1 Mai 2015

Buchprojekt Kap. 4., Die Welt der Dämonen

Submitted by Delloc

Buchprojekt „Was es ist“ – Selbst-Begegnungen                                               Kap. 4., Die Welt der Dämonen

 

Der persischsprachige Dichter Dschalal ad-Din Muhammad Rumi schrieb in seinem Gedicht „Geheimnis des Herzens“:

 

Lausche der Schilfflöte,

wie sie ihre Geschichte erzählt:

Seit ich vom Schilfwald getrennt bin,

berührt mein Klang die Seelen der Menschen.

All jene, die wissen

was Trennungsschmerz heißt,

verstehen meine Klage.

Wer von seinem Ursprung getrennt wurde,

ist immer auf der Suche nach seinen Wurzeln.

 

Die Suche nach dem Ursprung menschlichen Seins bleibt letztlich unerfüllt, und so kann die Frage „Wer bin ich?“ nicht endgültig beantwortet werden.

Wissenschaftlich nennt man diese Erkenntnis das “Quantum-Messungs-Paradoxon”, zu dem der Nobelpreis-Physiker Eugene Wigner wiederholt schrieb, dass das Universale Bewusstsein die Wurzel des „Problems“ sei. Schließlich besteht unser Gehirn aus Atomen und Elementarteilchen, die ihrerseits das Ergebnis einer Möglichkeitswelle sind. Wie also sollte ein Gehirn, das aus Atomen und Elementarteilchen besteht, eine Möglichkeitswelle umwandeln können, die es selbst ist?

Aus dieser Sichtweise ist das Universale Bewusstsein der einzige Urgrund des Seins. Nur Bewusstsein ist in der Lage, Möglichkeit in Wirklichkeit umzuwandeln, weil Bewusstsein nicht aus Materie besteht, sondern transzendent ist.

Bewusstsein ist nicht einmal existent (lat. exire = aus etwas hervor-, herausgehen), sondern im usprünglichen Sinne „the one without a second“.

In diesem Sinne sind alle beobachtbaren Phänomene nur Erscheinungsformen von Möglichkeitswellen, und der menschliche Beobachter und seine Beobachtungen sind darin eingeschlossen.

 

Die Neue Physik hat eine Reihe von möglichen konzeptionellen Strategien aus diesen Erkenntnissen (z.B. EPR-Effekt, Bells Theorem) entwickelt. Nick Herbert beschreibt in seinem Buch Quantum Reality - Beyond the New Physics, acht mögliche Interpretationen des aktuellen Erkenntnisstands:

  • es gibt keine zugrundeliegende Realität
  • Realität ist durch Beobachtung geschaffen
  • Realität ist eine ungeteilte Ganzheit
  • es gibt tatsächlich viele Welten
  • die Welt gehorcht einer nicht-menschlichen Art der Denkweise
  • die Welt besteht aus gewöhnlichen Objekten
  • Bewusstsein schafft Realität
  • ungemessene Quanten-Realität existiert nur potenziell.

Jede dieser Interpretationen erzeugt ihre eigenen Paradoxa. Für viele ein schwerer Schlag, erkennen zu müssen, dass der homo sapiens, die „Krone der Schöpfung“, zu keiner gesicherten Wahrnehmung fähig ist. Der Glaube an die „klassische“ Kausalität kann lediglich auf einer statistischen Ebene aufrecht erhalten werden, wenn aus vielen Beobachtungen ein Durchschnitt gebildet wird. Das einzelne lebendige Ereignis kann aber radikal von der statistischen Prognose abweichen.

Diese Unsicherheit kann zum Problem werden, wenn Erwartungen von Ereignissen unzweideutig definiert sind, bzw. nur innerhalb enger Toleranzgrenzen geduldet werden.

Mit anderen Worten: die lebendige Frische des Augenblicks wird nur dort begrüßt, wo der Erwartungshorizont unspezifisch fokussiert ist – im Gegensatz zu festen Absichten und konkreten Wünschen, die sich irgendwann erfüllen sollen.

Die persönliche Charakterdisposition entscheidet in jedem Augenblick darüber, wie die wahrgenommenen Impulse zu begreifen und zu interpretieren sind. Je verhafteter ein Beobachter mit seinen persönlichen Zielen und Erwartungen an das Leben ist, desto angestrengter wird er sich darum bemühen, die wahrgenommen Impulse zu selektieren, zu strukturieren und in bekannte Erinnerungszusammenhänge zu integrieren. Dabei sind der geistigen Vorstellungskraft (Phantasie) kaum Grenzen gesetzt. Ja, irgendwann kann sogar  die Bewusstheit verloren gehen, dass diese halluzinogenen Manipulationen auf eigenen Gehirnaktivitäten basieren. Die Welt der persönlichen Dämonen wird dann als reale Welt begriffen.

Die Welt, in der Menschen leben und sich innen wie außen orientieren, ist größtenteils das Resultat automatischer neuronaler Prozesse, die sich irgendwann in der Vergangenheit eingeschlichen und verfestigt haben und heute die Wahrnehmung filtern und vernebeln. Die „Wüste der Gewohnheit“ („le désert de l’habitude“ – Mikis Theodorakis) legt sich unbemerkt wie ein Sandteppich über die sinnlichen Impulse und droht, alles Leben zu ersticken.

Viele empfinden eine vage Unzufriedenheit, einen Mangel an Sinn und Erfüllung oder dumpfe Gefühle von Leblosigkeit. Andere fühlen sich unzulänglich, leer oder ohnmächtig. Alle diese psychomentalen Mangelgefühle sind letztlich Ausdruck jenes Gefängnisses, in dem  Charakter-Dämonen das Zepter schwingen, die den Menschen – Täter und Opfer zugleich – den Blick auf die Wirklichkeit verstellen und das Leben zu einem Überlebenskampf des Ego missbrauchen.

Das Dilemma des Ego liegt ja in seiner Nicht-Existenz in der Gegenwart (s. o.). Um dies zu verbergen, schaltet es die Gegenwart so weit wie möglich aus, indem es bedeutsame Erfahrungen aus der Vergangenheit psychisch und mental thematisiert. Wenn aber die Wahrnehmung von Erinnerungen beeinflusst bzw. überlagert wird, kann die Frische gegenwärtiger Impulse nicht mehr authentisch erlebt und verarbeitet werden.

Vereinfacht gesagt: Die Entscheidung, welche Welt wir sehen wollen, rührt aus der Vergangenheit. Alle Hebel in Bewegung zu setzen, um diese Entscheidung auf die höchste Prioritätsstufe zu setzen, ist die ureigene Funktion des Ego, seine schärfste Waffe die Projektion. Was als Bestätigung der Vergangenheit wahrgenommen werden soll, wird auf die Welt projiziert und dadurch „wahr genommen“.

Wenn durch Wahrnehmung z. B. Ärger, Aggression oder Mangel an Liebe bestätigt werden soll, wird eine Welt des Bösen, der Zerstörung, der Böswilligkeit, des Neides und der Verzweiflung erscheinen.

Die Dämonen des Ego sind keine Eigenschaften charakterlicher Art, sondern Hirngespinste, Ideen und Gefühle, die das Urtrauma des Egos „bebildern“ und kompensieren sollen.  

Obwohl alle diese Projektionen falsch sind, enthält doch jede einzelne auch einen wahren Kern, der sich erst dann offenbart, wenn die Tiefe der Wahrnehmung die Dimension der „Ich-Bin“-Wahrnehmung transzendiert.

Dies soll an einem Beispiel (in Anlehnung an Sandra Maitri, Neun Porträts der Seele – Die spirituelle Dimension des Enneagramms, Bielefeld 2004), erläutert werden.

Allen Projektionen, die aus dem Verlustgefühl des ursprünglichen Selbst resultieren, ist gemeinsam, nicht das Vergessen zu thematisieren, sondern den psychomentalen Mangel zu verbergen und zu kompensieren. Das Vergessen bleibt aber stets der „nährende“ Hintergrund, vor dem sich zahlreiche spezifische Reaktionen und Interpretationen abspielen. Insofern stellt die sogenannte „Ego-Trägheit“ die „Mutter“ aller Verhaltenstypen dar, die diesen Mangel zum Ausdruck bringen.

Die „Ego-Trägheit“, in der wir unser tiefstes Wesen regelrecht „verschlafen“, beherbergt viele Gesichter: unscheinbar, reserviert, unbestimmt, angepasst, konfliktscheu, für alles in der Welt Verständnis zeigen, unempathisch gegenüber eigenen Gefühlen und Gedanken, Vernachlässigung eigener Bedürfnisse, faul oder überhektisch, Trost durch Annehmlichkeiten und Ablenkungen suchend. Schmerzhafte Mangelgefühle von Bedeutungs-, Wertlosigkeit und Unzulänglichkeit sollen durch Solidität, Stabilität, Zuverlässigkeit und Freundlichkeit übertüncht und vergessen werden.

Anstatt im Innen nach der tiefen Ursache des Verlustes zu suchen, lässt sich die Ego-Trägheit durch Außenorientierungen anleiten und zu Reaktionen bewegen. Menschen, die diesen Verhaltenstyp vorrangig verkörpern, werden sich arbeitswillig auf die Bedürfnisse der Umwelt und anderer Menschen einstellen und ihr eigenes Selbstwertgefühl darauf gründen, was sie anderen bedeuten und für andere tun. Ideal für jedes Gemeinwesen, das auf Ausbeutung und Begünstigung privater Profit- und Machtinteressen basiert.

Schließlich ist die Bürgerliche Kultur und Zivilisation durch brutale Anpassung und psychische Konditionierungen gekennzeichnet, während das menschliche Wesen durch den Prozess der Selbst-Vergessenheit eingeschläfert werden soll.

Zu 99% scheint dies derzeit gelungen zu sein. Existenzbedrohende Krisen, Kriege, Vertreibungen und andere soziale Katastrophen führen ja nicht dazu, dass die herrschenden Machtverhältnisse in Frage gestellt werden, sondern treiben die Menschen zunehmend in Zustände von Resignation und entsolidarisierter Verwahrlosung.

Beide Gefühlsqualitäten basieren auf vorbewussten Interpretationen, dass ein menschliches Wesen per se weder wertvoll noch liebenswert sei und dementsprechend Aufmerksamkeit, bedingungslose Wertschätzung und anerkennende Zuwendung verdiene. Demgemäß setzen die Bürgerlichen Machteliten in Politik und Wirtschaft lediglich fort, was Massen junger Menschen bereits zuvor in ihren Familien erfahren mussten: dass ihr tiefstes Wesen von der Umwelt weder erfasst noch gehalten wird.

Für viele, die diesen inneren Schmerz durch Betäubung oder Abtötung des inneren Gewahrseins abzuschwächen versuchen, ist diese Art, sich selbst in den Schlaf zu wiegen, ein typischer Abwehrmachanismus. Ob die massenhafte Beliebtheit volksmusikalischer Rhythmen und Schunkelveranstaltungen repräsentativ die Verbreitung der Ego-Trägheit abbildet, wird in einer vergnügungssüchtigen Konsum- und Profitkultur vermutlich niemals erforscht werden.

Die charakteristische Vergesslichkeit dieses Verhaltenstyps äußert sich aber nicht allein darin, dass sie ihre eigenen Tiefen oder ihr wahres Wesen aus dem Auge verlieren. Sie neigen grundsätzlich dazu, alles Mögliche aus dem Gedächtnis zu verlieren. Sie vergessen, was sie eigentlich tun müssten, verlieren mitten in einer Aktivität den Faden und lassen sich leicht von allen möglichen unwichtigen Dingen ablenken und aus dem Konzept bringen.

Dahinter steckt der Versuch, praktisch zu bestätigen und zu verteidigen, dass es nichts gibt, dem eine außerordentlich Priorität einzuräumen sei. Diese Methode, sich gegenüber allen quälenden Gefühlen taub zu stellen, kann auf Dauer allerdings eine Verschlimmerung der Symptome, ggf. Alzheimer und Demenz, bewirken.

Selbstvergessene Menschen bevorzugen den Weg des geringsten Widerstandes und sind häufig in bürokratischen Institutionen anzutreffen, in denen Handlungsabläufe quasi automatisch ohne großes persönliches Engagement stattfinden. Der Hang zum Konformismus ist vielfach überstark ausgeprägt, sodass das eigene Funktionieren jede kritische Infragestellung selbst sinnlosen Tuns verhindert. Selbstvergessene Menschen sind die perfekten Rädchen in einem größeren Getriebe, die absolut kleinkariert ihre Funktion erfüllen, während ihr restliches Leben oft im Chaos versinkt oder sie vielleicht gar kein restliches nennenswertes Leben vorweisen können.

Ein weiteres Merkmal dieses Verhaltenstyps (in der Typologie des Enneagramms die „Neun“) ist ihre ausgeprägte Konfliktvermeidungsstrategie. Um diese praktizieren zu können, nehmen sie andere Menschen eher vage und unbestimmt wahr, um verletzende Friktionen zu vermeiden, die ihrer Meinung nach aus einer scharfen und klaren Sichtweise resultieren würden. Selbst wenn ihnen bewusst wäre, was sie denken und fühlen, würden sie dies lieber nicht zum Ausdruck bringen, um keinen Streit zu riskieren. Die Wurzeln dieses konfliktscheuen Verhaltens sind durchweg darin zu finden, dass sie (mindestens) einen unaufmerksamen Elternteil nicht ärgern oder herausfordern wollten, um das bisschen Liebe und Aufmerksamkeit, das sie zu bekommen meinten, nicht auch noch zu verlieren.

Die daraus resultierende Außenorientierung bewirkt, dass diese Charaktere sich permanent auf alles fokussieren, was sie von ihrem eigenen Innenleben ablenkt. Der Versuch, den Aufmerksamkeitsfokus von außen nach innen zu lenken, wird von einem entwickelten Über-Ich durch Interventionen und Warnungen boykottiert, den Sandra Maitri für den Enneagramm-Typus der „Neun“ folgendermaßen beschreibt:

„Ihr Über-Ich will sie, koste es was es wolle, vor den Konflikten bewahren, die anscheinend auf sie zukommen, wenn sie ihren eigenen Wünschen, Gefühlen und inneren Eingebungen Gehör schenkt. Es schimpft sie aus und bittet sie, lieb zu sein und bloß nicht aufzufallen, sondern brav mit dem vorherrschenden äußeren Fluss zu fließen. Es ermahnt sie, sich nicht so wichtig zu nehmen, und erklärt ihr, dass es gefährlich sein kann, sich in den Vordergrund zu stellen.“ (Ebd., S.80)

Wenn diese Abwehrmaßnahmen des Über-Ich auch nur einen kurzen Moment nicht mehr greifen, „wird die Neun sehr schnell mit ihrem tiefen Gefühl konfrontiert, minderwertig, wertlos und nicht liebenswert zu sein. Auf einer tieferen Ebene wird sie mit dem Defizit im Kern ihrer Persönlichkeit in Kontakt kommen, dem Gefühl, im Grunde ihres Wesens mangelhaft und unzulänglich zu sein. Sie muss dann herausfinden, untersuchen und erforschen, warum sie das von sich selbst glaubt und wie es geschehen konnte, dass diese zentrale Überzeugung zur Basis ihres Selbstgefühls wurde. Wenn sie die extrem schmerzhafte Empfindung, unzureichend und minderwertig zu sein, zulässt und zu ihr hin spürt, werden begriffliche und vorbegriffliche Erinnerungen, die dieses Selbstgefühl verursacht und aufrechterhalten haben, zum Vorschein kommen. Diese Erinnerungen müssen verarbeitet und verdaut werden. Die entsprechenden Objektbeziehungen - ihr inneres Gefühl für sich selbst und andere - muss sie sich, wenn sie gerade stattfinden, im Außen ansehen und sich dann die dazugehörigen inneren Konstrukte bewusst machen.

Gleichzeitig verlangt das wahre Handeln von ihr, sich mit ihrem Körper zu verbinden und ihn vollständig zu bewohnen. Anstatt über ihre inneren Empfindungen hinwegzugehen und sie zu verniedlichen, wird sie sich auf sie einstellen und ihnen ihre Aufmerksamkeit schenken müssen. Der tiefe, fühlende Kontakt mit ihrem Körper wird all die Jahre der Vernachlässigung spürbar machen, was wahrscheinlich viel tiefe Trauer mit sich bringt. Je mehr sie ganz in ihrem Körper lebt und ihre Aufmerksamkeit auf sein Inneres richtet, desto enger wird sie mit ihrer eigenen innersten Würde und ihrem Selbstwert in Kontakt kommen und sie verstärken. Außerdem wird sie, je mehr sie auf ihren Körper achtet, ihre Emotionen bemerken und beachten. Auch ihr Verstand wird schärfer und klarer werden. Sie wird sich zunehmend lebendig und als ein Teil des Lebens fühlen. Wenn sie weiterhin ihre Aufmerksamkeit nach innen richtet, wird sie schließlich die Gesamtheit ihrer Seele spüren.

Je präsenter sie wird, desto bewusster wird ihr der mangelnde Kontakt mit ihrem wahren Wesen - das kann sich wie ein riesiges Loch in ihrer Seele anfühlen. Wenn sie nicht länger vor ihm flieht, um sich in Schläfrigkeit und Ablenkungen zu verkriechen, sondern es sich erlaubt, zu diesem Loch hinzufühlen und Interesse an ihm zu bekunden, wird sie merken, wie sich das Gefühl von Defizit und Leere verändert. Dann kann sie sich ihm weiterhin öffnen und erforschen, wie es sich wirklich anfühlt.“ (Ebd., S.80 f.)

Wie „es“ sich wirklich anfühlt, ist eine besondere Erfahrung, die von  außergewöhnlichen Prozessen oder Kontexten begleitet und begünstigt wird. Diese „Bedingungen“ können aber nicht „hergestellt“ werden, obwohl dies vielfach z. B. durch symbolschwangere Rituale, Messen, Gesänge etc. versucht wird. Alle diese Anstrengungen vergessen, dass das Universale Bewusstsein das einzige Subjekt allen Geschehens ist und das individuelle Bewusstsein lediglich seine Erscheinungsform. Trotzdem können sich Quelle und Manifestation in harmonischer Identität vereinen und gegenseitig erkennen, wenn die „Welt der Dämonen“ keinen Zugriff mehr hat und die Wirklichkeit als DAS wahrgenommen wird, was „es“ ist. In „Ein Kurs in Wundern“ wird dieser Zusammenhang sehr schön beschrieben:

„Es ist nicht deine Aufgabe, die Wirklichkeit zu machen. Sie ist ohne dein Machen da, aber nicht ohne dich.“ (Ebd., S. 281)

Deine Aufgabe ist es nicht, nach Liebe zu suchen, sondern einfach, alle Schranken in dir selbst zu suchen und zu finden, die du gegen sie erbaut hast. Es ist nicht nötig, nach dem zu suchen, was wahr ist, aber es ist nötig, nach dem zu suchen, was falsch ist.

Jede Illusion ist eine Illusion der Angst, welche Form sie auch immer annimmt. Und der Versuch, aus einer Illusion in eine andere zu entrinnen, muss scheitern. Wenn du die Liebe außerhalb von dir suchst, kannst du sicher sein, dass du in deinem Inneren Hass wahrnimmst und vor ihm Angst hast. Frieden jedoch wird niemals aus der Illusion der Liebe kommen, sondern nur aus ihrer Wirklichkeit.“ (Ebd., S. 338 f.)

Die Weisen der Menschheitsgeschichte haben immer wieder betont, dass das unveräußerliche Wesen des ewigen Selbst die Befreiung von jeglicher Identität ist. Wir sind bereits das Selbst und das Selbst allein existiert. Doch die Welt der Dämonen kann uns über die Wirklichkeit unseres Seins täuschen, wenn wir darüber unwissend (gehalten) werden und von Unwissenden sozialisiert und konditioniert werden.

Ob die Befreiung von jeglicher Identität und damit die Erkenntnis unseres wahren Seins vor dem körperlichen Tod oder danach stattfindet, ist aus Sicht der absoluten Wahrheit allerdings völlig unerheblich.

Kommentare

Bild des Benutzers fahrwax

Ich täte einmal frech behaupten: es geht um die Befreiung von jeglicher materieller Identität. Um das Sein, statt dem Elend des (darstellenden) Besitzers. Dem (sich) Selbstbewußten mag somit der, eigentlich tendentiös stinkig systemerhaltent gemeinte, "geile Geiz" die eine oder andere Pforte der Wahrnehmung öffnen.

In der Reduzierung auf Sinnlichkeit, unter Ausschaltung der mörderisch-materialistischen Norm-Sozialisation, liegt jedenfalls so mancher Schlüssel verborgen. Das Ideal für ein Gemeinwesen, das diese Bezeichnung denn sogar verdiente, schiene mir die Empfindung der eigenen Nützlichkeit - ohne die direkte materielle 'Entlohnung' (Entfremdung vom eigenen Handeln) zu sein. Verrichte "gutes" und sprich nicht drüber, weil du es sonst entwertest - könnte möglicherwiese die Zauberformel lauten.

(Wie sieht es mit deiner körperlichen Konfrontation mit termitischen Teilkörpern http://www.termiten.net/node/151  , in der nächsten Woche aus - Tiger?)

Bild des Benutzers costa esmeralda

Lieber Delloc,

ich tue mich schwer mit dem Text. Muss ich sicher noch ein oder zweimal durchlesen.

Die Aussage: "Befreiung von jeglicher Identität und damit die Erkenntnis unseres wahren Seins" sehe ich sehr kritisch, ist doch für mich individuelle Identität überaus bedeutend. Ich meine für Dich auch. Dafür spricht doch Dein gesamtes Buchprojekt, oder sehe ich das falsch? Dahinter steckt m. E. Deine ganz persönliche, spezifische Identität.

LG, Hermann