Ich"-Gedankens sind, im Selbst aufgelöst wurden – auf welche Weise auch immer.

„Sein Herz auf die Ewigkeit zu stellen“ ist im Grunde aber auch ein Bekenntnis zum Erhalt der Schöpfung. „Das Universum ist vollkommen. Es kann nicht verbessert werden. Wer es verändern will, verdirbt es. Wer es besitzen will, verliert es.“ (Laotse)

Alle Impulse, die Welt verbessern zu wollen, stammen – wie wir gesehen haben – aus der Vergangenheit. Um diesen Impulsen nachzugehen und ihnen Bedeutung in der Gegenwart zu schenken, muss der Wunsch dominieren, positive Momente der Vergangenheit zu wiederholen oder negative zu verhindern.

Beide Möglichkeiten werden allerdings erst dann wirksam, wenn die Befreiung von der Zeit nicht gewollt ist. Wer nicht vergeben kann, dass ein glücklicher Moment nicht ewig währt und dass das Leben nicht nur Wunschmelodien spielt, wird sich mitten ins Feuer der Zeit stürzen, ohne zu bemerken, dass dieses Feuer schon längst ausgebrannt ist.

Hingegen wird in jedem Akt oder Gedanken ohne Vergebung, in jedem Urteil und in jedem Glauben an die Unvollkommenheit dieser eine Augenblick noch einmal zurückgerufen, als könne er noch einmal in der Zeit gemacht werden.

„Die Vergebung ist die große Befreiung von der Zeit. Sie ist der Schlüssel zum Lernen, dass die Vergangenheit vorbei ist. Die Verrücktheit spricht nicht mehr. Es gibt keinen anderen Lehrer und keinen anderen Weg. Denn das, was aufgehoben worden ist, das ist nicht mehr. Und wer kann wohl an einer fernen Küste stehen und sich übers Meer hinüberträumen an einen Ort und in eine Zeit, die lange schon vergangen sind? Wie wirklich könnte dieser Traum als Hemmnis für das sein, wo er wirklich ist? Denn dies ist Tatsache und verändert sich nicht, was immer er für Träume hat.

Er kann sich aber immer noch einbilden, er sei anderswo und in einer andern Zeit. Im Extremfall kann er sich dahingehend irreführen, das sei wahr, und kann von der bloßen Einbildung zum Glauben und zum Wahnsinn übergehen, ganz überzeugt davon, dass er dort ist, wo er am liebsten sein will.“ (Ein Kurs in Wundern, ebd., S. 553)

Die Zeit ist tatsächlich erst dann „vollendet“, wenn der universale Wille, der sich in der Wirklichkeit der Gegenwart ausdrückt, nicht begriffen wird als ein Angebot, das man akzeptieren oder ausschlagen könnte. In diesem Irrtum liegt die ganze Trennung. Wer begreift, dass er mit der Wirklichkeit der Gegenwart identisch ist, wird mit der Entscheidung, nichts entscheiden zu müssen, den Weg aus diesem Irrtum herausfinden. Alles andere wäre Wahnsinn, allerdings ein Wahnsinn, der die Welt von heute dominiert und diesen Planeten von einer Katastrophe in die nächste stürzt.

Kommentare

Bild des Benutzers hadie

... während die Tatorte tagtäglicher Traumatisierungen in den vorsätzlich destabilisierten Krisengebieten für waffentechnische Tests und strategische Tötungsexperimente genutzt werden.

Auch schlicht für Geschäftemacherei. Die NGO Global Witness berichtet in ihrer Studie “Blood Timber”, dass französische, chinesische und libanesische Tropenholz-Handelsfirmen in der Zentralafrikanischen Republik Rebellengruppen in Millionenhöhe bezahlen, um im Machtvakuum eines regionalen Bürgerkriegs die Urwälder plündern zu können – das Holz wird vorrangig in die EU exportiert. Den Preis bezahlen die Bewohner dieser Gegenden, mit ihrem Leben oder der Flucht. Die beteiligten Firmen machen Rekordprofite, im Fall einer französischen Holzräubergesellschaft stieg der Jahresgewinn um das zweieinhalbfache. Das liesse sich ganz leicht durch schärfere Importkontrollen beenden - oder einen Käuferstreik.

Bild des Benutzers Delloc

 

Ja, die Finanzierung der Söldnertruppen hat immer ökonomische Motive. Damit die Profitgeier und Casinomafiosi unerkannt bleiben, werden in der Öffentlichkeit religiöse, ethnische oder weltanschauliche Gründe klischeehaft publiziert und bei jeder Gelegenheit wiedergekäut: religiöse Fanatiker, islamistische Terrormiliz, Fundamentalisten, Stammesfehde sind wohl die häufigsten/beliebtesten Etiketten.

Allerdings glaube ich nicht mehr daran, dass die Zerstörung der Natur (den Menschen inbegriffen) noch gestoppt werden könnte. Die Macht der 1%-Mafiosi, die mehr besitzen als die restlichen 99%, ist inzwischen einfach zu perfekt organisiert, um dem Wahn Einhalt zu gebieten. Zu viel Korruption und zu viele Psychopathen an den Schalthebeln der Macht...

Bild des Benutzers hadie

Da wird mir zu schnell Ausweglosigkeit behauptet. Im konkreten Fall ist es durchaus noch möglich, mit Hilfe einer fitten NGO nationalen Regierungen und EU auf die Füße zu treten, damit sie ihre eigenen Einfuhrbestimmungen einhalten.

Bild des Benutzers Delloc

 

"Im konkreten Fall ist es durchaus noch möglich..." schreibst du.

Ja, da stimme ich dir zu.

Doch wie bei der Hydra: du schlägst einen Fangarm ab und sofort wachsen viele andere nach.

Oder vielleicht realistischer: der "sich selbst verwertende Wert" als Krebsgeschwür. Bevor du eine Wucherung erkannt hast, haben sich schon unzählige Metastasen gebildet. Die Volkskrankheit "Krebs" ist ja kein Zufall und keine Laune der Natur!

Bild des Benutzers fahrwax

Der allumfassende Wahnsinn der Entfremdung - die Religion vom Gewinn der angeblich beseelt - hat zwar unendlich viele Fangarme, aber er schafft es nicht unsere Sehnsüchte zu ermorden.

Unter dieser Wucherung der Sehnsucht leidet schlussendlich auch der abgefeimteste Gläubige dieser mordenden "Wissenschaft" vom Sein durch Besitz. Diesen "Krebs" in seinem / ihrem Kopf bekommen alle Legionäre / Legionärinnen der Hurerei nicht geheilt?

Auch der im Umgang mit Messer und Gabel bewanderte, "kultivierte" Menschenfresser kann seine Natur nicht unterdrücken......, weder bei der Nahrungsaufnahme, noch bei der unbefriedigten Sehnsucht.

Das was ich für die "menschliche Natur" halte, bereitet mir Hoffnung. Jeder Saulus ist heilbar, wollte ich nur sagen....

Können (dürfen)Tiger den Kopf hängen lassen?

Bild des Benutzers Delloc

 

[„Das was ich für die "menschliche Natur" halte, bereitet mir Hoffnung.“]

Ja, die „menschliche Natur“ ist vollkommen. Es ist die „Kultur“, die alles zunichte macht...

 

[„Jeder Saulus ist heilbar, wollte ich nur sagen....“]

Ja, weil Heilung der Natur immanent ist – vorausgesetzt, man lässt sie walten.

 

[„Können (dürfen)Tiger den Kopf hängen lassen?“]

Ein hängender Kopf ist immer noch besser als ein kaltes Herz... wink

Bild des Benutzers ebertus

 

an dieser Stelle vielen Dank für die nun mittlerweile wohl bereits 12 Folgen. Immer gern gelesen, wenngleich mein eher technisch orientiertes Denken wohl nicht in jeder Facette der Texte heimisch werden kann. Dennoch eine Welt, die ich versuche zu verstehen, zunehmend besser gar, wenn die Bezüge realer werden.

Bild des Benutzers pleifel

"Nur unbewusste Handlungen befinden sich im Einklang mit der Echtzeit und der faktischen Wirklichkeit des Lebens."

Auch diese "Handlungen" befinden sich in der Vergangenheit und haben demgemäß Reaktionszeiten. Und zudem unbewusst von keinerlei Erlebnis- oder Erkenntniswert, wenn auch notwendig, da entlastend.

"„Liquidation“ ist das finale Prinzip des Bürgertums und des kapitalistischen Systems überhaupt."

Ich hätte dagegen eher die Relativität aller Werte gesetzt, die jederzeit über Mehrheiten andere Schwerpunkte erhalten kann. Beispielhaft die Verfügung und die Eingriffe in die Erbsubstanz. Allerdings kann ich daraus "Liquidation" ableiten.

"subjektiv empfundene Lebensqualität als Maßstab gesellschaftlicher Werte und Zielsetzungen Verwendung findet.."

Und genau deshalb bedarf es einheitlicher Maßstäbe (Normen), die nicht verhandelbar sind. Gesetzt allerdings nicht von Eliten! Menschenwürde bleibt hohl (inhaltsleer), wenn sie nicht mit Qualitäten gefüllt werden, also alles andere als Hirngespinste.

"Wenn der individuelle Erfahrungshorizont die Automatik emotionaler Reaktionen bzw. gezielter Projektionen nicht übersteigt, wird diese Botschaft wohl eher erschrecken oder gar verängstigen."

Wir sind unseren Emotionen nicht ausgeliefert, sondern können sie bewusst steuern (auch wenn das limbische System automatisch reagiert). Das setzt aber eine Kenntnis der eigenen "Innenwelt" voraus.

"Die Zeit ist tatsächlich erst dann „vollendet“, wenn der universale Wille, der sich in der Wirklichkeit der Gegenwart ausdrückt, nicht begriffen wird als ein Angebot, das man akzeptieren oder ausschlagen könnte." versus "Mit anderen Worten: das unbewusst Bewusste ist dem reflektorisch Bewussten nicht zugänglich, sondern agiert stets aus der Totalität seiner Existenz heraus."

Da sehe ich nun ein kleines Problem mit dem Erkennen, es sei denn das Herz vermittelt uns eine neue Version davon, die wir normalerweise nicht erleben. Wenn ich keinen Zugang zum "unbewusst Bewussten" habe, kann ich weder entscheiden noch akzeptieren. Dann ist die Fragestellung bereits illusionär. Außerdem kann ich keine Qualität erkennen, wenn sich die eigentliche Qualität dem Bewussten entzieht. Da ziehe ich dann doch das Profane vor: die wahrnehmbare Wirklichkeit!

Da ich auch Meister Eckhart sehr schätze und ich ahnend mit seinen "Erfahrungen" übereinstimme, gerne gelesen. Was die Beschreibung über die Aufhebung der Trennung, das Herz und die Liebe betrifft, möchte ich auf folgenden Titel verweisen "Mit einem Schlag", wo auf wissenschaftlicher Basis in der Innenwelt diese Erfahrung nüchtern aber begeisternd erlebt wurde.

Bild des Benutzers fahrwax

Auch ohne Schlaganfall lässt sich ein Zugang zum "unbewusst Bewussten" finden. Ich halte uns alle für deutlich weitergehend vom umgebenden wirtschaftlichen beinflusst, als uns deutlich ist.Unsere Erfahrungen bestimmen das zwangsläufig das Sein.

Erst der Zugang zu unseren inneren Wurzeln des Menschsein verspricht "Erlösung", das halte ich für gesichert. Das umgebende Regelwerk unterbindet Kooperation - einzig sie gefährdet das System - und huldigt der Gewinnerzielung. Das beinhaltet Entfremdung pur von jeder fassbaren Quelle menschlicher Entwicklung: Mensch hebt sich (bestenfalls) durch seine Fähigkeit zur Zusammenarbeit von der restlichen Tierwelt ab. Die Maxime der Gewinnerzielung vernichtet (auch) diesen Ursprung, hinterlässt dabei nur bohrende Ahnungen unsere realen Grundlagen.

"Als ich mich mit den Konquistadoren beschäftigte, glaubte ich zunächst, dass eine Ar psychologischer Komplex Menschen dazu bringt, sich so abscheulich zu verhalten.Zugleich bin ich aber überzeugt, dass man auch die amerikanische Wirtschaft, die politische Ökonomie der USA als ein System betrachten kann, in dem die Fähigkeit altruistisch zu handeln, die höchstmögliche Belohnung ist:dass Menschen, sobals sie genügend Geld und materielle Sicherheit erlangt haben, sich darauf konzentrieren können, gut und mitfühlend gegenüber anderenzu sein, aber erst dann."

David Graeber

"Man kann sagen, dass sich Menschen vieleicht zu 60 Prozent als homo oeconomicus verhalten. Aber eben nicht zu 100 Prozent, und wir wissen nicht, warum sie das tun."

Tomas Sedlacek

Entnommen aus:

http://David Graeber, Tomas Sedlacek: Revolution oder Evolution - Leseprobe beim Hanser Verlag

Bild des Benutzers Delloc

{"subjektiv empfundene Lebensqualität als Maßstab gesellschaftlicher Werte und Zielsetzungen Verwendung findet.."

Und genau deshalb bedarf es einheitlicher Maßstäbe (Normen), die nicht verhandelbar sind. Gesetzt allerdings nicht von Eliten! Menschenwürde bleibt hohl (inhaltsleer), wenn sie nicht mit Qualitäten gefüllt werden, also alles andere als Hirngespinste.}

Einheitliche Maßstäbe haben wir ja im Überfluss. Aber es gibt keine zielorientierten Definitionen, was Lebensqualität ist und insofern keine diesbezüglichen Befunde. Mit der Definition eines Lebensqualitätsindex gäbe es auch endlich verbindliche Leistungskriterien für politische Entscheidungen und Regierungen. Natürlich müssten Verschlechterungen der Lebensqualität nach der jährlichen Bekanntgabe sofort mit einem Volksentscheid geahndet werden können. Was die Vergangenheit betrifft, hätten wir dann vermutlich jährlich einen Regierungswechsel gehabt.   

 

{Da sehe ich nun ein kleines Problem mit dem Erkennen, es sei denn das Herz vermittelt uns eine neue Version davon, die wir normalerweise nicht erleben. Wenn ich keinen Zugang zum "unbewusst Bewussten" habe, kann ich weder entscheiden noch akzeptieren. Dann ist die Fragestellung bereits illusionär. Außerdem kann ich keine Qualität erkennen, wenn sich die eigentliche Qualität dem Bewussten entzieht. Da ziehe ich dann doch das Profane vor: die wahrnehmbare Wirklichkeit!}

Ja, stimmt! Das Herz ist die Linse im Lichtstrom. Alles, was du autonom zu entscheiden glaubst, basiert nicht auf Erkennen, sondern auf Projektionen, die fragmentarische Reaktionen bewirken können. Bleibst du aber die projektionsfreie Linse, verhältst du dich stets im Einklang mit der Wirklichkeit des unbewusst Bewussten – dem Selbst.

Bild des Benutzers fahrwax

Da stimmen wir vollkommen überein - ich sehe es ebenso.

Diese fehlende "zielorientierte Definition" tragen wir aber längst mit uns herum, lieber Tiger.

Die Zauberworte Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit beinhalten längst diesen Herzens-Code, die ultimative Formel und den absolut verbindlichen Wertmaßstab.

Wie kann ich mir einbilden frei zu sein, wenn es mir an der Gleichheit und der Brüderlichkeit mangelt? Wenn ich meine Freiheit auf das Materielle, als Ersatz für die fehlenden Notwendikeiten, projeziere? Der maximale Umfang meines Allerwertesten ist kein Wert, nur ein bescheidener Ersatz (Sublimierung) für fehlende, lebensnotwendige Ingredienzien. Der eigene Arsch als Linse, als Focus? Das ist Lächerlich! Die fehlende Anerkennung kaufe ich mir dann mittels Macht in beliebiger Form? Von vergleichbar gebuchten materiellen, kleinen Deppen, die ihre Sehnsüche ebenfalls nicht erfüllt bekommen - wie langweilig.

Wie soll es mir "gut" gehen, solange (im Kapitalismus weil) es anderen schlecht ergeht? Wo kann ich Harmonie oder Einklang ( Liebe ist ein großes Wort) denn eigentlich kaufen? Der Ersatz beherrscht alle Märkte - aber der wirkliche Erwerb funktioniert nicht materiell, sondern durch er-werben.

Die Ansicht der Welt durch den eigenen Arsch, als Linse, verspricht derzeit sehr viel (wenn nicht alles), hält aber seine Verheißungen grundsätzlich nicht.

Mein "Selbst" ist nur in der Verbindung mit der umfassenden, harmonischen Verbindung zu der Welt außerhalb meiner (lächerlichen) persönlichen Körperlichkeit auffindbar, das halte ich für gesichert.

Somit ist mein Lebensqualitätindex halbwegs klar definiert - Regierung kommt darin nicht vor. Wer sollte mich regieren dürfen, außer mir selbst? Ich bevorzuge den permanenten Volksentscheid - in permanenter Abstimmung mit meiner nächsten Umgebung, auf der Grundlage obiger Zauberformel.

Das bleibt kein Raum für Institutionen und ihre perversen Zwanghaftigkeiten. So einen Unsinn benötigt nur der "der sein inneres Selbst nicht zu beherrschen weis". Derlei Perversion marschiert stramm Richtung Abgrund.

Bild des Benutzers pleifel

"Ich bevorzuge den permanenten Volksentscheid - in permanenter Abstimmung mit meiner nächsten Umgebung, auf der Grundlage obiger Zauberformel."

Supi und wer arbeitet dann noch? Nichts für ungut, lieber Werner. Ich will überhaupt nicht (und kann es auch nicht), alles selber machen, organisieren, umsetzen. Institutionen haben natürlich ihren Sinn. Sie müssen allerdings im Sinne des Ganzen arbeiten auf Grundlage klarer Regeln. Da ließen sich Rahmensetzungen definieren, die im Sinne philosophischer Ideale den Spielraum der Verantwortung definieren.

Unsere begrenzte Sichtweise bedarf immer der möglichen Korrektur des anderen. Diese "Einhegung" persönlicher Freiheit im Einklang mit der Welt ist keine Konstante und bedarf stetiger Anpassung. Es ist ein immerwährender dynamischer Prozess. Solange wir es aber nicht schaffen, für alle eine gesichterte (unaufhebbare) Existenzsicherung zu realisieren, wird es auch kaum gelingen, den Raum für "Gleichheit in der Vielfalt" zu erreichen, da ein gesunder Geist normalerweise eine gesunde Basis benötigt.

Unbestritten, dass das Sein und nicht das Haben den Wert des Lebens ausmacht, aber ohne (oder zwenig) Haben kann das Sein echt beschissen werden. Ich will hier aber nicht den Eindruck vermitteln, als wenn hier ein unauflösbarer Widerspruch vorliegt. Dialektisch gedacht ist beides als Gesamtprojekt nur von beiden Seiten her zu lösen. Wobei ideal ist, dass der der hat, gleichzeitig seine innere Wandlung forciert und dann alle Voraussetzungen mitbringt, positiv zu wirken.

Über deinen Abgrund würde ich eine Brücke bauen. :-)

 

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....zeigt, das Institutionen sich allein um ihre eigene Daseinsvorsorge sorgen - ihr Gründungsmythos wird regelmäßig verbrannt, an Regeln halten sie sich nicht, oder sie machen sie selbst.

Wessen Freiheit wird am Hindukusch, vor afrikanischen Küsten oder in Mali verteidigt?

Welches Amt schützt die Verfassung, welche Polizei vor der legalisierten Ausbeutung durch fiktive Geldberge?

Welche Institution für "Bildung" vermittelt Wissen, statt die Anwartschaft auf ein Plätzchen in der ausbeuterischen Hackordnung?

Welche Partei verriet ihre Gründungsideale noch nicht?

Bisher wird alle Arbeit von Menschen erledigt, von Institutionen allein mies verwaltet - wer benötigt unkontrollierbare Bürokratien, Heerscharen der Inkompetenz? Wer aufgeblähte Organe der Enteignung (Finanzämter) mit nachgeschalteten aufgeblähten Organen zur Verteilung um Sozialität zu praktizieren?

Diese ganze Ansammlung institutioneller Wasserköpfe ersetzt keine menschliche Zusammenarbeit, sie verhindert sie zu Gunsten ihres verkrebsten Wachstums.

Deine Institutionen sind infektiöse Zombies mit eingebautem Omnipotensanspruch.Wann hätte je eine die Verantwortung für irgendetwas übernommen?

Wie sollte eine "Existenzsicherung" entstehenen können, durch Menschen oder durch gefräßige Institutionen?

Alles was Institution zu verteilen hat, muss sie vorher erjagd haben: rate einmal von wem...

Nichts haben kann da echt befreiend sein. Du schläfst dann auch gleich besser, weil du keine Verlustängste mehr hast.

So besehen ist "Sein" notwendig prekär, weil Kamele eben nicht durch's Nadelöhr hinein passen. (Alter Katholenspruch)

Brücken baue ich da, wo ich sie für nötig halte...., die der Institutionen haben mir eine zu geringe Lebenserwartung.

     Noch ein Schmankerl  

   Macht Geld Politik?

   

 

 

     Gruß, Werner

Bild des Benutzers pleifel

Institutionen sind nur der Rahmen, in dem Menschen in einer Lokalität, innerhalb eines Zeitrahmens, beauftragte und delegierte gesellschaftliche Aufgaben zu bearbeiten haben. Das, was in meiner kommunalen Behörde alles für mich erledigt wird, kann ich durchaus als positive Arbeit werten. Wenn mir da etwas nicht gefällt, kann ich meinen Arsch in Bewegung setzen und auf Änderung hinwirken.

Die Schwächen unserer jetzigen Institutionen haben doch ganz andere Gründe. Die kennst Du selbst, hast Sie aber nicht genannt. Es ist die Eigentums- und damit Machtfrage, die ungleich verteilt ist. Was wir nach Lösung dieses Problems machen können, beinhaltet auch Institutionen (Du hast wahrscheinlich andere im Sinn), die genau das tun, was sie tun sollen. Sie wären nicht mehr über administrative Zugänge abgekoppelt, sondern unterlägen direkteren bürgerlichen Kontrollen.

Aber auch hier kannst Du nicht den hohen Maßstab philosophischer Ethik auf den Durchschnitt der Bevölkerung voraussetzen, die dann nach deinem Prinzip hoher Abstimmung untereinander, auch kein Problem mehr mit Delegation und Vertrauen haben würden. Denn wenn auf deiner angenommenen Basis der Mensch agiert, dürfte es auch nicht mehr zu den Fehlentwicklungen kommen, wie wir es bis heute beobachten können. Es ist also nicht das Problem bei den Institutionen zu suchen, sondern ausschließlich bei uns.

Uns soweit ich den "Tiger" bisher gelesen habe, ist sein Schwerpunkt der Wandlung genau der, also von "Innen" heraus. Was danach kommt, liegt dann in unserer freien Abstimmung. Heutige Abstimmungen unterliegen mindestens zweifachen Mangels, fehlendes Wissen und ethischer Standard. Ich könnte auch noch die Zwänge aus dem System dazu zählen wie, fehlende Zeit und Existenz bedrohende Zustände. Aber das setze ich als bekannt voraus.

Bild des Benutzers fahrwax

...unter ein klar hierarisch strukturiertes System, dessen Institutionen für den Macht- und Eigentumserhalt und Ausbau konzipiert sind, lieber Pleifel. Nicht das, als "demokratischer" Souverän verhöhnte, Individuum schuf diesen Moloch zu seiner eigenen Gängelung, sondern diese Instrumente zur Fortschreibung der Herrschaft bestimmen über das Individuum.

Das Gefasel von Demokratie und gleichen Chancen - Gleichheit vor dem "Gesetz", erschöpft sich in der Möglichkeit zyklisch unverbindliche Wahlversprechen krimineller Gewissenlosigkeit per analphabetischem Kreuzchen zu legitimieren. Ich nenne das Unterwerfung, unter eine Systematik die von mir nie legitimiert wurde. Diese Struktur schafft es längst nicht mehr auch nur den Anschein von Demokratie zu wahren. Das ist keine "Fehlentwicklung", sondern ein strukturelles, ein organisatorisches Problem.

Was du als zweifachen Mangel - fehlendes Wissen und Abwesendheit ethischer Standards - bezeichnest, ist kein Zufall, sondern die institutionalisierte Aufgabe von Regierung: blöd und arm halten, damit alles so ungerecht wie nötig bleibt.

Wissende, selbstbestimmte Individuen bedeuten das Ende jeder Herrschaft - nur der Unwissende identifiziert sich mit seinem Unterdrücker, sonnt sich in seinem "göttlichen Glanz".

In Griechenland haben halbwegs informierte Menschen mehrheitlich ein sehr klares Votum abgegeben, was nun dort passiert tritt diesem Votum in das Gesicht - wo bleibt die "bürgerliche Kontrolle"? Seit wann lässt sich Macht, in diesem Fall die institutionalisierte Macht der "Gläubiger" (welcher Zufall!), kontrollieren? Was wird hier, landauf landab, dazu verbreitet - wer bestimmt diese Verbreitung der Unwahrheit? Der Rollstuhlfahrer war bereits vor vielen Jahren für Waffen-Lobbyisten erschwinglich - ist er es jetzt nicht mehr? Haften "die" Griechen für die vorausgegangenen Entscheidungen ihrer Herrschaft lebenslänglich, bei Wasser und Brot - ohne Krankenversicherung? Wo sie doch so doll und demokratisch ihren Willen bekundet haben?

Besser wär's sie verweigern die Leibeigenschaft, die Schuldknechtschaft. Von einer demütigen Verinnerlichung des Sklavendaseins habe ich beim Tiger nichts gelesen.

Davon, das Ethik zu delegieren ist auch nichts...

Ich fabuliere übrigens gern über einen Räte-Kommunismus der jedem aufstrebenden Hierarchen unmittelbar alles notwendige mitteilt.

In diesem Zusammenhang hätte ich da noch ein rockiges "Urlaubsmitbringsel" für die Hirarchiefreiheit (den Text findeste bei youtube):

 

 

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"Es sind keine Kavaliersdelikte, die bei den Pressekonferenzen der Regierung und in den allabendlichen Fernsehjournalen passieren, wenn es um das hysterische bashen von Völkern und Staaten geht. In vielem an Ressentiment und Demagogie stehen die prominenten Politiker den neuen Bewegungen der Rechten in nichts nach. Das sollte klar sein, oder, um es auf den Punkt zu bringen:

Wer sich propagandistisch betätigt und sucht, das potenzielle Wahlvolk durch Vereinfachung und Emotionalisierung auf seine Seite zu ziehen, aber in keiner Weise an einer politischen Lösung eines Problems arbeitet, der ist heute schon Bestandteil der neuen Rechten.

Ja, es ist zum Augen reiben, die neue Rechte sitzt mitten in der Regierung und erscheint jeden Abend auf dem Bildschirm."

https://politropolis.wordpress.com/2015/08/01/propagandistisch-flankiert-die-neue-rechte-ist-schon-an-der-macht/

Bild des Benutzers Delloc

 „Ohne Selbsterkenntnis ist keine Tugend echt.“ (Nisargadatta)

Eine schöne Antwort und eine tiefgründige Selbsterkenntnis!