8 Jun 2015

Buchprojekt Kap. 7: "Die Waffe der Angst"

Submitted by Delloc

Angst ist eine evolutionär entwickelte Stressreaktion, die dreierlei Verhalten bewirken kann: Angriff, Flucht oder Erstarrung. In jedem Fall werden durch Ausschüttung von Neurotransmittern zusätzliche Energien bereitgestellt und andere energieverbrauchende Körperprozesse unterdrückt, um situativ Reaktionen zu ermöglichen, die das aus dem Gleichgewicht geratene körperliche und psychische Gleichgewicht (Homöostase) wieder herstellen sollen.

Psychische Stressfaktoren entstehen vor allem durch Zeitdruck, lückenhafte bzw. nebulöse Orientierungen, Konflikte, Konkurrenz, Anerkennungs- und Selbstwertdefizite, hohe Entscheidungsrisiken, fehlende Freiheitsspielräume, Versagensängste, labiles Umfeld, usw. usf.. Damit daraus Ängste entstehen, bedarf es aber situativ einer Mangelprojektion, die Gefahr, Überforderung, Hilflosigkeit, Unterlegenheit,  Überforderung oder Kontrollverlust  signalisiert. Dabei setzt jede Mangelprojektion einen Vergleichsmaßstab voraus, der sich an Idealzuständen, die eigene Identität betreffend, orientiert.

Identitäten sind die Folge von Identifikationen, Resultate von Lernprozessen, die unter vorgegebenen familiären und gesellschaftlichen Bedingungen stattfinden. Mit anderen Worten: wer und was ich glaube, zu sein, was ich anstrebe und zu vermeiden suche, setzt sich aus den Impulsen und Informationen zusammen, die mir die Elterngeneration interaktiv und kommunikativ übermittelt hat. (s. o. Freuds Über-Ich)

Ob aus Konfliktsituationen mit den verinnerlichten Normen und Werten Ängste entstehen, hängt vor allem vom Identifikationsgrad, den individuellen Fähigkeiten und soziokulturellen Rahmenbedingungen ab.

Faktoren wie Selbstwertgefühl, Selbstbehauptung, Selbstverantwortung, Selbstfürsorge, ausgewogene Distanzierung, Gelassenheit und Humor, kognitive, kommunikative und emotionale Kompetenz, Kompromissbereitschaft, Optimismus und Gesundheit tragen sicherlich dazu bei, wie jemand in Konfliktsituationen reagiert und in welcher Weise Ängste als situative Standardreaktion eine Chance haben, sich einzuschleichen.

Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob diese Eigenschaften, die von vielen Psychologen als Ideal des vollkommenen Menschen definiert werden, nicht selbst Ausdruck einer zutiefst neurotischen Reaktion sind?!

„Wir Menschen sind im Innern verletzt, und aus diesen Verletzungen entstehen neurotische Aktivitäten - aller Glaube ist neurotisch, Ideale sind neurotisch.“ (Jiddu Krishnamurti)

Die heutige Verfassung der Menschheit wird durch Machtgier, Habsucht, Aggressionen, Neurosen, Paranoia, Drogenkonsum, Folter o. ä. Angst- und Wahnreaktionen sicherlich treffender beschrieben als durch eine friedliche, respektvolle und liebevolle Verhaltensweise der Völker und Länder untereinander. 

Vor allem das anglo-amerikanische Establishment, das russische, chinesische und inzwischen auch europäische Nachahmer gefunden hat, setzt alles daran, diesen Globus in eine Hölle der Angst zu verwandeln.

Der derzeitige Terror, der von den imperialistischen Regierungen, Militärs und Geheimdiensten verbreitet wird, ist der untaugliche Versuch, das schlechte Gewissen der Patriarchen und Mafiosi in frischem Blut zu ertränken. Die Werte, die uns die Regimes der Eltern- und Großelterngeneration übermittelt haben, die Hunderte Millionen Mitmenschen ausgebeutet, vertrieben, gequält, geschändet und ermordet haben, tragen blutige Früchte auf den Schlachtfeldern der Gegenwart. Und dieses karmische Karussell wird sich ohne Unterlass weiterdrehen, wenn ihm nicht irgendwann Einhalt geboten wird.

Angst ist nämlich eine mächtige Waffe, um Liebe zu zerstören. Wenn Liebe an Bedeutung gewänne, würde die gegenwärtige Politik des Wahnsinns und der Perversion augenblicklich enttarnt und für jedermann offenbar werden. Das können sich die Finanzmafiosi und ihre Politlakaien aber nicht erlauben. Und so muss das Gemetzel weitergehen und die Höllenfeuer werden weiterhin angeheizt.

Um dies restlos zu verstehen, bräuchte es allerdings eine bewusste und allumfassende Liebeserfahrung. Wahrscheinlich wird die Mehrheit behaupten, sie wüssten, was Liebe sei und wie sie sich anfühlt. Wenn die Erkenntnis von Liebe aber mit vollem Bewusstsein und allumfassend eintritt, wäre da nicht einmal mehr der winzigste Hauch von Angst zu verspüren und die Menschheit würde den blutrünstigen Militärs, rücksichtslosen Bank- und Börsenmafiosi sowie ihren korrupten Politlakaien nicht den Hauch einer Machtoption zugestehen.

„Angst ist die Energie, die zusammenzieht, versperrt, einschränkt, weg rennt, sich versteckt, hortet, Schaden zufügt. Liebe ist die Energie, die sich ausdehnt, sich öffnet, aussendet, bleibt, enthüllt, teilt, heilt. Angst umhüllt unseren Körper mit Kleidern, Liebe gestattet uns, nackt dazustehen. Angst krallt und klammert sich an alles, was wir haben, Liebe gibt alles fort, was wir haben. Angst hält eng an sich, Liebe hält wert und lieb. Angst reißt an sich, Liebe lässt los. Angst nagt und wurmt, Liebe besänftigt. Angst attackiert, Liebe bessert. Jeder Gedanke, jedes Wort oder jede Tat eines Menschen gründen sich auf eine dieser beiden Emotionen.“ (Neale Donald Walsch)

Angst ist das Feuer, mit dem jenes falsche, unglückliche Selbst alles Leben in der Hölle der Zeit verschmoren lässt, wohl wissend, dass es in der lebendigen Gegenwart zum Tode verurteilt ist. Angst und Ego haben nämlich eins gemeinsam. Sie existieren nur in Form von Gedanken, doch die zeitlose Ewigkeit ist gedankenlos. Die zeitlose Ewigkeit kennt sich nur als Selbst und kann sich nur in der umfassenden Liebe erkennen. Insofern existieren Angst und Liebe, „Ich“ und Liebe, niemals gemeinsam. Angst und „Ich“ dagegen bedingen einander. Wie alle Dämonen brauchen sie die Dimension der Zeit und werden stets dafür kämpfen, die Gegenwart mit ihren Aktionen auszulöschen.

„Geist ist nichts als die Identifizierung des Selbst mit dem Leibe. Damit wird ein falsches "ich" geschaffen, das aus sich heraus wieder falsche Erscheinungen schafft und sich unter ihnen umher bewegt; alles dieses ist Wahn. Das Selbst ist die einzige Wirklichkeit. Verschwindet diese irrtümliche Identifizierung, dann wird das Beharrende der wahren Wirklichkeit sichtbar. Das bedeutet nicht, dass die wahre Wirklichkeit nicht auch jetzt gegenwärtig wäre! Sie ist immer da und ewig dieselbe, und wird von jedermann erfahren, denn jeder weiß, dass er ist.“ (Ramana Maharshi)

Das Ego zelebriert durch Identifikationen einen Götzendienst, der sich in Vorstellungen von vergänglichen Fragmenten abmüht und erschöpft. Darin liegt die wahnhafte Erniedrigung egomanen Agierens. Alles Körperliche/Materielle ist begrenzt, sowohl räumlich als auch zeitlich. Wenn man diese Dimension in den Mittelpunkt der Weltanschauung rückt, wird die Wahrnehmung der „wahren Wirklichkeit“ ausgegrenzt und verdrängt, sodass die Bedeutung der menschlichen Existenz und ihres Wesens nicht erkannt werden kann. Diese Bedeutungslosigkeit aber ist der Wahnsinn, aus dem die Angst entspringt.

Ein angsterfüllter Geist wird diese Welt mit Eigenschaften ausstatten, die sie nicht besitzt und Bilder von ihr ablichten, die gar nicht existieren. Angsterfüllte Geister sind auch eine leichte Beute für jedwede Propaganda, weil ihnen die existenzielle Gewissheit fehlt, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Ein angsterfüllter Geist glaubt zwangsläufig, dass in diesem Weltgeschehen konkurrierende Interessen miteinander in Konflikt stünden und leitet daraus ab, dass sein Eingreifen erforderlich sei. Auf diesem Irrtum basieren die Ideologien des Konkurrenzkapitalismus und der Leistungsgesellschaft.

„Das Universum ist vollkommen. Es kann nicht verbessert werden. Wer es verändern will, verdirbt es. Wer es besitzen will, verliert es.“ (Laotse)

Nur ein furchtloser Geist kann erfassen, dass er bereits diese vollkommene Wirklichkeit ist. Nur in dieser Überzeugung und Erfahrung können Haben und Sein versöhnt werden. Erlösung von jedweder Angst ist nichts als eine Spiegelung des vollkommenen Denkens.

Die Angst dagegen ist eine Folge des Glaubens an das Getrenntsein von der Welt (Dualismus). Dieser Glaube hat unmittelbare psychische Konsequenzen. Zu einen die argwöhnische Beobachtung der Außenwelt (Neurosen, Paranoia) – das Politikthema „Sicherheit vor Terroristen“. Zum andern die identifikatorische Projektion (Narzissmus) auf alles, was man als eigene Schöpfung ansieht und zum persönlichen Besitz zählt.

Aus beiden psychischen Konsequenzen resultiert das Wesen des egomanen Größenwahns, die wirkliche Vollkommenheit zu attackieren und zu unterwerfen. Dieser Wahn schwankt zwischen Argwohn und Bösartigkeit hin und her. Er bleibt so lange argwöhnisch, wie du an dir und deinen Defiziten verzweifelst. Er geht zu Bösartigkeit über, wenn du die Entscheidung triffst, die Selbsterniedrigung nicht zu ertragen und einen Ausgleich zu suchen. Dann bietet er dir als „Lösung“ die Illusion des Angriffs an.

„Meditation ist eindeutig der beste Weg, Furcht und Angst zu überwinden. In der Meditation versuchen wir, uns mit der Weite, mit dem Absoluten zu identifizieren. Wir fürchten uns vor einem Menschen oder vor einer Sache, weil wir nicht fühlen können, dass der Betreffende oder die Sache ein Teil unserer selbst sind. Wenn wir jedoch unser bewusstes Einssein mit dem Absoluten hergestellt haben, fühlen wir, dass alles ein Teil von uns ist. Und wie können wir uns vor uns selbst fürchten?“ (Sri Chinmoy)