22 Mai 2015

Über Schreiben hinaus I

Submitted by ebertus

Was kann man tun? I've got mail: "Hallo Bernd Ebert Ganz herzlichen Dank für Deine Spende vom 27.04.2015. Nur zusammen können wir etwas erreichen. Herzliche Grüße vom ganzen Sea-Watch-Team"

Tun! Statt nur reden; über das Schreiben (hier) hinaus...

Meine Spendentätigkeit liegt im Normal- bzw. Einzelfall in der Größenordnung von 10 bis 20 Euro, zuletzt Sea-Watch. Wobei zu hoffen ist, dass dieses Schiff, diese Aktion nicht das Schicksal der Rainbow Warrior teilen muss. Zu unterstellen, gar zuzutrauen ist den Diensten Alles - wie wir gerade, beinahe täglich neu wieder vernehmen.

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Gegen das große Kapital, dessen Lobby, dessen Undercovers, dessen marionettige PolitikerInnen, dessen weitgehend hofberichterstattende Medien kann der Einzelne wenig bis nichts ausrichten, ist lediglich im Schwarm nicht vollkommen hilflos.

Allerdings vorsicht vor den staatsräsonalen Institutionen der postmodernen Zivilgesellschaft, den Parteien, den sog. NGO's; sie vereinnahmen, sie instrumentalisieren - und sie spucken dahingehend Unbrauchbares dann recht schnell wieder aus. Die entstehende Reibungshitze beim "über den Tisch gezogen werden" sollte nie mit Nestwärme verwechselt werden.

Was also tun, über das Reden und Schreiben hinaus?

Teilnehmen, spenden, kaufen, sich verweigern!

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Und nein, an die Schienen im Schotterbett vor Gorleben werde ich mich nicht mehr ketten, wenngleich bereits Ende der 1960er unter den Wasserwerfern am Berliner Kranzler-Eck gestanden, in den 1980ern so manche Demo der damals noch wirklich alternativen Grünen begleitet, Beruf und Familienleben dann jedoch andere Prioritäten setzten.

So ab 2009/10 ist Teilnehmen wieder angesagt, bei den mir sinnvoll erscheinenden Demos und Events: zu S21 in Stuttgart, zu "Wir zahlen nicht..." in Frankfurt und ansonsten mehrfach in Berlin; zuletzt bei der von Pedram Shahyar organisierte Spontandemo vor dem Springer-Haus.

Parallel dazu und primär um die eigene Informiertheit zu sichern steht der Besuch -allein oder in Begleitung- von Vorlesungen, Vorträgen, Diskussionsrunden, Seminaren etc. auf der Agenda; zuletzt ein Treffen zur Griechenland-Solidarität im Hinterzimmer des Terzo Mondo.

Die ersten Spenden -meinem hier in der FC geweckten Interesse an der Nahost-Problematik geschuldet- leistete ich so um 2012/13, zuerst an das israelische +972mag und dann an das US-Blog Mondoweiss. Parallel dazu und schlußendlich als eher indirekte Unterstützung zu verstehen, war die entsprechende Literatur anzuschaffen; Bücher und auch E-Books; zuletzt "Goliath" von Max Blumenthal.

Eher lokal bis regional engagiert seien hier stellvertretend drei Ziele für bereits geleisteten, (auch) finanziellen Support genannt:

# Die im Nachgang eines von der Freitagsbloggerin Daniela Waldmann organisierten Treffens entstandenen Termiten.

# KenFM , primär als Dank für die vielen interessanten GesprächspartnerInnen eben dort.

# Zuletzt das sog. Blumenmeer im Treptower Park, wider den aufziehenden Geschichtsrevisionismus.

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Kaufen! Was gibt es noch?

# Bis zu ihrer Einstellung haben wir im Familienkreis die Financial Times Deutschland, ihre papierne Form, deren partiell linksliberalen Kurs unterstützt.

# Ebenso die taz, wo unser Support dann jedoch im Frühjahr 2014 endete, das Blatt wohl mittlerweile vollkommen transatlantisch-bellizistisch eingenordet ist; wenngleich andere, grüne bzw. linke Themen immer noch als ein gewisses Feigenblatt daher kommen.

# Bei der JW wurde über mehrere Jahre ein Soli-Abo unterhalten, nun jedoch auf den sporadischen Einzelkauf umgestellt, dito ein gelegentlicher Einzelkauf der unter gleicher Verantwortung stehenden M&R und des Magazins Hintergrund.

# Natürlich, ebenso wird derFreitag gekauft, in papierner Form zuletzt das Heft 14/2015 und ansonsten auch schon mal eine Digitalausgabe.

Die grundlegende, die (auch) realpraktische Philosophie des dahingehenden Verweigerns ist einfach: Den Einzelkauf kann man jederzeit stoppen, die Kündigungsfrist eines Abo schon dauern und noch schlimmer ist die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft; ein sog. Vereinsmeier bin ich eh' nicht.

Man stelle sich nur vor, bei der taz Genossenschaftsanteile zu besitzen - und dann das...

Oder die Krautreporter mit 60 Euro angeschoben zu haben. Wo sind die eigentlich...? Machen die nach dem Jahr gar noch weiter?

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Abschließend wieder zurück zu der eingangs genannten Spende für Sea-Watch. Genau das scheint mir -jenseits wichtiger interner, freiwilliger Vernetzungen, Teilnahmen, Unterstützungen- das monetäre bzw. materielle Gebot der Stunde. Kleine Beträge; und diese streuen, den Empfängern damit und nicht zuletzt Solidarität bekunden.

Weil ansonsten: auch im Guten kann es weniger Gutes geben, können Gute es sich plötzlich anders überlegen, können wirklich gute Relativierungen dann das Maß der Dinge werden.

Da sollte man dann einfach auch mal weniger gut sein...