19 Jun 2015

Stefan Niggemeier steigt aus

Submitted by ebertus

Die Krautreporter: Eingeschränktes Weitermachen? Oder ein geregeltes Ende mit Ansage?

Das Experiment war richtig, war wichtig für die Macher, die Autoren und auch die Crowd. In dem Sinne stimme ich Stefan Niggemeier, seinem "In eigener Sache" weitgehend zu.

Ebenfalls Zustimmung, wenn über den von Niggemeier genannten größten Fehler zu reden ist: die eigene Software. Was hinter den Kulissen passiert, das bekommt der normale User ja eher nicht, nur im Falle grober Fehler mit; aber dieses Design... dieses sog. Userinterface war schon eine Zumutung. Habe recht schnell nach dem Start dann dort nur noch selten reingeschaut.

Zu einem anderen Punkt, dem was Niggemeier das zentrale Problem nennt, da mag ich nur teilweise konform gehen; man hätte es wissen können!

Individuen im Sinne von anerzogenem, antrainiertem Individualismus (I am, what I am) und gleichzeitig, parallel dem doch angeblich kaputten Mainstream verbunden, die verbindet nichts! Diese lose Sammlung von Geschichten, dieser Gemischtwarenladen medialer Unaufgeregtheit war dann wohl doch zu brav, zu systemtreu, im Grunde dem  Herkömmlichen verbunden; vielleicht etwas ehrlicher.

Und klar, wenn nichts Inhaltliches, gesellschaftspolitisch Verbindendes da ist, dann entfalten die Stürme im Wasserglas erst richtig Relevanz. Die Causa Tilo Jung nennt Niggemeier in seinem Text zwar nicht explizit, aber die Kommentatoren dort tun es. Fast wie kürzlich in der FC, ist die gepflegte Nabelschau nach wie vor der Bringer;

erst recht, wenn wie in diesem Falle Teile von Redaktion und Moderation einbezogen sind...

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Was mich, der ich mich nach intensiven Diskussionen (auch hier in der FC) dann einer Teilnahme dort verweigert habe, was mich noch interessieren würde, das wäre dieses Feature, welches man bei den Krautreportern nur als zahlendes Mitglied nutzen kann: die Community.

Auch dazu gab es und gibt es lediglich sehr vage Informationen. Hat es denn nun funktioniert mit der Einbeziehung der LeserInnen? Wie sah, wie sieht das im Detail aus? Und fanden die angekündigten Events statt?

Wenn ja, welche? Wo?

Kritik gab es schon, wenngleich ich Frau Meike nicht kenne, daher auch deren Relevanz nicht beurteilen kann. Offensichtlich waren ihr die Krautreporter zu oberflächlich, gar zu klamauckig einfach gestrickt. Tilo Jung kommt in ihrer Kritik -ganz ohne auf Sexismus abzuheben- auch wieder vor und das Attentat von Paris wurde gemäß dieser Kritikerin nicht entsprechend gewürdigt.

Das Übliche also, falls über easy reading hinausgehend, wenn es nicht zu vermeiden ist inhaltlich zu werden, Positionen zu beziehen; oder eben nicht. Die großen Medien versuchen ja genau diesen Spagat, oft schon recht verzweifelt; hat deren Geschäftsmodell natürlich eine ganz andere Größenordnung, eine systemischere (Chomsky, Propagandamodell) Relevanz als das bewußt so angelegte Experimentierfeld der Krautreporter.

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Fazit: eingeschränkt weiter so oder eben das geregelte Ende im Rahmen der noch vorhandenen finanziellen Mittel; eine weitere Option wird es diesmal wohl nicht geben, ist kein zweiter weisser Ritter (wie beim Croudfunding die Augstein-Stiftung) in Sicht.