28 Feb 2015

Bürger-Journalismus

Submitted by costa esmeralda

Beim Zusammenstellen eines Buchbandes stiess ich auf meinen Beitrag in der dFC vom 1. Juli 2014 über "Bürger-Journalismus", der nach dem berühmt, berüchtigten "Berliner Treffen" von dFC-BloggerInnen (im Mai 2014) erstellt wurde. Während des nochmaligen Durchlesens konnte ich mir ein Schmunzeln angesichts des augenblicklichen Zustandes der "termiten" nicht verkneifen. Manchmal tut Erinnerung gut, wenn sie das Gestern mit dem Heute vergleicht. Aus diesem Grund sei der damalige dFC-Beitrag hier noch einmal angeführt.

 

Journalismus, Demokratie, Freiheit

Bürger-Journalismus

Von der Notwendigkeit einer SECHSTEN GEWALT im Staat: "Bürger-Onlinemedien"

(1.7.2014)

Foto: wikimedia commons, http://www

Der globale Kapitalismus hat das Schicksal der Menschheit und des „Blauen Planeten“ immer fester im Griff. Der Lobbyismus des Kapitals als Fünfte Gewalt im Staat neben den drei klassischen der Legislative, Exekutive und Judikative sowie der Vierten Gewalt der Medien breitet seinen eisigen Mantel über Menschen und Natur aus und achtet mit Argusaugen darauf, dass niemand unter dem Mantelsaum hindurchschlüpfen kann.

Der Lobbyismus speist mit der Kanzlerin; er hält die Abgeordneten bei Stange mit wüsten Drohgebärden, das Heimatland bei fehlendem Wohlverhalten zu verlassen und materielle Not für seine Untertanen heraufzubeschwören; selbst die Judikative wird größtenteils durch Büttel des Kapitals gesteuert. Und die Medien als Sprachrohr des Lobbyismus mit seinen Profi-Journalisten, als Teil des Kapitals, fahren fort, angeblich im Namen des Humanismus, der Demokratie und der Menschenrechte die Bürger-Interessen zu vertreten. Wer kennt nicht ihr Gesabber von „Sozialer Markwirtschaft“, von der „Agenda 2010“, die der Republik angeblich Vollbeschäftigung, in Wirklichkeit Neue Armut, beschert hat. Wer kennt nicht das ewige Süß-Raspeln: „Habt Vertrauen in den Staat! Spart wie der Finanzminister! Werdet arbeitslos in Südeuropa und seid mit Hungerlöhnen zufrieden, bis Euch das Kapital mit Freuden wieder einstellt! Die Zukunft sieht golden aus. So viele Milliardäre und Millionäre gab es noch nie. Damit alles so bleibt, sei Euch alle vier Jahre eine Stimme gegönnt. Auch werden Querdenker geduldet und nicht eingesperrt. Wir brauchen sie und reservieren für sie ein Extra-Würstchen. Sie sind Ausdruck des Pluralismus und der Großzügigkeit des Kapitals. Aber wehe, ihre Motzerei geht über das geduldete Maß hinaus und sie lugen unter dem Mantelsaum hindurch, um die Freiheit zu suchen. Da kennen wir kein Pardon.“   

Die fünf Gewalten sind allesamt Kinder des Kapitals. Die BT-Parteien-Diktatur ist ein Scheingebilde von Demokratie. Seit 1949 waren diese Parteien emsig bestrebt, der Volkssouveränität nicht zum Durchbruch zu verhelfen. Auch die Medien kämpfen nicht für mehr Demokratie und Volkssouveränität. Das Kapital im Verbund mit seinem Lobbyismus weiß das zu verhindern.

Nun wurde in den letzten Jahren viel über die Zukunft des Journalismus im Zusammenhang mit dem digitalen Zeitalters diskutiert, das den Untertanen eine massenhafte Kommunikation untereinander erlaubt und theoretisch das Entstehen einer selbstbestimmten Bürger-Gesellschaft möglich macht. Die klassischen Medien sind bestrebt, sich da einzumischen, um ihren Einfluss nicht zu verlieren. Solange sie das Online-Geschäft kontrollieren, kann nichts im Sinne des Kapitals schiefgehen. Und die sog. „social media“ übernimmt die frühere BILD-Kultur in erweiterter Form. Sie tut dem Kapital nicht weh und dient der Volksbelustigung.        

Was aber geschieht, wenn sich ein unabhängiger Bürger-Journalismus (Amateur-Journalismus im Gegensatz zum Profi-Journalismus) entwickelt, der die Fesseln des Kapitals abstreift und unentgeltlichen Informationsaustausch zwischen ehemaligen Untertanen betreibt. Im Gegensatz zu „social media“ (facebook und andere) beginnen immer mehr Bürger ihre Meinungen und Ideen über den Öffentlichen Raum schriftlich anderen Menschen  mitzuteilen, mit ihnen zu diskutieren und eventuell zum politischen Handeln aufzurufen. Der Akt des Schreibens zwingt den Autor/in zur Analyse, zwingt, Stellung zu nehmen. Es ist ein Freiheits-Akt, ein Akt der Selbsterkenntnis und Erkenntnis der Umwelt, ein Grundrecht des Bürgers, ein Mittel der Emanzipation des Untertanen. Der Profi-Journalist kann nicht stellvertretend für den Bürger schreiben. Im besten Fall, wenn er nicht völlig Büttel des Kapitals ist, kann er beraten, zur Meinungsbildung beitragen. Aber den letztendlichen Schritt der Emanzipation muss der Bürger aus eigenem Antrieb vollziehen. So lange das nicht geschieht, wird die Eiseskälte des Kapitals die Herzenswärme der Menschen zum Erkalten zwingen.

Was mit den vorgeschichtlichen Petroglyphen begann und im 20ten Jahrhundert mit Heft und Bleistift in der Schule erstmals massenhaft geübt wurde, sollte in Zukunft vor allem in den letzten Schuljahren mit dem obligatorischen Einüben auf laptops, i-pads mit Konsole u.ä. geschehen: Das bewusste Schreiben über sich selbst, die Gesellschaft und die umgebende Natur.  

Zur Emanzipation des Bürgers brauchen wir die „Sechste Gewalt, die unabhängigen Bürger-Onlinemedien“. Es gibt sie ja schon unter den Eliten, auch in vorwiegend regionalem Gewand. Auch gibt es den „Freitag“, der den unmöglichen Spagat zwischen Profi- (sprich kapitalinteressiertem) und Amateur-Journalismus versucht. Jedoch zeigt uns dieses Experiment ganz klar, wo die Zukunft des Journalismus liegt, nämlich im „Bürger-Journalismus: Bürger schreiben für Bürger“. Eine solche Sechste Gewalt lässt sich von den anderen fünf Gewalten nicht hineinreden. Bürger-Journalismus ist die Voraussetzung für das Brechen der politischen BT-Parteien-Diktatur und der wirtschaftlichen Diktatur des Kapitals.  Der Bürger-Journalismus wird Teil der Solidar-Wirtschaft sein, in dem Kapitalismus und Sozialismus nichts zu suchen haben, es wird ein horizontaler Journalismus sein.      

 

Viel Freude noch zum 1. Juli 2014, CE

PS: Nach Berlin freue ich mich jetzt auf die Eifel! (27.2.2015)

Kommentare

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dieses denkwürdigen Treffens im Mai 2014 in der Berliner UFA-Fabrik mag ich ebenfalls schmunzeln. Nichts kommt so wie vielleicht geplant und wenn es dann anders geschieht, so mag das ebenfalls akzeptabel sein, vielleicht zu neuen, zumindest anderen Ufern führen.

Schmunzeln ebenfalls, weil es damals im Vorfeld des Treffens und auch in den ersten Wochen danach (Wo bleibt das Protokoll?) sowohl trollige, wie auch ernsthaft böse, begleitende Stimmen der alteingesessenen Freitags-Seilschaften gab.

Gerade weil es die Termiten überhaupt (noch) gibt, bald ein Jahr nach der Gründungsversammlung -die als solche damals nicht erkannt wurde- and still going... das ist schon ein Erfolg an sich; mittlerweile mehr als 30 (auch ex) FreitagsbloggerInnen registriert sind nicht weniger. Auch wenn die Zusammensetzung heute eine weitgehend andere ist, als zu Zeiten dieser Gründungsversammlung.

Wie es weiter geht, das sei nach wie vor weitgehend offen, bei TeilnehmerInnen wie Inhalten...

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Lieber Bernd,

Dass aus unserer Berliner-Diskussion die Termiten Realität wurden, ist auch ganz besonders Dein Verdienst. Das werden wir nicht vergessen. Auch Heinz hat sich da mit Verve eingebracht. 

Mal sehen, wie die Fahrt weiter geht.

Dir noch einmal ganz herzlichen Dank!

Hermann

Ich war bei dem Treffen ja nicht dabei, sondern bin überhaupt erst zur FC gestoßen, als politische Ereignisse (zunächst die unbeantwortete Enthüllung der Totalüberwachung durch die NSA, dann die Werbung für die Militarisierung der deutschen Außenpolitik & im Anschluss die ideologische Aufrüstung gegen Russland -- spürbar schon im Vorfeld der Winterspiele in Sotchi) mich in Alarmstimmung versetzten & ein die Politik noch reaktionär überflügelnder Leitmediendiskurs den gegenläufigen Leserstimmen eine immer gnadenlosere Zensur entgegensetzte.

Und nun hat die Zensuraxt die FC gleichermaßen erreicht.

Was also ist dann Bürgerjournalismus? Er ist die Notwehr der Bürger gegen einen schleichenden strukturellen Totalitarismus, der Stimmen, die sich nicht in verordnete Narrative fügen, eliminieren will.

Er ist lebensnotwendig, wenn, wie heute, eine ernsthafte Kriegsgefahr heraufdämmert.

Schön, dass die Termiten immerhin schon eine länger zurückgreifende Entstehensgeschichte haben.

Schöner wär's noch, wenn es uns gelingen würde, auch breiter wahrgenommen zu werden. Aber da bauen wir ja mit einer zweistelligen Anzahl von Händen dran.

Also: gutes Gelingen uns allen!

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Liebe Anja,

ich meine schon, dass das gelingen könnte, was Du wünscht, eine grössere Wahrnehmung. Das liegt an uns allen. Wäre schön, Dich in der Eifel zu treffen.

LG, Hermann

Wir werden dran arbeiten, lieber Hermann.

Herzliche Grüße,

Anja

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Darauf freue ich mich.

Liebe Grüsse aus der Ferne, Hermann

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Als fahrfauler Berlin-Nichtteilnehmer

sind mir die dortigen Geschehnisse (zum GLück?) nur aus der Ferne bekannt. Aber die gegenärtige Entwicklung stimmt denn schon recht hoffnungsvoll.

An der weiteren Verbreiterung der Wahrnehmung haben wir noch ordentlich zu stricken - tun wir's!

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Lieber Werner, 

damals, im Mai 2014, warst Du fahrfaul. Deshalb kommen wir jetzt zu Dir, so dass Du keine Ausreden mehr haben kannst.

LG, CE