14 Feb 2015

Geschichtsrevisionismus, Geopolitik & die Fallstricke des Kampagnenjournalismus

Submitted by alphabetta

Wie sich Report Mainz in „Lisas Welt“ auf altbekannten Pfaden deutscher Ostpolitik verirrt

Über den teilweise aufkochenden, teilweise latent schwelenden Zwist zwischen Zeitungen und Leserschaft, aber auch zwischen Zuschauern und den Senderredaktionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen ist seit dem Beginn des systematischen Werbens um die neue militaristische Außenpolitik Deutschlands in alternativen Foren kontrovers diskutiert worden, erst recht aber, seitdem die Eskalation der Ukraine-Krise gezeigt hat, dass die mediale Aufrüstung wieder in Russland einen neuen=alten Feind zu schaffen im Gange ist.

Ein besonderes Ärgernis ist es da, dass in den Leitmedien hierbei nicht nur der ukrainische Nationalismus und die operative Wirkung regelrecht neonazistischer Kräfte permanent verschwiegen werden, sondern dass sich auch in die Darstellung Russlands selbst in Deutschland zunehmend revisionistische Züge einschleichen.

Spätestens seitdem der von den USA schon vor dem Sturz der zuvor rechtmäßig gewählten Regierung Janukowitschs favorisierte Ministerpräsident Jazenjuk in den Tagesthemen ohne Widerspruch verkünden konnte, es habe im Jahr 1945 eine feindliche russische Invasion in die Ukraine und Deutschland stattgefunden, ist klar geworden, dass der Schulterschluss mit neonazistischen Kräften in der Ukraine nicht ohne ernsthafte Amputationen eines zuvor über Jahrzehnte errungenen gesellschaftlichen Konsens über die Zeit des Natonalsozialismus zu haben ist.

https://publikumskonferenz.de/forum/viewtopic.php?f=30&t=351

Wie aber nicht etwa durch eine pompöse Geschichtsrevision im Stile eines noch im Historikerstreit 1985 gescheiterten nationalkonservativen Ernst Nolte, sondern auf dem Umweg der Implantation vieler kleiner epischer ‚Korrekturen‘ das historische Narrativ umgeschrieben werden soll, bis am Ende die alte russophobe Wehrhaftigkeit wieder widerstandsfrei abgerufen werden kann, zeigt ein kleines nicht harm-, aber geschmackloses Satirefilmchen, das von Report Mainz bereits am 25.11.2014 ausgestrahlt wurde:

Lisas Welt: Der Putin-Erklärer

https://www.youtube.com/watch?v=8KvzQgjwwN0

http://www.swr.de/report/lisas-welt-der-putin-erklaerer/-/id=233454/nid=233454/did=14366710/10xd54p/index.html

 

 

Hierzu verfasste ich am 02. 12. 2014 folgende Programmbeschwerde im Auftrag der „Ständigen Publikumskonferenz“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, bei Verstößen des ÖRF gegen geltende Rundfunkverträge durch Verwaltungsakte auf Korrektur hinzuwirken:

https://publikumskonferenz.de/forum/viewtopic.php?f=30&t=261

 

SWR
Intendanz
Herrn Boudgoust
Neckarstraße 230
70190 Stuttgart



Programmbeschwerde


Sehr geehrter Herr Boudgoust,

hiermit erheben wir, die Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien, formal Programmbeschwerde gegen den Beitrag Lisas Welt: Der Putin-Erklärer innerhalb der Sendung Report Mainz des SWR vom 25.11.2014, ausgestrahlt um 22.00 Uhr.
http://www.swr.de/report/lisas-welt-der ... index.html

In dieser Sendung erfährt der rechtmäßig gewählte Präsident der Russischen Föderation, eines großen europäischen Nachbarlandes, eine Darstellung, die nicht nur einen deutlichen Verstoß gegen den Rundfunkvertrag darstellt, sondern auch das Wertefundament des Grundgesetzes in eklatantester Weise verletzt.

Der Beitrag stellt sich als ein satirischer dar, der vorgibt, die Politik der russischen Regierung aus der Sicht eines Kindes im Grundschulalter ironisch beleuchten zu wollen. Doch während Kurt Tucholsky im Jahre 1919 noch meinte, die Satire dürfe „alles“, da er davon ausging, sie diene der Beleuchtung von machtpolitischen Missständen „von unten“, erfolgte die noch unter alliierter Besatzung stattfindende rechtliche Grundlegung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks unter dem Eindruck des verbrecherischen Zivilisationsbruchs der nationalsozialistischen Propaganda, aus deren mörderischen Konsequenzen sich jede verhetzende Darstellung im öffentlichen Raum Deutschlands künftig verbot.

Der vorliegende Beitrag liefert in dieser Hinsicht jedoch nicht nur einen einzelnen Verstoß im Detail, sondern vom ersten Satz an eine sukzessive Kette sich steigernder Verzerrungen der Darstellung Russlands und der russischen Regierung, die sich im Ganzen zu einem Gesamtbild addieren, das als ein grob verhetzendes bezeichnet werden muss.

Der Beitrag beginnt mit den folgenden beiden Sätzen:

„Den Putin versteht in unserer Klasse niemand. Außer ein paar Putin-Verstehern. Deshalb haben wir gestern einen Ausflug in den Zoo gemacht und einen echten Putin-Erklärer getroffen.“

Hier wird die Verständigung über „den Putin“ als Gegenstand eines Unterrichtsgeschehens an öffentlichen Schulen ausgewiesen, in dem offensichtlich dessen Verurteilung als Obskurant wie selbstverständlich sogar soweit vorausgesetzt wird, dass er als ein Wesen, dessen Handlungen nachzuvollziehen sich menschlicher Introspektion per definitionem versperrt, von einem zoologischen Experten erschlossen werden muss. Dem behaupteten Konsens der in einer Klasse versammelten Grundschüler scheint sich nur eine unverständige Minderheit von Schülern zu entziehen, die der Beitrag als „Putin-Versteher“ kennzeichnet. Sie sind es offensichtlich, die der Belehrung durch Expertisen bedürfen.

Bereits in diesem Abschnitt wird also nicht nur der russische Regierungschef dehumanisiert und als Tier dargestellt, sondern diese Betrachtung als notwendig zu platzierende Schulweisheit präsentiert. Offensichtlich ist der Redaktion nicht bekannt, dass das öffentliche Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland – gemäß der Verfassungen der Bundesländer, der Wahrung der Menschenwürde, der Ausgewogenheit, Pluralität und Überparteilichkeit des Unterrichts sowie der Neutralität der Amtsführung des Lehrpersonals verpflichtet ist, das Kindern eine eigenständige Urteilsfähigkeit im Rahmen eines diskursiven Unterrichtsablaufs ermöglichen muss, statt ihnen ein vorgefertigtes Urteil einzupflanzen.
Die von Ihnen scherzhaft skizzierte Unterrichtssituation wäre schlichtweg verfassungswidrig.

In den nun anschließenden beiden Absätzen steigert sich die bereits angelegte Tendenz. Dort heißt es, unter Nennung des als politisch-zoologischen „Experten“ eingeführten (verstorbenen) Professor Grzimek, der sich dieses Missbrauchs nicht mehr erwehren kann:

„Der hat uns dann alles über den Putin erklärt: Also, der Putin ist der König der Taiga und der braucht mächtig viel Platz. Weil so ein Putin ist schnell. Der kann in zwei Wochen in Kiew sein!
Als Alphatier hat der Putin keine natürlichen Feinde. Weil er die alle gefressen hat. Aber sein Lebensraum ist trotzdem bedroht. Weil skrupellose Wilderer seinem Revier immer näher kommen! Das darf man aber nicht, weil: Wenn ein Putin sich bedroht fühlt, wird der unberechenbar.“


In der Darstellung, in der der russische Präsident als eine Mischung aus Bär und Tiger daherkommt, wird die Behauptung eines grenzenlosen russischen Expansionismus kolportiert, der konkret die Gefahr eines russischen Einmarsches in die ukrainische Hauptstadt Kiew bedeutet, obgleich es hierfür nicht den geringsten Anlass gibt. Dabei wird das außenpolitische Handeln der russischen Regierung, die laut Umfragen derzeit eine Bevölkerungszustimmung von 81% erfährt, komplett personalisiert und dämonisiert, indem ihre Politik als individueller Wahn eines einzelnen krankhaft isolierten, nämlich „unberechenbaren“ Regenten erscheint, der sich durch mörderische Gewalt aller alternativ denkbaren politischen Stimme im eigenen Land entledigt habe (- was bei einem Land mit über 140 Millionen Einwohner kaum möglich sein dürfte).

Wähnt jedoch der Beitrag sich humorig ausgewogen, indem er auch den US-Präsidenten und die deutsche Kanzlerin als Wilderer nicht unbedingt nur schmeichelhaft zeichnet, so verzerrt sich die Darstellung der Gegenseite, wo ihr Agieren mit der ‚Bedrohung‘ ihres „Lebensraums“ begründet wird, im Kontext der Folgesequenz ins Unerträgliche:

„Dann taucht der auf einmal in Regionen auf, wo er gar nicht heimisch ist. Und alle kriegen Angst vor ihm. Nur weil seine engagierten Freunde dafür sorgen, dass er sich auch in seinem neuen Revier richtig wohl fühlt! Und ihn kein Fluglärm stört.Dabei sucht der putzige Putin doch nur nach einem Platz zum Überwintern! Und wer weiß, wenn sich noch mehr Menschen für den Putin engagieren, ist er vielleicht schon bald wieder in ganz Europa zu Hause!“

Zu diesem letzten Satz zeigt ihr Beitrag eine stilisierte Europakarte, in der niedliche Teddybären ganz Europa besetzen, vom Ural bis zur Iberischen Halbinsel.
Dies ist dann endgültig die Passage, durch die sich Ihr Beitrag auch von Albrecht Müller, dem ehemaligen Wahlkampfleiter des Architekten der bundesdeutschen Ostpolitik, Willy Brandt, das berechtigte Urteil einfängt:

„Volksverhetzung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.“ http://www.nachdenkseiten.de/?p=24135#h17

Die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland, denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch den Rundfunkvertrag verpflichtet ist, dürfen von dessen Redakteuren mit Fug und Recht erwarten, dass sie den historisch belasteten Begriff des „Lebensraums“ im Osten kennen. Dieser wurde von dem Nazi Chefideologen Alfred Rosenberg geprägt, der wegen seiner ideologischen Verantwortung für das Planen und Durchführung eines Angriffskrieges und des systematischen und rassistisch bedingten Massenmords im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrechers zum Tode verurteilt wurde; wegen eines Menschheitsverbrechens also, durch das 55 Millionen Menschen umkamen und hierunter 27 Millionen Sowjetbürger, Bürger jenes Staates also, der den höchsten Blutzoll bei der Befreiung Europas, einschließlich Deutschlands, zahlen musste.

In dessen historischer Nachfolge steht die Russische Föderation.

Wird aber dieser Begriff des „Lebensraums“ mit der unterstellten Drohung verbunden, Russland könne, von einem wahnsinnigen Tier beherrscht, sich des ganzen europäischen Kontinents bemächtigen, als ‚einverleibten Lebensraums‘, dann wird hier Russland komplett als Reinkarnation Nazi-Deutschlands gezeichnet. Dies zeugt von einem in keiner Weise mehr erträglichen Geschichtsvergessenheit und einer beispiellosen Unverschämtheit gegenüber einem großen europäischen Nachbarland.

Mangelnder politischer Anstand zeigt sich aber auch in der demagogischen Darstellung all jener Politiker, die in der Tradition Willy Brandts auf Verständigung mit Russland setzen, wenn sie hier denunziatorisch der Beihilfe einer erneuten Naziokkupation Europas unter russischer Flagge beschuldigt werden. Befremdlich ist hier zusätzlich am Ende des Beitrags, wenn diese Politiker, am Beispiel des sich an ein rosafarbenes Hemd drückenden Gerhard Schröder, mit einem homophoben Zungenschlag lächerlich gemacht werden (obgleich Homophobie doch dauerhaft als gegen Russland gewendeter Vorwurf kursiert), und zwar in dem Satz:

„Und beim nächsten Mal – hat Grzimek versprochen – erklärt er uns, warum sich manche Alphatiere auch untereinander paaren.“

Dass in diesem Beitrag zusätzlich der russische Regierungschef en passant als Schuldiger am Tod der 298 Opfer des Absturzes des malaysischen Flugzeugs MH17 durch seine „engagierten Freunde“ bezeichnet wird, obwohl es sich um eine nach wie vor ungeklärte Katastrophe handelt, gerät da fast schon zu Nebensache.

Insgesamt wird bei einer im Ganzen bedenklich einseitigen und unausgewogenen Berichterstattung der ARD in dieser Sendung der Rubikon des Erträglichen so weit überschritten, dass eine nicht erfolgende Revision dieser geschichtsvergessenen, zutiefst demagogischen und verfassungsmäßige Werte verletzenden ‚Satire‘ eine ernsthafte Rufschädigung der deutschen Gesellschaft bedeuten würde.

Wir erwarten deshalb vom Südwestrundfunk eine angemessen angekündigte Stellungnahme und eine öffentliche Entschuldigung für diese eindeutige Entgleisung - gegenüber der deutschen Öffentlichkeit und der Vertretung der Russischen Föderation.

(Redaktion Anja Kristin Boettcher)

Staatsvertrag über den Südwestrundfunk
§ 3
Auftrag, Angebote

(1) Auftrag des SWR ist, durch die Herstellung und Verbreitung seiner Angebote in
Hörfunk, Fernsehen und Internet als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Er hat in seinen Angeboten einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, bundesweite sowie im Schwerpunkt über das länder- und
regionenbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Er soll hierdurch auch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. (…)

Zum Zwecke der Transparenz werden sowohl diese Beschwerde als auch der weitere Verlauf der Stellungnahmen auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlicht.


Mit freundlichen Grüßen


i. A. Maren Müller
Vorsitzende

 

Die auf den Seiten der „Ständigen Publikumskonferenz“ als pdf verlinkte Antwort des SWR-Intendanten erkannte keinen der erhobenen Vorwürfe auch nur im Ansatz an. Deshalb erfolgte ein erneutes Schreiben, das mit einer noch detaillierteren Analyse des inkriminierten Beitrags aufwartete:

Sehr geehrter Herr Boudgoust,

herzlichen Danke für Ihre am 28.01.2015 verfasste ausführliche Antwort auf unsere formale Programmbeschwerde vom 2. Dember 2014 zu Ihrem satirisch gemeinten Beitrag „Lisas Welt: Der Putin-Erklärer“, der am 25.11.2014 im Rahmen der Sendung „Report Mainz“ ausgestrahlt wurde. 

Zu unserem außerordentlichen Bedauern entkräftet jedoch Ihre Entgegnung auf unsere Beschwerde leider weder die von uns vorgebrachten Argumente, noch entspricht sie auch nur im Ansatz dem kritisierten Inhalt des von Report Mainz gesendeten satirischen Formats „Der Putin-Erklärer“.

So schreiben Sie zu Beginn korrekterweise, wir sähen in dieser Ausgabe von „Lisas Welt“ „einen deutlichen Verstoß gegen den Rundfunkvertrag“ sowie eine Verletzung des „Wertefundament[s] der Bundesrepublik Deutschland“, konstatieren jedoch darüber hinaus, es sei von uns unmittelbar der Vorwurf der „Volksverhetzung“ erhoben worden. Richtig ist hieran nur, dass wir in unserer Beschwerde unter Angabe der entsprechenden Quelle einen engen Weggefährten der Ostpolitk Willy Brandts, nämlich seinen damaligen Wahlkampfleiter Albert Müller, zitiert haben, der explizit zu diesem Urteil gelangt ist, was uns als politisch gewichtiger Beleg für das Ausmaß der hierin liegenden politischen Entgleisung erschien,  ohne dass wir uns die strafrechtliche Dimension dieses Vorwurfs ausdrücklich zu eigen gemacht hätten.

Unsere hieran aber nun anschließende detaillierte Begründung des Vorwurfs eines in der Tat  schwerwiegenden Verstoßes gegen die Programmgrundsätze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der verfassungsmäßigen Rechtsbasis der Bundesrepublik Deutschland erfährt jedocht durch Ihre hierauf antwortenden Ausführungen nicht nur keine stichhaltige Widerlegung, sondern sie gehen so weit am Inhalt des ausgestrahlten Beitrags und unserer Argumentation vorbei, als bezögen sie sich auf eine gänzlich andere Sendung als die, die Report Mainz am 25.11. 2014 tatsächlich gesendet hat.

Denn Sie schreiben bereits im zweiten Absatz, der inhaltliche Fokus von „Lisas Welt“ liege auf der „innenpolitischen Diskussion in Deutschland“ über das „Regierungshandel[n] des russischen Regierung“. Im dritten Absatz heißt es:

„Der Titel der Glosse macht deutlich, dass sich die Glosse nicht in erster Linie über den russischen Staatschef lustig macht. Diese Glosse nimmt vielmehr eine gesellschaftliche Strömung in Deutschland aufs Korn , die in den Augen des Autors dazu neigt, Wladimir Putins Politik zu exkulpieren, indem sie seine Handlungen reflexartig mit einer US-amerikanischen bzw. bundesdeutschen Aggressionspolitik erklärt. Diese Wahrnehmung muss man nicht teilen, es ist aber durchaus mit den Programmgrundsätzen des SWR vereinbar, sie in einer Satire zugespitzt darzustellen.“

In diesen Zeilen erheben Sie, unter Verweis auf den Titel, etwas zum Gegenstand Ihrer satirischen Darstellung, was in dem Beitrag gar nicht oder allenfalls am Rande vorkommt. Denn eine Gruppe von Menschen, die eine manifeste politische Strömung in der Bundesrepublik Deutschland repräsentieren könnten, stellt – geschmackloser Weise – allenfalls die im zweiten Satz des Beitrags zu „Putin-Verstehern“ deklarierte Minderheit von Kindern einer Grundschulklasse dar, denen der dritte Satz bereits die Notwendigkeit einer prompten pädagogischen Korrektur durch eine Expertenunterweisung attestiert:

„Den Putin versteht in unserer Klasse niemand. Außer ein paar Putin-Verstehern. Deshalb haben wir gestern einen Ausflug in den Zoo gemacht und einen echten Putin-Erklärer getroffen.“

Dieser als „echte[r] Putin-Erklärer“ präsentierte Experte, der im Singular auftritt (also schlecht als Verkörperung einer repräsentativen Bevölkerungsgruppe taugt), ist die Titelinstanz des Beitrags „Der Putin-Erklärer“. Seine Sicht des russischen Regierungschefs ist dessen eigentliches Thema.  Dass dieser Exeget der russischen Politik darin aber das Objekt des Spottes darstellen soll, ist gleichfalls unplausibel & wäre, da es sich um eine real existierende, aber verstorbene Person handelt, der es schlichtweg unmöglich ist, ihre Sichtweise auf den Konflikt um die Ukraine mitzuteilen, auch gänzlich pietätlos. Auch ist es sachlich absolut unzutreffend, dass der im Beitrag fiktiv vorgeführte Professor Grzrimek hier versuche, „Putins Politik zu exkulpieren, indem [er] seine Handlungen reflexartig mit einer US-amerikanischen bzw. bundesdeutschen Aggressionspolitik erklärt“. Seine Erklärung im Gewande der zoologischen Expertise zielt nämlich auf nichts anderes als die spezifischen biologischen Eigenschaften des als Exot präsentierten Raubtiers ‚Putin‘, während die anscheinend unverständig-obstinate Gruppe der kindlichen Putin-Versteher (im Plural), erwähnt im zweiten Satz, im Rest des Beitrags stumm verbleibt und ausschließlich schimärenhaft von hinten gezeigt wird. Denn nicht sie sind hier das Thema; dieses ist „der Putin“ (aus der Sicht des fiktiv gezeichneten Experten):

„Also, der Putin ist der König der Taiga und der braucht mächtig viel Platz. Weil so ein Putin ist schnell. Der kann in zwei Wochen in Kiew sein! Als Alphatier hat der Putin keine natürlichen Feinde. Weil er die alle gefressen hat.“

Hier bescheinigt der zoologische Experte, nämlich der sich nicht mehr gegen seinen Missbrauch wehren könnende Professor Grzimek, der Spezies des russischen Bären als congenitale Eigenschaften: Aggression, Mordlust, Dominanzstreben und einen unverbesserlichen Expansionsdrang – alles Attribute also, die wohl kaum seiner Beurteilung durch jene „gesellschaftliche Strömung in Deutschland“ entsprechen dürften, die vermeintlich doch den Hauptgegenstand ihrer Glosse darstellt. Zwar wird die Möglichkeit seiner ‚Bedrohung‘ im nachfolgenden Satz angesprochen, doch auch hier erweist sie sich als eine lediglich vermeintliche, die nur in der Einbildung dieser Spezies, der ‚des Putins‘, existiere:

„Aber sein Lebensraum ist trotzdem bedroht. Weil skrupellose Wilderer seinem Revier immer näher kommen! Das darf man aber nicht, weil: Wenn ein Putin sich bedroht fühlt, wird der unberechenbar.“

Ihre also als Replik aufgeführte Behauptung, unsere Beschwerde hätte bereits den wirklichen Gegenstand der „Glosse“ fehltinterpretiert, da diese sich „erkennbar mit einem Teil der sich artikulierenden deutschen Öffentlichkeit beschäftigt“ habe, ist bereits an dieser Stelle eindeutig widerlegt. Dies ist eindeutig sachlich falsch.

Lassen Sie uns nun auf Ihre Entgegnung zu unserem Vorwurf kommen, hier finde bereits eine Dehumanisierung des Präsidenten der russischen Föderation statt. Darauf antworten Sie folgendermaßen:

Sie beklagen der russische Präsident werde ‚dehumanisiert‘ aufgrund der Tatsache, dass die „Report Mainz“-Redaktion ihn als Bär dargestellt hat. Lassen Sie mich dazu anmerken: In der Satirerubrik „Lisas Welt“ wurden schon oft Spitzenpolitiker als Tiere dargestellt: Barack Obama und Angela Merkel etwa als Schweine, Ursula von der Leyen als Schaf, Christian Wulff als Tiger. Keine dieser Darstellungen hat bisher dazu geführt, dass der Redaktion der Vorwurf der ‚Dehumanisierung‘ gemacht wurde. Wladimir Putin hat selbst im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise vom „Bär als dem König der Taiga“ und Anregung für dieses Bild geliefert.

Auch an dieser Stelle wird auf ungehörig simplifizierende Weise unsere differenzierte Argumentation wenig ernsthaft beiseite gefegt. Es dürfte Ihnen selbst klar sein, dass hier nicht generell zu dem Stilmittel gegriffen wird, das politische Geschäft allgemein durch einen bildlichen Transfer in den Bereich der Fabel zu beleuchten. Denn alle angeführten Figuren sind menschlich: Lisa, die Schulkinder, der Professor, selbst die als schießwütige Wilde repräsentierten Seperatisten und die Politiker Angela Merkel und Barack Obama. „Tierisch“ ist hier nur einer: „der Putin“, dessen spezifisch tierisch-aggressiven Eigenschaften ja der pädagogisch vermittelten Expertise des Zoologen bedürfen, damit unschuldige Kinder nicht irre laufen in der Vorstellung, er sei ein Wesen wie andere auch. Sie weisen nun die Verantwortung für die Verwendung eines Tiersymbols einer Äußerung des russischen Präsidenten selbst zu, als handle es sich bei einer Referenz zu dem Bären um dessen persönliche Marotte. Dabei weist gerade dieses Bild im westeuropäischen Gebrauch eine lange Tradition der gegen Russland mobilisierenden Kriegsrhetorik auf:

Der Russische Bär ist - neben Mütterchen Russland - eine nationale Personifikation Russlands, die in Westeuropa, primär in Großbritannien besonders oft während des Kalten Krieges verwendet wurde. Ihren Ursprung hat die Versinnbildlichung westlichen Reisenden zu verdanken. Ganz besonders Sigismund von Herberstein - ein österreichischer kaiserlicher Rat und Gesandter am Russischen Hof - hat 1549 mit seinem niedergeschriebenem Reisebericht in der Landeskunde Rerum Moscoviticarum Commentarii (Notes on Muscovite Affairs) das Symbol "des russischen Bären" geprägt.[1]

Meist wird dabei auf die (geografische) Größe Russlands angespielt.

Besonders aggressive Zeichnungen des „russischen Bären“ fand man dabei im deutschen Kaiserreich, bereits unter Bismarck, erst recht jedoch in der Phase der wilhelminischen Mobilmachung gegen Russland um die Zeit des ersten Weltkriegs:

.http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/47/WWI_German_Silver_Medal_East_Prussia_1914._Reverse.jpg/120px-WWI_German_Silver_Medal_East_Prussia_1914._Reverse.jpg

Erster Weltkrieg: Silbermedaille 1914 von August Hummel (Rückseite) zur Befreiung Ostpreußens: Der nackte Hindenburg schlägt den russischen Bären.

http://de.wikipedia.org/wiki/Russischer_B%C3%A4r_%28Nationalallegorie%29

Wir denken, man darf von der politischen Redaktion eines öffentlich-rechtlichen Senders – gerade in Deutschland!-  politische Grundkenntnisse darüber erwarten, in welche Tradition sie sich bei der pejorativen Verwendung von tierischen Nationalsymbolen für einen ausländischen Regierungschef begibt. [Wird hier vergleichbar blutrünstig Angela Merkel unter Hinweis auf den preußischen Adler dargestellt?]

Denn, wenn auch seit Ende des 20. Jahrhunderts vereinzelt die Russen selbst den Bär als Maskottchen – wie etwa den Bär Mischa bei den olympischen Sommerspielen 1980 – verwenden, so verweist sein Gebrauch hier - durch einen öffentlichen Sender in Deutschland - in diesem Kontext auf seine unheilvolle diskursive Verwendung im Rahmen einer einhundertjährigen russophoben Kriegsrhetorik. Dies wird mehr als nur deutlich, wenn man die Eigenschaften betrachtet, die Sie ihm hier andichten:

„ Also, der Putin ist der König der Taiga und der braucht mächtig viel Platz. Weil so ein Putin ist schnell. Der kann in zwei Wochen in Kiew sein!

Als Alphatier hat der Putin keine natürlichen Feinde. Weil er die alle gefressen hat. Aber sein Lebensraum ist trotzdem bedroht. Weil skrupellose Wilderer seinem Revier immer näher kommen! Das darf man aber nicht, weil: Wenn ein Putin sich bedroht fühlt, wird der unberechenbar.

Dann taucht der auf einmal in Regionen auf, wo er gar nicht heimisch ist. Und alle kriegen Angst vor ihm. Nur weil seine engagierten Freunde dafür sorgen, dass er sich auch in seinem neuen Revier richtig wohl fühlt! Und ihn kein Fluglärm stört.

Dabei sucht der putzige Putin doch nur nach einem Platz zum Überwintern! Und wer weiß, wenn sich noch mehr Menschen für den Putin engagieren, ist er vielleicht schon bald wieder in ganz Europa zu Hause!

Die veralbernde der Verächtlichmachung Wladimir Putins in diesem Beitrag kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die als zoologische Expertise verkleidete Zeichnung der russischen Politik mit der Behauptung folgender Attribute aufwartet: Diese sei nach innen mörderisch und liquidiere alle Kritiker eines absolutistisch waltenden diktatorischen Herrschers. Sie sei nach außen aggressiv expansionistisch in einem Maße, das unmittelbar zu einer Invasion in Kiew, langfristig aber, wenn ihr nicht muskulär-militärisch Einhalt geboten werde, zu einer gewaltsamen Okkupation ganz Europas führe. Und diese Gefahr liege einzig begründet in der Paranoia und der gewaltbeladenen angeborenen (weil biologistisch hergeleiteten) Unberechenbarkeit des Regenten.

Mitverantwortlich für das Eintreffen des hier imaginierten Szenarios erscheinen am Ende jedoch ausschließlich diejenigen, die dem als gemeingefährlich dargestellten Tier Putin Verständnis entgegenbringen. Denn stellvertretend für alle diejenigen, die sich für eine Verständigung mit Russland einsetzen, heißt es zum Bild Gerhard Schröders:

Und wer weiß, wenn sich noch mehr Menschen für den Putin engagieren, ist er vielleicht schon bald wieder in ganz Europa zu Hause!

Da wird Verständigungsbereitschaft demagogisch als Appeasement gezeichnet. Wenn man das nämlich für eine realistische und legitime Bewertung dieser Krise hält, dann könnte es darauf nur eine einzige angemessene Antwort geben: ein durch die spezifische Verfassung seines unzurechnungsfähigen Herrschers nicht mehr zu vermeidender Krieg mit Russland.

Denn dass ein solcher Eindruck, der eine „russische Gefahr“ nach Maßgabe der vergangenen deutschen durchdeklinieren soll, tatsächlich intendiert zu sein scheint, verrät eben auch die historisch hochgradig belastete Terminologie, die Ihre Redaktion in dem Beitrag verwendet. Aber auch hier zeigt der lapidare Ton ihrer Erwiderung einen so gravierenden Mangel an ernsthafter Bereitschaft, auf unsere Argumente einzugehen, dass man bei einem derart ernsten Diskussionspunkt schon auf einen Mangel an Anstand schließen könnte:

Desweiteren leiten Sie aus der Verwendung des Begriffs „Lebensraum“ in der Glosse ab, die Redaktion habe Russland als „Reinkarnation Nazideutschlands“ gezeichnet. Auch diesen Vorwurf kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Das Wort „Lebensraum“ gehört zum Wortfeld von Tierschützern und Zoologen.

Hier wird mit der an sich schon dehumanisierenden Bildlichkeit des Zoologen als Exegeten russischer Politik die Verwendung eines Terminus legitimiert, der bereits jedem Abiturienten als historisch einschlägig für die vernichtungsideologische Legitimation jenes Angriffskriegs bekannt ist, dem 27 Millionen Sowjetbürger zum Opfer fielen, um das Wort anschließend demagogisch gegen just den Nachfolgestaat dieses Landes zu wenden. Das grenzt an Infamie! Ist Ihnen ernsthaft nicht bekannt, dass es sich bei der mörderischen Ideologie des Nationalsozialismus um eine rassistisch auch gegen den ‚russischen Untermenschen‘ gewendete sozialdarwinistische handelt?   

Um sich dieses Zusammenhangs bewusst zu werden, bedarf es keineswegs der detaillierten Lektüre umfangreicher historischer Anthologien; es reicht ein Wissen auf dem Niveau rezipierter Lexikonartikel. Hier ein Blick auf Wikipedia:

Adolf Hitler gab seinen Entschluss zu diesem Angriffskrieg dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW) am 31. Juli 1940 bekannt und befahl am 18. Dezember 1940, ihn bis Mai 1941 unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ militärisch vorzubereiten. Damit wurde bewusst der am 24. August 1939 geschlossene deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt zu brechen beabsichtigt.
Um für die „
arische Herrenrasse“ „Lebensraum im Osten“ zu erobern und den „jüdischen Bolschewismus“ zu vernichten, sollten große Teile der sowjetischen Bevölkerung vertrieben, versklavt und getötet werden. Das NS-Regime nahm den millionenfachen Hungertod sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilisten bewusst in Kauf, ließ sowjetische Offiziere und Kommissare aufgrund völkerrechtswidriger Befehle ermorden und nutzte diesen Krieg zur damals so bezeichneten „Endlösung der Judenfrage“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Sowjetischer_Krieg

Sehr geehrter Herr Boudgoust, genau an dieser Stelle sehen wir einen Rubikon überschritten und können nur erneut bekräftigen, dass eine solche Darstellung der russischen Föderation und ihres Präsidenten dem gesetzlichen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gemäß der geltenden Rundfunkverträge in grober Weise widerspricht und dem Ansehen der Bundesrepublik Deutschland in eklatanter Weise schadet. Sie wissen selbst, durch zahlreiche Zuschriften, die sie erhalten haben, wie auch durch vehemente Diskussionen des Beitrags „Der Putin-Erklärer“ im Netz, dass diese – von Ihnen so bezeichnete – „Glosse“ in Deutschland und Russland heftige emotionale Reaktionen ausgelöst hat. Sie wissen, dass diese Ausgabe von „Lisas Welt“ auch im russischen Fernsehen gezeigt und von Zuschauern dort ausgiebig und sehr aufgeregt diskutiert wurde. Und sie kennen auch die – nachvollziehbare – Stoßrichtung dieser Diskussion, die Frage nämlich, inwieweit diese Sendung ein Hinweis darauf sei, dass sich in Deutschland eine revisionistische und revanchistische Geschichtsbetrachtung zu etablieren beginne. (Unglücklicherweise erfuhr, gerade, was die ARD betrifft, diese Diskussion zusätzlich noch dadurch eine Befeuerung, nachdem am 07.01.2015 der ukrainische Ministerpräsident Jazenjuk in den Tagesthemen unwidersprochen den Einmarsch der Roten Armee in Berlin 1945 als „russische Invasion“ diffamieren durfte.)

Doch obgleich die von uns hervorgebrachten Einwände keineswegs singulär und auch für Sie wenig überraschend sein können, reagieren Sie hierauf mit demonstrativem Unverständnis:

In Ihrem Fazit kommen Sie zu dem Ergebnis, dass eine „nicht erfolgende Revision“ dieser Satire eine „ernsthafte Rufschädigung“ der deutschen Gesellschaft bedeuten würde und erwarten eine öffentliche Entschuldigung gegenüber der „deutschen Öffentlichkeit“ und der Vertretung der „russischen Föderation“. Beide Anliegen müssen wir zurückweisen.  Zum einen ist nicht zu erkennen, wieso der SWR sich gegenüber der „deutschen Öffentlichkeit“ entschuldigen sollte. […] Aus demselben Grund muss ich auch eine Entschuldigung gegenüber der „Vertretung der russischen Föderation“ ablehnen.

Während wir die mangelnde inhaltliche Stichhaltigkeit Ihrer Ablehnung unserer Forderung bereits klar nachgewiesen haben, möchten wir an dieser Stelle noch einmal das Gewicht der in diesem Beitrag erfolgenden Grenzverletzung veranschaulichen, aus der die Notwendigkeit einer umfassenden Entschuldigung dieser bedauerlichen journalistischen Entgleisung – auch zur Ehrenrettung des SWR selbst – deutlich wird.

In seiner berühmten Rede zur 40jährigen Wiederkehr des Jahrestags des Kriegsendes am 8. Mai 1985, die als Meilenstein des Umgangs der deutschen Gesellschaft mit dem von Deutschen verursachten Grauen des Nationalsozialismus und des 2. Weltkriegs galt, bekundete Bundespräsident Richard von Weizsäcker die nicht vergehende Verantwortung Deutschlands für dieses finstere Kapitel deutscher und europäischer Geschichte folgendermaßen:

Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Je ehrlicher wir ihn begehen, desto freier sind wir, uns seinen Folgen verantwortlich zu stellen.

Zu dieser Verantwortung gehört, dem deutschen Bundespräsidenten zufolge, ganz klar die Bereitschaft, das durch deutsche Schuld verursachte Grauen, welches sich primär auf dem Terrain der Sowjetunion ereignete und das vor allem durch den Blutzoll der Roten Armee beendet wurde, offen anzuerkennen und zu schauen:

Neben dem unübersehbar großen Heer der Toten erhebt sich ein Gebirge menschlichen Leids,

Leid um die Toten,

Leid durch Verwundung und Verkrüppelung,

Leid durch unmenschliche Zwangssterilisierung,

Leid in Bombennächten,

Leid durch Flucht und Vertreibung, durch Vergewaltigung und Plünderung, durch Zwangsarbeit, durch Unrecht und Folter, durch Hunger und Not,

Leid durch Angst vor Verhaftung und Tod,

Leid durch Verlust all dessen, woran man irrend geglaubt und wofür man gearbeitet hatte.

Heute erinnern wir uns dieses menschlichen Leids und gedenken seiner in Trauer.

Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Auch an diese Bedeutung des 8. Mai gilt es heute zu erinnern.

Dies gilt umso mehr, als Richard von Weizsäckern mit Recht feststellte, dass auch und gerade die Deutschen allen Grund haben, denen, die sie damals besiegten, dankbar zu sein, da sie ihrem kämpferischen Einsatz allein verdanken, dem Zugriff der inhumansten und menschenfeindlichsten Ideologie und Herrschaft entronnen zu sein, die es in der Menschheitsgeschichte je gab:

Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

[zitiert nach: http://www.morgenpost.de/politik/article136982585/Richard-von-Weizsaecker-und-seine-historische-Rede-zum-8-Mai.html]

Es ist mehr als nur verständlich, wenn sich angesichts von Unterhaltungsbeiträgen wie „Der Putin-Erklärer“ bei Bürgern der russischen Föderation, bei den Nachkommen also unserer Befreier vom Totalitarismus des nationalsozialistischen Menschenhasses, der Eindruck einstellt, Deutschland würde jene Erkenntnis, auf der nicht nur die deutsch-russische Versöhnung beruht, welcher sich auch der russische Beitrag zur inzwischen erfolgten Wiedervereinigung Deutschlands verdankt, im Verlauf eines aktuellen politischen Konfliktes wohlfeil abstreifen --- und dies im Zuge einer aggressiv dämonisierenden Zeichnung Russlands.

Denn auch Ihre Behauptung, im Beitrag „Der Putin-Erklärer“ „[a]n keiner Stelle [werde] das russische Volk in irgendeiner Weise herabgesetzt“, ist nicht zu halten. Wäre das heutige Russland tatsächlich sui generis (durch die spezifische Pathologie seines Regenten) vergleichbar aggressiv expansionistisch wie vor sieben Jahrzehnten Nazi-Deutschland, so wäre auch zwangsläufig seine Bevölkerung partizipatorisch daran beteiligt und stünde demnach auch mit in der Verantwortung. Schon zu früheren, weniger mörderischen expansiven Feldzügen ließ Bertold Brecht „einen lesenden Arbeiter“ kritisch fragen:

Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm?

http://www.sgipt.org/wisms/geswis/brecht.htm

Richard von Weizsäcker beendet seine Rede – im Angesicht deutscher Verbrechen - mit einem Plädoyer an die jungen Leute:

Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren.

Die Bitte an die jungen Menschen lautet:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass

gegen andere Menschen,

gegen Russen oder Amerikaner,

gegen Juden oder Türken,

gegen Alternative oder Konservative,

gegen Schwarz oder Weiß.

Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

Schaut man Ihren Beitrag „Lisas Welt: Der Putin-Erklärer“ an, muss man annehmen, der verstorbene Bundespräsident habe diese warnenden Worte in den Wind geschrieben.

Deshalb lässt sich hieraus nur eines schließen: Eine solch demagogische Zeichnung des russischen Präsidenten und seiner Außenpolitik, wie sie in „Der Putin-Erklärer“ erfolgt, muss also zwangsläufig auch eine Bevölkerung treffen, die sich zu 81% durch diese Politik vertreten fühlt. Und wenn, wie in diesem speziellen Fall, Regierung und Bevölkerung nach einem Muster abgebildet werden, nach welchem das Täterkollektiv in seinem öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Nachkommen des Opferkollektivs in Analogie zu den eigenen vergangenen Schandtaten abbildet, verdichtet sich der Verdacht des Revisionismus zur sicheren Gewissheit, es sei denn, es erfolge eine glaubwürdige Entschuldigung durch die verantwortliche Redaktion.

Zum Abschluss nun die beiden verbleibenden Punkte, die ebenso wie im vorangehenden eine ernsthaft tragfähige Antwort vermissen lassen.

Sie schreiben hinsichtlich Ihrer Darstellung Wladimir Putins als Verantwortlichen für den Absturz des malaysischen Passagiersflugzeugs MH17, die wir kritisierten:

Lassen Sie mich dazu folgendes antworten: Die Ursache der Flugzeugkatastrophe ist inzwischen in der öffentlichen Diskussion zu einer Weltanschauungsfrage geworden. Es gibt verschiedene Szenarien und Erklärungsmuster. Die aus Sicht der Redaktion überzeugendsten Indizien sprechen dafür, dass eine Rakete aus dem von Separatisten kontrollierten Gebiet für diese Katastrophe ursächlich ist. Dass es über diese Frage […] je einen Konsens geben wird, ist kaum zu erwarten. Vor diesem Hintergrund hat die Redaktion das aus ihrer Sicht plausibelste und überzeugendste Szenario für eine satirische Überspitzung gewählt. Auch das ist legitim.

Es ist mehr als nur erschütternd, falls tatsächlich die komplette Redaktionsmannschaft einer politischen Sendung wie „Report Mainz“ derart bar jeder Kenntnis grundsätzlicher rechtstaatlicher Prinzipien sein sollte, dass sie ernsthaft die Ursache des fahrlässig oder absichtlich herbeigeführten Absturzes einer Passagiermaschine zu einer „Weltanschauungsfrage“ und die Schuldzuweisung zum Tod von fast 300 Menschen als legitimes Spekulationsobjekt ideologischer Selbstverortung erhöbe. Erneut kann ich nur hoffen, dass die mangelnde Ernsthaftigkeit Ihrer Antwort lediglich Ihre Missachtung für unseren Beschwerdeschritt und nicht etwa das wirkliche Rechtsbewusstsein Ihrer Redaktion widerspiegelt. Denn es lässt sich nicht bezweifeln, dass der Abschuss wie auch seine Verursachung empirische, höchst wirkliche Geschehen sind, denen vermutlich ein schwer wiegendes Verbrechen zugrunde liegt. Während in der Tat nur darüber spekuliert werden kann, warum die an der Untersuchung beteiligten Regierungen nicht alle Indizien und Beweise (wie etwa die Tonbänder des Bordfunks) restlos veröffentlichen, stellt die Darstellung einer Schuldzuweisung als fait accompli, wie sie in der „Putin-Erklärer“ erfolgt, eine Verleumdung dar. Eine solche aber fällt nicht unter die Freiheit der Satire, wie der folgende Beitrag Ihres norddeutschen Schwestersenders zu der Frage „Was darf Satire?“ feststellt:

An einem gewählten Feind festzuhalten, obwohl die Fakten ihn vollständig entlasten, wäre nicht Satire, sondern Propaganda. In diesem Zusammenhang muss auch gesagt werden, dass Satire eines mit Sicherheit nicht darf, und das ist: Fakten verfälschen. […] Hier ist auch ironische Verfremdung, mit der Satire gerne arbeitet, keine Entschuldigung: Die Fakten, die ironisch oder in anderer verfremdeter Form präsentiert werden, müssen trotzdem wahr sein.

[Erschienen im ARD-Jahrbuch 2009

Kommentare gern im extra 3 Blog

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/wir_ueber_uns/wasdarfsatire100_page-2.html

Nicht minder fadenscheinig fällt eine weitere Entgegnung aus. Als Antwort auf unsere Kritik, Sie bedienten sich in der bereits politisch fragwürdigen Darstellung Gerhard Schröders [als Exponent einer auf Verständnis für die russische Regierungspolitik setzenden Position] homphober Klischees, schreiben Sie:

Einen „homphoben“ Zungenschlag, den sie in der Schlusspointe ausmachen, kann ich nicht erkennen. Der Schluss macht sich über das Verhalten von „Alphatieren“ lustig und spielt auf die enge wirtschaftliche Verflechtung als Motiv für Männerfreundschaften wie die zwischen Gerhard Schröder und Carsten Marschheimer an.

Die zugrundeliegende Stelle in „Lisas Welt: Der Putin-Erklärer“ lautet jedoch:

Und wer weiß, wenn sich noch mehr Menschen für den Putin engagieren, ist er vielleicht schon bald wieder in ganz Europa zu Hause!

Und beim nächsten Mal – hat Grzimek versprochen – erklärt er uns, warum sich manche Alphatiere auch untereinander paaren.

Ich vermute, dass diese Stelle lediglich handwerklich verunglückt ist. Denn der Vorgang des „Paarens“ ist zweifellos ein sexuell konnotierter, der nicht gerade mit geschäftlichen Beziehungen assoziiert wird. Die Signalwirkung des rosa Hemds, an das sich Gerhard Schröder hier herzig drückt, verstärkt diesen Eindruck.

Als Fazit lässt sich aus dieser erneuten ausgiebigen Analyse des kritisierten Beitrags von „Lisas Welt“ und Ihrer Erwiderung nur die Schlussfolgerung ziehen, dass Sie und die verantwortliche Redaktion es in der Tat der deutschen Öffentlichkeit, allen, die seit 1945 an der deutsch-russischen Versöhnung gearbeitet haben, der Vertretung der russischen Föderation, aber auch dem Renommée des SWR schuldig sind, sich für diese schwere Entgleisung öffentlich zu entschuldigen.

Dies wäre kein Gesichtsverlust, sondern die Revision eines solchen.

[Redaktion: Anja Böttcher]

Falls Sie sich zu diesem Schritt nicht entschließen können, halten wir an unserer Beschwerde fest und rufen zur Befassung den zuständigen Rundfunkrat ein.

Zum Zweck der Transparenz werden wir diese Antwort sowie den weiteren Verlauf des Vorgangs auf der Webseite des Vereins http://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

i.A. Maren Müller

* Die hier veröffentlichte Fassung des zweiten Briefes ist meine ursprüngliche, von der die „Ständige Publikumskonferenz“ eine leicht gekürzte Fassung online gestellt hat.

Wie die Stellungnahme des Rundfunkrates zu dieser Beschwerde ausgehen wird, bleibt abzuwarten.

Doch der von der Leipzigerin Maren Müller - zur Erhaltung eines auf verfassungsmäßigen Werten beruhenden pluralistischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens und Rundfunks -  gegründete Verein  stößt bei den Verantwortlichen auf starke Abwehr. Und nicht nur er. Insgesamt löst die starke Publikumskritik am bellizistischen Mediendiskurs teilweise muffige, teilweise höchst giftige Reaktionen aus. Dies belegt die folgende Schilderung des freien Journalisten Stefan Niggemeier, der sich auch als Medienkritiker begreift, auf der Online Plattform „Krautreporter“:

Sonia Seymour Mikich

„Ich werde doch niemandem verwehren Kritik zu üben, wir kritisieren ja auch“, sagt Mikich, „Skepsis,Selbstreflexion ist gut und richtig. Und wir gehen die Fehler stoisch durch.“ Aber die Methode, mit der sich diese „digitalen Wutbürger“ an der Berichterstattung abarbeiteten, sei nicht hilfreich und lasse sie schon fragen: „Was treibt diese Leute an?“ Für sie steht fest: „Das ist kein Beitrag zur Qualitätssicherung.“

Bei den Auseinandersetzungen zwischen der „Ständigen Publikumskonferenz“ und ARD und ZDF geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um die Form der Kritik. Erstaunlich hilflos und gereizt reagieren die Sender darauf, dass unzufriedene Zuschauer, die sie finanzieren müssen, sich nicht mehr mit der Rolle von Leserbriefschreibern zufrieden geben. Stattdessen versuchen sie, durch das Mittel der Programmbeschwerde und die Dokumentation in der Öffentlichkeit ihrer Kritik maximale Wirkung zu verschaffen.

Früher hätte man sich eins zu eins über eine Kritik ausgetauscht„, sagt Mikich, “es hätte einen Dialog mit der Redaktion gegeben. Ob Mail oder Telefonat oder Brief. Jetzt wird formaler Druck ausgeübt, jetzt kommt der Kritiker gleich mit Anwalt im Schlepptau, alles wird groß gemacht und soll sofort bis ganz oben in die Hierarchien gehen. Ich habe nicht den Eindruck, dass es um faire Auseinandersetzung geht.„ Ein freier Mitarbeiter kümmert sich seit kurzem im Sender um nichts anderes als die Beschwerden. Die Kritik dürfe nicht den Effekt haben, “dass wir lahmgelegt werden".

Dafür, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland mit vielen Milliarden Euro ausgestattet ist, gehört erstaunlich wenig dazu, ihn in die Knie zu zwingen - ein paar überaus penetrante und pingelige Beschwerdeführer scheinen schon zu reichen.

Für Maren Müller ist der heikle Umgang mit den Beschwerden auch Ausdruck einer „mangelnden Fehlerkultur“: „Ein ordentliches Unternehmen hat ein Reklamations- oder Beschwerdemanagement. Damit schafft man sich die besten und treuesten Kunden. Das mündet in ein Qualitätsmanagement. Und genau dort haben ARD und ZDF Defizite.“

Sie sagt, sie verstehe sich auch nicht als Gegner, sondern als Freund des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (worüber nun wiederum Sonia Mikich nur trocken lachen kann). „Ich gucke eigentlich nur öffentlich-rechtlich“, sagt Müller, „das meiste ist ja auch toll. Wir beklagen ja nur einen Bruchteil. Wir werden als Feind wahrgenommen. Das ist aber nicht so.“

Auf die Idee, einmal das Gespräch mit ihr und ihrem Verein zu suchen, sie einzuladen, ihr einen Einblick in die Arbeit zu gewähren und im Gespräch vielleicht auf beiden Seiten Verständnis entstehen zu lassen, scheint bei ARD und ZDF noch niemand gekommen zu sein. Spricht man Sonia Mikich darauf an, lässt sie durchscheinen, dass sie einen solchen Schritt für eine völlig unangemessene Belohnung für Renitenz und Nerverei fände.

Die Reaktionen auf ihre Beschwerden, die offiziellen Antworten, findet Maren Müller oft noch schlimmer als die eigentlichen Anlässe. Die Chefredakteure von ARD-aktuell, Kai Gniffke und Christian Nitsche, sind ein rotes Tuch für sie: „Furchtbar!“ Vor allem vermisst sie, dass einfach Fehler eingeräumt werden. „Die sollen’s zugeben!“, ruft sie. Aber auch in den Fällen, in denen die Senderverantwortlichen im Beschwerdeverfahren Fehler einräumen, gibt sie sich fast nie damit zufrieden, sondern beharrt darauf, das Verfahren bis zum Ende durchzuziehen. „Nach dem Satz ‘Wir haben einen Fehler gemacht’ kommt immer ein Aber“, sagt sie. „Die bräuchten einfach nur zu sagen: Okay, das war falsch, hiermit geben wir Ihrer Beschwerde statt, und dann ist Ruhe.“

Stattdessen erklären die Intendanten auch dann, warum der Fehler nicht so gravierend sei, dass sie der Programmbeschwerde stattgäben. Wenn sich die Beschwerdeführer damit nicht zufrieden geben, landet ihr Fall am Ende bei den Aufsichtsgremien der Sender: den ARD-Rundfunkräten oder dem ZDF-Fernsehrat.

Auch im WDR-Rundfunkrat sieht man die Beschwerdeflut als „große Herausforderung“, wie Petra Kammerevert sagt. Zu den anderen Aufgaben komme das Gremium im Moment kaum noch. „Wir bearbeiten und beraten das mit großer Ernsthaftigkeit. Wir nehmen jede Beschwerde ernst, egal woher sie kommt.“ Allein auf der nächsten Sitzung Ende Januar stehen fünf Beschwerden auf der Tagesordnung, alle von der „Ständigen Publikumskonferenz“. Einige davon hätten längst behandelt worden sein sollen, wurden dann aber aus Zeitmangel verschoben.

https://krautreporter.de/270--beschwerden-im-akkord-wie-eine-selbst-ernannte-zuschauervertretung-ard-und-zdf-zusetzt

Es geht bei diesem Kampf um nichts mehr & nichts minder als um die Deutungshoheit: Wer trägt bei der Breite der Bevölkerung hier den Sieg davon: die Verteidiger des seit 68 errungenen gesellschaftlichen Konsens oder die Befürworter einer militaristischen Hegemonialpolitik unter transatlantischer Flagge, die sich rasch als die alte Politik im neuen Gewande herausstellen könnte.

Kommentare

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Eine hervorragende, dezidierte Entlarvung dieser Stürmer-Manieren unter der Tarnkappe öffentlich-rechtlicher Anmaßung von "Aufklärung" in transatlatischen Diensten.

Meinen herzlichen Glückwunsch zur überaus gelungenen Anhäufung von Sachlichkeit, gegenüber dieser Brechreiz erzeugenden Demagogie.

Wahrhaft Bewundenswert - längst nicht nur allein der Ausbildungsstand zur Unterdrückung des Würgereflexes!

Das von diesen üblen Machwerken a la' vorliegender 'Lisas Welt' eine gezielte Meinungsmache betrieben wird, steht außer Frage. Allerdings zeigt diese unverhohlenen feilgebotene  Dreistigkeit - der weitgehend ausbleibende Sturm gegen derartige Flachheit - auch die üble geistige Befindlichkeit solcherart ansprechbarer Empfänger dieser in Kindermund gelegten "Weisheiten".

Die parallel zu solcherlei und vielfältigem Geschehen erfolgte, gezielte Nazifizierung des Begriffes "Lügenpresse" zeugt zusätzlich von der angelegten Breite dieser Kampagne der Begriffsumkehrungen zur Geschichtsfälschung, zur unverhohlenen Kriegsvorbereitung.

Diese journalistische Tieflieger Legion bereitet das zukünftige Gefechtsfeld durch Massensuggestion vor - proamerikanische Putschisten eben, die Ukraine lässt herzlos grüßen. Die Farblosigkeit der hiesigen politischen Statthalter sollte uns nicht länger täuschen, ihre Bemühungen haben eine Richtung - ihre Notdurft ein Ziel.

Ihr Zeitplan läuft, die Uhr tickt - für die Sicherheit im Theater wird gesorgt:


"Erhöhte Einsatzbereitschaft in Spangdahlem: USA schicken A 10 zurück in die Eifel

(Spangdahlem) Auf den andauernden Ukrainekonflikt regieren die USA nun mit einer verstärkten Militärpräsenz in Europa. Noch diese Woche sollen zwölf Kampfjets vom Typ A 10 Thunderbolt II sowie rund 300 Militärangehörige aus Arizona nach Spangdahlem kommen. Sie sollen dort ein halbes Jahr bleiben, ehe sie nach Osteuropa verlegt werden.
Die Warzenschweine, wie die A 10 auch genannt werden – sind die Vorboten eines für Europa neuen US-Rotations-Programms namens „Theater security package“ (wörtlich übersetzt: Schauplatzsicherheitspaket, TSP). „Das TSP ist eine weitere Methode, mit der die Air Force ihre Präsenz in Europa verstärkt, um unseren  Alliierten und Partnern zu zeigen, dass unser Einsatz für die europäische Sicherheit an höchster Stelle steht“, sagt General Tom Jones, Vizekommodore der Air Force in Europa.  "

 

Hallo Fahrwax,

danke für's Kompliment.

Und was die Aufrüstung betrifft: Ja, da sitzt du ja direkt an der Quelle....

Gehen da die Eifler nicht mal bald auf die Hinterbeine?

Revolution in der Eifel, wär doch hübsch...

Herzliche Grüße,

Anja

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Tach Anja,

"die" Eifeler gibt es leider noch immer nicht, trotz meiner langjährigen Bemühungen um die Entwicklungshilfe - die örtliche Intervention unter dem Label "Revolution im Nirgendwo" liegt schon gute 20 Jahre zurück, wird aber von der Ureinwohnerschaft noch immer nicht korrekt zugeordnet. Scheiß Schicksal........., großartige Aufgabe.

Weite hiesige Bevölkerungsteile sehen den mangelhaften Bewusstseinszustand der militaristischen Besatzer recht realistisch, andereTeile finanzieren noch immer ihre Familien-Katakomben durch deren erhebliche Anwesenheit. Nicht unerhebliche Teile erklären 'arbeiten gehen zu müssen' wenn die weitgehend ungeliebte Anhäufung der Dekadenz das Weite suchte - so ein Job bei den Amis entspricht weitgehend einer Rente ohne Arbeit. Auch die Potenz der, nahezu risikolosen, "Vergesellschaftung von Militärgut" ist ein nicht zu verachtender, hoch geschätzter Einkommenszweig für tapfere deutsche Werktätige in militaristischen Diensten.

Die gewerbliche Wirtschaft der Eifel saniert sich sehr gern an der unzulänglichen Ausführung von beständigen Bauvorhaben und die dadurch ebenso beständig notwendigen Reparaturen dieser Bauten.

Gerade ist die weitgehende Verseuchung des Grundwassers durch die 60-jährigen, sorgenfreien militaristischen Umgangsformen mit Boden und Wasser ein heikes Thema, das sich auch tschornalistisch kaum noch totschweigen lässt. Natürlich besteht zur Qualität Bitburger Bieres "keinerlei Anlass zur Besorgniss", so wird pfichgemäss berichtet.

Sonst wäre der GAU aber mal da......

Stimmt, zu dem Resultat bin ich letztens bei einem Blog=Schlagabtausch mit Knattertom gelangt: Spätestens beim Bier klappt's auch mit der Revolution.

(Anlass war die Frage, wann es endlich zu einem Aufstand gegen TTIP, TISA & Ceta gibt.)

Hallo Anja,

wollte eigentlich nur ergänzen, dass nicht nur Lisa's Welt kontaminiert wurde. Sogar im "Hochamt" deutschen TV-Genusses - bei "Mainz wie es singt und lacht ...." soll Purin kräftig durch den Kakao ersatzweise Dreck gezogen worden sein. Und wie hat das hochnoble Publikum gelacht und gejohlt, sogar ein oder mehrere Tusch's soll die lustige Inaugenscheinnahme wert gewesen sein. Meine Schwester berichtete mir davon. Meine Bruderliebe habe ich ihr nicht aufgekündigt,

Wir haben dieserTage reichlich Gelegenheit, uns über das Imperium so unsere Gedanken zu machen. Oft wird das Imperium Romanum zum Vergleich für so manche Entwicklung heutzutage herangezogen Dass im heutigen Gottesreich alles viel schneller von von sich geht als vor zweitausend Jahren, es wundert nicht. Ich behaupte deswegen, dass wir längst in der Zeit der Soldatenkaiser 2.0 angekommen sind. Was sollten früher bei den Römern diese "Aggressivlinge" denn im Kopf gehabt haben außer dem, was sie mal gelernt hatten. Und diese meine Einstufung wird bestätigt durch mannigfaltige Parallelen. Die Wichtigste sei mir erlaubt zu nennen. Ich zitiere Wikipedia: Die Soldatenkaiser hatten unterschiedliche persönliche Hintergründe. Manche waren von bescheidener Herkunft und relativ ungebildet und konzentrierten sich auf die ihnen vertrauten militärischen Aufgaben; andere, ... gehörten hingegen der senatorischen Oberschicht an.

In den USA tobt längst der Präsidentschaftswahlkampf. Der tobt eigentlich immer, solange kein Republikaner à la Ronald R. unbedarft das Zepter schwingen darf. Tatsächlich haben wir jetzt aktuell neben der lahmen Ente, die sich primär auf das Golfspielen beschränken sollte, mit McCain den Kandidaten für den "relativ ungebildeten Soldatenkaiser" und mit Hillary Clinton und Jeb Bush die Vertreter der senatorischen Oberschicht. Alles sind ausgesprochene Falken. Die Tauben sind bzw. wurden längst ausgestorben. Und bevor die wiederbelebt werden gibt es eher wieder Dinosaurier.

Neulich habe ich in irgendeinem Blog geschrieben: ein Imperium zerfällt von innen heraus durch voranschreitende Fäulnis. Tangentiale Anstöße von außen beschleunigen den Verfall. Seien wir doch ehrlich, ein solches, ein nahes Ende wollen wir doch noch nicht erleben und  wünschen es  auch nicht unseren Nachfahren. So lange das allherschende Promille die Zügel der Weltenlenkung in den Händen hält, hat es auch die Mittel, die Wege und die Methoden, jeglichen Widerborst im Zaum zu halten.

 

Hallo Mijo,

die Kontamination hat den ganzen medialen Bereich durchwirkt, vor allem leider auch das Feuilleton: Ob Kulturzeit, TTT oder die Literatursendung "Druckfrisch" -- überall feuert  die kriegerische Kampagnen=Maschienerie auf uns ein & will uns neuerdings Feindschaft anerziehen.

Leider ist das so genannte "Bildungsbürgertum" dafür anfälliger als vermeintlich ganz ungebildete Leute. [Ich habe mir wieder den langen Essay von Julien Benda, "Der Verrat der Intellektuellen", durchgelesen. Auch vor dem ersten Weltkrieg war es diese Schicht, die am vehementesten in den Nationalismus & Bellizismus umkippte.]

Da, wo Leute existenzielle Nöte zu drücken beginnen, haben sie gegenüber denen "da oben" eh die Haltung, ihre Welt & die der abgehobenen Eliten befänden sich auf unterschiedlichen Milchstraßen.

Die Frage ist: Wann ist der Leidensdruck groß genug, dass Menschen sich wehren?

Und wann machen die Chinesen dem Ganzen, das sich auch gegen sie wenden wird, ein Ende, indem sie einfach ihre Dollarreserven auf den Markt schmeißen? Und wann die US-Bürger, die ja auch wachsenden Repressionen ausgesetzt sind?

Nach wie vor können wir einer Wandlung nur entgegenarbeiten & Hoffnung aufrechterhalten.

Liebe Grüße,

Anja

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Sperrung im Freitag

Warum hat es Sie denn ausgerechnet im Freitag erwischt? Würden Sie dazu etwas sagen wollen?

LG Paul

Nicht nur mich. Steht alles im Innenteil (zum gleichen, weil aus Versehen zweifach eingestellten Beitrag.)

Bild des Benutzers tralala

Hallo Anja,
Ihr Lieben,
 
ich habe meinen Kommentar dazu (so glaube ich) schon auf Freitag verfasst,
leider gehört diese Art Suggestion für die ganz Jungen seit langem zum Programm.
Hier noch ein Beispiel der ZDF-Kindersendung Logo zu G8/G7:
 
 
Es gab zu der Wahl Putins ein Filmchen, über den sich sogar das russische Fernsehen aufregte, so bin ich darauf aufmerksam geworden.'
 
Also, was gibt es sonsst Neues?
 
Liebe Grüße
Larissa
 
P.S. Hier ergeben sich die ukrainischen Soldaten, die können schon einem leid tun: http://vk.com/video-50332460_171162207?list=2ecbf1b00ff1b3eae5 

Hallo Larissa,

ja, der Logo-Spot war schon übel. Auch gibt's einen weiteren Spot von Lisas Welt, das schwierige Kind Wladimir, in dem der russische Präsident wie ein verhaltensauffälliges ADS-Kind präsentiert wird.

https://www.youtube.com/watch?v=JZf_t4Poxwo

Sonst gibt's weiter nichts Neues, was du nicht schon wüsstest.

Liebe Grüße,

Anja

Bild des Benutzers fahrwax

Unwissen macht krank........

wenn jetzt nicht bald jemand berichtet, werde ich noch totgehen.

Buntspecht oder Spottdrossel mach loooooos......

Lieber Fahrwax,

einfach auf's Backend gehen & die ganzen Kommentare zu meinem selbigen Beitrag (hatte ich versehntlich doppelt eingestellt) dort lesen.

Steht genau beschrieben, warum in den letzten beiden Tagen die halbe FC liquidiert wurde.

Liebe Grüße,

Anja

So im nachhinein fühle ich mich ja richtig geehrt, schon vor Monaten beim Freitag rausgeflogen zu sein. Der intellektuelle Amputation des Freitag führt den Termiten auf diese Weise die Creme de la Creme zu und beim Blättchen selbst monologisieren demnächst neben Janto Ban und Magda nur noch die Ehemaligen Nutzer, deren gespenstische Unterhaltung dann so aussieht:

Ehemaliger Nutzer
   @Ehemaliger Nutzer
Kommentar wurde versteckt

Bild des Benutzers fahrwax

Interessantes zur laufenden tschornalistischen Kampagne.

Im letzten Ukrain Blog von Hans Springstein https://www.freitag.de/autoren/hans-springstein/nachrichtenmosaik-ukraine-folge-152 wird von Angelika Gutsche ein feines Detail benannt:

Angelika Gutsche 19.02.2015 | 20:45
 


"In den heute-Nachrichten des ZDF wurde um 17.00 Uhr ein Beitrag zur Ukraine gebracht. Darin zu sehen waren Separatisten-Soldaten, die bei erbeuteten Fahrzeugen standen, wobei ein Soldat eine ukrainische Fahne in den Schmutz trat. Ebenfalls deutlich im Bild waren auch amerikanische  gepanzerte Humvee-Jeeps zu sehen!

Bei den heute-Nachrichten des ZDF um 19.00 Uhr sah man zwar noch den auf der Ukraine-Fahne herumtrampelnden Soldaten, die amerikanischen Fahrzeuge waren jedoch herausgeschnitten."

Das Vorhandensein dieser 'Humvees' wird von Hans Springstein per Link belegt........

Die herausgeschnittenen, störenden Fahrzeuge sind in der ZdF Mediathek inzwischen unauffindbar. Natürlich findet eine Zensur nicht statt.......

 

Zur Menge der vom ZDF gebrachten Schnitzer ist die verlinkte Seite der "Ständigen Publikumskonferenz" höchst aufschlussreich.

Fraglich ist nur, warum es dem ZDF nicht so peinlich ist, dass es langsam mal wieder zu handwerklich solidem Journalismus zurückkehrt.

Die Reaktionen auf die Kritik sind paradoxerweise einerseits dünnhäutig, andereseits anscheinend immun gegen den Schmerz (der öffentlichen Blamage).

Beispiel auch in der taz:

Der gefühlt hundertste Artikel zum "Kremlkritiker" & "Korruptionskritiker" Nawalny, der ungeachtet seiner anderen politischen Eigenschaften, wieder mal als "demokratische Hoffnung für Russland" verkauft wurde, sandte ich heute einen Kommentar, der neben der Aufforderung an die taz doch bitte ihren Lesern offen zu sagen, wer der Herr ist, auch folgendes Wikipediazitat zu dem Herrn enthielt:

2011 begann Nawalny nationalistische Slogans zu verwenden.[29] In einem Video[30] vergleicht er militante Kaukasier mit Kakerlaken, die anders als die Schabe nicht mit einer Fliegenklatsche oder einem Pantoffel, sondern nur mit einer Pistole zu bekämpfen seien.[31][32] Nawalny schlug die Deportation der „zersetzenden Elemente“ vor.[2] Er sieht Immigration nach Russland als eines der größten Probleme des Landes an[33].

Bei einer Party zur Feier des Jubiläums einer Moskauer Zeitung soll er den ersten Toast auf den Holocaust ausgebracht haben. Auf seinen Blogs bezog er sich auf religiöse Juden als "Dandies ins Fuchspelzhüten und Lumpen" und stellte fest, "Wer in Russland leben will, muss Russe werden - im vollen Sinne des Wortes".[34]

http://de.wikipedia.org/wiki/Alexei_Anatoljewitsch_Nawalny

Der Kommentar wurde natürlich nicht veröffentlicht. Vermutlich weil Wikipedia auch inzwischen eine "verschwörungsideologische Quelle ist"......

Herzliche Grüße,

Anja

Bild des Benutzers pleifel

Und was spricht dagegen, diese "verschwörungsideologische Quelle" selbst zu ändern, wenn man Informationen hat? Schon versucht?

Grüße Paul

Hallo Paul,

wer wäre hier das ändernde "Selbst"? Die taz? Geheimdienstmitarbeiter (deren Mitwirken beim 'Crowd'-Lexikon ja bereits im Rahmen der Snowden-Leaks u.a. von Spiegel-Autoren thematisiert wurde)?

Allerdings: Der Artikel ist in letzter Zeit von vielen Leuten bemerkt & zitiert worden. Das Video mit Nadalnys Auftritt steht auf youtube. Das heißt: Viele Leute könnten die Passage wieder zurück=ändern.

Das beantwortet trotzdem die Frage nicht, warum die taz solche Kommentare, die eigentlich nicht gegen die Netiquette verstoßen haben können, nicht mehr abzudrucken imstande ist. Das lässt tief blicken.

Herzliche Grüße,

Anja