24 Apr 2015

Maximum Perversum

Submitted by ebertus

Über Ken Jebsen kann man, darf man, muss man nicht einer Meinung sein. Zumal mich beispielsweise die Person eher überhaupt nicht interessiert, die Inhalte jedoch schon. Und ich musste mit dem (Nach)Denken dabei nicht einmal auf den Guru warten, hatte das in den letzten Wochen (siehe Verlinkungen unten) bereits recht selbstständig getan.

Ursache und Wirkung, das ist die Frage jenseits politisch-großmedialer Betroffenheitslyrik und auch mit Ironie, wie der vom Postillon muß vorsichtig sein, wenngleich das ja weniger Ironie, denn klassische Realsatire ist; mit der Betonung auf "real". Denn genau dort liegt die Crux -machen wir uns nichts vor- den die unter Rechtfertigungsdruck stehenden, die Wiederwahl vor Augen habenden PolitikerInnen adressieren müssen. Insofern sind sie weitsichtiger als jede auch ernste Betroffenheit das ausdrücken mag, müssten sich die betroffen gebenden ansonsten wohl ein neues Volk suchen. Eine ausweglose Situation und ein Grund vielleicht, warum man lieber untereinander, aufeinander einschlägt, sobald jemand bei den Guten nicht voll auf der Betroffenheitslinie liegt.

Und da kommt dann eben Jebsen in das Spiel, den Diskurs, hatte dieses Video beim Freitag auch der relativ bald danach komplett exmatrikulierte Blogger "Wundersam" eingestellt. Wie auf Knopfdruck und ähnlich zu einem vorherigen Blogtext des Delinquenten erschienen die Wächter der systemischen Alternativlosigkeit, wurde nicht der Inhalt thematisiert, reflexartig dagegen Jebsen und eben der Blogeinsteller. Genau das, was da im Kleinen beim Freitag passiert, das geschieht auch im Großen, wenngleich -weil eben um die Dinge wissend- kratzt dort keine Krähe der anderen ein Auge aus. Nur die bewußte Verdrängung der Ursachen, die faktische Hilflosigkeit ist ähnlich bis gleich gelagert, wird maximal betroffen sich gebend beinahe zelebriert.

Schlimmer als die verständlicherweise nur an sich, an ihr Standing denkenden Politiker sind die Wahrheitsmedien:

"Nun, wenn unsere Medien nur wollten, müssten sie nicht lange suchen: Die Flüchtlingswelle hat ihren Ursprung hauptsächlich im 2003 von den USA angezettelten Irakkrieg sowie in dem so genannten »Arabischen Frühling«, einer seit 2010 über Nordafrika rollenden Welle von Revolutionen, Bürgerkriegen, Putschen und Kriegen, die einen ganzen Gürtel aus verbrannter Erde und zerstörten Staaten hinterließ.

Mithilfe westlicher Stiftungen und »Menschenrechtsorganisationen« angezettelt, erfasste die Welle der Umstürze von Tunesien aus in den folgenden Jahren die drei nordafrikanischen Riesen Algerien, Libyen und Ägypten, aber auch Marokko, Mauretanien, den Jemen und Jordanien. Viele dieser Staaten waren wichtige europäische Verbündete bei der Eindämmung der afrikanischen Flüchtlingsströme nach Europa.

Doch inzwischen wurden diese Länder zerschlagen und ihre Flüchtlingspolitik gleich mit. Als Ergebnis der genannten »Demokratiebewegungen« zieht sich ein Gürtel der politischen Instabilität, des Bürgerkrieges und der Not von Mauretanien bis Syrien. Im Grunde genommen wurde dabei ganz Nordafrika zerstört und in so genannte »failed states« verwandelt."

Noch ein Überbringer der Botschaft, gar via dem -Gott sei bei uns- Kopp-Verlag. Nur bitteschön und bei aller Kritik an dem Überbringer: Was stimmt nicht an dieser Darstellung der failed states - und wie es dazu kam? Das spricht Jebsen ebenfalls an, und auch hier wäre die Frage: Hat er recht?

Jebsen geht noch einen Schritt weiter, was ihn und den sog. Friedenswinter insgesamt dann in den Augen der Systemisch-Alternativlosen wohl gefährlicher macht als jeden Kopp-Verlag oder alle Elsässers zusammen; die vielfach kaum andere Positionen vertreten, als sie auch in konservativen (christlichen) Kirchenkreisen zu finden sind. Jebsen dagegen liegt eher auf der Linie des aktuellen Papstes, dessen "Kapitalismus tötet" und stellt eben dieses System einer globalen Ausbeutung der Vielen durch die Wenigen infrage. Genau diese sich darüber möglicherweise entwickelnde Szenarien jenseits partikularer Besitz- und Herrschaftsstrukturen, das haben auch die Wächter erkannt; ist ein neuer McCarthyism nicht fern, eher sehr nahe bereits.

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Anhänge, Fragestellungen, Reflektionen:

Dann bleibt es ein Phänomen

Wenn die Dinge "einfach so" passieren

Tut wenigstens so, als wärt ihr nicht hilflos

Kommentare

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Jebsen's Anliegen sind korrekt, seine Anschreierei gegen Magengeschwüre und das kalte Kotzen ist vollkommen legitim und originär Links.

Wolfgang Gehrke schreibt dazu:

"Warum diese Unversöhnlichkeit?
Doch auch in der Linken wird die Kontroverse zum Friedenswinter mit harten Bandagen geführt. Die Strömung Sozialistische Linke spricht in ihrer Erklärung v.10.01.15 „Sachlich bleiben: Friedensbewegung stärken statt diffamieren, um Hegemonie kämpfen“ von „regelrechtem Hass, der Genossinnen, die den Friedenswinter unterstützen, in sozialen Netzwerken und eMail-Verteilern entgegenschlägt. ‚Querfrontler’ ist hierbei noch der harmloseste Vorwurf. Es hagelt persönliche Beleidigungen und es werden Bilderserien mit dem Konterfei von GenossInnen gepostet, die schnellstens aus der LINKEN zu entfernen seien. Das überschreitet jedes Maß.“ Warum dieser Hass, warum Fälschungen statt Argumente, Diffamierungen statt sachlicher Auseinandersetzung?
Es ist kein Geheimnis: Grüne und SPD knüpfen ihre Bereitschaft, über eine Regierungsteilhabe der LINKEN überhaupt nur nachzudenken an die Bedingung, dass DIE LINKE ihre friedenspolitischen Grundsätze verlässt und „mehr Verantwortung“ übernimmt als Teil der Allparteienkoalition der Kriegsbefürworter. Doch damit würde sich DIE LINKE überflüssig machen, weil austauschbar. Bestärkt durch die Meinungsmehrheit gegen Krieg, kann DE LINKE jetzt ihrerseits Druck ausüben auf SPD und GRÜNE, die dramatisch falsche Weichenstellung in der Außenpolitik zu korrigieren und zu ihren Wurzeln zurückzukehren, zu Karl Liebknecht und Willy Brandt, zur Friedensbewegung der 80er Jahre."

http://www.waehlt-gehrcke.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1283:wider-denunziatorische-kommunikation-volksfront-statt-querfront&catid=108:hintergrundmaterialien&Itemid=168

Auch sein Interview auf den Nachdenkseiten ist recht erhellend:  http://www.nachdenkseiten.de/?p=25805

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und ich würde keinesfalls alle Linken (als Partei) in Sippenhaft nehmen wollen, wenngleich dort die sog. Realos, die Transatlantiker, die SPDler in disguise  mit Sicherheit einen erheblichen Einfluß haben. Der Rückzug von Sahra Wagenknecht -mit ausdrücklicher Betonung was Griechenland betrifft- das ist schon deutlich, kaum zu übersehen.

Vielleicht noch ein anderer Punkt, was jenseits von Bigotterie Grüne (in BW) und Linke (in TH) als führende Regierungsparteien betrifft. Dort könnten sie doch nun eine zumindest lokale Alternative zu der großkoalitionären, gesamtstaatlichen Behandlung  der Flüchtlinge gestalten; als Vorbildfunktion sozusagen.

Glaubt wer daran? 

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Ich halte Gehrcke für

einen der Besseren in der LINKEN. Aber Menschen wie er oder Sahrah werden das parteiliche Funktionsprinzip - die Anpassungsfähigkeit der machtgeilen Funktionäsliga - nicht umstürzen können. Die Wiederaufführung der verkommenen sozialdemokratischen / Grünen "Traditionen" eben. Wem der Glaube an derlei Funktinäre gegeben ist, der sollte sich über nichts wundern, dem ist alles unterzujubeln - auch das Gegenteil vom Gegenteil in endloser Abfolge.

In dieser Liga regiert die Anpassungsfähigkeit, egalitäre Bekenntnisse bleiben allein obzöne Manövriermasse zur Erreichung der 'Regierungsfähigkeit'.

(Marcuse liest sich dagegen ansprechend,

"Die Erste Internationale
war der letzte Versuch, die Solidarität der
Gattung zu verwirklichen,,,,,,"
)

Gruß, Werner

Dem, was Ken Jebsen hier vertritt, ist nichts entgegenzusetzen. Dass die verfehlte Hegemonialpolitik der USA & von variierenden Teilen ihres Nato-Trosses des "Pudels Kern" hinter der Flüchtlingspolitik sind, kann nur negieren, wer sich als dogmatischer Transatlantiker beide Augen mit Patex zuklebt. Genauso ist die Zustimmung zu seiner Darstellung dieses Problems nur just dies & weder ein ideologischer Glaubenssatz noch eine idolatorische Erhöhung des Sprechers.

Von daher ist Herr Jebsen ebenso wie jede andere nur bürgerliche Friedenskämpfer auch ein legitimer Mitstreiter für den Frieden, der als Abwehr des Kriegs immer auch auf ein breites soziales Subjekt zielte, dass man einst mit "Volksfront" bezeichnete: nämlich der punktuelle Zusammenschluss von Menschen aller sozial repräsentativen Gruppen, ethnischer Herkunft & politischer Überzeugungen, die Krieg als Mittel der Politik ablehnen. (Das schließt Rassisten jeglicher Couleur sui generi aus, denn ein "rassistischer Pazifismus" ist eine contradictio in adjecto, da der soziale Auschluss von Menschen aufgrund biologischer Kriterien per definitionem Gewalttätigkeit impliziert.)

Das geringste Maß an Logik entlarvt dagegen den  "Querfront"-Vorwurf als ein rein denunziatorisches Konstrukt antideutscher Prägung: Historisch war die Querfront der Versuch eines politischen Tricks zur Steigerung der sozialen Aktzeptanz einer faschistischen Bewegung, die zur Durchsetzung eines (mit den Interessen des deutschen Großkapitals konformen) Angriffskriegs bei der Abschaffung der parlamentarischen Demokratie pseudolinke Gewerkschafter inkludierte.T

Heute verfolgen die Repräsentanten einer totalitär ausgespähten parlamentarische Demokratie die Agenda der eigenen Selbstabschaffung durch das Transferieren ihrer legislativen Kompetenz sowie der Justiz & ihrer Verantwortung für die öffentliche Daseinsforsorge (durch TTIP, TISA & Ceta) an die mächtigsten globalen Großkonzerne & lassen sich sogar durch die stärkste Exekutivmacht hinter diesen Konzernen in einen golaben Krieg treiben, der der durch militärischen Zwang erfolgenden Zwangsliquidierung globaler Ressourcen dient.

Wer da behauptet, man betreibe Querfront, wenn man einen Jebsen nicht politisch kommuniziere, vertritt genau die Agenda der globalen Kriegstreiber.