15 Mär 2015

Die Tauben, die Falken und der Krieg - reload

Submitted by Redaktion

Auf einen Blogtext bei derFreitag wurde an anderer Stelle bereits hingewiesen - und verlinkt... Mit freundlicher Genehmigung des Autors -der (aus anderen Gründen) mittlerweile bei derFreitag gesperrt, dessen verlinkter Text dort nicht mehr aufrufbar ist- hier nun als Gastbeitrag der originale Blogtext:

06.02.2015 | 03:40 14

Die Tauben, die Falken und der Krieg

Ostpolitik? ..................................................................................................................................

Ein Nutzerbeitrag von Konfuzikuntz


Da sind auf beiden Seiten des Ukrainekonfliktes Tauben und Falken.


Westliche Falken: Washington, Kiew, Nato, ukrainische Oligarchen, Ostküstenoligarchen

Westliche Tauben: Paris und Berlin

+ jeweils nachgeordnete Länder

Bei den Falken sind das: Polen und Balten

bei den Tauben: Italien oder Tschechien.

Aber diese sind keine entscheidenden Spieler auf dem Brett.

Östliche Falken: die Führung der Volksrepubliken von Donezk und Lugansk sowie die russische Kriegspartei (verkörpert durch großrussische Nationalisten wie Strelkow oder Dugin)

Östliche Tauben: der Kreml und die russische Friedenspartei (verkörpert durch Leute wie Gorbatschow)

***

Wichtig: Man sollte die Tauben nicht für Neutrale halten, erst recht nicht für Pazifisten, noch weniger für Agenten der Selbstaufgabe oder gar für Lämmchen, die sich bereitwillig dem Wolf hingeben.

Sie verfolgen lediglich keine versteckte Kriegs- und Eskalationsagenda und versuchen stattdessen, auf einen friedlichen Ausgleich von Interessen hinzuwirken. Selbst Pat Buchanan, eine amerikanischer Konservativer (nicht zu verwechseln mit einem Neocon) hat sich dieser Tage in dieser Richtung geäußert.

Auch Michail Gorbatschow redet seit Monaten Klartext und wiederholt bei jeder sich bietenen Gelegenheit, dass der Westen an Russlands Grenze mit dem Feuer spielt. Das ist auch für diesen Elder Statesman inakzeptabel. Er will es nur anders als die Großrussen nicht dazu nutzen, im Gegenschlag gleich das alte Imperium und ganz Novorossija (das historisch bis nach Bessarabien reicht) zu erobern. Ein Dugin will den Westen bekämpfen, ein Gorbatschow will dem Westen die Offensive ausreden und mit ihm kooperieren, sobald die Panzer, Artillerie und Feindregierung aus dem russischen Vorgarten abgezogen sind. Das ist der Unterschied. Wladimir Putin gehört übrigens zu den russischen Tauben, auch wenn Spiegel, Bild und Co agendapflichtgemäß das Gegenteil behaupten.

Wenn der russische Präsident so handelte wie die Falken es wollen, stünde die russische Armee wirklich längst in Kiew und würde für Rurik den Waräger ein neues Denkmal errichten. Die Reste der ukrainischen Streitkräfte würde nRussland nicht davon abhalten. Diese unterliegen ja der Volksrepublik Donezk.

Der Marsch nach Kiew ist aber ausgeblieben, auch deswegen, weil die russischen Tauben mehr Verstand haben als die Falken - was im Westen leider umgekehrt ist.

***

Eine russische Offensive gegen Kiew würde die westlichen Tauben und Falken erst recht zusammenschweißen. Und das weiß der Kreml. Und er braucht die einen gegen die anderen. Die westlichen Falken sind nämlich das Problem in der Ukraine (eigentlich in der ganzen Welt) und westliche Tauben potenziell diejenigen, die das stoppen können.

***

Der russische Präsident verteidigt Russland gegen den Westen im Kriegsmodus, abwartend, mit einer defensiven Strategie. Er setzt in der Ukrainekrise auf die Ermattung des Gegners, auf Dinge wie die wachsende Kriegsmüdigkeit in der Ukraine, die Erosion der ukrainischen Armee und die politischen Konsequenzen der wachsenden Nachdenklichkeit Westeuropas hinsichtlich "westlicher  Werte" und Co.

Moskau spielt hier nicht auf Sieg, will ber definitiv ein Unentschieden. Auf ein K.O. des Gegners setzen, das macht in der Ukraine auch auch keinen Sinn, denn die einzigen Gegner, die Russland zu fassen bekäme, sitzen in Kiew und das sind nicht die eigentlichen Angreifer, sondern nur ihre Boxhandschuhe.

Und eine Entscheidungsschlacht zwischen Russland und den USA will niemand erleben.

***

Die russischen Falken und Tauben sind sich allerdings dahingehend einig, dass eine prowestlich ferngelenkte und antirussisch ausgerichtete Ukraine definitiv inakzeptabel ist. Die Falken streben eine mit kriegerischen Mitteln nach Ost "umgekippte" und  damit schließlich prorussische Ukraine an, bis hin zur  Abspaltung des ganzen historischen Gebiets Novorossija, die Tauben eine ostwestliche Ukraine, über die Westeuropa und Russland sich verständigen.  Einen Pufferstaat. Ein Übergangsland.

Aber von dem Gebilde in Kiew halten sie gleich wenig.

***

Wie sieht es mit Tauben und Falken im Westen aus?

Hier will die Kriegspartei, und man kann es nicht anders sagen, Russland zur Strecke bringen, es filettieren und politisch ausschalten. Obamas Parteifreund Brzezinski machte seine Pläne diesbezüglich, denen die amerikanische Kriegsfraktion ganz gleich welcher Partei recht minutiös folgt, so öffentlich wie Hitler einst die seinen. Solange andere dafür sterben, wie nun die Ukrainer, die "ihre" Regierung in die Blutmühle schickt - ist auch ein Krieg eine Option für das große Ziel.

Man darf sich nur nicht wundern, wenn Russland bei diesem Treiben von Menschenrechtsschwätzern und "Demokratie" - es sind die Tempel, in denen das heutige Deutschland betet - keinen Spaß versteht.

Die westlichen Tauben wiederum wollen dem Bären  nicht mit Gewalt an den Pelz, doch sie fallen aufgrund ihrer Weltanschauung und ihrer historischen Narrative auf die perfide Propaganda der westlichen Falken hoffnungslos herein und damit als politisches Korrektiv hoffnungslos aus.

Die westlichen Tauben sind definitiv der naivste Spieler auf dem Feld. Mindestens zwei der anderen drei Spieler sind schmerzfrei, einer vollkommen skrupellos, aber nur sie allein sind naiv.

Die westlichen Tauben sind erheblich mitschuld an der jüngsten  Entwicklung, schon weil sie, anders als die östlichen Tauben, jeden wirksamen Schritt unterlassen, der die Eskalation verhindern könnte.

Man stürzt sich lieber auf die östliche Friedenspartei anstatt mit dieser zu besprechen, wie jeder seine Falken mäßigen kann. Das ist ein schwerer Fehler.

***

Man kann für einen kühlen und rationalen Verbrecher mehr Restsympathien übrig haben als für ein Verrückten, der dessen Lied singt in der festen Überzeugung, damit die Welt besser zu machen. Und genau das zu tun, ist das Verhängnis der westlichen Tauben, die an den Lippen von Oligarchen, Pentagon und State Department hängen.

Sie haben noch jeden Unsinn nachgeplappert. Angefangen mit dem, dass die Bevölkerung der Krim - das sind 80% (!) ethnische Russen - kein Recht habe, nach Chruschtschows bolschewistischer Schenkung, die selbst nach den Gesetzen der Sowjetunion illegal war, sich Russland anzuschließen, dem es seit dreihundert Jahren angehörte, wenn da eine Putschregierung in Kiew ihnen die Sprache verbieten will und schlimmeres androht. Geht nicht! Dort sind ja potenziell nordatlantische Flottenstützpunkte auf der Krim. Der Maidan war teuer. Und so weiter.

Da flogen die Tauben.

Sie kennen die anderen Beispiele zur Genüge.

***

Die Regierungen Westeuropas haben Russland mit Sanktionen überzogen - in dem "Rational", das bringe Putin "zum einlenken".

Zum Einlenken in was? Der Kurs des Kreml ist das mildeste, das Russland sich erlauben kann. Der Kreml hat den "Deal brokered by us" akzeptiert, Poroschenko akzeptiert, die Parlamentswahlen akzeptiert, obwohl die Ostukraine nicht mitstimmte, und, und, und.

Mit den Sanktionen haben die EU-Ländern nicht die russischen Falken sanktioniert, sondern die Tauben. Face it!

Man hat die russische Friedenspartei geschwächt und die Kriegspartei gestärkt. Weil man glaubte, einer nuklearen Supermacht die historische Selbstaufgabe in Big Brothers Auftrag doch irgendwie schmackhaft machen zu können, wenn man die verlogenen Sonntagsreden aufsagt, die in Russland zuallerletzt jemanden interessieren.

Zuletzt probierte man es mit dem Kombination von Sanktionen und dem Vorschlag  vertiefter Wirtschaftskooperation. Was soll man dazu sagen?

Wir könnten noch mehr Handeln! Aber den Panzer vor Eurer Haustür, den müsst Ihr halt wegen unseren überlegenen Werten akzeptieren.  ^^

***

Die Besorgten in den westlichen Hautstädten (besorgt um  ihr Image, jetzt wo es bald richtig kracht?) hätten mit der östlichen Friedenspartei des Kreml gegen beide Kriegsparteien zusammenarbeiten müssen. Indem jeder seine Falken mäßigt. Die einen die in Washington und Kiew, die anderen die in Donezk und die russische Ultranationalistenszene.

Aber das ist im transatlantisch verhaspelten Deutschland nicht möglich. Man müsste sich dazu ja offen gegen Amerika stellen, und das transatlantische Vasallentum gehört nun mal zum heiligen Erbe der Nazis. Eher würden wir in König Etzels Saal  verbrennen, als daran zu rühren. Deutsche Ehre heißt schließlich Treue.

***

Putin soll endlich einlenken in Ukraine!

Grenze zur Ukraine zumachen. Damit die ganze Ukraine nach Westen kippt.

So nach dem Motto:

Östliche Taube, tu, was unsere westlichen Falken wollen, und wenn nicht, machen wir Dich fertig! Wir sind für Dialog und außerdem Vermittler. Deine westlichen Tauben.

Es ist erstaunlich, dass die Meisterdiplomaten aus Paris und Berlin in Moskau überhaupt noch empfangen werden.

Das einzige, was man erreicht, wenn man Putin, einen vergleichsweisen Liberalen aus Petersburg, mutwillig zu schwächen versucht, ist dass der Einfluss der Strelkows und Dugins auf die Separatisten, sprich: des schmerzfrei nationalistischen Elements - stärker wird. Und genau das ist in diesen Tagen passiert.

Die Regierungen in Paris und Berlin fordern - immer an derselben Stelle gegen die Wand laufend - im Dreitagestakt, Russland müsse seine Grenzen zur Ukraine schließen und die Separatisten zurückpfeifen - dabei kann es das erste keinesfalls tun und macht das zweite seit genau einem Jahr. Es wirkte mäßigend auf die Aufständigen ein und erhielt sie nur am Leben gegen die aus Kiew befehligten Faschistentrupps und Wehrpflichtigenverheizungsoffensiven.

Wenn Moskau wollte, wie seine Hardliner wollen, wäre der Spuk in Kiew vorbei - aber Russland eben auch in die amerikanische Falle gegangen, einen offenen Krieg zu führen. So wartet es ab, bis sich die westliche Politik ändert. Was von den Amerikanern nicht ausgehen wird. Während die Europäer es in ihrem zum Himmel stinkenden Transatlantizismus nicht verstehen. Das ist das Dilemma.

Die russischen Tauben halten die Aufständischen im Südosten der Ukraine über Wasser. Sollen sie unter Wasser drücken? Auf Zuruf ihrer Gegner? Warum? Die Forderung ist so naiv, wie von Washington zu fordern, sofort mit einem zweiten Putsch in Kiew diesen Jazenjuk endlich abzusetzen.

Ein Ende der Volksrepubliken wäre der Sieg der westlichen Falken in der Ukraine und das will Russland zu allerletzt. Eine westliche Taubendiplomatie, die diesen Punkt nicht sieht, ist sinnlos.

***

Das Ziel der Politik des Kreml war niemals, Herrn Sachartschenko und Kollegen eine Siegesparade in Kiew abhalten zu lassen  (und Jazenjuk am Galgen und Poroschenko unter Hausarrest zu sehen, um sich da mal reinzudenken) - sondern einfach nur, dem Regime und mit diesem auch der für die Welt gefährlichen kampfantirussischen "Politik" im Westen nach und nach das Wasser abzugraben und einen "Einbau" der Ukraine - und das ist der Meter vor Russlands Haustür im eigenen Garten - in einen gegenwärtig  brutalstantirussischen Westen zu verhindern.

Brutalst sogar was die westlichen Tauben angeht. Denn diese sind der Wirkung und dem Tun nach keine, halluzinieren sich eher als solche. Vielleicht sind sie es dem Wollen nach, aber Gesinnungsethik ist keine. Weil es auf die Wirkungen ankommt. Ob sie begreifen, dass sie mit ihren repetierten Maximalforderungen aus Falkenhirnen nicht vermitteln, weil diese  nicht ihre sein können und deren Annahme für Russland einem historischen Selbstmord gleichkäme?

Ob sie verstehen, dass sie mit Sanktionen gegen diejenigen, die dem Ziel nach, nämlich eine glimpfliche Lösung zu finden, doch ihre Verbündeten sein müssten - und nicht ihre Gegner, die Situation verschlimmern?

Man fragt sich, ob Merkel und Hollande nach Moskau fahren, weil da das Problem sitzt oder der Sparringspartner der Lösung. Wahrscheinlich wissen sie es nicht einmal und es ist nur ein Versuch, im Geschichtsbuch nicht allzu schlecht wegzukommen.

Die Höhe europäischer Diplomatie nach einem Jahrhundert der Massenverblödung.

***

In Russland hatte durch den gesamten Ukrainekonflikt die Friedenspartei den Hut auf. Der Kreml gab den Ton vor und die Tauben bis hin zum in Westen hochgeachteten Gorbatschow zogen mit.

Im Westen ist es umgekehrt. Hier bestimmt die Kriegspartei den Kurs, schon deswegen, weil die Tauben  politisch überfordert sind. Und die westliche Kriegspartei, das ist die westliche Vormacht: die USA. Inklusive ihrer Totschlägerregierung in Kiew.

Jazenjuk (Falke) ist nichts ohne den Big Brother (Falke)-  aber Strelkow und Co (Falken) sind nichts ohne den Kreml (Taube).

Was sagt uns das?

Und was macht das dekadente Westeuropa daraufhin? Genau: Russland sanktionieren! Die Tauben anschießen! Und dann hinfahren, vermitteln wollen und ein Einknicken vor dem Menschheitsaggressor verlangen.

***

Da liegt das Problem und der Preis es nicht zu lösen ist hoch.

Und welche Richtung behält wohl auf Dauer die Oberhand, wenn seine Seite de facto geschlossen auf einen Krieg zusteuert? Diese Seite ist der Westen.

Die Europäer spielen allenfalls die Rolle des Good Cop, wie beim Verhör eines unschuldigen Schwarzen in Oklahoma, dem seine Schuld noch klargemacht werden muss.

***

Dem Kreml  entgleiten umgekehrt in diesen Tagen die bremsenden Zügel in Richtung der Separatisten. Was auch sonst? Womit sollte man sie bremsen? Die westlichen Tauben waren keine politischen Mitspieler auf der Suche nach irgendeiner Lösung, sondern Sprachrohre und Agenten ihrer Falken, die denselben Text und dieselben Maximalforderungen allenfalls ein bisschen netter aufsagten.

Mit wem hätte Moskau einen größeren Konflikt verhindern sollen? Die Separatisten zurückpfeifen kann es nicht und ein wesentliches westliches Land, mit dem es die Wahnsinnspolitik der Amerikaner (und diese sehen Leute wie Kohl, Schmidt, Bahr und wie sie alle heißen genauso) hätte bremsen können, hat es nicht gefunden. Auch weil Deutschland versagt. Tschechien und Ungarn und jetzt vielleicht noch Griechenland sind ein bisschen schwach auf der Brust.

Für Absolventen der deutschamerikanischen Gehirnfritteuse: Putin  will keinen Krieg, er will in der Ukrainekrise nicht einmal einen militärischen Sieg (den hätte er längst, worauf er selbst vollkommen nachvollziehbar hingewiesen hat). Russland will lediglich nicht als Verlierer vom Feld gehen und zur ostwestlichen Zusammenarbeit des letzen Jahrzehnts zurückkehren. Ein Unentschieden und Status quo ist für das Russland ok, aber das ist die Mindestbedingung, keine Verhandlungsbasis - und die Ostküste hat ein anderes Ziel.

***

In eine Niederlage wird Russland sich nur fügen - wenn diese da ist. Wenn es besiegt ist. Was ist daran so schwer zu sehen? Russland wird sich, vor die Wahl zwischen der Selbstauslieferung an Brzezinskis Messer und den großen Fight gestellt, gewiss für das zweite entscheiden, sobald alle dritten Wege verstellt sind (woran die Bundesregierung fleißig mittut. Aber dann müsste es ja gegen Amerika. Und dieser Hitler...)

Man unterschätze Russlands Friedenswillen nicht. Man unterschätze Russlands Durchhaltewillen nicht. Dieses Land hat schon seine eigene Hauptstadt abgefackelt, um eine Laus in seinem Pelz loszuwerden.

Sind es wirklich deutsche Diplomaten, die da fordern, es müsse die Grenze schließen? Genau das kann es nicht. Was ist aus unserem Land geworden?

***

Das muss man wissen im triefmoralischen Westen: Russland hat diesen Konflikt nicht gewollt noch betrieben, seine Kriegspartei zurückgehalten, aber es kann ihn nicht beenden, solange der Westen nicht aufsteckt - oder kooperiert.

Das ist es, woran die westlichen Tauben hätten anknüpfen müssen. Dazu müssten sie aber Forderungen nicht an Moskau richten, sondern an Washington. Und die Details mit Moskau besprechen, mit der korrespondierenden Ausgleichspartei, nicht mit den eigenen Scharfmachern. Tut man aber nicht.

Man hat bei Angela Merkel immer den Eindruck, sie glaube ernsthaft daran, eine westeuropäische Kooperation mit Russland sei möglich, während man gleichzeitig die auf Russlands Filettierung zielende Politik der Amerikaner unterstützt und sich deren Irrwitzforderungen zu eigen macht, die für Russland aus gutem Grund unannehmbar sind - und Sanktionen hochdreht und zu dann vermitteln loszieht. Als sei man nicht Partei.

Im Hamsterbau würde man so nicht Politik machen.

***

Die westlichen Tauben sind endweder einfältig oder verlogen. Man hat den Eindruck, dass es zumeist montags so ist und dienstags so. Man will, aber man versteht nicht. Oder man versteht und man will nicht. Weil man zu verzagt ist. Das Ergebnis ist politisches Totalversagen moralisch aufgeblasener Maximalheuchler. Die große Kampfansage der Vergangenheit entzündete sich an diesem Politikertypus.

***

Und was wollen die Bundeskanzlerin und der französische Präsident vor diesem Hintergrund da eigentlich in Kiew und Moskau?

Engagement spielen. Denn bewirken werden sie nichts, wenn sie selbst alles dafür tun, wirkungslos zu bleiben.

Dort treffen Sie auf die Unterfalken der westlichen Seite und die Tauben der östlichen.

In Kiew wird man den beiden mutigen Täubchen was erzählen?  Natürlich dass die territoriale Integrität der Ukraine unantastbar sei. Im Klartext: dass der russische Einfluß auf die Ukraine komplett gebrochen werden müsse, damit die Ukraine prowestlich verdaut werden kann (gemäß dem Junta-inszenierten Willen des Volkes, das man gerade im Donbass verheizt) und dass die Ukraine deswegen in die Nato strebe - was ja ganz natürlich ist, da sie bekanntlich am Nordatlantik liegt.  Ironie aus.

In Moskau werden Lawrow und Putin den Turteltäubchen Hollande und Merkel hingegen mitteilen, dass Kiew mit den Separatisten zwingend verhandeln und die Ukraine föderalisiert werden müsse. Im Klartext: dass eine antirussische Regierung in Kiew von Moskau niemals akzeptiert wird (sowenig wie die berühmte prorussische Fiktion in Kanada von den USA) und man andernfalls eben solange im Donbass "zügelnd nachlegen" werde, bis diese zusammengebrochen sei; dass man außerdem den Zugriff auf die eigenen Hardliner langsam verliere und die westlichen Tauben, wenn sie noch irgendetwas erreichen wollen, das nicht schaffen werden, solange sie sich die Forderungen der Falken zu eigen machen und das mit Sanktionen und Schlimmerem verkorksen. Außerdem, dass man für eine ostwestliche Pufferukraine und die Suche nach dem eurasischen Win-Win-Win in der Ukraine jederzeit zu haben sei, aber nicht mit dem Asov-Bataillon.

Das Donbass als eine Art Unterpfand zur Erzwingung einer nicht gegen Russland gerichteten ukrainischen Regierung.

Wenn das Land in einer zweiten (und echten) Revolution östlich wendete, würde Russland dazu natürlich nicht nein sagen, aber die osrwestliche rgangsukraine würde es in Verhandlungen nehmen.

***

Die westlichen Tauben müssten nun Klartext reden gegenüber ihren Falken. Werden sie das? Nein, werden sie nicht. Denn sie können sich buchstäblich nicht vorstellen, dass dass  Problem eher in den Wechselwirkungen von Washington, Kiew und Donezk liegt, als im sanktionierten Moskau. Schauen Sie sich mal einen Mann wie den früheren IM Larve an, den amtierenden Bundespräsidenten mit seinen heutigen Humvee-Hasselhoffhorizonten.

Ganz abgesehen davon, dass man über die Infiltrationsorganisation namens Konrad-Adenauer-Stiftung einen antirussischen Boxhandschuh in Kiew selbst genäht hat.

Wir sind Oberbürgermeister von Kiew!

Und Matschbirne der Welt.

***

Das Ringen findet gegenwärtig jedenfalls 300 km vor Moskau statt und europäische Regierungen, die sich hier zum Sprachrohr amerikanischer Weltdominanzinteressen machen und damit einen großen Krieg heraufbeschwören, haben den Schuß nicht gehört.

Man muss diesen USA nicht dienen, man muss ihnen das Handwerk legen.

***

Hätten Frankreich und Deutschland den Amerikanern zugerufen, dass der "strategische Brückenkopf" Westeuropa - und nichts anderes sind wir den dort gegenwärtig regierenden Psychopathen - nicht wächst, wenn sie in der Ukraine so weitermachen - sondern weg ist, hätte man das in Washington ansatzweise verstanden.

Zwei Regierungen mit 130 Millionen Menschen dahinter gegen sich, das wäre mal so eine Ansage gewesen. Aber dazu braucht man eben ein bisschen Mumm. Den, sich hinzustellen und der amerikanischen Regierung genau das - durch die freundliche diplomatische Blume - mitzuteilen.

Und man muss natürlich die transatlantischen Krampfadern in den eigenen Hauptstädten und Parlamenten verödet haben. Sonst kommt man von der Politikimitation nicht zur Politik.

***

Was soll die russische Regierung nun von dieses Besuch des Hanswursts und der Zynikerin halten?

Die Message aus Paris und Berlin an den Kreml klingt aus russischer Sicht ungefähr so:

"Wir sanktionieren Euch, selbstlos gute Menschen wie wir sind, zu unserem eigenen Schaden übrigens, so gut sind wir, damit die Herren der Welt und der westlichen Werte, die immer recht haben, an ihr Ziel kommen, Euch restlos fertigzumachen  - weswegen ihr auch die Hubschrauberträger nicht bekommt - und Euch zu filettieren, aber weil wir ja für Völkerverständigung und  sind, merken wird das nicht oder tun so als würden wir es nicht merken und deswegen wollen wir für die Galerie nochmal über alles reden, damit keiner sagt, wir hätten nicht alles versucht, wenn es knallt. Ein paar Menschen können schon sterben, es geht schließlich um unsere Werte, aber nicht dass wir schlecht im Geschichtsbuch stehen, wo wir doch für diese  Kämpfen. UND JETZT MACHT ENDLICH DIE GRENZE AUF! WIR SND DIE GUTEN!"

Ich könnte kein russischer Diplomat sein. Nicht gegenüber solch debilen Ekelpaketen. Mitbürger zu haben, die sie wählen, ist schon schlimm genug.

Ein Besuch für die Galerie soll es werden. Das ist besonders widerlich. Als wären Historiker so naiv wie westeuropäische Regierungspuppen.

***

Man kann die politischen Kräfte hinter Merkel und Hollande wirklich nur an der Wurzel ablösen, denn sie sind gefährlich. Weil sie letztlich nur irrlichternde Politiksimulation betreiben und am Ende klingt wie ein eine Runde Buchstabensuppe.

Die westlichen Falken und beide östlichen Fraktionen verstehen jedenfalls das große Spiel. Die westlichen Tauben verstehen es nicht und glauben Kraft der ihnen eigenen Moral, man könnte Partei, Vermittler, Retter in letzter Sekunde und unschuldig an der Katastrophe sein.

Das ist keine Politik, das ist ein Zustand. Und zwar ein endlicher.

Ja glauben Hollande und Merkel wirklich, die Geschichte werde gnädig über sie urteilen, weil sie nun noch einmal - am Ort ihrer Sanktionen zugunsten von Al Capone! - "vermitteln wollen", anstatt dort im Klartext zu vereinbaren, dass beide Seiten ihre Hardlinern stoppen?

Es ist genau das zu beobachten, was Edgar Jung die "Herrschaft der Minderwertigen"  in der späten Demokratie nannte. Man weiß am Ende nicht mehr, ob die Handlungsträger moralisch degeneriert sind oder intellektuell.

***

Solche Regierungen kann sich kein Volk der Welt auf Dauer erlauben. Man sei Falke oder man sei kluge Taube, aber nicht die Pseudo-Taube, die die noch eigenen Hardliner karikiert und dann noch schnell, ehe es knallt (woher weiß sie das?) zum Pazifistenflug für die Geschichtsfotographen ansetzt.

Vor allem sei man eine Tatsache, keine Attrappe. Die Außenpolitik der Bundesregierung wirkt wie die Truman  Show. Und die "Mission" von Merkel und Hollande erinnert an den Englandflug von Rudolf Heß. Obama, der Führer hat mit seinem Eisenkurs recht, bedingungslos, aber wir schauen mal, ob die Gegenseite auf unsere grenzenlos gütige Kompromißbereitschaft nicht doch noch reinfällt eingeht. 

Dass diese Bundesregierung die Mehrheit der Bundesbürger hinter sich hat, lässt übrigens nur einen Schluß zu. In Frankreich ist Hollandes Beliebtheit wenigstens kurz vor der Nachweisbarkeitsgrenze.

Deuschland tut das einzige, was es kann: Hinter dem Wahnsinn stramm stehen.

***

Aber zurück in die Ukraine. Denn ein Punkt fehlt noch. Nämlich der, dass es inzwischen selbst für ein nüchternes und selbstbewußtes Aufwachen und korrespondierendes Handeln der westeuropäischen Politik zu spät ist.

Denn die russische Kriegspartei im Donbass versucht  Mütterchen Russland, das bis dato nur vage und allenfalls "niederlagenpräventiv" Unterstützung schickt, nun gezielt in den Krieg zu ziehen.

Dafür gibt es zwei Hinweise:

Erstens: Die Erklärung des Donezker Separatistenchefs, mit Kiew überhaupt nicht mehr verhandeln zu wollen und niemals unter die Fittiche des ukrainischen Staates zurückzukehren. Das schlägt alle politischen Türen zu und ist das exakte Gegenteil der Position von Putin und Lawrow. Hier versuchen die russischen Falken eindeutig, die eigene Ausgleichspartei zu überspielen und in ihre Richtung zu zwingen.

In Richtung Kiew heißt das: Besiegt uns oder verliert das Donbass - oder sogar noch mehr. Novorossija ist groß! Hehe.

Kiew wird darauf wie reagieren? Natürlich indem es - wie und womit auch immer - weiterkämpft.

Erst recht, nachdem die Volksrepubliken neben die Ansagen noch eine Tat gestellt haben und nun - und das ist  Zweitens - selbst auf breiter Front angreifen.

Nach Moskau rufen Strelkow und Co damit außerdem:

Wir eskalieren es jetzt hinter den Point of no Return, denn der Westen wird seine Politik sowieso nicht ändern und wir wissen ja, dass Ihr in Moskau wisst, dass wir nicht verlieren dürfen, sonst hat Mütterchen Russland insgesamt ein Problem und wir wissen, was Ihr tun werdet, wenn die diplomatischen Kanäle gekappt sind und wir vorrücken und dann - schließlich gilt es den Pentagonfalken ja darum, uns mittels der Ukraine zuzusetzen, nicht die Ukraine an uns zu verlieren -  schließlich die Amerikaner selbst näherkommen... Seien Sie also vorbereitet, Wladimir Wladimirowitsch!

Das ist der Weg in einen deutlich größeren Konflikt und durchaus keine Hypothese.

Bislang traf eine Falkenpolitik des Westens auf eine Taubenpolitik im Osten, auch wenn die darüber siech gewordenen transatlantischen Propagandamedien natürlich das Gegenteil behauptet haben. Es mussten ja Auswege verstellt werden und die Deutschen der wahren gelenkten Demokratie die Winterspiele in Sotschi schlimm finden, statt die Ausrichtung ihrer Regierung zu hinterfragen.

In Wahrheit ist es nun eher so, dass die russische Kriegspartei just in dem Moment, da westeuropäischen Meisterdiplomaten starten, in Osteuropa ihre Bemühen zu demonstrieren, gerade dabei sind, der russischen Friedenspartei die letzten Karten aus der Hand zu schlagen.

Und das war nicht möglich, weil der Kreml keine Konfliktvermeidung gewollt hätte, er hat von dem Wahnsinn in der Ukraine nichts, außer dass Russland (koste es was es wolle) nicht verlieren darf, sondern weil er in der gesamten westlichen Welt, bis auf ein paar Pensionisten, Egon Bahr und Willy Wimmer und Co bei uns, schlechthin keine Mitspieler für eine Politik gefunden hat, die den Namen verdient hätte. Achselzuckendes oder gekauftes Erfüllungsgeschwurbel und Diplomatieimitation wohin man schaut.

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.

Die transatlantischen Kabel verhindern keinen Krieg. Sie bewirken und verschärfen gerade einen.

Und es wird in Europa solange brennen, bis Deutschland, Russland und Frankreich erkennen, das sie die Ordnungsmächte dieses Kontinents sind.