9 Apr 2017

Frankreich vor der Wahl

Submitted by Heinz

Der Lack ist ab

Nicht nur in Deutschland haben Kommunen ein Problem, ihre Infrastruktur zu erhalten; auch in Frankreich macht sich schon lange die von Merkel und Schäuble verordnete Sparpolitik bemerkbar.

Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft, den Zusammenhalt in der EU und vor allem die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

Zur Debatte poste ich hier einen Beitrag des NDR Kultur: Ein gespaltenes Land von Ulrike Guérot:

Kommentare

Heinz, so habe ich das auch bei Tanja Kuchenbecker gelesen: Marine le Pen, Tochter des Teufels, bei Herder.
Wir gehe turbulenten Zeiten in Europa entgegen mit saftigen Konsequenzen für D. Mme Weiterso und Euro-Schulz werden sich noch die Augen reiben.
Die Analyse von Ulrike Guérot ist nicht so weit von der Realität entfernt.

Ich weiß nicht, ob es so was wie eine Analyse ist. Sicher eine interessante Beschreibung.
Es ist bizarr, wenn weltweit ähnliche Erscheinungen zu erkennen sind, diese aber mir penetranter Verbissenheit auf lokale oder nationale Ursachen, am besten noch auf subjektives Fehlverhalten einzelner ist bornierter Gruppen zurück geführt werden: die Eliten, die Muselmanen, die Linken, die Rechten, die Türken, die Deutschen, die weißen alten Männer, die Radfahrer.....
Das Verständnis dessen, was mit uns geschieht geht gegen null. Als könnte man grundlegenden Gesetze der Kosmologie durch Starren in nächtlichen Himmel begreifen.

Am Rande - verstehe ich es richtig, dass die Autorin HIV für Frankreich fordert und die widerliche Propagandaformel von “Deutschland“ dem es gut geht, unkritisch verwendet?

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Der einzige Weg zur Rettung Europas

Dr Heiner Flassbeck 2017

Es ist -zumindest für mich- schwer zu beurteilen, ob Keynesianismus tatsächlich eine Lösung wäre. Ich zweifele. Aber ich denke, dass diese Frage rein hypothetisch ist, da die Neoklassik den Diskurs und die Politik beherrscht. Und das nahezu widerspruchsfrei. Auch wenn das Vid vielleicht etwas anderes hoffen lässt. Um tatsächlich Wirkung zu erzielen, sollte statt der Grafiken Videos von Katzenbabys und/oder Hundewelpen eingespielt werden.

Mich beeindruckte aber die Klarheit, und ich kann mir auch nichts anderes vorstellen, mit der Flassbeck beschreibt, was es bedeutet, wenn richtig bedeutsame Volkswirtschaften -er nennt Italien und Frankreich, auch Spanien ist kein Entwicklungsland- aus dem Euro aussteigen.
Ich glaube schon, dass da zumindest in Teilen der Wirtschaft und Politik ein Bewusstsein besteht und daher die Peitsche geschwungen werden muss, um das zu verhindern. Unter anderen alles zu tun, um "ihre" Kandidaten bei den Wahlen im Ausland zum Erfolg zu geleiten. Es darf nur ihr Kandidat, und wirklich nur der, siegen. Mit Frankreich können sie im Falle einer "fehlerhaften" Wahl nicht so umspringen wie mit den Griechen.
Aber sie haben eben auch die französischen Großbanken, die als Mitfinanzier des deutschen Exportamoks auf Kosten der Werktätigen fungieren, auf ihrer Seite.

Ein Ausweg ist für mich nicht zu erkennen und daher fürchte ich, zumal wenn Politik auch keinen realistischen Ausweg außer dem des "Augen zu und durch" sieht, dass die Konfliktbereitschaft weiter wachsen wird.

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Der relativ kurze Radiobeitrag von Ulrike Guérot im NDR Kultur beschreibt Frankreich als: Ein gespaltenes Land. Damit malt sie eine Zusammenfassung einer Situation, die genau so auf Deutschland übertragbar ist. Auch hier wurde die Infrastruktur von sogenannten Sparzwängen nicht mehr saniert, auch hier haben die Kleinsparer nichts von ihrem Spargroschen. Das betrifft vor allem die Renten, die Lebensversicherungen und die privaten Pensionskassen. Die exessive Geldschöpfung der EZB fließt in die Rachen der Banken, um die unverantwortlich geschöpften Staatsschulden aufzukaufen.

Die EuroStaaten haben ca. 10 Billionen Euro Staatsschulden. Die kann niemand durch «SPAREN» abbezahlen. Allein das vereinbarte Konvergenzkriterium eines gemeinsamen Wachstums von ca. 2% haben wenige eingehalten; eine wirtschaftliche Entwicklung nach der LissabonStrategie 2010 und Europa 2020 schon gar nicht. Mit diesen Programmen sollte die Produktivität angeglichen werden. Alles nur nicht funktionierende Theorie; genau so, wie die Konvergenzkriterien der Verschuldung mit maximal 3% vom BIP jährlich und insgesamt 60% vom BIP.

Jedes Land hat eine andere Struktur, eine andere Tradition dersozialen Sicherungen und eine andere Produktivität, da ist es schon abenteuerlich, wenn diese Länder alle über eine einzige Theorie geschert werden sollen.

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....Peter Nowak bei Telepolis recht ansprechend:

Inhaltsverzeichnis:


  1. Jean-Luc Mélenchon gegen Le Pen
  2. Wie die rechten Sozialdemokraten mit dem Schreckgespenst Le Pen ihre eigene Basis hintergehen
  3. Die Fehler der US-Wahlen werden in Frankreich wiederholt
  4. Lieber Hitler als Blum

Seine Kernfrage:

"Könnte der Albtraum der Etablierten in Frankreich Realität werden?"

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Das Hauptproblem ist nicht das Sparen, sondern der Verzicht, angemessene Steuern zu erheben. Stattdessen Kredite aufnehmen, verschärft die Situation zusätzlich.

Der Keynesianismus ist ja schließlich auch daran gescheitert. Weil Kapitalismus nur bei Wertwachstum funktioniert und dieses sich wiederum nur bei einer der Produktivitätssteigerung entsprechenden Konsumerweiterung realisiert, stößt er immer wieder an diese Grenze: Die Löhne reichen nicht aus, um zu finanzieren, was für das Kapital wachsen muss, weil das Kapital nur dadurch wächst, dass es Arbeit kassiert, die nicht finanziert wird. Linksliberale Politik hatte immer versucht, nach den Vorschlägen von Keynes eine Balance zwischen dem Wachstum des Lebensstandards und dem Ausbeutungsgrad der Arbeit zu finden; doch diese ist am ungeheuren Verwertungsbedarf einer hochdimensionierten Technologie, am Widerspruch des Konstanten Kapitals zwangsläufig gescheitert.

 

Wenn Marx' Annahme zutrifft, dann ist die neoliberale Umgestaltung der Gesellschaft eben keine reine Bösartigkeit (obwohl sie dies zweifelsfrei auch ist) sondern eine nicht unlogische Reaktion.
Es gibt im Kapitalismus keine "gesamtgesellschaftliche " Gestaltung der Verhältnisse sondern nur bornierte Einzelkapitale, die in der Konkurrenz zueinander darum kämpfen, soviel als möglich von der vorhandenen Mehrwertmasse zu erlangen.
Und auf der Ebene der Einzelkapitale, besonders im internationalen Wettbewerb, gibt es nur die betriebswirtschaftliche Binnenlogik und Arbeit ist auf dieser Ebene ein Kostenfaktor und nichts darüber hinaus. Auf diese Ebene würde es durchaus sinnvoll sein, wenn die eigenen Beschäftigten umsonst arbeiten würden, während die Beschäftigten der anderen als potentielle Konsumenten bestens versorgt sein sollten.
Aufzulösen ist dieser Widerspruch überhaupt nicht. Politik könnte, wenn sie es wollte, vielleicht seine Folgen mildern.
Kapitalismus ist nichts weiter, und das ausschließlich, eine Veranstaltung zur abstrakten Geldvermehrung.. Die von Ihnen beschriebene Grenze ist objektiv. Oder, wie die schreiben: das Scheitern ist "zwangsläufig".....

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Robert - Di, 11/04/2017 - 19:27

Mit der Industrie 4.0 oder Arbeit 4.0 nähern wir uns der Null-Grenzkosten-Gesellschaft. Nach der Logik der Marktwirtschaft bedeutet das eine hohe Arbeitslosigkeit bei hoher Produktivität der Unternehmen.

«Aufzulösen ist dieser Widerspruch überhaupt nicht.»

Von der freien und unregulierten Marktwirtschaft nicht; von der Sozialen Marktwirtschaft schon. Alfred Müller-Armack hatte die Kriterien einer Sozialen Marktwirtschaft beschrieben:

  • Löhne und Preise werden marktwirtschaftlich kalkuliert.
  • Der soziale Ausgleich erfolgt über das Steuersystem.

Tatsächlich wird uns vom Politpersonal die soziale Zwangsversicherung als Soziale Marktwirtschaft verhökert. Die Beamten und Besserverdiener wurden von der Zwangsversicherung ausgespart, also auch von der Beitragszahlung – partikuläre BRD von Anfang an. Zusätzlich wurden und werden die sozialen Zwangsversicherungen mit Leiszungen belastet, die (eigentlich) steuerfinanziert werden müssen. Wegen der zustimmungspflichtigen Steuergesetze haben alle Regierungsparteien seit den 1950er Jahren diese umgangen und über die Zwangsversicherungen die unteren Einkommen belastet, also die Löhne.

Aufgelöst wird dieser Widerspruch nur mit einem allgemeinen Grundeinkommen, das steuerfinanziert die gesamte Gesellschaft trägt.

«zur abstrakten Geldvermehrung»

So abstrakt ist die Geld-Vermehrung nicht, sondern sehr real; allerdings handelt es sich um ein Schneeballsystem mit Fiatgeld, das nicht gedeckt ist. Karl Marx hatte noch mit realem Geld gerechnet, das relativ stabil mit Gold und Silber gedeckt war. Heute haben wir nur noch virtuelles Geld, lediglich das Bargeld –Münzen und Scheine– hat noch einen gewissen Materialwert.

Siehe dazu: Jahnke 20.Woche: Soziales.

Sollte im letzten Satz natürlich heißen, „wie Sie schreiben“

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Danke für den Hinweis "Copyright"!

Textbausteine für Vorträge habe ich oft ziemlich schlampig benutzt... blush

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Abgesehen von den rechtlichen Aspekten in einem OnlineMedium mit einem recht offenen Autorenkollektiv, bemühe ich mich, mit der Quellenangabe auch den UrheberInnen den nötigen Respekt für ihre Arbeit zu zollen.

Bild des Benutzers ebertus

Schließe mich an Heinz; hier beinahe von Amts wegen ...

Bild des Benutzers Heinz

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"... bemühe ich mich, mit der Quellenangabe auch den UrheberInnen den nötigen Respekt für ihre Arbeit zu zollen."

Ja, du schriebst ja schon "Ich gehe von Einzelnen aus...". 

Ich gehe dagegen von einer universalen Urheberschaft aus. Da bleiben die Selbstgefälligkeiten des Ego manchmal auf der Strecke.

Diese Art von Respekt ist mir wesentlicher als das Regelwerk der Bürgerlichen Gesellschaft.

Bild des Benutzers pleifel

"Da bleiben die Selbstgefälligkeiten des Ego manchmal auf der Strecke."

 Eine größere Selbstgefälligkeit lässt sich hier nicht mehr denken. Aber immerhin zeigt mir das mal wieder, wie ein Konstrukt menschlicher Vorstellung sich so gestalten lässt, das sich darunter gleich die ganze Wertigkeit, bzw. Individualität des Menschen (des Lebens) einzuordnen hat, kurz die Entmündigung durch eine bloße Idee. Mensch ist halt in vielerlei Hinsicht erstaunlich, vor allem in seinen gedachten Widersprüchen.

Bild des Benutzers Delloc

„… die Entmündigung durch eine bloße Idee…“

Oh, fühlt sich das Pleifel-Ego durch eine Idee entmündigt?

Der Irrtum, lieber Pleifel, liegt darin, dass Menschen das, was sie selber nicht wahrnehmen und deshalb nie erfahren haben, für ideelle Hirngespinste halten. Dieser Zwang ist besonders dort massiv, wo die Selbstbestätigung keinerlei Pleifel (ich meine natürlich Zweifel) zulässt. smiley

Bild des Benutzers pleifel

Der Irrtum kann immer nur bei denen liegen, die "Wahrnehmungen" mit Wahrheit verwechseln. Etwas für möglich halten ist etwas völlig anderes als etwas für wahr behaupten. Nichtsdestotrotz gönne ich jedem seine oder ihre "Wahrheit".

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„Der Irrtum kann immer nur bei denen liegen, die "Wahrnehmungen" mit Wahrheit verwechseln.“

Ohne Wahrnehmung keine Wahrheit!

 

„Etwas für möglich halten ist etwas völlig anderes als etwas für wahr behaupten.“

Ja, eine theoretische Annahme ist etwas ganz anderes als eine wahrhaftige Erfahrung. Aus der Sicht des „Unerfahrenen“ erscheint sie als Behauptung und er muss dann entscheiden, ob er sie für möglich oder für unmöglich hält. Hält er sie für möglich, ist er der „Dumme“. Hält er sie für ("entmündigenden") Firlefanz/Hokuspokus, ist der andere der „Spinner“.

 

„Nichtsdestotrotz gönne ich jedem Seine oder ihre "Wahrheit".“

Eine weise Entscheidung! Einem Gönner wird die „Unerfahrenheit“ leichter nachgesehen und die Spinner werden deinen Aggressionsverzicht zusätzlich honorieren.

Bild des Benutzers pleifel

diese ist eine gewordene, die sich aus der jeweiligen Sozialisation ergibt, also eine jeweils einmalige. Daraus lässt sich intersubjektiv zu Verallgemeinerungen gelangen und das könnte man als "soziale Wahrheiten" bezeichnen. Die Wahrheit lässt sich als Ergebnis menschlicher Sehnsüchte nach Vollkommenheit, Ewigkeit, kurz als Entgrenzung eigener Unvollkommenheiten (Limitierungen) verstehen.

Wahrheit ist dann nichts anderes als ein konstruktivistisches Element menschlichen Denkens, jedenfalls in seiner gedachten Endgültigkeit. Da gibt es sicher Niveauunterschiede, ändert aber nichts an der befindlichen Gegebenheit.

Aber in individuellen Momenten des Lebens ereignen sich schon mal Dinge, die zur vollständigen Übereinstimmung zwischen "Außen" und "Innen" führen und das reicht zur individuellen "Wahrheit" völlig aus. Hier etwas zusätzliches hineinzudenken ist dann überflüssig.

@Bernd
"Und dieses kommunikative Sein meint nicht das Virtuelle, heute oft in irgendwelchen Foren ausgelebt. Es meint das realweltliche Umfeld, welches mehr oder weniger ausgeprägt sein kann, mehr oder weniger intensiv betrieben wird."
Und das "realweltliche Umfeld", die existenziellen Lagen sind die eigentlichen Problemstellungen, sodass ich Diskussionen über die Wahrheit letztlich nur aus dieser Perspektive für sinnvoll halte.

Bild des Benutzers Heinz

Der Esoterikladen hält so manches bereit, von der Nasenspülung bis zum Nihilismus im Nirvana. Tatsächlich leben wir als einzelne Wesen auf einem Planeten und haben hier ein Spiel  … oder verleugnen das Spiel.

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"Tatsächlich leben wir als einzelne Wesen auf einem Planeten und haben hier ein Spiel  … oder verleugnen das Spiel."

Wie kannst du sicher sein, dass wir das Spiel haben? Was wäre, wenn wir Teil des Spiels sind? Wäre die Verleugnung unserer wirklichen Rolle nicht die größere Tragik?

 „Du denkst, du kannst diese Welt zu einer Besseren machen. Du kämpfst für deine Rechte. Du versuchst die Meinungen der Leute zu beeinflussen, protestierst gegen dies und das. Ich gestehe ein, dass solche Dinge in dieser Welt notwendig sind, aber das ist alles Maya. Maya ist eine herrliche Illusion. Es lässt dich glauben, dass du etwas tun kannst, um die Dinge in der Welt zu verändern. Aber ich kann dir versichern, nichts wird sich je verändern. Es wird sich für eine Weile scheinbar ändern. Dinge werden für eine Weile scheinbar besser sein und scheinbar schlechter. Es wird Katastrophen geben, Zerstörungen. Alle möglichen Dinge werden passieren. Das ist die Natur dieser Welt. Es hat absolut nichts mit dir zu tun. Und doch, gleichzeitig bist du die Welt. Ich widerspreche mir ständig selbst, das ist die Lehre. Totaler Widerspruch. Aber die letztendliche Wirklichkeit ist: Lasse alles gehen. Erkenne dich selbst als allumfassend, und du wirst totale Glückseligkeit sein, totale Freiheit.“ (Robert Adams)

Und als Erwiderung zum „Neti, Neti, Neti“ aus einem Gedicht Shankaras (indischer Philosoph und Mystiker des 9. Jahrhunderts): „Selbst wenn die Wahrheit erkannt ist, bleibt diese starke, anfangslose und hartnäckige Vorstellung, dass man selbst der Tuer und der Erfahrende ist … Das sollte sorgfältig weggeräumt werden, indem man in einem Zustand konstanter Identifikation mit dem höchsten Selbst lebt. Heilige nennen diese Abtrennung geistiger Einbildungen Befreiung.“

Bild des Benutzers Heinz

«Was wäre, wenn wir Teil des Spiels sind?»

Soll das eine Frage sein?, wer ein Spiel hat, ist grundsätzlich Teil des Spiels. Die Alternative, kein Spiel, wäre nicht nur langweilig, sondern tragisch, weil so ein Mensch allein und einsam ist.

Selbst ein Mensch in Meditation hat ein Spiel mit sich selbst und der Frage: «Wer bin ich?» Bei den unendlich vielen Aspekten von Menschen kann das eine sehr lange Reise werden.

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Das war vor langer Zeit bereits dem Rainer Werner Fassbinder bekannt.

Bild des Benutzers Heinz

Was weiß der Löffel vom Geschmack der Suppe?

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Meine drei cent in Sachen Wahrheitsfindung.

Vollkommen off topic hier; und dennoch wohl im Tenor anderer kommentatorischen Einlassungen.

Dass ich Geisteswissenschaften für nice to have, ansonsten für eine (oft) sehr partikulare Meinungsäußerung halte, das war bereits zu vermelden. Darüber hinaus und  im Hinblick auf die Faktizität der Realität bei Sahra Wagenknecht:

"Wenn es regnet und die AfD sagt, es regnet, dann werde ich dem nicht widersprechen"

Mutig, ob des eingeforderten Korpsgeistes; über den mann/frau sich dann bestenfalls lächerlich machen kann. Und da wäre ich auch bereits an dem anderen Punkt, was diesen geisteswissenschaftlichen Grauschaum betrifft:

Zu allererst muss mann/frau selbst damit klarkommen; mit dem was als Wahrheit erkannt wird, primär jedoch lediglich die eigene Wahrnehmung reflektiert. Im Elfenbeinturm ist das natürlich möglich; darf alles gedacht werden. Nur im realen Leben -auch (oder gerade?) im bürgerlichen Leben- spiegelt sich das eigene Denken immer an den anderen Mitdenkern.

Meine Erfahrung -vollkommen unrepräsentativ- ist diejenige, dass das kommunikative Sein einen wesentlichen Einfluß darauf hat, welchen missionarischen Eifer man (im stillen Kämmerlein) ggf. entwickelt, primär (nur) dort leben kann. Und dieses kommunikative Sein meint nicht das Virtuelle, heute oft in irgendwelchen Foren ausgelebt. Es meint das realweltliche Umfeld, welches mehr oder weniger ausgeprägt sein kann, mehr oder weniger intensiv betrieben wird.

Nicht zuletzt bildet dieses reale, kommunikative Sein auch eine Art Regulativ; dem man wiederum nur entkommt, soweit der Elfenbeinturm das Kernelement der eigenen Mission bleibt..

Bild des Benutzers Heinz

Damit hast du das Wetter für Ostern sehr präzise voraus gesagt – Mistwetter.

ich hoffe, dass mélenchon weit vorne liegt. mal schauen! aber hier ein recht guter artikel zu mélenchon und seinem wahlprogramm: "Programmpunkte von Mélenchon" (http://www.sozialismus.de/kommentare_analysen/detail/artikel/melenchon-e...)

interessant finde ich diesen absatz im artikel: "Zu den neuen Volksrechten seiner »Sechsten Republik« soll die Möglichkeit gehören, alle Gewählten – inklusive des Staatspräsidenten – bei Nichterfüllung ihrer Pflicht abzuberufen. Er wähnt sich so in den Fußstapfen von Robespierre. "

alle gewählten abzurufen... nur wer und wie, dass ist mir nicht klar. aber richtig im sinne von entfernung unfähiger/korrupter politiker*innen. visionen hat der kerl!

gruß jose

Bild des Benutzers Heinz

Bis zur französischen Revolution brauchen wir nicht zurück zu gehen, das ist in einem Rätesystem auch möglich. Bemerkenswert finde ich die Positionen zur EU.

Mélenchon will die reformieren.
Le Pen will sie abschaffen.

Schaun wir mal, wie das Rennen ausgeht.

Bild des Benutzers Delloc

„Nur im realen Leben -auch (oder gerade?) im bürgerlichen Leben- spiegelt sich das eigene Denken immer an den anderen Mitdenkern.“

Ja, und in diesen Spiegelungen vollziehen sich Trance-fers, in denen das eigene innere Erleben überlagert bzw. zerstört wird. Die wichtigsten sind Verschmelzungs-, Spiegel- und Zwillingsübertragungen.

Bei der Verschmelzungsübertragung wird der/die andere gesucht und als ideales Verschmelzungsobjekt verkannt, während bei der Spiegelübertragung der/die andere primär für die Anerkennung bzw. Glorifizierung des falschen Selbst benutzt wird. (Das Selbst ist „falsch“, weil es psychomentale Kompensationsstrategien darstellt, die primäre narzisstische Kränkungen als auf sich bezogene Defizite ausagieren.)

Bei der Zwillingsübertragung wird zwar – im Gegensatz zur Verschmelzungsübertragung – das Getrenntsein anerkannt, man geht aber davon aus, dass der/die andere mehr oder weniger eine identische psychische Struktur mit denselben Vorlieben, Abneigungen, Ansichten etc. teilt. („Seelenverwandtschaft“)

Die dominante Kompensationsstrategie primärer narzisstischer Kränkungen, die sich durch alle Formen von Trance-fers und Gegen-Trance-fers zieht, sind Idealisierungen und Aburteilungen. So suchen die meisten Menschen ein Leben lang nach Vorbildern und Patentrezepten und bekämpfen und verurteilen während dieser Suche alles, was ihnen nicht-ideal und defizitär erscheint – anstatt sich selbst zu entdecken und das Leben so zu erfahren, wie es sich ihnen - befreit von allen Filtern und Schablonen - präsentiert.

Trance-fers funktionieren dagegen nach dem Schema: „Tu dir an, was dir angetan wurde!“ und „Tu anderen an, was dir angetan wurde!“ (Darin liegt u. a. der Witz des Kategorischen Imperativs...)

Der Psychoanalytiker Christopher Bollas stellt lapidar fest: „Ich bin der Ansicht, daß jeder Mensch Elemente der Erziehung durch die Eltern auf den Umgang mit sich selbst als Objekt überträgt.“

Mit anderen Worten: man verinnerlicht, wie man als Kind von den Eltern behandelt wurde bzw. der jeweilige Elternteil wird verinnerlicht, und man behandelt sich selbst, wie man von dem Elternteil behandelt wurde.

Kinder ohne einen prügelnden Elternteil würden z. B. niemals auf die Idee kommen, sich oder andere zu verprügeln. Sie verinnerlichen vielmehr den Elternteil, der sie schlecht behandelt, und behandeln sich und andere dann ebenfalls schlecht.

Wenn mir z. B. jemand sagt: „Ich habe einen Teil in mir, der kritisiert“, frage ich sofort nach: „Wer hat Sie als Kind kritisiert, Ihre Mutter oder Ihr Vater?“

In der Dehypnose geht es darum, nachzuvollziehen, dass „diese Teile“ nicht man selbst sind - sondern vielmehr Teile oder Identitäten von anderen, die man als Kind übernommen hat.

Durch De-Hypnose werden diese Teile oder Identitäten wieder abgelöst, so dass man in den Zustand zurückkehrt, in dem man sich vor der Übernahme von Identitäten eines anderen befand; kurz gesagt, in den Zustand vor der Programmierung von außen.

Die Verschmelzung wirkt sich auch dann aus, wenn man mit einer Person, einem Therapeuten, Lehrer, Guru oder Arbeitgeber zusammentrifft. Oft haben wir ein gutes Gefühl bei dem betreffenden Menschen, oder es ist eine gute Beziehung da. Weshalb? Weil derjenige uns so behandelt, wie unsere Eltern uns behandelt haben.

In der Kognitiven Therapie bezeichnet man dieses Gefühl bezüglich der guten Beziehung als „emotionales Denken“. Damit ist die Annahme gemeint, dass das, was man fühlt, auch wahr sein muss. Wenn man sich wie ein Verlierer fühlt, muss man auch ein Verlierer sein. Wenn man sich schuldig fühlt, muss man auch etwas falsch gemacht haben. Wenn man sich hässlich fühlt, muss man auch hässlich sein. Wenn man wütend ist, muss jemand einem etwas angetan haben.

McKay, Davis, Fanning haben das so beschrieben: „Alles Negative, das man in Bezug auf sich selbst und andere fühlt, muss wahr sein, weil es sich wahr anfühlt. Das Problem des emotionalen Denkens besteht darin, dass die Emotionen für sich keine Gültigkeit besitzen. Sie sind Produkte des Denkens. Wenn die Gedanken und Überzeugungen verwirrt sind, wird sich diese Verwirrtheit in den Emotionen widerspiegeln.“

Unsere Selbstwahrnehmung ist jedes Mal entzückt, wenn sie auf Vertrautes trifft. Wer käme schon dabei auf die Idee, dass wir uns in einer Trance befinden?

Selbstbestimmung und Freiheit liegen allerdings jenseits des Erwachens aus diesen Träumen.