26 Mär 2015

Wie eine grüne Giraffe

Submitted by ebertus

Antje Yael Deusel... Das Patriarchat wie es leibt und lebt? Vielleicht eine noch offene Rechnung? Oder die ganz persönliche Antipathie? Ansonsten, da war doch noch was...

Wer in 2012/13 die sog. Beschneidungsdebatte ein wenig intensiver verfogt hat, dem wird der Name Antje Yael Deusel vielleicht etwas sagen. So stand (und steht) sie doch als Rabbinerin für ein aufgeklärtes Judentum, wurde sie gern -und wenn es denn mal passte- als sog. Alibifrau wider das Patriarchat einer (auch) jüdischen Männergesellschaft in den Diskurs zur Beschneidung eingeführt.

"Eine Frau als Rabbinerin, das sollte ganz normal sein, findet sie. Ist es aber nicht. "Wie eine grüne Giraffe", fühle sie sich manchmal, hat Deusel kürzlich gesagt, "so nach dem Motto: Schau mal, wie niedlich, eine Rabbinerin." Auf der anderen Seite sei das ja nicht die erste Männerdomäne, in die sie eingebrochen sei. Deusel, Jahrgang 1960, ist promovierte Urologin."

Zitiert nach SZ.de und ohne eben diese Debatte, den durchaus kontroversen Diskurs zur Beschneidung auch nur mit einem einzigen Wort zu erwähnen.  Deusel ist Rabbinerin und promovierte Urologin, ist den hierzulande geltenden medizinischen Standards verpflichtet. Und genau das unterschied ihre Position bezüglich der Beschneidung von mancher Argumentationslinie; wahlweise entrüstet vorgetragen - oder pauschal diffamierend, was die Kritik, die KritikerInnen der Beschneidung angeht.

Einerseits ist Antje Yael Deusel (bislang) über einen durchaus gängigen Antisemitismusvorwurf nicht zu belangen, andererseits sind Beschneidungen durch hierzulande nicht als Facharzt zugelassene Personen oder gar vampyrettige Hinterzimmerprozeduren mit Deusel nicht zu machen. Das brachte sie bei allem Verständnis für dieses Ritual in der Diskussion deutlich zum Ausdruck, sorgte für ein dahingehendes Ignorieren der Rabbinerin durch das jüdische Establisment. 

Und dieses zum Ausdruck meint, soweit via der medialen Nische überhaupt veröffentlicht, nachlesbar. In dieser Beziehung ging es Antje Deusel kaum anders als Michael Wolffsohn, der die Beschneidung aus jüdisch-religiöser Perspektive sehr grundsätzlich infrage stellt. Beide, Deusel wie Wolffsohn waren beinahe einsame Rufer jenseits der lautstarken, den öffentlichen Diskurs bestimmenden jüdischen Berufsoffiziellen.

- - - - -

Soweit zur Vorgeschichte, natürlich aus einer/meiner ganz persönlichen Perspektive. Aktuell schreibt die SZ:

"Als sie mit diesem Job begonnen habe, kamen an der Klinik auch noch Sprüche. Ob eine Frau diesen Stress denn aushalte? Die Herren waren bald ruhig. Später ließ sie sich noch nebenher zur Rabbinerin ausbilden. Und seit 2011 ist Deusel beides: drei Tage in der Woche Ärztin. Zwei Tage Rabbinerin."

"Deusel wurde vom Gemeindevorstand zum 31. März gekündigt."

Die Kündigung betrifft nach meinem Verständnis -das ist dem SZ-Beitrag nicht so konkret zu entnehmen- Deusels Tätigkeit als Rabbinerin in der Gemeinde; nicht ihr Arbeitsverhältnis als Urologin an der Klinik. Allerdings darf man sich dabei nicht wirklich sicher sein, weil das Arbeitsrecht hierzulande so einige Spezialitäten im Umfeld der Kirchen, der Religionsgemeinschaften kennt.

Grund genug, die Causa bzw. die Personalie auch weiterhin auf dem gesellschaftspolitischen Radarschirm zu halten.