3 Aug 2015

Alles bleibt gleich

Submitted by ebertus

Die Bandbreite feat. Morgaine & Kilez More

Schon gut... und gern zugegeben, so war Rap-Musik noch nie wirklich mein Fall, wird es wohl auch nicht werden. Einzelne Stücke, einzelne Interpreten stehen dieser gefühlten, mit Sicherheit sehr persönlichen Orientierung dennoch kaum entgegen. Und um diese, wenngleich dann doch wieder über den Einzelfall hinausreichende Botschaft, deren BotschafterInnen soll es hier nun gehen.

Vom Alter her war und bin ich an einer oft alternativen Rockmusik der späten 1960er orientiert, überwiegend englischsprachig und nicht selten gesellschaftspolitisch kritisch, manchmal provozierend; versteht sich. Die wenigstens halbwegige Beherrschung der englischen Sprache macht es leicht, über die Melodie und den Rhythmus hinaus dann auch den Inhalten zu folgen. John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" ging musikalisch über in Eric Burdons "House of the rising Sun" (hier als  Alterswerk), oder auch hin zu dem "Young Man Blues" von The Who beispielsweise auf der Isle of Wight. Deutschsprachige Musik und deren Texte kamen erst später, mit Macht dann Anfang der 1980er in Gestalt von BAP, nicht zuletzt via dem nach wie vor aktuellen Arsch Huh.

Soweit in aller Kürze zu meiner dahingehenden Historie.

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Natürlich, Kunst und Kultur im weitesten Sinne wird nicht erst seit gestern systemisch vereinnahmt, als Brot und Spiele, als bunte Glasperlen, als Droge verabreicht. Und wer dabei nicht mitmacht, wer gar gegen den Strom schwimmt, der wird ignoriert solange es geht; oder dann in formaljuristischer wie -mehr noch- subtiler Art und Weise bekämpft und diffamiert. Terroristen und Neonazis, sog. Neue Rechte haben plötzlich Hochkonjunktur in der angesagten Zuweisung durch Politik und Großmedien, als des guten Volkes Stimme; nun eben genau anders herum zu verstehen; großmedial vermeldet, politisch korrekt.

Die Bandbreite und ihr Stück von den "Antideutschen", diesen neuen linken, oft islamophoben systemfrommen Faschos kam mir 2008 im Rahmen einer Diskussion in der damaligen SZ-Community auf den gesellschaftspolitischen Radarschirm. Zugegeben, die Tragweite habe ich nicht gleich erkannt, war doch auch das Judentum, waren Israel und die gesamte Nahost-Problematik bis dato kein wirkliches Thema für mich. Das änderte sich erst 2011 und wieder über Diskussionen in einer Community; diesmal via der Wochenzeitung namens derFreitag.

Nun plötzlich verstand ich es, was (mir) Wojna in Der Anti-Deutsche sagen wollte, obwohl der Text den Fixpunkt der Antideutschen mit keinem Wort erwähnt, diese sich irgendwie links gebenden Sektierer schlußendlich reaktionärer, (neu)rechter, nationaistischer, bellizistischer etc. kaum sein können. Robert Kurz, dessen Buch "Die Antideutsche Ideologie" (2003) nun von mir mit steigendem Interesse gelesen ward, Kurz nannte es das "MWW", das latent rassistische, reaktionäre männlich-westlich weisse Subjekt der Moderne. Und genau diese schon beinahe faszinierend gruseligen Figuren wurden mir dann via dem Netz und vereinzelter Veranstaltungen ein Stück weit bekannt, ihr Denken deutlich. Systemfromm, kapitalismusfromm, us-fromm könnte das Credo lauten, über die reflektionslose Identifikation mit jedwedem Gebaren Israels hinaus.

Und wegen diesem Credo kommen eben nicht nur die Bandbreite, kommen alle Kritiker der alternativlosen, extrem mittigen Alternativlosigkeit hierzulande wahlweise in extrem linke, oder extrem rechte Ecken. "Querfront" nennt sich diese Begrifflichkeit in dem falschen Syllogismus, welcher vereinfacht und dennoch auf das genannte Buch von Robert Kurz rekurrierend sich in seiner meist diffamatorischen Zuweisung dann so darstellt:

Die Nazis waren fast alle Männer -> Du bist auch ein Mann -> also bist Du mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Nazi

Halleluja, wahlweise könnte das mit den Autobahnen variiert werden, oder mit dem Pythagoras; feel free... Schließlich wurde letzterer bei Hitler genauso gelehrt und eingesetzt wie bei Honecker und heute bei Merkel. Dabei könnte dieser Mathematiker ein ganz schlimmer Sklaventreiber gewesen sein; in der griechischen Polis, der dortigen Sklavenhaltergesellschaft wohl nicht ganz ungewöhnlich...

Was die Bandbreite in den Augen der Systemfrommen,  ansonsten zu einem absoluten no go macht, das ist sowohl die Positionierung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen als auch die Hinterfragung von 9/11 - einen (möglicherweise) InsideJob. Mit Was ist los in diesem Land? haben Wojna&Co. aus meiner Sicht ein sehr realitätsbezogenes Stück abgeliefert und wer einmal -gern ergebnisoffen- beispielsweise den sauberen Niedergang des WTC7 gesehen hat, der kann die Frage eines Habt Ihr das vielleicht selbst gemacht zumindest nicht vollkommen ins Jenseits, in den Bereich von Verschwörungstheorien verweisen. Der Frankfurter UNI-Turm, mir gar aus manchem Seminar von innen bekannt bekannt, er kam vor einigen Monaten unter kontrollierter Sprengung nicht so sauber runter...

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Nun, die hier zum Auftakt-Video genannten Morgaine und Kilez More sind mir erst im letzten Sommer, im Rahmen der "Mahnwachen für den Frieden" bekannt geworden; nicht wirklich bislang. Kilez More bringt diese Art von Rap, die ich bei aller textlich-inhaltlich zugestandenen Nähe nun nicht so mag. Sein Leben und Tod des Imperialismus kann dafür exemplarisch stehen: inhaltlich vielfach zustimmend, nur für meine Ohren, mein musikalisches Gemüt ist das auf die Dauer grausam anzuhören. Aber gut, Manche(r) wird die oben verlinkten THE WHO auf eine andere Art ganz ähnlich sehen. Wobei, Kilez More kann auch anders, zumindest wie es diese deutlich erkennbare Analogie in seinem Stück: Die Welt von Morgen erkennen läßt...

Morgaine, diesen Künstlernamen trägt die Östereicherin Maren Strassner und ihre Musik ist ein wirkliches Kontrastprogramm zu den beiden Vorgenannten, insbesondere zu Kilez More. Aber genau das kann ja so schöne Synergieeffekte erzeugen wie -hier nochmal verlinkt- in dem dahingehend kontrastreichen Stück Alles bleibt gleich zu erkennen ist. Das Crowdfunding zu Marens Debütalbum war erfolgreich. Ok gut 5.000 Euro ist natürlich eine andere, viel kleinere Welt als die der Krautreporter mit ihrer Million; die Krauties ganz ohne 60 Euro aus meinem Vermögen auskommen mussten. Und der Trailer von Frei Sein ist wirklich schön, kommt jedenfalls so bei mir an.

Eben ein Kontrastprogramm, auch dieses hier: Der See