20 Apr 2015

Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein

Submitted by ebertus

Freunde der FAZ/FAS - Die aktuellen IVW-Zahlen liegen vor, von dem Portal "Meedia" interpretiert. Hier nun weitergehend subinterpretiert, den Fokus auf die FAZ legend.

Vorab: Bei diesen Zahlen sollte man unterscheiden, zwischen der insgesamt verkauften Auflage und der aus Abo und Einzelverkauf (EV). Nur letztere dürften als harte, voll bezahlte und damit vergleichbare Daten verstanden werden; bei den Gesamtverkäufen die mit Sicherheit und bestenfalls einen Vorzugspreis zahlenden Abnehmer (Airlines etc.) inkludiert sind.

Nun zu den grausamen Zahlen:

Im 4. Quartal 2014 verkaufte die FAZ insgesamt 305.257 Exemplare pro Ausgabe. Aus Abo und EZ jedoch waren es lediglich 246.874 Exemplare. Und auch das war gegenüber dem Vorjahresquartal bereits ein Minus von 5,1 Prozent. Für die Sonntagszeitung FAS wurden 319.465 zu 260.005 aufgerufen.

Man munkelte dann in der Branche, dass der FAZ-Verlag die echt gedruckte Auflage wohl auf rund 250.000 reduzieren wollte. Sehr gut vermutet bzw. befürchtet, könnte man heute sagen. So sehen die aktuellen Zahlen der FAZ für das erste Quartal 2015 nun so aus:

Verkauft total: 277.314 bzw. aus Abo/EV: 232.234

Letztere Zahl bedeutet dann bereits ein Minus von 7,3 Prozent zum Vorjahresquartal und die FAS macht es mit minus 6,8 Prozent nicht viel besser. Ok, die Druckerei kann sich wohl auf eine benötigte Kapazität noch wesentlich unter den 250.000 einstellen...

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Über Personen, Auswirkungen des Todes von Frank Schirrmacher beispielsweise soll hier nicht spekuliert werden, haben gerade Abos ein (auch mental) relativ großes Beharrungsvermögen, sind  nicht so schnell zu kündigen. Da scheinen eher andere Faktoren eine Rolle zu spielen.

Die generelle Blattlinie vielleicht , der aus nationaler, aus wertkonservativer Sicht doch schon überbordende transatlantische Schulterschluß seit Anfang 2014; oder die -wie man lesen konnte- bereits mehrfach vorgenommenen Preisanpassungen - nach oben, versteht sich.

Natürlich, die Gelder -wenn sie denn kommen- werden gebraucht, spurtet die FAZ doch der SZ  hinterher, will (digital) überholen ohne einzuholen. Ansonsten, und wenn die Investitionen nicht wie gewünscht durch die Klientel geleistet werden, so sollte die hinter der FAZ stehende Fazit-Stiftung das Notwendige beisteuern.

Entscheidend wird sein, ob das Pfeifen im dunklen Wald, was die lang erwarteten digitalen Bezahlmodelle betrifft, wirklich den erhofften Durchbruch bringt; und vor allem, wann?

Stiftung oder Firmenkonglomerat mit der Möglichkeit entsprechender Querfinanzierungen, das scheint eh' und über die auf der betriebswirtschaftlich sicheren Seite angesiedelten, faktisch steuerfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen hinaus das Gebot der Stunde; kürzliche Spekulationen zu Bertelsmann (via Gruner&Jahr) und was den Spiegel betrifft gern eingeschlossen.

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Nicht unbedingt überraschend vielleicht, dass sich die taz mit einem Minus von 3,9% (insgesamt) und lediglich -0,9% (Abo+EV) im ersten Quartal 2015 und verglichen mit dem Vorjahr noch recht gut gehalten hat. Zum einen gilt das weiter oben bezüglich des Beharrungsvermögens bei Abos gesagte auch und insbesondere für die taz, ergänzt um deren Geschäftsmodell als Genossenschaft. Da sind die (mentalen) Bindungen mit Sicherheit größer als bei rein privatwirtschaftlichen Besitzverhältnissen.

Dazu kommt die weitgehende Abwesenheit von Werbung, ist dieser sich negativ hochschaukelnde Effekt von weniger Lesern = kleinere Zielgruppe für Werbung = darüber einbrechende Werbeerlöse bei der taz so nicht gegeben.

Andererseits hat die taz weder eine potente Stiftung hinter sich, noch die Möglichkeiten der weiter oben genannten Querfinanzierung. Da sie gleichzeitig und nicht nur transatlantisch, nicht nur was die Ukraine oder Russland betrifft mittlerweile und weitgehend auf lindgrüner Regierungslinie liegt, so wird die weitere Entwicklung mit Sicherheit spannend sein.

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Mein spekulatives Fazit geht dahin, dass die  FAZ und die taz bei einer sich weiter zuspitzenden Medienkrise im Sinne von ebenfalls weiter sinkenden Verkaufszahlen die ersten sein werden, welche die Segel streichen müssen, aus dem medialen Rennen genommen werden.

Bleiben weit unterhalb von Paul Sethes 200 Reichen dann mit Springer, der SWMH (SZ etc.), sowie Holtzbrinck (ZEIT, Handelsblatt) und Bertelsmann/G&J (Spiegel, Stern) also bestenfalls vier sog. BigPlayer im Bereich der gesellschaftspolitisch relevanten, überregionalen Medien.

Burda (Focus) wäre noch zu nennen, wenngleich das -sorry for that- nicht so mein Fokus ist.

 

IVW-Daten nach Meedia:

2014-IV vs. 2013-IV

2015-I vs. 2014-I

 

Kommentare

Hallo Bernd,

hatte deinen Beitrag angesichts des täglichen Checks des Nachrichtenmosaiks in der FC schon gelesen.

Schade ist halt: Der selbstverdiente Niedergang ehemaliger Kreuzdampfer des öffentlichen Diskurses wird leider nicht zu der Einsicht führen, woran's gelegen hat.

Da fühlt man dann weder Bedauern noch Triumph --- nur eine leise Resignation, mit einem leisen "Wir hätten's Euch vorhersagen können"

Herzliche Grüße,

Anja