17 Apr 2015

Hier ohne das Fragezeichen im Originaltext

Submitted by ebertus

Sterben um zu leben Die Medienbranche oszilliert zwischen einem -wie auch immer- Paywall und dem als "Super-Slo-Mo" empfundenen Tod auf Raten, könnte nach R. Gutjahr gar zombisiert werden.

Richard Gutjahr ist einer der bekanntesten Alpha-Blogger im deutschsprachigen Raum, wird dahingehend oft in einem Atemzug genannt mit Stefan Niggemeier.

Der nicht unbedingt fatalistisch (wird vielleicht noch), aber zumindest erkennbar resignativ daherkommende Tenor seiner Rede bei den Östereichischen Journalismustagen lohnt das Nachlesen, lohnt mehr noch das Nachdenken über Sein und Nichtsein.

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Gutjahr selbst hatte erst vor gut einem Jahr das Paymodell "LaterPay" mit losgetreten und nur er dürfte wissen, was konkret daraus geworden ist. Vielleicht schauen wir hier alle lediglich auf die falschen Websites, nehmen weiche wie harte Paywalls genauso wenig zur Kenntnis wie beispielsweise Flatr.

Die SZ  spurtet voran, wird von der Konkurrenz natürlich kritisch beäugt und bei mir beispielsweise, via der entsprechenden Firefox-Addons auf Plain-Text ganz ohne Traps&Tracker reduziert. So hat mich multimedialer Overkill noch nie so wirklich angemacht; bin daher mit Sicherheit nicht repräsentativ im Sinne von Stefan Plöchinger:

"Eine gut erzählte interaktive Geschichte braucht neben Redakteuren vielleicht einen Storyteller und einen Programmplaner, einen Videoproduzenten, einen Coder, einen Grafiker, einen Datenjournalisten, einen Dienstleister von außerhalb…"

Halleluja! Und die drei Pünktchen sind diesmal nicht von mir, im Originalzitat, der verlinkten Quelle enthalten. Droht der Stefan dort mit noch mehr hochqualifizierten, natürlich prekär outgesourcten Arbeitsplätzen?

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Zurück zu Gutjahr, hat er einerseits ganz richtig erkannt:

"Ein paar von uns sitzen in öffentlich-rechtlichen Rettungsbooten, meinen, sie betrifft das nicht."

und kommt andererseits um ein Konstatieren der faktischen, natürlich nichtverschwörerischen (Chomsky) Gleichschaltung kaum herum, nennt es "stereotyp":

"Der Begriff „Lügenpresse“ mag historisch belastet sein. Aber es verfängt gerade deshalb bei vielen Menschen, weil diese feststellen müssen, dass wir Journalisten manchmal auch ganz schön stereotyp, um nicht zu sagen voreingenommen sind."

Ok, der bekannte Spruch vom "wessen Brot ich ess..." muss nicht für alle (Nachwuchs)journalisten gelten, täte Manchem, Mancher wohl Unrecht. Und die anderen wurden meiner Erinnerung nach bereits in der "Anstalt" vorgestellt...

Überhaupt, und das scheint mir bei diesen Diskussionen der medialen Großkopferten bis hin eben zu den Gutjahrs und den Niggemeiers immer wieder zu fehlen, das sind systemisch-inhaltliche, sind gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen weit jenseits deren multimedialem Storytelling, sind out of area. Genau das aber war in einer Zeit, als die Medien noch nicht so uniform, so stereotyp daherkamen deutlich anders, gab es immer wieder Fragestellungen jenseits der auch so alternativlosen Leitplanken nebst politisch korrekter Sprachregelung .

Let’s face it  meint Gutjahr abschließend und sieht der -nicht nur für ihn- existentiellen Bedrohung ins Gesicht, sieht sich und seine Zunft gar -böse, böse- als Zombies.

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Und warum hier ohne das Fragezeichen in der Überschrift des Originaltextes? Ganz einfach, will Gutjahr darüber, über die in eine Frage gekleidete Hoffnungslosigkeit dann doch eine letzte Hoffnung stehen lassen, obwohl er es besser weiss; nein, ahnt...

 

Kommentare

Klar gibt es strukturelle=ökonomische Gründe für die Macht=Konformität der Presse wie auch für die Gleichförmigkeit der Politik.

Ich möchte wissen, wie viel Gleichschaltung in letzterer sich durch die 'neoliberale' Praxis ergeben hat, die früher fachlich gut aufgestellten Ministerial=Administrationen "outzusourcen" & die interne Expertise durch "renommierte Institute" zu ersetzen, bei denen nie nachgeforscht wurde, wer dahinter die eigentlichen Geldgeber waren & ob die politische Konkurrenz nicht die gleichen Beratungs="Produkte" erhalten haben.

Billiger wurd's dadurch auch nicht, im Gegentum: Und so werden wir Bürger mit unseren Steuern die "transatlantische" Gleichschaltung unserer Politik noch mitberappt haben.

Wer den Spott gegen sich hat, braucht für den Schaden nicht mehr zu sorgen.